Blog

Seite: 17

Gehe zu Seite:

Eintrag # 81

2

Autor:

karin

Geschrieben am:

19.10.2018 16:30:41

Eckart von Hirschhausen tanzt ...

Auch der bekannte deutsche Kabarettist und Arzt Eckart von Hirschhausen ist jetzt von den Vorteilen überzeugt, die Tanzen für Gehirn und Körper bringt. Hier ein interessanter Artikel aus der Zeitschrift Spectrum.

Eintrag # 80

0

Autor:

karin

Geschrieben am:

01.05.2018 14:01:35

Cremona im Frühling

Yo soy Milonguero - Cremona

Auf dieses Encuentro in der Lombardei haben wir uns sehr gefreut, weil es als Jubiläumsveranstaltung zum 10. Mal ausgetragen wurde, waren dann aber ziemlich enttäuscht: Im Preis inkludiert waren lediglich Chips und anderes Knabberzeugs sowie Industriekekse, aber nicht einmal Wasser. Der Boden im Veranstaltungssaal eines außerhalb von Cremona liegenden Hotels wurde so mancher Dame zum Verhängnis, weil er einerseits aus Stein war, und andererseits so breite Fugen hatte, dass immer wieder Mal Tänzerinnen ihren Herren regelrecht aus den Armen schlitterten. Auch bzgl. Niveau hatten wir hohe Erwartungen auf Grund der Ankündigungen der Veranstalter/innen, aber die wurden leider auch nicht immer erfüllt. 

Eine weitere Kuriosität: Die Teilnehmer/innen wurden in Sektoren eingeteilt, innerhalb derer man sich einen Platz frei auswählen konnte, je nach Nationalität bzw. Sprache. Wir saßen daher bei unseren deutschen Freunden. Abgesehen davon empfanden nicht nur wir diese Vorgehensweise als ziemlich bevormundend  ... Am ersten Abend durchschaute ich das System nicht und wagte es, mich auf einem Platz im Nebensektor niederzulassen, wurde aber schnellstens in die Schranken gewiesen, weil dieser Bereich für Promis reserviert war (Lehrer/innen, TJs ), was sich beim Auffordern als Handicap erwies, weil die ohnehin kaum mit anderen das Tanzbein schwangen.

Sehr gut verstanden haben wir uns mit einem spanisch/italienischen Paar, das - welche Ironie- italienische Holzböden nach Spanien importiert. José war so verärgert, dass er ankündigte, sich in Zukunft von den Veranstalter/innen vor der Anmeldung zum Event Fotos vom Boden zusenden zu lassen. Nicht nur ältere Herrschaften klagten über Schmerzen in den Knien ... Auch ich als bekennende Seitenschläferin spürte meine Hüften, wenn ich meine müden Knochen frühmorgens zur Ruhe bettete ...

José erzählte uns über seine Tangoerlebnisse in Russland und dass dort nicht mit dem Herzen getanzt wird, sondern man nur darauf Bedacht ist, gut auszusehen und zu zeigen, was man alles drauf hat. Auch, dass dort gerne die Damen die Führung übernehmen und es ihm daher eher wie Kung Fu als Tango vorkommt - kein Wunder mit literweise schwarzem Kaffee als Doping ...

Dazupassen auch die Erlebnisse eines Vorarlberger Tangobekannten, der in Russland eine Kirchenorgel aufbaute und die Gelegenheit nutzte, die dortige Tangoszene zu erkunden: Nach zahlreichen Fehlversuchen gelang es ihm endlich, eine Russin aufzufordern, aber die Freude währte nicht lange: Schon nach dem ersten Tanz der Tanda erkundigte sie sich, ob er schon länger als 2 Wochen Tango tanze ...

 

Die mittelalterliche Stadt Cremona, mitten in der fruchtbaren Poebene gelegen, ist bekannt für seine Geigenbauer, ganze Dynastien von Stradivaris,

Amatis und Guaneris haben Europas Fürstenhöfe und Musiker/innen mit den begehrten Streichinstrumenten beliefert und Geigenbauer aus ganz Europa ausgebildet. Sehr informativ ist das Violinenmuseum, das mit seinen kostbaren Exponaten, spannenden interaktiven Stationen und interessanten Modellen zahlreiche Besucher/innen aus der ganzen Welt anlockt und auch heutzutage das Mekka von Geigenbauer/innen ist, kann man hier doch zahlreiche Originalinstrumente und eine Vielzahl historischer  Bauteile bewundern. Ich bin mir sicher, dass auch unser Alexander der Stadt schon einen Besuch abgestattet hat ...

 

Im letzten Saal gibt es Hörproben und ehrfürchtig lauschen wir und schauen uns die dazugehörigen Filmbeiträge an. Sogar David Garrett wurde schon hierher eingeladen, und hat sich aus einigen Instrumenten verschiedener Epochen seine Lieblingsgeige ausgesucht - irre, wie er sie der Reihe nach bespielt und in all ihren Facetten zum erklingen bringt - so ein Talent müsste man haben. 

 

 

An dem prächtigen 110 m hohen Dom, der auch das Wahrzeichen der Stadt ist, sind die vergangenen Jahrhunderte scheinbar spurlos vorüber gegangen. Ja, auch dieser schöne Teil Italiens war einmal Teil des großen habsburgischen Reiches ... So wie Triest und der Zugang zur Adria ... Grummel grummel ...

Am nächsten Tag geht es weiter nach Bologna ... Aber das ist eine andere Geschichte ...

 

Eintrag # 79

1

Autorin:

Karin

Geschrieben am:

11.02.2018 19:49:58

Tango Nieve in Slowenien

Der Name ist Programm - wir fahren vom grünen Linz durch heftiges Schneegestöber ins tief winterliche Maribor. Auch wenn wir nicht Schifahren, sind wir begeistert von der weißen Pracht!
 

Noch selten haben wir an einem encuentro in so herzlicher Atmosphäre teilgenommen und fühlen uns gleich wie zu Hause. Das Organisationsteam sorgt für Berge von selbstgemachten Köstlichkeiten, die so großen Anklang finden, dass zeitweise mehr Teilnehmer/innen rund um das Buffet versammelt sind als auf der Tanzfläche. 

Samstag nehmen wir an einer Weinverkostung teil und die slowenischen Weine fahren ordentlich ein. So wie in der Steiermark wird als Begleitung Weißbrot gereicht, das man in Kürbiskernöl und grobes Salz tunkt. 


Auch die Pizza mit Grammeln stößt auf Begeisterung und passt perfekt, sagt Gerhard. Das Weinmuseum dokumentiert in großformatigen Fotos die in dieser Region ebenfalls ausgeprägte Faschingskultur. 

 
Slowenien kann mit Stolz von sich behaupten, die älteste lebende Weinpflanze der Welt zu besitzen. Das gibt es sogar schwarz auf weiß im Guiness-Buch der Rekorde. 

Schon über 400 Jahre trotzt der Stock der Sorte Schwarzsamtene oder Blauer Kölner allen möglichen Katastrophen, hat 2 Weltkriege, Feuer, Überschwemmungen der Drau und einen Weinschädling überlebt, der den Wein vor Jahrhunderten in der Gegend fast ausgerottet hat. 35 bis 55 kg der kostbaren Reben werden jährlich geerntet und in kleine Fläschchen abgefüllt.

Beeindruckend, dass auf fast allen Kontinenten Nachkommen der alten Rebe aus Maribor gedeihen!
Dann geht es noch weiter in die frühere Tango-Location der wöchentliche Milonga, eingerichtet im Sixties-Stil. 


= thank God, its Friday..tango!    "TGIFT"

Dass sich ein Tanzpartner mehr als schöne Tandas erhofft,  soll ja schon öfters vorgekommen sein, aber das ist mir in den gesamten 15 Tangojahren noch nicht passiert: Schon 3 x habe ich mit einem slowenischen Tänzer das Tanzbein geschwungen, der zu den jüngeren auf dem encuentro gehört und auch ganz fesch ist, aber das Tanzen mit ihm macht nicht wirklich Spaß. Bei der Weinverkostung fragt er mich unverblümt, ob Gerhard nur mein Tanzpartner oder auch mein Lebenspartner ist und ich antworte wahrheitsgemäß. Das hält ihn aber nicht davon ab, weiter zu braten und ich beschließe daher, keinen Blickkontakt mehr mit ihm zu suchen. Das kommt gar nicht gut an, denn am Sonntag macht er mir lauthals vor den anderen eine richtige Szene: You avoid me, you ignore me, you don't look at me, when I go left, you go right. Thank you very much!!! Na servas, ich glaub, ich bin im falschen Film! So einen peinlichen Auftritt würde ich sogar Gerhard sehr übel nehmen, und er trägt ganz sicher nicht dazu bei, jemals wieder mit diesem Herren zu tanzen. 

Aber auch lustige Sachen sind passiert: 
Nach dem ersten Stück einer Hugo Díaz-Tanda seufzt ein Freund seiner Tanzpartnerin selig ins Ohr: Hmmm, Hugo Díaz. Darauf sie: Veronika Sonntag (Name von der Redaktion geändert)

Die guten TJs tragen das Ihre zu diesem gelungenen Event bei - unser Lieblings-Balazs (auf deutsch Blasius  ) sorgt noch für einen gewohnt fulminanten Abschluss dieses schönen Wochenendes. Wir kommen sicher wieder! 

Eintrag # 78

0

Autor:

Gerhard

Geschrieben am:

20.12.2017 18:58:35

Frohe Weihnachten und einen guten Flug..äh..Rutsch


Eintrag # 77

0

Autor:

karin

Geschrieben am:

05.11.2017 19:33:46

Buchempfehlung -- Novembertango

Andra Joeckle: Novembertango

erschienen im hybris-Verlag

Sich sehnen und begegnen. Gleiten, schreiten, begehren. Sich im Tango berühren, vereinen. Sinnlichkeit spüren. Wenn die Körper aneinander gedrängt durchs Halbdunkel schweben, in Tiefen eintauchen, wo ein Fühlen die Sinne betört, werden Worte überflüssig und die Zeit bleibt suspendiert. Umso mehr entsteht der Wunsch, diese Momente des geheimen Glücks hinüberzuretten ins Leben, wie es diesseits des Tango für M. und A. auf Fortsetzung drängt. Und verlangt, das getanzte Glücksversprechen einzulösen …“ (Zitat: Klappentext des Verlegers).

Auf Andra Joeckle bin ich durch Zufall auf der Suche nach Tango-News im WWW gestoßen: Sie hatte 2014 ihr Hörspiel „Das Tangotier oder Reibung erzeugt Wärme“ veröffentlicht und es war (u.a. mit dem bekannten deutschen Schauspieler Ulrich Noethen als Sprecher der männlichen Hauptrolle) im Deutschlandfunk gesendet worden.

http://www.deutschlandfunkkultur.de/ursendung-das-tangotier-oder-reibung-erzeugt-waerme.964.de.html?dram:article_id=293593

Ich konnte es aber nirgends finden und daher kontaktierte ich sie. Sie war so reizend, dass ich es gar nicht fassen konnte, und ich war sehr beeindruckt von ihrem „Tangotier“. Seit einigen Monaten ist nun ihr Buch „Novembertango“,  aus dem  der obige Ausschnitt stammt, bei einem kleinen Berliner Verlag erhältlich.

Andra Joeckle tanzt selbst Tango in Berlin und schildert daher authentisch, welche Freuden, aber auch Leiden man bei diesem Tanz finden und empfinden kann. Ich musste mich zwingen, das Buch langsam zu lesen – eigentlich wollte ich es verschlingen, so sehr war ich in seinem Sog gefangen. Aber das wäre einfach schade gewesen, so klug, fesselnd, überraschend und doch vertraut ist diese Erzählung.

Hier ein weiterer Auszug:

Der Tango ist ein Seismograf. Ein Verräter. Verriet sie, ihre Verunsicherung. Das Tangotier verlangt die Souveränen, schmeichelt den Sicheren. Meret tanzte so schlecht, dass sie gegen sein Knie stieß.

Was macht dein Knie dort? „Urlaub“, so hatte sie früher einmal scherzen können. Danach war ihr jetzt aber überhaupt nicht. Sie tat, was eine Frau beim Tango nie tun soll: Sich entschuldigen. Denn für alles trägt der Führende die Verantwortung. Tanzt sie nicht so, wie er führt, dann hat er schlecht geführt. Und selbst wenn eine andere Frau auf seine authentische Führung hin – gäbe es das überhaupt – ‚richtig‘ tanzte, würde das ihn nicht entschuldigen. Passiert ein kleines Tanzmalheur, drückt er einfach kurz ihre Hand und gut is‘.

Ein guter Tänzer muss das Temperament der Frau, die er zum Tango aufforderte, erspüren und so führen, wie es ihr im Tanzblut liegt. Bei der einen kann er ganz subtil führen, bei der anderen muss er – wenn’s denn leider nicht anders geht – ein wenig schieben und ziehen. Der einen liegen Beinschwünge, dann führt er viele Boleos, die andere hat ihre helle Freude an Verzierungen, dann lässt er ihr großzügig Raum für Firuletes und Adornos. Und ebenso wie er ihre ‚Fehler‘ elegant kaschiert, tanzt sie als erfahrene Tänzerin über seine ‚Vertanzer‘ nonchalant hinweg.

 

Könnte sein, dass wir demnächst ein Exemplar bei der U-Hof-Milonga verlosen ...

Eintrag # 76

1

Autor:

karin

Geschrieben am:

18.10.2017 21:30:11

Neue Sucht : Im Sog des Tangotanzens

Von Christina Hucklenbroich  - veröffentlicht in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung online

Tanzen kann in die Abhängigkeit führen, warnt ein ungarisches Forscherteam. Wer einmal in den Bann von Tango oder Flamenco gerät, zeigt demnach schnell andere Symptome von Suchterkrankungen.

Eigentlich ist der Fall klar: Tanzen – sei es nun die wöchentliche Ballettstunde oder die Teilnahme am angesagten Lambada-Kurs – scheint der Gesundheit von Menschen durchschlagend zu nützen. Das jedenfalls legt die Fülle der in den vergangenen Jahren erschienenen Studien zum Thema Tanzen nahe. Wenn Paare tanzen, senkt das die Konzentration des Stresshormons Cortisol im Speichel beider Partner. Paartanzen schützt sogar besser vor Demenz als Kreuzworträtsellösen. Wer schon als Grundschüler tanzt, ist weniger aggressiv als die Mitschüler – und auch noch besser in Geometrie, weil das räumliche Vorstellungsvermögen profitiert.

So weit, so überzeugend. Doch in diesen Tagen kratzen gleich zwei Wissenschaftlerteams ganz gehörig am sauberen Image des Tanzens. Zum einen zeigen Mediziner der University of California in San Diego im Fachmagazin „Pediatrics“ anhand von 260 Tanzschülerinnen zwischen fünf und achtzehn Jahren, dass die Kinder und Jugendlichen in den Kursen zwei Drittel der Zeit nur herumstehen, zuhören oder leichte Dehnübungen machen. Den Teilnehmerinnen war ein elektronischer Gürtel umgelegt worden, mit dem sich die Bewegungsintensität messen ließ. Am besten schnitten noch die Hip-Hop-Kurse ab, am schlechtesten Flamencostunden. „Wir sehen das als verpasste Gelegenheit, Kinder gesünder werden zu lassen“, sagt Studienautor James Sallis in einer Mitteilung zur Studie streng.

Herumstehen und tuscheln

Nun gut, könnte man sagen, vermutlich muss man die Konzeption solcher Kurse ein wenig überdenken, um zu verhindern, dass die teilnehmenden Kinder nur gelangweilt an der Heizung stehen und tuscheln. Aber dann, wenn man alle doch noch auf dem Parkett hat – dann müsste doch das eintreten, was in den Studien versprochen wird: Die Kinder werden intelligent, sozial, ausgeglichen. Und an dieser Stelle stellt sich eine ungarische Forschergruppe mitten auf die Tanzfläche und hält ein großes Warnschild hoch: Zu viel Tanz, meinen die Wissenschaftler, könne auch schaden. In „Plos One“ haben die Forscher um die Psychologin Aniko Maraz nämlich gerade eine Studie über die verheerenden Folgen von Tanzsucht publiziert. Ja, richtig gelesen: Wer seine Kinder in den Tanzkurs schickt, statt sie vor dem Rechner versauern zu lassen, riskiert Abhängigkeiten. Tanzen macht süchtig wie Computerspiele, Geldautomaten oder Shoppen.

Das glaubt zumindest die Gruppe um Maraz, die 450 Freizeittänzer mit einem selbst entwickelten Fragebogen untersuchte. Die Teilnehmer tanzten Salsa und Gesellschaftstänze. Zeigten sie im Interview Suchtsymptome, dann lagen auch häufig Anzeichen einer Borderline-Störung, einer Essstörung oder sonstige psychische Stresssymptome vor. Die Tanzsuchtexperten aus Budapest stehen weltweit fast allein mit ihrem Forschungsthema. Und an der Schwelle, zu einer offiziellen Diagnose zu werden wie etwa Glücksspielsucht, steht die Tanzsucht wohl noch lange nicht – auch wenn französische Suchtforscher im „Journal of Behavioral Addictions“ auch schon bestätigten: Ja, zumindest Tango kann abhängig machen. Nur: Diese Sucht, so schreiben sie, nütze wirklich allen, die in ihren Sog geraten.

Eintrag # 75

0

Autor:

karin

Geschrieben am:

01.09.2017 19:32:38

Maracuentro Basel

Ein Maracuentro ist eine Mischung aus Encuentro und Marathon und verbindet die Vorteile von beiden Veranstaltungsformaten: 30 Stunden Tanzen erwarten uns an diesem Wochenende in der Schweiz, ein gebürtiger peruanischer Masseur bietet Shiatsu und Fußreflexzonenmassage an, echt köstliche kalte und warme Speisen sind ständig verfügbar und gender balanced ist das ganze auch noch. Gastgeber Ali Baba und Oxana veranstalten jedes Jahr mehrere Maracuentros in der Schweiz und in Deutschland und man merkt, dass sie viel Erfahrung damit haben: Das meiste klappt wie am Schnürchen und man fühlt sich gleich wohl.

Und jetzt kann ich es ja zugeben: Eigentlich wollte ich hauptsächlich wegen der sprechenden Papageien her, die in mehreren Volieren am Rand des Veranstaltungsgebäudes untergebracht sind. Ein weißer kleinerer Kakadu sagt angeblich sensationellerweise Hallo, aber erst wenn man sich anschickt, wieder weg zugehen. Das müssen wir natürlich gleich ausprobieren, und es funktioniert tatsächlich. Immer wieder schaue ich bei dem klugen Vogel vorbei und bringe ihm im Verlauf des Wochenendes sogar auf oberösterreichisch "bleib nu do" bei. Wenn ich komme stellt er sein Schöpfchen auf, malt mit dem Kopf Achter, Pardon ochos, in die Luft und steckt seine Zehen aus dem Käfig.

Mit der Zeit werde ich mutiger, weil er mich so süß anbalzt, und streichle seine Krallen und seinen Kopf, was er sichtlich genießt. Mein ukrainischer Tanzpartner Konstantin will das unbedingt filmen und kommt mit seinem Handy näher und näher und schon ist es passiert: Der unschuldige kleine Kakadu zwickt mich so fest in den Zeigefinger, dass sofort das Blut heruntertropft. Mit Gewalt muss ich nach einer Schrecksekunde meinen Griffel aus seinem Schnabel ziehen und mir schnellstens ein Pflaster organisieren, das eine Maracuentro-Mitarbeiterin flugd aus ihrem Dekollete zaubert. Der freche Gerhard will sofort wissen, was da sonst noch alles drin ist  . Ich kann dem Vogel nicht einmal böse sein. Offensichtlich hat es ihn gestört, dass wir bei unserem Techtelmechtel gefilmt wurden.

Entrance to paradise

Sonntag vergönne ich mir eine Massage im schattigen Innenhof, aber es fällt mir schwer, mich zu entspannen. Die Musik ist durch die offenen Fenster deutlich zu hören, und bei einer Milonga-Tanda muss ich mich richtig beherrschen, nicht mitzuwippen. Statt einer Massageliege wird man in einen mit einem Handgriff aufblasbaren knallrosa Massagesessel aus Plastik verfrachtet und das Aufstehen ohne fremde Hilfe ist nahezu unmöglich, weil man so tief darin versinkt. Zum Abkühlen der glühenden Sohlen gibt es auch einen Brunnen mit großem Wasserbecken, in dem wir Damen immer wieder planschen und dabei plaudern. Diese location in Basel wurde erstmals angemietet, und besser geht es gar nicht. Durch die periphere Lage werden keine Anrainer belästigt und Frankreich ist in Gehweite. Das haben wir auch ausgenutzt und uns ca. 100 m nach der Grenze ein Quartier gesucht, wodurch wir ordentlich gespart haben. Zum Schlafen nach Frankreich, zum Tanzen in die Schweiz. Samstag wird ein ordentliches Feuerwerk anlässlich des franz. Nationalfeiertags abgefackelt. Es ist zwar wirklich toll - dagegen war das Jubiläumsfeuerwerk beim heurigen Urfahrmarkt ein Klacks - aber so erbärmlich lang, dass ich dann lange vor dem Ende wieder tanzen gehen mag. Der französische Grenzposten war nur in der Nacht mit dem Feuerwerk besetzt. Erstaunt hat mich, dass in so unmittelbarer Grenznähe in Frankreich niemand deutsch gesprochen hat - also muss ich meine ziemlich verschütteten Französischkenntnisse wiedermal ausgraben. In der boulangerie, in der wir uns Montag früh vor der Heimreise noch ein Frühstück gegönnt haben, habe ich zum Glück auch noch ein goldprämiertes Baguette erstanden, das mich auf der langen Heimfahrt - ja, nach Basel ist es ein ziemlich breiter Weg - vor dem Hungertod gerettet hat. Resümee: wir kommen im Dezember nochmal - schließlich müssen sich die € 34, die wir für die Schweizer Vignette berappt haben, auch auszahlen.

Eintrag # 74

2

Autorin:

Karin

Geschrieben am:

27.12.2016 20:03:00

Bolzano e Milano

Der arme Ötzi. Nicht nur, dass er ermordet wurde, nein, er litt nach neuesten medizinischen Erkenntnissen auch an Laktoseintoleranz. Da sage noch einmal jemand, es handelt sich dabei um eine Modekrankheit :-) 
Das Archäologie-Museum in Bozen beinhaltet ausschließlich diesen Sensationsfund aus dem Jahr 1991 und der Besuch dort ist eine echte Empfehlung. Aufbewahrt wird dieser einzigartige Zeuge der Kupferzeit in einer Kühlkammer, die exakt die gleichen Bedingungen aufweist wie der Gletscher, in dem Ötzi 5.300 Jahre lang auf seine Entdeckung gewartet hat. Im örtlichen Krankenhaus wurde für den Fall einer erforderlichen Evakuierung ein identer Raum eingerichtet und die Feuerwehr führt für den Notfall immer wieder entsprechende Übungen durch - das zahlt sich auch aus, der Mann aus dem Eis ist eine echte Goldgrube. 

Ötzi wurde ungefähr 50 Jahre alt, ein für die damalige Zeit nahezu biblisches Alter, und war bei ca. 50 kg ca. 1,60 m gross. Besonders beeindruckend ist seine maßstabgetreue und lebensnahe Nachbildung. 

Bei seiner Entdeckung ahnte noch niemand, was für einen Schatz das Eis freigegeben hatte und er wurde, wie ein Fernsehbericht aus der Zeit deutlich zeigt, so ruppig geborgen, dass forensischen Anthropologen.innen heutzutage die Haare zu Berge stehen würden - hab ich aus meinen zahlreichen Krimis gelernt.

Nur 100 m weiter, und er wäre ein waschechter Öster-Ötzi geworden, und um ganz sicher zu gehen, wurden sogar die Staatsgrenze mit Italien und der Gletscher neu vermessen. Aber er ist und bleibt ein ... Südtiroler. 

Die Vorstellung, dass Ötzi gelebt hat, bevor die Pyramiden in Ägypten gebaut wurden, ist schon faszinierend. 

Bozen ist eine entzückende Stadt und wir nutzen unseren 2tägigen Aufenthalt auf dem Weg nach Mailand auch für einen Besuch der Burg Runkelstein. Sie weist den besterhaltenen mittelalterlichen Freskenzyklus der ganzen Welt auf und bietet darüber hinaus einen spannenden Einblick in das damalige Leben. 

So erfahren wir Interessantes über die früheren Ernährungsgewohnheiten, aber auch über die Kleidung und Schuhe im 15. Jahrhundert - so trugen die Herren z.B. eine Art Sohlenplatte (Trippen) auf ihren "Strumpfhosen". Nachdem es früher noch keine Müllabfuhr gab, sollte die Kleidung damit geschont und vor Verschmutzung bewahrt werden. 

Der Begriff "Schwein gehabt" ist entstanden, weil zu dieser Zeit Fleisch keineswegs alltäglich war und noch seltener das heiß begehrte Schweinefleisch serviert wurde. Nur bei besonderen Anlässen hatte man das Glück, dass eines geschlachtet wurde, und da hatte man also "Schwein". 

Auch die Redewendung "Auf den Hund gekommen" stammt aus dieser Zeit: Das Geld wurde damals ja noch nicht auf die Bank gebracht, sondern in Schatullen aufbewahrt, und auf den Boden dieser Behältnisse wurden Hunde gemalt, um das Geld zu bewachen. War man also zu großzügig beim Geldausgeben und sah in der Schatulle schon den Hund durch die restlichen Münzen, war man "auf den Hund gekommen" und musste sich einbremsen. 

Auch mit einer kleinen Kammer, die extra für folgende optische Täuschung angebaut wurde, habe ich kindliche Freude, bin ich doch endlich mal annähernd gleich groß wie Gerhard. Fotografiert haben wir jeweils durch ein kleines Guckloch aus der gleichen Entfernung, aber durch das Muster im Boden ist die Schräge nicht zu erkennen und daher mein plötzliches Wachstum. Ach, wenn es doch immer so einfach wäre! 

Die Rittner-Bahn bringt uns in luftige Höhen zum Ortsteil Ritten und bietet eine fantastische Sicht auf die Weinberge rund um Bozen und ins Gebirge. Mit der Bozen-Card, die in manchen Unterkünften im Zimmerpreis inkludiert ist, ist vieles gratis oder zumindest deutlich billiger, so auch die Fahrt mit der Seilbahn bzw. alle Museumsbesuche und die öffentlichen Verkehrsmittel und das zahlt sich wirklich aus. 

Die Hauptstadt Südtirols ist eine "Fahrradstadt" mit einem sehr gut ausgebauten Radnetz und extrem vielen zweirädrigen Verkehrsteilnehmern.innen, die so sorglos und rasant fahren, dass man besonders als Tourist höllisch aufpassen muss. 
Kennen und lieben gelernt haben wir dort das "Schüttelbrot", ganz dünne und extrem knusprige dunkle Brotplatten in der Größe eines Fleischtellers mit einer ordentlichen Portion Fenchelsamen und monatelanger Haltbarkeit. Gut, dass Spar diese Spezialität jetzt im Sortiment hat und wir es auch in Österreich kaufen können - schmatz.

Der Weg nach Mailand ist dann zwar nicht mehr allzu weit, aber das dortige Einbahnsystem verlängert unsere Reisezeit dann doch noch unerwartet, obwohl wir das Ziel schon fast vor Augen haben. Mit dem Parkplatz gleich beim Hotel - die Parkgarage gegenüber ist voll - haben wir Glück - oder auch nicht. Wie wir am nächsten Morgen feststellen müssen, wurde eine Scheibe unseres Tangomobils eingeschlagen und ein Informationsschreiben der Mailänder Polizei ins Auto gelegt. Die darauf folgende Odyssee kostet uns ordentlich Zeit und Nerven, aber das encuentro "Mi noche milonguera" lässt uns den Ärger darüber doch immer wieder vergessen. Und nachdem wir ohnehin bis Mittwoch bleiben wollten, kann das Auto in der Zwischenzeit repariert werden. 

Natürlich lassen wir uns auch einen Besuch des Mailänder Doms nicht entgehen - WOW! 

Er ist so gigantisch, dass sein Bau fast 500 Jahre gedauert hat. Nachdem der Marmor, aus dem er besteht, starken Umweltbelastungen ausgesetzt ist, muss ständig renoviert werden und heller (= neuer) Marmor wechselt sich in der Bausubstanz mit schon älteren Gebäudeteilen ab. Mit einem Aufzug kann man auf das Dach des Gotteshauses fahren und dort herum spazieren - die Menschen auf dem Domplatz erscheinen dann klein wie Ameisen und die Dimensionen des Doms, sowie seine enorme Anzahl an Türmchen, Verzierungen und Ornamenten wird einem dort oben noch bewusster. 

In einem Teil der gleich anschließenden Galleria Vittorio Emanuele mit riesiger Glaskuppel gibt es ein Luxuskaufhaus, in dem jeder Fashionista der Mund offen stehen bleibt und das Wasser zusammenrinnt: Jeweils ein Stockwerk ist exklusiven Parfümeriewaren, Designer-Taschen, Designer-Schuhen (jaaaaaaa, Jimmy Choo und Louboutin sind auch dabei!!!!!) und Designer-Kleidung gewidmet und ehrfürchtig wandeln wir durch die Verkaufsräume. Selbstverständlich sind auch alle Designer.innen von Rang und Namen mit eigenen Shops in Mailand vertreten. Ein Ferrari-Shop (einige Herren drücken sich an der Auslage die Nasen platt) bietet auch der männlichen kauffreudigen Kundschaft Objekte der Begierde und die Motorrad-Ausstellung - im Bild eine Motoguzzi - lässt mein Herz höher schlagen. 

Klar, dass es hier auch von schönen und gestylten Menschen wimmelt - immerhin ist Mailand eine der Fashion-Metropolen der Welt. Auch einige männliche Models laufen uns über den Weg, aber leider lässt sich Gerhard nicht inspirieren und bleibt seinem Look treu ;-) Also ganz ehrlich: Ab und zu hätte ich schon ganz gern so einen kleinen Paradiesvogel an meiner Seite! 

Mit dem ibis Milano Centro sind wir einer Empfehlung der Organisatoren.innen der Veranstaltung gefolgt, die aber sicher nicht wussten, dass das Hotel bei den Heizkosten arg spart. Kombiniert mit einem eisigen Wind war es in der Hauptstadt der Lombardei bitter kalt und wir waren ständig in mehreren Schichten angezogen. Auch im Hotelzimmer, dessen Klimaanlage immer zwischen 9 und 18 Uhr komplett abgeschaltet wurde, mussten wir bibbern, weil noch dazu die Fenster lausig abgedichtet waren. 

Prinzipiell ist das encuentro sehr zu empfehlen, wir hatten beide viele super Tanzpartner.innen, die Verpflegung war im Vergleich zu einigen anderen Veranstaltungen der letzten Zeit sehr in Ordnung und der Boden ok. 
Aber es gibt eben auch Mailänder mit einem sonderbaren Hobby, und ob wir das unserem motorisierten Freund wieder zumuten, entscheiden wir nächstes Mal spontan.

Eintrag # 73

0

Autorin:

Karin

Geschrieben am:

23.12.2016 18:41:00

Frohe Weihnachten

 *
365 
Tage 
voll mit 
Freude, Glück, 
Gesundheit und 
schönen Umarmungen 
von 
Menschen 
die Ihr gern habt 



wünschen Euch Karin & Gerhard

Eintrag # 72

1

Autorin:

Karin

Geschrieben am:

29.08.2016 16:34:00

Boca Antwerp Teil 2

Am 2. Abend probieren wir ein italienisches Restaurant, aber bei unserem nach stundenlangem Tanzen derangierten Anblick (zudem transportiert Gerhard seine schweißgetränkten T-Shirts in einem Spar-Plastiksackerl deutlich sichtbar in seiner Tanztasche) ist das fürnehme Personal ziemlich indigniert und wir bekommen nur gnadenhalber einen Tisch. Und: Von Pizza weit und breit nix zu sehen und zu riechen. Wir wählen beide das billigste Hauptgericht: Tagliatelle mit grünem Spargel und Langusten. Und: nein, keinen Aperitif, keine Vorspeise, keine Nachspeise. Zurück im Hotel google ich, wie man diese Viecher korrekterweise verdrückt, aber wir haben alles richtig gemacht, indem wir mit dem mitgelieferten schmalen Zweizack das Schwanzfleisch aus dem Panzer geschält haben. Uff - zumindest haben wir uns nicht zu sehr als österreichische Landpomeranzen disqualifiziert. 

Bei unserem ersten Frühstück im für die abendlichen Milongas super gelegenen Holiday Inn suche ich mir zufällig Carl aus good old Britain als Tischnachbarn aus, was sich als überaus glükliche Fügung erweist, haben wir doch mit ihm und seiner französischen Partnerin Joss so viel Spaß wie noch nie bei einem Frühstück zuvor. So kommt es nicht von ungefähr, dass wir uns alle 4 jeden Morgen auf unsere gemeinsamen Treffen freuen und diese mit Geblödel genüsslich in die Länge ziehen. 
Carl (wir geben ihm wegen seiner noblen Art den Spitznamen Sir Anthony) spricht feinstes Oxford English und hat die Art von britischem Humor, die ich besonders schätze: Feine Klinge, dafür aber absolut tötlich.

Das encuentro selbst ist von den Tanzerlebnissen her richtig super und wir erwägen trotz der langen Anreise ernsthaft einen neuerlichen Besuch, obwohl die Verpflegung im Vergleich zu anderen Veranstaltungen eher spartanisch und der Boden bei beiden locations auch nicht überwältigend war.

Die Stadt begeistert uns so, dass wir unseren Aufenthalt um 2 Tage verlängern und gleich am Montag durchstreifen wir (ich nicht ohne Hintergedanken) das Diamantviertel mit dem berühmten Bahnhofsgebäude, dessen Bau im eklektizistischen Stil (ich habe mir beim Schreiben dieses Wortes fast den Finger gebrochen, ich hoffe, Ihr wisst das gebührend zu würdigen ;-)) im Jahr 1899 begonnen wurde. Völlig überrascht sind wir vom Riesenrad davor, das uns einen fantastischen Rundblick beschert. 

Hier reiht sich ein Juwelengeschäft ans andere und überall gibt es (bis zu 70) Prozente. Trotzdem wird es nichts mit einem "best friend" für mich, denn ich sehe kaum einen Ring, der mir wirklich gut gefällt. Oder die wirklich schönen Juwelen sind in den extrem teuren Einkaufsstraßen Antwerpens angesiedelt, wie hier in der "Armer-Teufel-Straße". 

Die exklusiven Modegeschäfte hier belegen eindrucksvoll den Ruf Antwerpens als Fashionmetropole und Talenteschmiede. Ich kaufe wegen der stolzen Preise nichts, aber die Inspirationen in den Schaufenstern sind eine Augenweide, so originell sind die gezeigten Modelle, aber auch die Dekoration. 

Kunstliebhaber.innen kommen im zentral gelegenen Mayer van den Berg-Museum voll auf ihre Kosten, ich stehe im Hochgenuss und bin einfach überwältigt. Besonders ein Werk von Breughel hat es mir angetan und ich kann mich von der "dulle Griet" 

kaum losreißen, so viele originelle Elemente hat der Maler hier verpackt. 

Dem Begleitheft zu den 10 interessantesten Exponaten des Museums ist zu entnehmen, um welche zum Teil lächerlich niedrigen Beträge einzelne Werke vom Sammler erworben wurden. 

Breiter Raum ist der Architektur in der Malerei und speziell der Perspektive in Kirchen gewidmet und das folgende Gemälde vermittelt dem Betrachter das Gefühl, sich selber mitten im Kirchenraum zu befinden. Sogar das Foto bringt noch einiges von dieser maltechnischen Meisterleistung herüber. 

Dieser Teil des Museums ist deutlich kühler und feuchter als die übrigen, um die wertvollen Exponate noch besser zu konservieren. Dazu erklingen in Dauerschleife Choräle. Kein Wunder, dass der armen tiefgekühlten Museumswärterin das Lächeln einfriert. Ich bin mir sicher, sie muss nach einem ganzen Tag im Museum nach dieser subtilen Form von Folter zur Kompensation und um wieder Aufzutauen etwas furchtbar Unkeusches machen - oder ist das wie üblich nur meine ..... Fantasie? 

Aber hier sind nicht nur alte Meister zu bewundern, wie das Gästebuch eindrucksvoll beweist. Verblüffend, was dieser Künstler mit nur ein paar Kugelschreiberstrichen zaubern kann.

Vom Platz mit der Rubensstatue aus nehmen wir den Bummelzug, der uns 40 Minuten durch das historische Zentrum Antwerpens chauffiert und wo wir allerlei Wissenswertes erfahren. Da der letzte Zug gerade losgefahren ist, genehmigen wir uns in der Zwischenzeit eine Karaffe Sangria, der es ordentlich in sich hat, und sind daher schon um 14 Uhr beschwipst. Entsprechend lustig ist das Selfie davon geworden, das aber der österreichischen Zensur unterliegt. 

Die Belgier.innen erweisen sich als sehr freundlich und humorvoll, wir haben uns hier sehr wohl gefühlt. So erging es wohl auch dem eigentlich in Deutschland geborenen Maler Peter Paul Rubens, der hier bis zu seinem Tod gelebt hat. 

Den Abschluss unseres Besuchs in Flandern krönt ein Besuch auf dem Panoramadach des Museums an der Schelde mit herrlichem Rundblick über die Stadt. Hier erkennt man deutlich, dass der Hafen, der zweitgrößte Europas und einer der größten der Welt, neben dem 2. wirtschaftlichen Standbein, dem Diamanthandel, sehr große Bedeutung fuer Antwerpen hat.

Auf dem Heimweg besuchen wir noch den Zoo in Frankfurt, der eine Besonderheit aufweist. Im Grzimek-Haus leben ausschließlich nachtaktive Tiere, die aber so umgewöhnt wurden, dass sie tagsüber munter und damit für die Besucher.innen gut zu beobachten sind. Wir sind begeistert von Tierarten, deren Namen wir bisher nicht einmal gekannt haben, und von den eindrucksvollen Zuchterfolgen. 
Auch im Tropenhaus hat der Tiergarten Einmaliges zu bieten, beherbergt er doch z.B. die einzigen Süßwasserkrokodile der Welt, die außerhalb ihrer Heimat Australien seit den 1990er Jahren sogar jährlich für Nachwuchs sorgen. Dafür tropft uns alsbald der Schweiß von der Stirne, so ernst wird artgerechte Tierhaltung hier genommen.

Tja, nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub. Auf uns warten heuer noch Vicenza, Mailand und Bozen mit hoffentlich wieder gutem Stoff für den Blog. :-)

Eintrag # 71

1

Autorin:

Karin

Geschrieben am:

29.08.2016 16:08:00

Boca Antwerp Teil 1

Nach Antwerpen kommt man mit dem Auto über Deutschland und einen kleinen Zipfel der Niederlande. Aber der Weg nach Belgien ist breit - so breit, dass wir eine Übernachtung in Frankfurt einlegen und - Überraschung - tanzen gehen. Fabiana, die Gründerin der Academia de Tango, haben wir vor Jahren das letzte Mal gesehen, aber wir nutzen die Gelegenheit für einen Besuch in ihrem Restaurant, das gleich neben der Milonga liegt. Gerhard gönnt sich ein Bife de Lomo - logo :-). Das Fleisch wird direkt aus Argentinien importiert und als Tipp: 200 g sind für ein ausgewachsenes Mannsbild eindeutig zu wenig (behauptet Gerhard). 

Skyline Frankfurt

Die Milonga ist nicht übermäßig gut besucht (Mittwoch no na), aber nett und wir kommen beide auf unsere Kosten (was man auf dem Rückweg, wieder für uns beide gesprochen, leider gar nicht behaupten kann). 

Generalstabmäßig haben wir uns ein Hotel in der Nähe gesucht, und ganz ehrlich: Der Preis auf booking.com hätte uns schon stutzig machen müssen. Aber zumindest ein 24-Stunden-Parkplatz war dabei. Als Gerhard am nächsten Morgen - wir haben überraschend gut geschlafen - checkt, ob für den Zwischenstopp bei der Heimfahrt noch ein Zimmer frei ist, fällt sein Blick zufällig auf folgende Gästebewertung: "Achtung Flohalarm. Nach meiner Übernachtung im Hotel Luxor hatte ich 200 Flohbisse!!!" Wir hätten sicher nicht hier gebucht, hätte ich das vorher gelesen, aber wir sind, wie ein kurzer gegenseitiger Körpercheck beweist, glimpflich davongekommen (auch wenn es mich sogar jetzt beim Schreiben noch ganz entsetzlich juckt, wenn ich nur daran denke). Schnell raffen wir unsere Sachen zusammen, als Gerhards Argusaugen den riesigen Schatten eines nach oben krabbelnden Insekts auf der Rückseite des Vorhangs entdecken, der mich, geeicht von den Erfahrungen bei der Großwildjagd in Argentinien, verdächtig an eine Kakerlake erinnert. Flugs formieren sich meine Nackenhaare zum Irokesen, aber todesmutig raffe ich den Vorhang, um dem Feind ins Auge zu sehen und - entlasse einen riesigen Nachtfalter durch das Fenster in die Freiheit. 

Nach einem gigantischen all-you-can-eat- Frühstück im Cafe "Bohne" setzen wir unsere Fahrt planmäßig mit knapp 4 Stunden Reisezeit fort. Kein Vergleich zum Vortag bis Frankfurt, wo wir wegen des extrem starken Verkehrs insgesamt 7 Stunden und damit um 2 Stunden länger benötigt haben als gedacht. Grund dafür waren auch einige gewaltige und scheinbar aus dem Nichts aufgetauchte Megastaus mit zeitweisem Verkehrsstillstand. 

Unsere erste Milonga in Antwerpen findet im Rotlichtviertel statt und auf dem Rückweg kommen wir an unzähligen einschlägigen Etablissements vorbei, wo die Mädchen sich mehr oder meistens weniger bekleidet in den Schaufenstern räkeln (nein, nein, kein Foto ;-)), um so die Aufmerksamkeit der Freier auf sich zu ziehen. Ich weiß aus Verlegenheit gar nicht, wo ich hinschauen soll und auch Gerhard ist visuell überfordert. "Te huur" lesen wir hier in Antwerpen an jeder Ecke und jetzt wird mir der Ursprung dieses Wortes klar: Zu mieten. Te kop heißt übrigens zu kaufen. Um bei den Immobilien zu bleiben.

Der Name Antwerpen hat seinen Ursprung in dem Wort "Handwerfen" und bei der von den Veranstaltern organisierten Stadttour erzählt der Guide dazu folgende Geschichte. Der Riese Druon Antigon lebte einst an der Schelde, der Lebensader Antwerpens, und belegte jedes vorbeifahrende Schiff mit ordentlich Wegzoll. Wollte der Kapitän nicht bezahlen, wurde ihm die rechte Hand abgehackt und in den Fluss geworfen. 
Der Brunnen auf dem von prunkvollen Gildehäusern umgebenen weltberühmten Grote Markt zeigt den jungen Helden Silvius Brabo, wie er die abgehackte Hand des Riesen, den er zuvor im Kampf besiegt hatte, in die Schelde wirft. Von da an konnte sich der Handel unbeschränkt entwickeln und führte zu einer Blütezeit in Flandern.

Die Flaggen am Rathaus zeigen alle Staaten, mit denen Flandern Handelsbeziehungen pflegt - jaaaa, da tut sich schon was.

Die Belgier.innen schlemmen gern, zumindest solange es die Geldbörse zulässt, und die Preise sind wirklich geschmalzen. Natürlich probieren auch wir Fritten und vor allem die berühmten Waffeln. Kombiniert mit weißer und brauner Schokolade, Schlagobers und Erdbeeren sind diese Leckerbissen jede süße Kalorie wert. 

Auch Muscheln jedweder Zubereitungsart werden in allen Lokalen angepriesen, wurden von uns aber nicht verkostet. Das heben wir uns für unseren nächsten Besuch auf. 

Was das ist? Geflügel natürlich :-D

Eintrag # 70

0

Autorin:

Karin

Geschrieben am:

05.08.2016 17:36:00

Kurzurlaub zum Hochzeitstag

Kaum sage ich zu Gerhard: unser Auto-Kennzeichen fällt sicher vielen beim Vorbeifahren auf, hupt es auch schon und Andi überholt uns auf dem Weg nach Udine in der Nähe von Eisentratten. Hex-hex! Auf uns warten 3 Tagen im Tango-Paradies der Villa Giacomelli 

mit alten und neuen Freunden und einer der nagelneuen Freunde sagt nach jedem Tanz bei jeder gemeinsamen tanda: I love you! Nach unserem allerletzten Tanz ziehe ich ihn auf und sage: I will marry you. Wie gut, dass mein Liebster nicht eifersüchtig ist. Aber zumindest ein bisschen wäre ja vielleicht doch nicht schlecht 

Nach Udine machen wir das erste Mal seit 10 Jahren einen richtigen Urlaub mit wirklich nix tun und fahren nach Grado weiter. An unserem letzten Tag dort werden sich Bora und Schirokko nicht recht einig. 

Bisher hat es sich am Nachmittag ab spätestens 18 Uhr verzogen und meist sogar kurz geregnet, aber heute, wo wir extra ein Ganztagsticket um 21 Euro lösen (Preis für 2 Liegen plus Sonnenschirm), ist es schon am Vormittag windig und kalt. Bei geschlossenen Jalousien im Hotelzimmer sieht man das aber komischerweise nicht, und so erinnere ich Gerhard sinnloserweise ans Eincremen. Nie war Sonnenschutzfaktor 50 so unwichtig wie heute. Aber so erleben wir zum ersten Mal die Ebbe und bei einem langen Strandspaziergang finden wir jede Menge Einsiedlerkrebse und sogar eine streitbare Krabbe ordentlichen Kalibers, die nicht kampflos hinnehmen will, dass Gerhard sie ohne zu fragen aus dem Wasser nimmt. Auch einen Unterwasser-Schmetterling entdecken wir, der genau die richtige Form für unseren Aufenthalt hier hat: Immerhin haben wir dort unseren 18. Hochzeitstag gefeiert!

Jetzt wissen wir, warum das Meer in dieser Gegend "Badewanne" genannt wird. Sogar ich kann gaaaaaaanz weit im bacherlwarmen Wasser (ähem, jaaaaaaaa es sind sehr viele Kinder hier, aber Meeresbiologen sind sich einig, dass Lulu gut für die Ozeane ist) hinauswaten, bevor ich mir beim Schwimmen nicht mehr die Zehen anhaue. Wenn man sich die Füße mit Sand paniert, werden sie ganz streichelweich! Auch wenn es auf manchen Fotos leider so aussieht, als würde ich meine Freizeit vorzugsweise in der Kraftkammer des Fitnessstudios verbringen: Hier kann ich endlich was für meine schwachen Arme tun und schwimme hin und her, bis ich nicht mehr kann. Am Strand vergönne ich mir eine Fußmassage und handle den Preis zuerst auf Euro 15 herunter, aber nachdem sich der Masseur aus Schanghai mit einer ziemlich ungewöhnlichen Massagetechnik wirklich bemüht, verdient er sich die ursprünglich verlangten Euro 20. So wie bisher alle Masseure ist auch er von meiner Beinmuskulatur entzückt - mir wäre es lieber, wäre sie etwas weniger ausgepägt. Zum Schluss hebt er meine Beine bei den Knöcheln an, bis ich nur mehr mit der Brust die Liege berühre - ein komisches Gefühl! 

LEIDER KEIN FOTO - aber ich (Gerhard) hab's gesehen 

Dann geht es weiter zu unserer letzten Etappe, den Plitwitzer Seen in Kroatien. Ein breiter Weg, weil sie am A ... der Welt liegen. Von Grado aus fahren wir den Anweisungen unserer strengen Navigatorin folgend das letzte Stück auf einer sehr schmalen Straße, auf der aber auch viele Wohnmobile unterwegs sind. Mehr als einmal mache ich bei Gegenverkehr die Augen zu - wie gut, dass Gerhard am Steuer sitzt. 
In einem kleinen Ort entdecken wir Storchennester - ein für uns sensationeller Anblick!

Bei der Grenze nach Kroatien durchfährt uns ein ziemlicher Schreck, waren wir doch in den letzten Jahren daran gewöhnt, in Europa gar keine Reisedokumente mehr vorweisen zu müssen. Der Grenzbeamte will sich vorerst nicht mit unseren Führerscheinen begnügen und verlangt unsere Pässe, die wir aber nicht mithaben. Nach Rücksprache mit einem Kollegen winkt er uns dann zu unserer großen Erleichterung aber doch durch. Und das Umwechseln in Kunas hat sich nach unseren anfänglichen Zweifeln doch sehr gelohnt, auch wenn man fast überall mit Euros zahlen kann. 

Das Gebiet der Plitwitzer Seen begeistert uns mit glasklarem Wasser, schöner seenreicher Landschaft, Wasserfällen, aber gefühlte Millionen andere begeisterte Touristen machen das Vorankommen auf den Rundwegen nicht leicht.

Obwohl es - wie auch dieses Beweisfoto zeigt - hier unzählige Fische gibt, zanken sich diese beiden Möwen-Streithanseln um ein Opfer.

Beeindruckend, wie ein einbeiniger Mann, trotz drückender Schwüle, mit Gehhilfen dieses unwegsame Gelände meistert! Wie banal dagegen manche unserer Befindlichkeiten und vermeintlichen Katastrophen sind: sehr vieles wird damit wieder relativiert. So schnell werden wir nicht mehr über Kinkerlitzchen jammern - das nehmen wir uns ganz fest vor! 

Das Hotel, in dem wir untergebracht sind, ist leider sehr hellhörig und unser Zimmer liegt noch dazu auf der Seite zum Parkplatz, wo immer wieder Autobusse lange Zeit den Motor laufen lassen. Wie gut, dass wir Ohrstöpsel eingepackt haben. Auch die Verpflegung ist ... gewöhnungsbedürftig, aber zumindest ist es ein billiges Wochenende: Aperol ist dort noch unbekannt. Auch die vielen Taxitänzer aus Triest trüben das Tanzvergnügen. Einer von ihnen stürzt sich des Öfteren mit Begeisterung auf mich und schickt mir gleich eine Facebook-Freundschaftsanfrage. "My flower" hat Gerhard noch nie zu mir gesagt, ich werde mich gleich mal bei ihm beschweren 

Aber wir freuen uns sehr, wieder Zeit mit Freunden aus Wien verbringen zu können! Schon allein deshalb hat es sich gelohnt, einmal herzukommen. Für den Rückweg haben wir durch die Wartezeiten bei den Mautstellen und Grenzübergängen und den starken Urlauberreiseverkehr deutlich länger gebraucht als erwartet, aber unser Tango-Mobil bringt uns auch diesmal wieder sicher nach Hause. 

Eintrag # 69

0

Autorin:

Karin

Geschrieben am:

10.05.2016 19:00:00

Besuch von Herman Kral

Eintrag # 68

0

Autorin:

Karin

Geschrieben am:

26.03.2016 10:20:00

Frohe Ostern

Eintrag # 67

0

Autorin:

Karin

Geschrieben am:

23.02.2016 20:50:00

1. Münchner Tangoweekend

Tja, so schnell kann es gehen und man ändert seine Meinung um 180 Grad. Vom Tango Biathlon waren wir beide letztes Jahr so enttäuscht, dass wir eigentlich München für weitere Tangoreisen ausgeschlossen haben, aber einer spontanen Eingebung folgend haben wir uns dann doch für das 1. Münchner Tangoweekend angemeldet und hier eines unserer bisher schönsten Events erlebt. Aber der Reihe nach: 

Wenn man am Walserberg 40 Minuten für die Grenzkontrolle verbrät (= die zwei Spuren werden zu einer zusammengelegt und man fährt im Schritttempo an einem bewaffneten Polizisten und einem Polizeiauto vorbei), hat man als Beifahrerin viel Zeit, um sich z.b. aus der digitalen Speisekarte in Andys Krablergarten ein Menü zusammenzustellen: mit der Pfannkuchensuppe kann ich Gerhard kurzfristig bei Laune halten, wobei das österr. Pendant = Frittatensuppe, sicher auch für deutsche Ohren exotisch klingt. Zum Lachen bringt uns auch die Adresse www.saudrawig.at auf dem Lkw einer Spedition. 

Das Zimmer im Motel One in der Orleansstraße ist klein, aber fein und strategisch gut gewählt, und das Frühstück sogar zu einem guten Teil in Bioqualität. Hier nächtigen einige Bekannte aus der Tangoszene, weil es in der Nähe der ehemaligen Pfanni-Fabrik liegt, wo die Milongas vom Samstag und vom Sonntag stattfinden. Nächstes Mal müssen wir unbedingt auch in die nahegelegene "Teufels Küche" einen Abstecher machen, ich bin zu neugierig, was es dort zu verkosten gibt. 

Alle Locations haben ausgezeichneten oder zumindest sehr guten Boden, sind leicht erreichbar und ausreichend groß. In den Vintage Club kommen wir ob Gerhards ja bereits weltweit gefür.. ähem bekannter (über)Pünktlichkeit als erste und deutlich vor der Zeit, werden aber trotzdem herzlich begrüßt und auch schon hereingebeten. Das ist auch ganz charakteristisch für den Spirit dieses encuentros, die warmherzige Atmosphäre und Freundlichkeit. Auch das Niveau ist sehr gut und ich habe Tanzerlebnisse, von denen ich noch lange zehren werde. Danke an alle meine Tanzpartner, diese Veranstaltung hat mich sehr glücklich gemacht! 

Zum Schmunzeln bringt uns dieses selbst gestaltete T-Shirt eines Münchner Tänzers. Welche tanguera kann hier schon widerstehen?

Auch zu diesem Event wird, wie so häufig in der Tangoszene, ein Hund mitgenommen. Mischka wartet zwar brav unter dem Tisch, wenn ihr Herrchen auf der Tanzfläche ist, begrüßt es aber jedesmal begeistert, wenn es wieder zum Tisch zurückkommt. Angeblich muss sie auch manchmal allein im Hotel warten, und wenn es zu lange dauert schickt sie Vit eine SMS, dass es jetzt bald mal Zeit fürs Gassigehen wäre. Mischka bedeutet übrigens "kleine Maus", kein Wunder, dass Tiertherapeuten so im Trend sind. Ihr Herrchen beklagt sich im Gegenzug, dass immer zuerst sie begrüßt wird, aber dafür gibt es sicher auch einen Spezialisten. 

Die weitläufige ehemalige Pfannifabrik ist so verwinkelt, dass wir Unterstützung beim Finden der Locations brauchen: die "Knödelgasse" und der "Reiberdatschiweg" sind nur einige der thematisch passenden Bezeichnungen aus der guten alten Zeit, wo hier noch Tonnen von Kartoffeln auf ihre industrielle Verarbeitung und Denaturierung gewartet haben. 

Gleich der erste Abend im Vintage Club begeistert mich so, dass ich später im Bett munter weiter tanze und noch viele tandas im Kopf höre, sodass an den dringend benötigten Schlaf leider lange nicht zu denken ist. Meine Cinderella-Schuhe mit den schwarzen Bändern an den Knöcheln tragen mich sicher durch die Milongas, aber mir steigen schon heute die Grausbirnen auf, wenn ich an ihr unausweichliches Ende denke: sie haben doch schon viele Kilometer in den Sohlen, Tanzerfahrung in einigen Ländern und auch schon 2 Aufenthalte in Bs.As. auf dem Buckel. 

Besonders freut mich, dass ich nicht nur mit guten Tänzern von außerhalb, sondern auch mit Münchnern zum Tanzen komme, die die Musik ebenfalls super interpretieren und sehr gut führen. Am meisten Spaß macht es mir mit einem Tänzer aus Spanien, bei dem mir echt der Mund offen stehen bleibt: so eine D'Arienzo-Tanda habe ich noch nie getanzt, mit ... cojones (Pardon, aber das musste sein) toll interpretiert und dabei eine samtweiche Führung. 

Dieser historische Augenblick wurde dankenswerterweise von Ivo festgehalten. 

Auch die Milonga-tandas, die ja immer speziell tricky sind, sind mit den Münchner Lokalmatadoren ein Traum. 

Summa summarum: eine selten schöne Veranstaltung, gender balanced, mit top Tjs, herzlichen Gastgeberinnen, schönen Locations, ausgezeichneter Verpflegung und Teilnehmerinnen, die super gut drauf waren. Wie schon Lauro so treffend sagte, herzliche Gastfreundschaft, gepaart mit deutschem Organisationstalent, sind eine ideale Kombination. 

Dieses Encuentro war ein Geschenk für uns alle und die ganze Heimfahrt über haben wir beide einen Dauergrinser im Gesicht. 

Ach, das Leben kann so schön sein 

Servus München!

Eintrag # 66

0

Autorin:

Karin

Geschrieben am:

22.12.2015 05:20:00

Frohe Weihnachten!

Schöne Weihnachten 

und viele besondere Momente im Jahr 2016 wünschen Euch 

Karin & Gerhard

Eintrag # 65

0

Autorin:

Karin

Geschrieben am:

19.12.2015 16:39:00

Karhard

Karin und ich gemorpht = Karhard

Tolle Ausstellung im Schlossmuseum: Mythos Schönheit, verlängert bis Jänner. 
Durch das Übereinanderlegen von Einzelfotos verschiedener Personen (= Morphen) entstehen spannende Porträts. 

Karhard ist heute ziemlich schlecht rasiert ... 

Eintrag # 64

0

Autorin:

Karin

Geschrieben am:

19.07.2015 07:52:00

De Wüde auf seina Maschin...

Und wieder etwas, das ich von meiner "50 things-Liste" abhaken kann: 

Mit O.L. auf einer 1100er BMW durchs Mühlviertel brausen - einfach herrlich! Mit dem Helm bin ich mir wie ein Marsmädchen im Geschwindigkeitsrausch vorgekommen. Das will ich wieder!!! Leider hat Gerhard keinen Motorrad-Führerschein und hat sich nicht becircen lassen, ihn zu machen und ich selber kann diese Geschoße nicht bändigen. Aber ich darf mit O. wieder "ausreiten". Nächstes Mal mit "einem Tier", einer 1700er Yamaha - damit macht es auch O. Spaß und 180 auf der Autobahn sind kein Problem. YESSSSSS!!!! 
O. hat für seine 3 Maschinen ein Wechselkennzeichen und bei der Rückkehr in die Garage habe ich gesehen, dass wir ohne Nummerntaferl unterwegs waren - war aber nicht so schlimm, er hatte auch keine Papiere dabei ;-) 

Mal sehen, was als nächstes kommt!

Eintrag # 63

0

Autorin:

Karin

Geschrieben am:

13.07.2015 15:24:00

Zwischen den Schritten...

"El tango pasa entre los pasos" - der Tango geschieht zwischen den Schritten.

Die argentinische Tangolehrerin Susana Miller sagt dazu: In der Musik tut sich eine ganze Welt auf zwischen einem Beat und dem nächsten. Und wenn du jemand in deinen Armen hältst oder in jemandes Armen liegst, fühlst du genau: Wie viel dieser Welt füllt er aus zwischen einem Beat und dem nächsten. Darum dreht sich so gut wie alles. Es ist eigentlich fast nichts. Aber der ganze Unterschied zwischen einem Tänzer, der ok ist und einem, der einfach -wow- ist, liegt darin, wieviel er weiß über diesen einen Beat und den folgenden. Zwischen zwei Beats findest du eine ganze Welt. Das ist es, was du in deinem Körper empfindest, wenn ein echter Tänzer mit dir tanzt.

(Quelle: Tangodanza)

Eintrag # 62

0

Autorin:

Karin

Geschrieben am:

05.07.2015 19:38:00

Feuerkogel

Feuerkogel for absolute beginners ... Aufstieg zum Europakreuz - natürlich über den Klettersteig 

Nein, es dauert nicht mehr lang - versprochen! 

 

Warum kann dieser See nicht gleich hier oben sein??? 

Soooooo schön!!! 

Almrausch im Gebirge - zu Hause gibts zur Kühlung Lillet mit Waldbeerschweppes, hat fast die gleiche Farbe und beschwipst wird man auch 

Einer der wenigen ohne Wanderschuhe hier heroben 

Eintrag # 61

0

Autorin:

Karin

Geschrieben am:

17.03.2015 17:50:00

Tango von Buenos Aires bis München

Größer könnte der Kontrast nicht sein: Es gibt arme Länder, es gibt reiche Länder, und es gibt Argentinien, lautet ein Zitat von Carl D. Goerdeler. Das Land leidet schwer unter der Wirtschaftskrise und noch nie in all den Jahren haben wir hier so viele Menschen auf der Straße schlafen gesehen. Wir hatten aber trotzdem auch heuer keine unliebsamen Begegnungen. 
Bei der Ankunft in Buenos Aires muss nur unser Flugzeug aus Frankfurt abgefertigt werden und die sonst sehr lang dauernden Einreiseformalitäten sind ruckzuck erledigt. Früher gab es parallel mehrere fast zeitgleich landende Flieger, die Stadt hat also allem Anschein nach ihren Status als In-Metropole eingebüßt. 
Der Individualverkehr ist deutlich zurückgegangen und unter Megastaus im Stoßverkehr haben wir heuer nicht wirklich gelitten, wir bekamen auch immer sofort ein Taxi. Viele Wirtschaftstreibende sind Bankrott gegangen, wir sehen viele geschlossene Geschäfte und Lokale. Auch auf den milongas und sogar im DNI war viel weniger los als in früheren Jahren und die Leute, die Unterricht nehmen, sind zu einem großen Teil schon ältere Semester. Die Stimmung in Buenos Aires kommt mir insgesamt sehr niedergeschlagen und depressiv vor, und mir blutet das Herz. Auf den Milongas trinken viele Einheimische nichts. So schmutzig und heruntergekommen habe ich Buenos Aires noch nie empfunden und ich weiß noch nicht, ob und wann ich wiederkommen möchte. 

Und gleich darauf München. Die Stadt ist jung und hipp und gleichzeitig gemütlich und gut drauf. Wir haben uns hier sehr wohl gefühlt, vielleicht auch, weil wir österreichisch reden können und trotzdem verstanden werden. Oder, weil wir uns überwiegend im Rotlichtviertel aufgehalten haben?! Man erkennt auch an der Anzahl der Bettler den Wohlstand einer Stadt - und ihr habt es sicher gleich gewusst: den MünchnerInnen geht es offensichtlich sehr gut, denn in der Innenstadt sitzt an fast jeder Ecke einer. 
Sogar mir fällt auf, dass es viele homosexuelle Paare gibt, die sich ganz offen dazu bekennen. 

Der Tiergarten Hellabrunn beherbergt ungewöhnliche Tiere, die ich sonst noch in keinem Zoo gesehen habe. Die asiatische Fischkatze im Dschungelhaus würde ich am liebsten gleich adoptieren, so treuherzig schaut sie mich mit ihren großen Augen an. 

Sie ist ein ordentliches Bröckerl und geht im Gegensatz zu anderen Katzen gern ins Wasser, in dem sie mit ihren mit Schwimmhäuten bestückten Tatzen fischt. Im Aquarium kann ich mich von den witzigen Röhrenaalen kaum losreißen. Sie sind zum Teil im Sand vergraben, der andere Teil ihres Körpers schaut heraus und dreht und wendet sich in der sanften Strömung. Sie wären mit ihren Glubschaugen in einem Zeichentrickfilm sicher ein Renner, ich werde die Idee gleich mal nach Hollywood zu meinem Agenten schicken und dann fette Tantiemen kassieren! 

Der Tiergarten dürfte auf Affen spezialisiert sein, denn davon gibt es wirklich viele verschiedene und jede Menge. Die Infotafeln sind generell kurz und knackig gehalten, jetzt weiß ich aber, dass Orang Utans eine Armspannweite von gigantischen 2,20 Metern haben. Im nachgebauten Modell kann man das mit der eigenen kümmerlichen Reichweite vergleichen. 

Eine riesige Pavianherde galoppiert in ihrem Freigehege wie die aufgescheuchten Hühner herum und anfangs ist uns nicht klar, warum. 

Es ist angerichtet. 

Sehr heiße Schlacht am sehr kalten Büffet 
Auch daran sieht man, wie groß die genetische Übereinstimmung zwischen Mensch und Affe ist. 
Der Tiergarten ist auf alle Fälle einen Besuch wert, die Tiere sind sehr aktiv und es gibt viel zu sehen.

Abends besuchen wir eine Milonga, die Gerhard auf seine Facebook-Anfrage hin empfohlen wurde. Das La Maleva befindet sich etwas außerhalb in einem Firmengebäude mit super Boden und findet dort erst zum 4. Mal statt. Mirada und cabezeo sind wegen des gedämpften Lichts nicht möglich. Ezekiel, der Gastgeber, begrüßt uns persönlich und die tanda mit ihm hat mir große Freude gemacht. 
Meine Bedenken, hier keine Aufforderungen zu haben, erweisen sich als unbegründet, das wäre also in Zukunft kein Argument, München nicht mehr zu besuchen. 
Und wieder zeigt sich, wie klein die Tangowelt ist. Es gibt kaum eine Veranstaltung, auf der man keine Bekannten trifft. 

Unser Vermieter Gerritt wohnt mit Partner 

aaaaaahaaaaaa. das .. ähm .. überfordert selbst meine zeitweise ziemlich schmutzige Phantasie 

und ca. 50 verschiedenen Plastikentchen, darunter eine Diva mit Federboa, eine afroamerikanische Vertreterin der Spezies Duck, Enten in Dirndlkleid und Lederhose, Entenpolizisten usw. 

sehr zentral und wir hatten nur 10 Minuten zu Fuß zum Veranstaltungsort des Tango-Biiathlons Milonguero Meets Neo, der heuer zum 2. mal stattgefunden hat. 

Das Festival ist leider nicht so gut besucht wie erwartet und so verteilen sich die Fans von Milonguero und Neo ziemlich übersichtlich auf die beiden Säle. Gerade am 1. Abend ist der Boden so spiegelglatt, dass ich nur völlig verkrampft tanzen kann. Mit neuen Schuhen hätte ich gar keine Chance und sogar Gerhard bekommt erstmals in seiner Tänzerkarriere einen ordentlichen Zehenmuskelkater.  Auch mit der Musikauswahl der TJs und TJanes waren wir nicht immer glücklich, die Bandbreite der Musik war von zu traditionell (Stil Schlaftablette) bis zu extrem (Stil Non bis Nix), sodass wir beide immer wieder zwischen den Sälen umhermäandert sind und nicht so recht gewusst haben, wo wir "unser Ei hinlegen sollen". Als bekennende Nuevo-AnhängerInnen haben wir uns auf das Festival richtig gefreut, waren aber beide eher enttäuscht. Der Tanzstil vieler Tänzerinnen im Neobereich entsprach mehr Free Dance, Contemporary oder kontakttanz und hatte mit Tango eigentlich nichts mehr zu tun.  Auch die schönen und glücklich machenden Tanzerlebnisse und Umarmungen bei den Milongueros haben sich in Grenzen gehalten, aber der Abschlussabend hat mich dann zumindest wieder etwas versöhnt ( vor allem dank Tillmann!!!). Vielleicht sind wir aber von den bisher besuchten encuentros auch schon zu sehr verwöhnt. 

Gefallen hat mir das Partnerinnen-Wechselspiel, bei dem jeweils 2 traditionelle und 2 Neotangos gespielt wurden. Schade, dass nur so wenige MünchnerInnen am Festival teilgenommen haben. 

Die Stadt hat ein sehr gutes und günstiges Park & Ride-System, wir platzierten unseren "Johnny" in der Parkgarage von Donnerstag bis Montag um insgesamt nur Euro 10, das U-Bahnticket kostete dann Euro 2,70 pro Person und Strecke). Möchte man mit dem Auto in die innere Zone fahren, muss man ein Umweltticket kaufen, was dann in Summe wesentlich teurer kommt. Das öffentliche Verkehrsnetz und die Radwege sind sehr gut ausgebaut und werden bis in den Morgen stark frequentiert. Mit dem Essen haben wir jedes Mal Glück gehabt und köstlich gespeist. Andys Krablergarten (sachdienliche Hinweise zur Entschlüsselung dieses Namens werden gerne entgegengenommen) in der Nähe des Sendlinger Tors hat uns mehrfach auch preislich sehr überzeugt. 

Die Stadt ist super zum Einkaufen und man könnte in den Geschäften viel Zeit verbringen und noch mehr Geld ausgeben, wenn man nicht einen an Mode und anderen schönen Dingen völlig desinteressierten Partner im Schlepptau hätte. Nur der Viktualienmarkt war auch ganz nach Gerhards Geschmack! 

Mr. & Mrs. Smith auf der Jagd nach schönen Tänzen - Auslandseinsatz 

Ab heute wird zurückgezwickt.

Der Termin für den Biathlon 2016 steht schon fest, aus heutiger Sicht war das aber trotzdem alles in allem unser letzter Besuch in München.

Eintrag # 60

0

Autorin:

Karin

Geschrieben am:

10.03.2015 21:30:00

Schon fast Endspurt

BsAs ist ja offensichtlich doch nicht so groß wie gedacht  Der auf den Milongas und im Tangauta fotografisch omnipräsente J.G. (wir trafen ihn bisher bis auf einmal jeden Abend) läuft uns bei unserer Wäscherei um die Ecke über den Weg. Er adelt Gerhard sogar mit Begrüßungs- und Abschiedsküsschen und würde abends gerne wieder Milonga mit mir tanzen. Wird aber nix draus, weil ich mich gestern im naranjo en flor bei einem Ventilator von mindestens 1 1/2m Durchmesser (daher kommt sicher auch das Wort hyperventilieren ;-)) auf der Suche nach Kleidung (und das hat lange gedauert, wie Gerhard allzeit gerne und Mitgefühl heischend bestätigen wird) verkühlt habe. Der hat bei Windstärke 10 nicht nur meine offenen Haare, sondern auch mein Immunsystem ziemlich durcheinander gewirbelt. J.G. Hat übrigens bei den Getränken jeder seiner Tanzpartnerinnen kräftig zugelangt und die Tanguera neben mir ärgert sich im Canning darüber, dass er ihre kleine Flasche Sekt so gut wie alleine ausgebürstelt hat. 

Jetzt ich (Gerhard) wieder mal kurz: Dienstag war auch für mich ein ausgesprochen netter Tanzabend - erstens waren Irina und Irina da, zwei Russinnen, die wir schon von vielen BsAs-Nächten kennen, dann kommt völlig unerwartet Stephanie (zur Zeit aus Wien) hereingeschneit und zu guter Letzt wage ich eine Milonga mit einer mir unbekannten Polin und die war suuper, eigentlich mit 3u. 
Mittwoch war ich abends alleine unterwegs und habe mich für die Maldita Milonga entschieden. Die Nachteile dieser Milonga: Holzboden eher schlecht, Tanzfläche klein, Auffordern fast unmöglich (die Tanzfläche ist beleuchtet, der Rest des Saales nicht - doof) und viel Publikum, das nur zum Zuhören kam. Livemusik von El Afronte - mal nicht traditionell, eher Hardcore und schwer zu tanzen, aber Stimmungsmache. Dann eine ausgesprochen gelungene Vorführung eines Paares, dessen Namen ich leider nimmer weiß und die sehr gut ausgewählte Musik von Don Xello ließen mich bis zur Cumparsita bleiben. 

Der Umweltgedanke greift, spät aber doch, jetzt auch in Argentinien und es werden Plastikflaschen staatlich organisiert recycelt und zusammen mit Papier, Metall und Glas in jedem Haus extra gesammelt. Auch Plastiksackerl gibt es nicht mehr umsonst. eine Konsequenz der Änderung bei der Mülltrennung ist leider, dass für die kartoneros im Gegensatz zu früher nichts mehr zum Sammeln übrig bleibt. 

Heuer ist es für mich nicht mehr ganz so schwer, Fleischloses auf den Speisekarten zu entdecken, aber der Genuss ist bisher eher kurz gekommen. Bei einer Parrilla in der calle Carlos Gardel ganz in unserer Nähe (hier hat der Namensgeber zusammen mit Troilo, Goyeneche u.a. Tangoberühmtheiten eine schöne Erinnerungsstätte in Form von lebensgroßen Statuen gefunden, die ein beliebtes Fotomotiv abgeben), 

haben wir aber Glück: der Lachs vom Grill ist ein Gedicht und mit all den inkludierten Beilagen ( z.B. Apfelmus - spannend!, Kürbis-, Karotten-, und Kartoffelpüree) fällt sogar für die hübsche schwarz/weiße Hauskatze noch was ab. Sie schnabuliert den Fisch zwar gnadenhalber, aber man merkt, dass üblicherweise Fleisch und Innereien auf ihrem elitären Speiseplan stehen. Hoheitsvoll wandert sie von Tisch zu Tisch und macht durch sanfte krallenlose Tapser unmissverständlich auf ihre kulinarischen Bedürfnisse aufmerksam. Sie gehört sicher zur Katzen-High-Society von Buenos Aires und wird nach Strich und Faden verwöhnt. Das weiß sie ganz genau. !Miau! 

Mariana (von Gerhard sicher nur mir gegenüber vorwitzig Marihuana genannt) will als Draufgabe auch Gerhards Haltung verbessern und droht, nächstes Mal zur Bekräftigung ihrer diesbezüglichen Forderung eine Peitsche mitzubringen. 

S/M-Gedankengut könnte ich bisher kaum was abgewinnen, muss mich aber offensichtlich umstellen: immer öfter merke ich, dass sich Gerhard beimTanzen und auch Spazieren gehen neu einrichtet. Na wenn das tatsächlich funktioniert, sobald La Domina mit dem Peitschi knallt, fange ich schon mal mit dem Üben an. Natürlich werde ich - selbstverständlich jugendfrei - demnächst berichten, auf welche anderen ... Lebensbereiche es zusätzliche Auswirkungen gibt. 

Die avenida Florida ist der halboffizielle Umschlagplatz für Valuten und alle paar Meter wird uns von den dort wie beiläufig herumlungernden Einheimischen verschwörerisch cambio zugezischt. Diesmal haben wir uns erstmals nicht an das offizielle Einfuhrverbot gehalten und ordentlich cash mitgebracht. Der Kurs ist vergleichsweise super und vor allem sparen wir uns auch die Manipulationsgebühr, die jedes Mal anfällt, wenn man den sehr niedrigen Maximalbetrag beim Geldautomat behebt. Danke für die entsprechenden einschlägigen Tipps - unser Aufenthalt wird dadurch sehr viel billiger! Da geht sich ja direkt noch ein weiteres paar Schuhe für meinen Devotionalienschrank aus! 

Leider sind wir beide sehr verschnupft und verbringen fast den ganzen Freitag im Bett, weshalb ich ziemlich zerknautscht aussehe und total zerrupft bin und mir vor dem Weggehen ohne Genierer die Segnungen der dekorativen Kosmetik zu Nutze mache. Elizabeth Arden, Helena Rubinstein, Ester Lauder und allen anderen Pionierinnen im Dienste weiblicher Schönheit werde ich demnächst eine fette Kerze spendieren, denn in einer verblüffenden Metamorphose verwandle ich mich wieder in eine ganz passable Tanguera, die hoffentlich wieder mit einigen Tänzen rechnen kann. 

Und daran ist (auch!) nur Gerhard schuld. In jedem Geschäft drängt er mich zur Eile und es dauert ihm alles viiiel zu lang. Also beschließe ich, alleine einen Abstecher ins Einkaufszentrum abasto zu machen. Nach vollbrachter Tat hetzte ich zurück nach Hause und keuche zu unserer Wohnung hinauf, wobei es mit dem Stiegen steigen in den 3. Stock jeden Tag anstrengender wird.  Die Wohnungstür ist mit 2 Schlössern gesichert und dafür gibt es 2 Schlüssel, und bisher hat immer Gerhard auf- und zugesperrt, weil sie nicht ganz problemlos passen. Ich probiere also mit jedem Schlüssel an jedem Schloss herum, bis die erste Lichtphase im Stiegenhaus vorbei ist. Auch die 2. vergeht, ohne dass ich die Tür aufbekomme. Entnervt pumpere ich an die Tür und rufe verhalten. Stille. Fred Feuerstein begehrt nochmals Einlass, diesmal aber deutlich energischer. Keine Reaktion. Ich klingle kurz. Ich klingle länger. Ich klingle Sturm. Ich verfluche Gerhard und die Ohropax, die er sich garantiert zum Schlafen einbetoniert hat, und büße viele Sünden ab. 
Während er sicher selig vor sich hinschlummert, tropft mir schon der Schweiß von der Stirne. Eine Nachbarin kommt, alarmiert von dem Wirbel, auf den Gang und ich erkläre ihr, dass ich ein Problem mit dem Schlüssel habe. Sie probiert mit 1 der Schlüssel 1 x, fragt mich dann, ob ich im richtigen Stockwerk bin und zeigt auf die große 2 an der Wand .... ähm .... Gerhard, der wissen will, was denn schon wieder so lange gedauert hat, erzähle ich besser nichts davon ... 

Gerhard: Klingt sicher blöd, aber ein paar Tage später ist mir dasselbe passiert, allerdings hat beim 1.Versuch sofort ein Hund zu Bellen begonnen und Karins Geschichte ist mir eingeschossen - bin ganz schnell rauf zu uns und hab noch eine Zeitlang die beunruhigten Bewohner von einem Stock drunter gehört - Puh 

So viele Einheimische (und Gerhard) können nicht irren. Beim ersten Mal musste ich ihn noch hinprügeln, aber es schmeckt ihm in dem peruanischen Lokal so gut, dass er am nächsten Tag schon wieder herkommen und das gleiche essen will, das ich gestern unter seinem skeptischen Blick mit vollem Risiko von der elendslangen Speisekarte herausgepickt habe: scharfer Fisch mit kreolischer Sauce, getoastetem Mais und Kartoffeln. Bin ich gar nicht gewöhnt, dass er so begeistert ist, aber die Abwechslung tut anscheinend sogar ihm gut. Das nutze ich gleich schamlos aus - heute gibt's wieder was Neues, diesmal mit gebratener Banane. Hier wird alles in so riesigen Portionen serviert, dass es für zwei Personen reicht und die Hendelhälften sind Minitruthähne. Was nicht verputzt werden kann, wird für zu Hause eingepackt. Lomo nach Art des Armen suche ich diesmal aus - Gerhard sorgt nur zu gerne persönlich dafür, dass bei uns kein einziges Reiskörnchen übrig bleibt. Schade, dass wir nicht noch mehr von den Köstlichkeiten probieren können! Wir erwägen ernsthaft, morgen gleich nochmal zum Frühstück zu kommen, bevor wir uns Richtung Flughafen verabschieden und uns mit dem eintönigen Bordfraß begnügen müssen. 

 

Hilfreich auf der Suche nach dem aktuellen Milonga-Tagesangebot ist die Seite https://www.hoy-milonga.com immer gleich mit google-maps als Orientierungshilfe. Ausprobiert haben wir auch das Cheek to Cheek, mit Show von 3 Paaren der Ladys Tango Week. Dort habe ich meinen letzten Kurs für heuer absolviert, Verzierungsmarathon mit 7 Lehrerinnen. Auch auf die Noche des las morochas, samstags im El Beso, sind wir wieder hereingefallen, aber letztendlich doch bis 3 geblieben. Wie auch auf den anderen Milongas werde ich oft wieder direkt angesprochen und erkundige mich bei meinen Tanzpartnern,warum mirada und cabezeo nicht mehr gefragt sind: ihrer Meinung nach, weil es oft zu peinlichen Verwechslungen gekommen ist und die Damen reihum schon aufgesprungen sind, obwohl sie gar nicht gemeint waren. Aber auch umgekehrt läuft nicht alles glatt: gleich 3 x hüpfen 2 Herren gleichzeitig wie von der Tarantel gestochen auf und sprinten in meine Richtung. Mann oh Mann, wie komm ich da wieder raus ...

Eintrag # 59

0

Autorin:

Karin

Geschrieben am:

01.03.2015 13:31:00

Buenos Aires 2015 - Die Zweite

Seit mein Zehennagel samt Pflaster bei einer Tanda senkrecht in die Höhe gestanden ist und ich schon Angst hatte, ihn mitten auf der Tanzfläche zu verlieren (die arme Reinigungsfrau!) habe ich ihn entfernt und verwende ein normales braunes Pflaster. Gerne bringe ich selbst meine abgebrühtesten Tanzpartner zum schaudern, wenn ich ihren Blick zu meinem Fuß Bemerke und ihnen erzähle, was passiert ist. Einer fragt mich, ob das zu diplomatischen Verwicklungen zwischen Österreich und Russland geführt hat, ein anderer meint, dass dieser Verbrecher ins Gefängnis gehöre. Angeblich dauert es mindestens 6 Monate mit dem Nachwachsen und bei Betrachtung des bisherigen kleinen und sehr empfindlichen Nagelstümpfchens ist das nicht untertrieben - also 3 Monate Kerker bei Wasser und Brot erscheinen mir durchaus angemessen! 

Die Confiteria Ideal haben wir in den letzten Jahren nicht oft besucht, aber dort heute nachmittag trotz der plötzlich hochsommerlichen Temperaturen und ohne Klimaanlage eine sehr nette Milonga erlebt. Super Stimmung, für mich einige schöne Tandas mit den Lokalgrößen. Bei einer Pugliese-Session werde ich aber fast von einem hinter mir sitzenden Tanguero vergewaltigt, der sogar an meinem Kleid zupft, um auf sich aufmerksam zu machen - ein weltweites Tango-no-go und ich tanze daher demonstrativ mit einem anderen Porteño. So wie es ausschaut, haben Mirada und Cabezeo in ein paar Jahren auch in Buenos Aires ausgedient. Aber vielleicht gibt es ja wie sogar auf so mancher Veranstaltung in Ooe irgendwann auch hier wieder eine Gegenbewegung von Ultratraditionalisten, die die alten Werte übertrieben hochleben lassen. 

Hingebracht hat uns der lustigste Taxler ever: anfangs glaube ich, ihn gar nicht verstehen zu können, weil er - optisch an die 80 - sicher schon seit 79 Jahren raucht und eine Reibeisenstimme par excellence hat. Aber wir unterhalten uns blendend und er erzählt, dass er samstags immer bei der Glorietta anzutreffen und ein super Tänzer ist. Seine Frau denkt, er sei bei der Arbeit, und würde ihm die Kehle durchschneiden, wenn sie davon wüsste. Mehrfach fährt er sich mit der Hand zur Veranschaulichung über den Hals und gibt mit dramatischer Mimik das entsprechende gurgelnde Geräusch von sich- wir brüllen mit ihm vor lachen und es ist eine super Einstimmung auf die Milonga. Ich bestätige ihm, dass ich das bei Gerhard selbstverständlich auch so machen würde. 

Eine Kanadierin, die selber nicht tanzt, kommt quer über die Tanzfläche zu mir und bittet mich um eine Tanda für ihren Mann, der Anfänger und zu schüchtern ist, mich aufzufordern, aber sehr begeistert vom Tango ist. Ich finde das ganz süß und rührend, kann mich aber wegen meines lädierten Zehs nicht überwinden. Ich mache sie auf eine Tänzerin aus England aufmerksam, aber auch mit ihr klappt es nicht, und so beschließe ich, doch die letzten 2 Tänze einer Tanda mit ihm zu tanzen. Ich habe dann aber ständig Aufforderungen und warte zu lange - sie sind dann schon weg, was mir sehr leid tut. Abends erzähle ich Gerhard davon, der die Idee gleich aufgreift und mich bei Argentinierinnen einspannen will, die ihn - dummerweise - verschmähen. Hättest du wohl gern! 

Sonntag im el beso: Wow, gleich beim ersten Besuch werde ich ordentlich betanzt und in der 1. Reihe in der Auslage platziert, die ich eigentlich gar nicht so gern mag. Aber sie ist ja auch ein Indikator für den "Marktwert" und so gesehen bin ich schon ganz stolz darauf. 

Nussmüsli, frühmorgendliche Jause nach der Milonga, Pizza - umsonst. Gerhard beschwert sich zu recht, dass ich wie üblich an den völlig falschen Stellen abgenommen habe, wie mir ein selbstkritischer Blick in den Spiegel leider überdeutlich bestätigt. grummelgrummel Ich tanze einfach zu viel.
Zumindest ein traumhaftes Tiramisu haben wir in der Zwischenzeit entdeckt, das so großzügig mit Bailey's übergossen ist, dass man schon alleine davon einen Duliöh bekommt. Auf der Stelle würde ich 2 davon verdrücken, wenn ich die Kalorien an die richtigen Stellen transferieren könnte ... 

Meine Füße werden völlig verdient täglich mit mehreren Massageeinheiten am Franklin-Ball verwöhnt und abends mit der kühlenden Mayrhofer-Traumasalbe (eine glorreiche Rezeptur und zufällige Namensgleichheit) entspannt. Dass ich mich wieder so auf Sie verlassen kann, habe ich Dr. St. (Tja, hier könnte Ihre Werbung stehen, Anruf genügt ;-) und vor allem meinem Masseur und Freund Hans Schwarz zu verdanken, der mit seinen magischen Händen bei der monatlichen Meridianmassage alles wieder gut macht. Hätte ich das nötige Kleingeld, würde ich ihn sicher zwischendurch mal einfliegen lassen! 

Bedingt durch die hohen Temperaturen der letzten Tage und das exzessive Tanzen greife ich nach einigen Tagen zu folgendem Trick: eine volle Wasserflasche aus dem Kühlschrank wird zu einem Kühlkissen umfunktioniert, auf dem ich nach den Milongas meine noch glühenden Ballen rolle. Wirkt phänomenal! 

Eintrag # 58

0

Autorin:

Karin

Geschrieben am:

23.02.2015 13:12:00

Buenos Aires 2015 - Die Erste

Ojemine. Da hab ich extra so gut aufgepasst und mir meinen kaputten Zehennagel immer eng mit Transparentpflaster festgezurrt, und dann das: in einem unbedachten Moment und am ersten Nachmittag in Buenos Aires liegen Pflaster und Zehennagel - zumindest schmerzlos - auf dem Bett. So sehe ich erstmals nach dem russischen Okkupationsversuch am 4. Jänner in Reichenau, wie ein Zeh ohne sein schützendes Darüber aussieht. Na ja, meine Begeisterung hält sich in sehr überschaubaren Grenzen und ich bin gleichzeitig abgestoßen und fasziniert, aber es ist nicht ganz so eklig wie befürchtet. Ich werde mir den abgestoßenen Nagel jedenfalls wie einen künstlichen Nagel wieder festkleben und hoffe, dass meine Fälschung in den nächsten 3 Wochen nicht auffliegt. Um Ohnmachtsanfälle speziell unserer weiblichen Leserinnen zu vermeiden, gibt es davon kein Foto. 

Jorge holt uns vereinbarungsgemäß am Flughafen ab und bringt uns zu unserer Bleibe Ecke Anchorena/ Lavalle. Meine Enttäuschung ist groß, als ich bei unserem ersten Rundgang zur Erkundung der Umgebung entdecke, dass es Lolo Gerard und Tango 8 nicht mehr gibt und Tango Imagen den Besitzer gewechselt hat, was sich nicht als Vorteil herausstellt. In den vergangenen Jahren war dieses Geschäft immer eine sichere Bank und ich bin regelmäßig fündig geworden. Jetzt aber fühlen sich die Stoffe nicht gut an, die Modelle sind nicht schön genäht und auch die Farben und Muster sprechen mich so wenig an, dass ich kein einziges Stück probieren will. Sollte meine Zurückhaltung bei der Auswahl meiner heimischen Garderobe umsonst gewesen sein??? Immerhin hab ich statt der zulässigen 23 kg nur 20,5 kg mitgebracht. Aber mal sehen, was die nächsten Wochen bringen, und ich zwinge mich, keine Panik aufkommen zu lassen. Noch ist ja nicht aller Tage. 

Heute ist Aschermittwoch und ich erzähle unserem Chauffeur, dass sich Gerhard und ich beim Fasching in steyr als Good cop (natürlich er) und Bad cop (natürlich ich) verkleidet haben. Den spanischen Ausdruck für Handschellen kenne ich nicht und mache eine erklärende Handbewegung, und dreimal dürft ihr raten: esposa, und das bedeutet auch noch Ehefrau. Ich bin sprachlos ob dieser bodenlosen und offensichtlich international verständlichen Frechheit, denn Gerhard und Jorge feixen entsprechend und nicken sich männersolidarisch zu - das merke ich mir, mein Lieber ... 

Leider haben wir auch wie befürchtet kein Internet und die Ankündigung, dass es ab Freitag funktioniert, lässt auch mich als bekennende Optimistin zweifeln, dass es bis zum Ende unseres Aufenthalts klappen wird. Ob wir also die beliebten Reiseberichte und Fotos von unserem Aufenthalt in Tangonien diesmal parallel auf unsere Homepage stellen können, steht noch in den Sternen ... 
...und diesmal keinen Schirm mitgenommen zu haben, müssen wir bei stundenlangem Dauerregen am ersten Tag gleich ordentlich büßen. Was haben wir heute gekauft? Tangokleidung? Nein. Tangoschuhe? Auch nicht: Einen riesigen Schirm. 

Milongas 
Mittwoch Fruto dulce: auf dieser Milonga war es für mich noch nie besonders, und auch diesmal besuchen in erster Linie Paare, und jüngere Singlemänner und Singledamen die Villa Malcolm. Gerhard kann dafür aus dem Vollen schöpfen und das Niveau ist sehr gut. 

Donnerstag: La milonga de los zuccos befindet sich an der ehemaligen nino bien Location und ist für uns neu. Am Anfang ist tote Hose und wir sitzen getrennt- noch nie war ich auf einer Milonga so einsam. Aber dann werde ich sehr entschädigt und tanze einige super Tandas mit Leroy aus Chicago, Thomas aus Shanghai und einem Koreaner namens --- Diego??? Ich bin jedenfalls wieder im Geschäft. 

Apropos: auch comme il faut haben wir einen Besuch abgestattet und ich war die einzige Kundin, um die sich gleich 2 Verkäuferinnen gekümmert haben: ein in unserer 9-jährigen Erfahrung bisher einzigartiges Ereignis. Grund dafür sind die Ferien. Und weil auch die Fabriken Betriebsurlaub haben, ist die Auswahl an Schuhen relativ klein. 

Freitag haben wir unsere erste Privatstunde im DNI und gehen abends in das gute alte canning, oh yeah. Daran kann auch die Canyenge-Show nichts ändern, der ich üblicherweise nur wenig abgewinnen kann. Auch Robert(o) Redford, ein Urgestein dieser Milonga, ist noch sehr flott auf den Beinen und verpasst keine einzige Tanda. 

Samstag: leider die falsche Entscheidung getroffen, A puro tango im canning war ein Reinfall. Altersschnitt deutlich über dem bisherigen, Niveau eher niedrig, dafür habe ich ausschließlich mit Argentiniern getanzt und hatte mehr als genug "Herausforderungen". Der mit ca. 30 Jahren geradezu jugendliche Pedro hat ein eigenes Sportstudio und ist Boxlehrer, die Muckis unter seinem knappen Top sind ... Beeindruckend und fühlen sich echt nicht schlecht an (sorry, Schatz), wie ich bei den 2 Tandas feststellen konnte. Er erzählt mir frank und frei, dass seine Großeltern aus Deutschland stammen und 1945 nach Argentinien auswanderten,. Sie sind auch jetzt noch glühende Nazis. Mit ihm kann ich mich über den Film "Relatos salvajes" unterhalten: ihm hat die Geschichte mit der betrogenen Braut am besten gefallen, mir die erste mit dem Flugzeug. ins la Viruta im Anschluss will ich dann wegen des Steinbodens nicht mehr, aber so ist der Abend irgendwie unbefriedigend. Heute machen wir es besser! 

Unser Auslandskorrespondent Gerhard berichtet: Eine junge Blondine schaut seit mehreren Tandas immer wieder seeeehr lange zu mir herüber. Durch ein kurzes Kopfnicken über mehrere Tischreihen hinweg fordere ich sie bei einer Tangosession auf. Sie ist bereits vor mir auf der Tanzfläche und ihre ersten Worte sind: hallo, ich weiß zwar nicht mehr wie du heißt, aber du bist aus Linz.....es stellt sich dann heraus, dass ich Ria (Name von der Redaktion geändert) bei Ihrem ersten großen Tangoevent, dem Amadeus in Wien, sehr geholfen hab, die erste "Angst" abzulegen. Oh du kleine Tangowelt! 
Danach erzählt mir Keiki aus Japan, dass sie im Dezember in Österreich war und hier in Argentinien leider keine Mozartkugeln findet, die ihr so gut geschmeckt haben....und der Tafelspitz....aber das klingt dann schon fast, wie aus dem Buch gelernt 
Übrigens haben wir für befreundete Argentinier tatsächlich Mozartkugeln mitgebracht 

Fortsetzung folgt 

Eintrag # 57

0

Autorin:

Karin

Geschrieben am:

01.02.2015 16:25:00

Milonga von Katrin Dorn 

Dieses Buch ist nur mehr gebraucht erhältlich, ich habe es bei einer mit Amazon kooperierenden Buchhandlung antiquarisch um satte €1,99 plus Porto gekauft Aktuell sogar ab €0,13 erhältlich! 

Katrin Dorn war mir als Autorin schon bekannt und treue LeserInnen dieses Blogs können sich vielleicht noch an meine Rezension zu den "Tangogeschichten" erinnern. Auch in diesem Buch dreht sich, wie schon der Titel sagt, alles um den Tango, und die deutsche Autorin hat es wieder verstanden, mich mit dem spannenden Roman, der im Argentinien kurz vor Beginn der Militärdiktatur spielt, in ihren Bann zu ziehen. Sie erzählt in ihrem außergewöhnlichen Stil die Geschichte der Berliner Tangotänzerin Klara, die es in Deutschland nicht mehr aushält und Hals über Kopf nach Buenos Aires fliegt, um sich über sich selbst klar zu werden. Ihre Gedanken, Wünsche und Sehnsüchte schreibt sie in einem Tagebuch per Mail an sich selbst und auch ihre Liebesgeschichte mit Gustavo, dessen Vater aus Deutschland flüchten musste, vertraut sie dem WWW an, was nicht ohne Folgen bleibt. 

Die Autorin, die eigentlich Psychologie studiert hat, weiß, wovon sie schreibt, so manche Milonga in Buenos Aires kam mir auf Grund ihrer Beschreibungen bekannt vor. Das originelle Buch - ein gelungener Mix aus Liebesgeschichte, Vergangenheitsbewältigung und Selbstfindung - hat mich gefesselt und meine Sehnsucht nach Buenos Aires ist noch größer geworden: Das Buch kann ich auch Nicht-TangotänzerInnen wärmstens empfehlen! 

Hier noch eine Leseprobe: 

Gestern sind wir wieder tanzen gegangen, las Bruno. Klara hatte lange nicht geschrieben, aber jetzt war das Fenster bis zum unteren Rand mit Zeilen gefüllt. Bruno holte sich einen Kaffee an der Theke, machte es sich bequem und las weiter. 
Wir haben schon eine Stunde getanzt, da fragte mich Gustavo mit einem Mal: 'Woran denkst Du, wenn wir miteinander tanzen?' Ich hatte gerade an meine Eltern gedacht und mir vorgestellt, wie sie sich aufregen werden, wenn sie meinen Brief erhalten. Und ich dachte, dass es mir egal ist. Ich habe kein schlechtes Gewissen mehr, weil ich tue, was ich für richtig halte. 'Ich weiß, dass sie gern eine andere Tochter als mich hätten.', sagte ich zu Gustavo. 'Und es tut mir auch leid, dass ich das nicht für sie sein kann.'
Gustavo schwieg. Es sah aus, als ob ihm nicht gefiel, was ich gesagt hatte. Ich fügte hinzu, dass das alles ja auch nicht so schlimm sei. Schließlich gibt es ja meine beiden Schwestern. Auch, wenn ich sie nie leiden konnte, weil sie sich immer über mich lustig gemacht haben, jetzt bin ich doch froh, dass sie da sind und dass sie so sind, wie sie sind. Hätten meine Eltern nur mich, sie würden wahrscheinlich sehr unglücklich sein. Das versuchte ich Gustavo zu erklären, aber er unterbrach mich. 
'Wenn es so wäre, dann wäre alles anders und Du würdest sie nicht allein lassen!' Er war mit einem Mal wütend und ich fragte ihn warum. 
'Es gefällt mir überhaupt nicht, dass Du in meinen Armen über alles nachdenkst, was Dir so in den Kopf kommt.', sagte er. Er meinte, dass es schwer genug sei, in einem vollen Saal zu tanzen. Er könne es sich jedenfalls nicht leisten, beim Tanzen über seinen Vater nachzudenken. 
'Aber mein Körper ist vollkommen auf Dich konzentriert', sagte ich. 'Und wenn meine Gedanken beim Tanzen in Bewegung geraten, das ist doch nichts schlechtes. Und außerdem ist das doch nur so, weil Du mich so wunderbar führst.'
'Na fein', sagte er. 'Das ist aber nicht gerade das, was ich erreichen will.' 'Was willst Du denn erreichen?', fragte ich, und er fuhr mich an: 'Dass wir zu zweit nur EINEN Tango tanzen und nicht jeder sein Tänzchen macht! Darum geht es ja wohl, oder nicht? Warum schließt Du eigentlich nie die Augen beim Tanzen?' Ich erzählte ihm, dass in Berlin mal ein Mann sauer auf mich war, weil ich die Augen geschlossen hatte. Er meinte, so würde ich die gesamte Verantwortung ihm allein überlassen. 
'Berlin ist vorbei', blaffte Gustavo mich an. Er zog mich vom Stuhl hoch. 'Schließ die Augen', befahl er mir. Ich tat es. Er fing an zu tanzen, aber ich stolperte schon beim ersten Schritt. 
'Wovor hast Du Angst?', fuhr er mich an. 'Denkst Du, dass ich nicht richtig führen kann?' Ich schüttelte den Kopf. 'Dann LASS Dich führen!', sagte er. 
Ich schloss die Augen wieder und mit der Zeit ging es. Nach ein paar Tangos fühlte ich mich sogar sicherer, wenn ich die Augen zuhatte. Er hatte Recht. Auf diese Weise nahm ich seine Impulse viel deutlicher auf. Der Raum und die anderen Tänzer verschwanden im Dunkeln. Und meine und seine Schritte waren das einzige, was noch existierte. Wir haben bis zum letzten Tango getanzt. Gustavo hat nicht ein einziges Mal gelacht. Und als wir nach Hause gingen, haben wir die ganze Zeit geschwiegen. Aber mit einem Mal, kurz bevor wir zu Hause waren, hat er meine Hand genommen, und im Fahrstuhl zog er mich an sich. 'Wir gehören zusammen', hat er mir ins Ohr geflüstert. 'Versprich mir, dass das nicht mehr aufhören wird.' 
Ich habe es ihm versprochen. 
Ich werde keine Nachrichten mehr an mich selbst schreiben. Ich brauche sie nicht mehr. Ich gehöre zu Gustavo. Und es ist nicht mehr notwendig, Worte für alles zu finden.

Eintrag # 56

0

Autorin:

Karin

Geschrieben am:

01.02.2015 14:22:00

OÖ Nachrichten: Artikel zur Linzer Tangoszene


Eintrag # 55

0

Autorin:

Karin

Geschrieben am:

20.12.2014 19:00:00

Frohe Weihnachten!

Eintrag # 54

0

Autorin:

Karin

Geschrieben am:

27.10.2014 16:22:00

La Parada - Villa Tacchi/Vicenza

Italien ist nicht nur das Land, wo die Zitronen blühen, sondern auch Männer mit so extravaganten Namen wie Massimo, Alejandro und Eleonardo gedeihen hier unter der südlichen Sonne prächtig. Wenn sie dann noch dazu mein Tango-Stockmaß haben und gut tanzen können, fühle ich mich jedes Mal wie im Paradies! Bei diesem encuentro treffe ich zu meinem großen Vergnügen nicht nur gute alte Bekannte von der Villa Giacomelli, 

sondern auch 2 Italiener wieder, mit denen ich schon in Buenos Aires gern getanzt habe! 

La Parada wird im exklusiven 4-Stern-Ressort Villa Tacchi in der Nähe von Vicenza ausgetragen: Eine eigene Kapelle, ein Pool und ein perfekt angelegter Park, das schöne Interieur, Fresken im Tanzsaal 

aber leider, wie in Italien sehr üblich, auch ein Steinboden, der meine Füße bei der ersten tanda des Tages regelmäßig zum Knirschen bringt. Nicht nur wir Damen jammern im Kollektiv, auch die Herren leiden unter dem harten Marmor. 

Im sehr schön gedeckten Speisesaal nehmen wir 2 x ein 4-Gang-Menü zu uns und die italienischen KöchInnen demonstrieren uns, was bei Pasta unter al diente zu verstehen ist. Tja, dagegen sind die Nudeln bei uns zu Hause nahezu zerkocht! Mit List und Tücke ergaunerte ich für unseren Tisch eine zusätzliche Portion des köstlichen Tiramisu, die Kalorien brauche zwar ich am dringendsten, teile aber trotzdem schwesterlich mit meinen TischgenossInnen. 

Die Wände sind mit den Wappen aller italienischen Adelsfamilien geziert und das sind eine ganze Menge, das könnt Ihr mir glauben! Besonders angesprochen fühle ich mich vom Wappen der von und zu Naso, das könnte, bei meinem überaus zarten und edel geformten Riechorgan, mein fürstliches Hauswappen sein. Carina de la Naso hört sich doch super an. Vielleicht wird das mein Facebook Name, wenn ich mich doch mal dazu überwinden kann ... 

Auszug aus "Schöner Wohnen": Die Hausherrin Carina de la Naso vor ihrer Villa in der Nähe von Vicenza 

Vicente ist um einiges kleiner als ich, aber er nimmt mich mit seiner unbändigen Energie und perfekten Führung auf eine Milonga-Session wie in einem jap. Hochgeschwindigkeitszug mit und braust mit gefühlten 400 km/h durch den gut gefüllten Tanzsaal. Da muss ich wirklich alles rundherum ausblenden und ihm zu 100 % vertrauen, sonst klappt es nicht bei diesem Tempo. Nach den 3 Tänzen komme sogar ich fast ins Schnaufen und muss die nächste tanda pausieren, und das heißt was! Kleiner Tipp unter Mädels: Beim Tanzen "einfach" auf das Reptiliengehirn verlassen und nicht denken, also nicht agieren, sondern nur reagieren. Der Olivenkernkomplex, der im Gehirn eine wichtige Funktion in der Feinabstimmung und Koordination von Bewegungen hat, wird so trainiert. Vielleicht ist das der Grund dafür, dass ich so tangostoned bin 

Von Vicenza, Unesco Weltkulturerbe, bin ich sehr begeistert: Kunst- und Industriestadt, ca. 60 km unterhalb von Venedig, gehörte sogar mal für kurze Zeit zum Habsburgerreich. Jetzt auch mir bekannt für seine Schmuck- und Bekleidungsindustrie (z. B. Diesel und Bottega Veneta) 

Der Architekt Andrea Palladio (1508 - 1580) hat hier überall seine Spuren hinterlassen und wir sehen bei der fast 4stündigen Stadtführung am Samstag davon eine ganze Menge, z.B. die prächtige Villa La Rotonda am Stadtrand. 

Unsere Führerin schleppt uns in der riesigen Fußgängerzone der Innenstadt von Palazzo zu Palazzo und hat keine Gnade mit unseren Füßen. Auf der Piazza Signori warten wir auf den Bus zurück zur Villa Tacchi, die Luft ist erfüllt von Schokoladeduft vom "Cioccolando Vi", das an diesem Wochenende stattfindet und ein Muss für alle Schokolade-Junkies der näheren und weiteren Umgebung ist. Hier gibt es sogar High Heels und Smartphones aus der süßen Droge. 


Nicht nur die ItalienerInnen sind in Vicenza superschick, auch die Hunde und vor allem die Hündinnen werden ordentlich herausgeputzt, der Neid könnte einen fressen! Wo bitte gibt es dieses Tuch - ein richtiges Will-Haben-Teil!!! 

In einer Auslage entdecken wir zwei 5kg-Gläser Nutella und ich kann Gerhard nur mit äußerster Mühe von einem Kauf abbringen, indem ich auf das Ablaufdatum verweise: 17.10.2014, also heute!!! Das wäre nicht mal für ihn zu schaffen 

Nur 7 Österreicherinnen haben sich hierher verirrt, einer davon Bernhard G. als TJ. Susan aus England hat sich einen Leihwagen ohne Navi ausgeborgt und ist heilfroh, dass sie uns mitnehmen kann: Die Fahrt mit ihr als üblicherweise Rechtslenkerin vom Hotel zur Villa Tacchi wird zum Nervenkitzel, aber mit vereinten Kräften schaffen wir es und finden auf Schleichwegen und mit heiler Haut doch noch hin. 

Fast 6 Stunden Fahrzeit von Linz inach Vicenza sind an der Schmerzgrenze und wir sind noch nicht sicher, ob wir uns das im nächsten Jahr wieder antun werden. Für alle, die jetzt Gusto bekommen haben: Organisation, TJs, Shuttle, Ausflug nach Vicenza, Tango-Kleidung für sie und ihn in reicher Auswahl und Tango-Schuhe, spätsommerliche Temperaturen sowie die Location mit Ausnahme des Bodens waren echt super.

Eintrag # 53

0

Autorin:

Karin

Geschrieben am:

15.08.2014 19:55:00

Abrazos de corazon

Tja, Kärnten ist gefährlich, wenn man in den Bergen unterwegs ist. Eine Arbeitskollegin wurde dort von einer Kupferotter gebissen und musste sogar mit dem Notarzthubschrauber ("geil") ins Tal gebracht werden. Der Biss hat aber nicht so geschmerzt wie die 4.000€  Bergekosten ("aua!"). Gut, wenn man über den Alpenverein oder die Kreditkarte für solche Eventualitäten versichert ist. 

Auf Schloss Moosburg in der Nähe von Pörtschach war es vergleichsweise ungefährlich, aber schön! Das Schloß wurde liebevoll revitalisiert und die Zimmer sind nicht nur vom Preis her (trotz des 15%igen Rabatts für TangotänzerInnen) luxuriös. 

Auch die originalgetreuen Stufen - abwechselnd zwischen gefühlten 5 und 20 cm hoch - wurden belassen und machten das Stiegensteigen auf High Heels zum Balanceakt. Nur mit der Tuchent waren wir gar nicht glücklich und haben daher sehr schlecht geschlafen - mit war es viel zu heiß, ohne dafür - bei immerhin 80 cm dicken Mauern - viel zu kalt. Für den versprochenen freien Internetzugang hätte man wahrscheinlich 10 WLAN-Verstärker gebraucht, so war nix zu machen. 

Dafür ist es auf den Milongas, nicht nur weil Anfang August war, heiß hergegangen und schöne Tanzerlebnisse mit Tangobegeisterten aus Italien, Slowenien, Deutschland und natürlich auch Österreich haben uns ordentlich zum Schwitzen gebracht - zig Fächer standen während der Cortinas in hektischem Dauereinsatz! 

Unseren ursprünglichen Plan, die angrenzende Straußenfarm zu besichtigen, haben wir kurzfristig verworfen. So nett die Baby-Strauße auch aussehen, wenn sie fangen spielen, sind die erwachsenen Hähne bei der Verteidigung ihres Harems (immerhin bis zu 20 Hennen) gefährliche Biester. 

Einem Züchter in der Wachau würde, wie mir meine Freundin Sabine nach einem Besuch dort erzählt hat, erst kürzlich ein Auge ausgeschlagen und der Kiefer gebrochen. Aber vielleicht sollte der Straußenmann in die Pfanne wandern. Auch die Speisekarte in Schloss Moosburg wird von Straußenfleisch dominiert, leider konnte ich außer einem kleinem Salat nix rein Vegetarisches entdecken. 

Dafür waren die im Preis inbegriffenen Snacks während des encuentros sehr abwechslungsreich, reichhaltig und köstlich! Auch mit der Organisation waren wir sehr zufrieden und es gab viele der angekündigten abrazos de corazon

Vlado aus Slowenien fragt uns,ob wir Magnus kennen. Er hat vor einiger Zeit ein Wochenende in Eschelberg verbracht und bezeichnet Magnus Tanzstil als "kind of sexual act". Auch seine Tanzschlapfen sind ihm in lebhafter Erinnerung geblieben. 

Auf unserem Weg nach Kärnten besuchen wir das erste mal seit mindestens 30 Jahren wieder Minimundus in Klagenfurt und sind begeistert! 156 Miniaturen von berühmten Gebäuden aus der ganzen Welt sind hier zu bestaunen und es bewegt sich viel - die Anlage ist auch ein Eldorado für Eisenbahn-Freaks. Der Petersplatz von Rom ist komplett im Maßstab 1:25 nachgebaut und für diese Futzelarbeit hätte ein einzelner Handwerker mehr als 30 Jahre gebraucht. 

Auch den Start eines Space Shuttles erleben wir live mit, inklusive Countdown und Rauchwolke - entzückend und beeindruckend, was man sich hier alles hat einfallen lassen. 

Zu einem Besuch in Kärnten gehört im Sommer natürlich auch der Sprung ins kühle Nass eines Badesees! Für mich, geeicht durch meine Jugend am Traunsee (Rekord 13 Grad) sind die 20 Grad des Wörthersees geradezu harmlos und Gerhard, für den sogar 30 Grad noch zu frostig sind, bewundert meinen Durchmarsch ins Wasser. 

Auch wenn 17 Euro für 2 vegetarische Maultaschen und Salat für das gemeinsame Abendessen am Samstag sehr stolz sind, haben wir viel Spaß am 1er-Tisch mit Tangomax in Höchstform. Als Nachspeise gibt es Kärntner Reindling, ein Germgebäck mit schrecklichem Ruf, das massive Befürchtungen für die anschließende Milonga weckt. Aber sooooo schlimm war es dann gar nicht 

Wie uns Hans-Peter als waschechter Schwabe erzählt, wurden die Schotten wegen ihrer Verschwendungssucht vor Jahrhunderten aus dem Schwabenland verjagt und haben sich später in England niedergelassen. Dort leben sie jetzt vergleichsweise in Saus und Braus. 

Edi aus Italien versuche ich aus gegebenem Anlass zu erklären, was man in Österreich unter Frufru (Sauermilch mit Marmelade) versteht und wir haben beide beim Tanzen einen Grinser im Gesicht. Beim vals Fru Fru wird er ab jetzt sicher immer an mich denken. 

Am Sonntag bei der Milonga war es am späteren Nachmittag schon eher ruhig und auch ich muss nach 3 intensiven Tagen um 18 uhr w.o. geben. Meine Füße haben schon einige Zeit vorher die weiße Fahne gestreckt, da nützen auch die 10 Magnesium Brausetabletten, die ich eingeworfen habe, und die Sauerstoffflasche nix. 

Am Heimweg kommen wir an der Ortschaft St. Veit in der Gegend vorbei und beim Frisiersalon Struwwel-Petra, der mit entsprechendem Foto in der Auslage Kundschaft anzulocken versucht. 3 glückliche Tage in Kärnten liegen hinter uns - das wollen wir nächstes Jahr wieder 

Eintrag # 52

0

Autorin:

Karin

Geschrieben am:

08.06.2014 10:31:00

Urlaub mal nicht in Bs.As.

Laibach und Venedig 

Wenn wir im Urlaub sind, ist Gerhard immer ausgesprochen arm. Nicht nur, dass ich mich im Schlaf herumwerfe wie ein Nilpferd, was bei einer Doppelmatratze von erheblichem Nachteil sein kann, beraube ich ihn auch regelmäßig seines rechtmäßigen Anteils an der Decke und er läuft allnächtlich Gefahr, einen jämmerlichen Erfrierungstod zu sterben. Schließlich bleibt ihm laut eigenen Angaben nur ein Fitzelchen in der Größe eines Taschentuchs. Dafür bestraft er mich, indem er schon zu früher Morgenstund fröhlich aus dem Bett springt und mich durch ständiges Mausklicken um meinen Schönheitsschlaf bringt. Die schrecklichen Konsequenzen sind dann ganz deutlich erkennbar 

Am Freitag nutzen wir unsere noch nicht vom Tanzen strapazierten Füße und streifen durch die schöne Stadt Ljubljana. Wir erklimmen (manche von uns doch etwas keuchend) den steilen Berg, der zur Burg führt sowie den dazugehörigen Turm und sind besonders von den gegenläufigen Wendeltreppen beeindruckt. 

Links ein Kavalier als Tanzgerät und rechts ein Kavalier als Transportmittel, bemerkenswert auch der Luster, der im Freien doch überrascht. Alles weltweit ziemlich einzigartig 

Die Zeche zu prellen, ist in dieser Diskothek definitiv keine gute Idee: 

Österreich ist auf dem 3tägigen Encuentro in Laibach stark vertreten. Weil die Nachmittagsmilongas dort stattfinden, leisten wir uns ein Zimmer im noblen Gran Hotel Union, einem schönen Jugendstilgebäude unmittelbar bei der Fußgängerzone. Abends wird im Congresszentrum getanzt. 

Ich: hallo Paul, schön Dich wiederzusehen. 
Er: ui, das ist mir jetzt echt peinlich, aber ich kann mich an Deinen Namen nicht erinnern. 
Ich: und tschüss! 
Ich löse mich aus der Umarmung und wende mich wieder meinem Platz zu. 
Er (hastig): Nein warte, ich weiß noch, dass wir so schön miteinander getanzt haben! 
Ich: Stimmt! 
Er: Das war in Wien. 
Ich: Nein, Meggenhofen. Und tschüss! 
Wieder mache ich Anstalten, mich hinzusetzen. 
Er: Oje, bitte gib mir noch eine Chance. Aber ich tanze mit so vielen Frauen, es ist so schwer, sich alle Namen zu merken! 

Hat Spaß gemacht, Paul ein bisschen aufzuziehen. Nur zu gern verzeihe ich ihm. Mir ist es völlig egal, ob er sich an meinen Namen erinnert oder nicht, Hauptsache, wir tanzen wieder schön 

Am Sonntag bei der Bootsfahrt für die TeilnehmerInnen des Encuentros hält auch der idyllische Fluss Ljubljanica einige Überraschungen bereit: Immer wieder sehen wir Nutrias herumschwimmen und 2 Hunde machen sich sehr gut als Galionsfiguren auf dem Surfbrett ihres Herrchens. Köstliche Brownies als Nachspeise haben uns diesen netten Ausflug noch mehr versüßt. 

Eigentlich wollten wir zwischen Laibach und Venedig noch einige Tage Badeurlaub in Kroatien einschieben, aber eine Schlechtwetterfront hat uns davon überzeugt, dass Italien die bessere Option ist. 

Auf unserem Weg nach Venedig kommen wir am Ort Prosecco vorbei, sehr zu meinem Leidwesen aber ohne Zwischenstopp. Als kleine Entschädigung schlägt Gerhard zu meiner großen Überraschung selber einen Rundgang durch das Designer Outlet kurz vor Venedig vor - ein Jahrhundertereignis. Sein Edelmut - einzige Ausbeute war übrigens ein T-Shirt für ihn - wird in Form eines Autos mit Wiener Neustädter Kennzeichen belohnt, das unmittelbar vor uns an der Kassa der Autofähre in der Warteschlange steht und dessen Fahrer uns wertvolle Tipps für die Fähre und für Venedig gibt. Die Überfahrt kostet übrigens 35 Euro einfach, und es kommt genau auf die Anzahl der Fahrgäste, die Automarke und das Modell an. Jeder Zentimeter der Ladefläche wird genutzt. 

In der Lagunenstadt gibt es alle möglichen Arten von Schiffen - oder sind das Boote? Transportschiffe, Taxiboote, Hybridboote, Kranboote, Gondeln, Autofähren, Vaporettos, Postboote ... 
Jedenfalls ist ordentlich was los auf den Kanälen und vor allem vor dem Markusplatz kann das Gondelführen und Gondelfahren kein Vergnügen sein. Zahlreiche TouristInnen, vor allem aus dem asiatischen Raum, lassen es sich aber trotzdem nicht nehmen. 

Hier eine Möwe, die - als Vegetarierin? - den Tauben am Markusplatz Konkurrenz macht. 

Der Eintritt ist zwar geschmalzen, aber der Dogenpalast ist bei einem Venedig-Besuch fast Pflichtprogramm. Wir lassen uns auch das schaurige Gefängnis nicht entgehen, in das man über die Seufzerbrücke kommt. Hier ist übrigens Casanova eingesessen, allerdings in den Bleikammern unter dem Dach, wo man im Sommer als Strafverschärfung so richtig schön brutzelt. Sein 2. Ausbruchsversuch war dann erfolgreich. 

Tja, auch Gerhard hat auf der Seufzerbrücke einige Stoßseufzer von sich gegeben. Dabei hat er überhaupt keinen Grund - immerhin ist er mit mir verheiratet! Ich muss ihn wohl demnächst einer genauen inquisitorischen Befragung unterziehen! 

Auch den sehr empfehlenswerten Obst-, Gemüse- und Fischmarkt bei der Rialtobrücke besuchen wir. Bei einem Stand werden Möwen ab und zu mit Sardinen gefüttert, die sie blitzschnell schnappen. Werden sie zu frech und wollen sich selbst bedienen, bekommen sie eine Ladung Eis, was sie mit empörtem Kreischen quittieren. 

Das Guggenheim Museum lockt uns mit einer Sonderausstellung zum Thema Manierismus und Surrealismus unter dem Titel 'For your eyes only', bei der u.a. Werke von Hieronimus Bosch, Max Ernst, Salvador Dalí, Andy Warhol und René Magritte gezeigt werden. Auch Inferno-Szenen sind dabei, die ich sehr mag, weil ich mir dort immer wieder mal kleine Anregungen holen kann, wenn Gerhard schlimm war. 
Auf diesem Bild von Dalí sieht man nicht nur Reiter und so weiter, sondern AUCH - aber da müsst Ihr schon selber draufkommen!

Im Garten des Museums hat Peggy Guggenheim mit ihren geliebten Lhasa Apso-Hunden ihre letzte Ruhestätte gefunden. 

Bei meinem letzten Besuch auf der Insel Murano hat es so was noch nicht gegeben: Die Glasbläser haben ordentlich aufgerüstet und sich dem Zeitgeschmack angepasst. Vor allem die Werke dieses Künstlers sind uns aufgefallen. Seht Ihr, was so eine kleine Figurine kostet? Euro 4.500 !!! Auch verschiedene Luster hat er mit erotischen Motiven gestaltet - in Zeiten von "Shades of Grey" für AmerikanerInnen mit dem entsprechenden "Klein"geld sicher reizvoll. 

Habt Ihr eigentlich gewusst, dass es auch nachtaktive Ameisen gibt? In Italien zumindest schon! In 2 Hotels haben wir nach unserer Rückkehr von den Milongas im Bad richtige Invasionen beobachtet, während tagsüber keine einzige Ameise zu sehen war. Haben diese intelligenten Tiere etwa gecheckt, dass sie bekämpft werden, wenn sie in der Tagschicht tätig sind? Den Kollektivvertrag möchte ich sehen! Nacht- und Schwerarbeiterzuschlag, Gefahrenzulage ... 

Die Milonga im Hotel Hungaria, einem Schmuckstück im Jugendstil, ist sehr gut besucht, weil viele dann am nächsten Tag in die Villa Giacomelli weiterreisen und einen Abstecher nach Venedig damit verbinden. Wegen eines 24stündigen Streiks der Schifffahrtsbediensteten ab Donnerstag 24.00 Uhr wird die Milonga zeitlich etwas vorverlegt, damit die TeilnehmerInnen noch das letzte vaporetto nach Venedig erwischen. Wir bleiben bis Samstag am Lido und genießen unseren letzten Urlaubstag (und unsere letzte Urlaubsnacht). 

Eintrag # 51

0

Autorin:

Karin

Geschrieben am:

07.01.2014 18:35:00

Noches de invierno in Reichenau an der Rax

Der kalte Fliesenboden im Bad unseres Hotelzimmers wird während dieser 3 Tage in Reichenau mein bester Freund. Ich bekomme zwar möglicherweise eine Blasenentzündung oder einen Schnupfen, aber Hauptsache, ich kann nach dem Tanzen meine nackten Hobbitfüße dort wieder auf eine halbwegs akzeptable Breite schrumpfen. Die noches de invierno kommen für meine Füße zu früh, nur 2 Monate nach dem operativen Super-Gau am 4. November reagieren sie auf Beanspruchung noch mit sehr deutlicher Schwellung. Seit dem 24. Dezember kann ich aber wieder mit meinen heißgeliebten High Heels tanzen - mein schönstes Weihnachtsgeschenk! 

Beim Check-in bekommen wir neben Armbändchen auch Untersetzer für unsere Gläser, auf deren Rückseite die Spielregeln für den Marathon angeführt sind. Natürlich ist dort auch alles fürs korrekte Auffordern nachzulesen, aber leider halten sich weit nicht alle tangueros an die sinnvolle Regelung von mirada und cabeceo. 

Ein Tänzer aus Deutschland tippt mir von der Seite auf die Schulter und ich kann nicht umhin, ihm zu sagen, dass diese Einladung abenteuerlich ist, wir aber nochmal von vorne beginnen können: ich schaue ihn an, er nickt mir zu, ich nicke zurück und ab geht's. Nach jeder milonga posaunt er lauthals und voller Begeisterung: "Meine Herren" und auch ich habe es nicht bereut, ihm eine 2. Chance gegeben zu haben. 

Auch Ian aus Neuseeland ist eine Erwähnung wert, gibt es doch nicht viele, die mich beim Tanzen zum Lachen bringen und schon gar nicht dazu, meine Zunge dabei herauszustrecken (Beweisfoto in der Galerie). Er berichtet in den Tanzpausen von der zwar kleinen, aber sehr enthusiastischen Tangoszene in seiner Heimat (immerhin 5 x wöchentlich Tango bei 50 TänzerInnen beneidbeneid). Als ich ihm erzähle, dass meine Eltern nach Neuseeland auswandern wollten, als ich noch ein Baby war (nicht gelogen!),rauft er sich symbolisch die Haare, weil wir dort ständig miteinander hätten tanzen können. Vereitelt hat die Pläne meiner Eltern nur meine Oma, die mit sofortigem Selbstmord gedroht hat. 

Obwohl ich mich aus orthopädischen Gründen die meiste Zeit in der hintersten Ecke des Tanzsaals verstecke, habe ich sehr schöne Tanzerlebnisse. Besonders mit Mario, einem Schönheitschirurgen aus Roma (wer weiß, für was diese Bekanntschaft nochmal gut ist :-)) habe ich viel Spaß. Er bringt mich an die Grenzen meiner tänzerischen Kapazitäten und ich freue mich sehr, dass ich schön langsam wieder zu meiner alten Form zurückfinde. 

Die TJs und TJanes an diesem Wochenende waren gut ausgewählt, besonders hat mir aber Konrad Krynski gefallen: nicht nur, dass er bei einem Tango die Geschwindigkeit ständig steigert, was ihm einen verdienten Zwischenapplaus einbringt, hält er auch die cumparsita an einer passenden Stelle an und entzückt mit dieser ungewohnt langen Pause den ganzen Saal. 

Auch mit der Organisation des encuentros und der im Eintrittspreis inbegriffenen Verpflegung (Kaffee und Kuchen, alkoholfreie Getränke und Mitternachtsimbiss) waren wir sehr zufrieden. An der Veranstaltung gibt es aus unserer Sicht gar nix auszusetzen, auch wenn von PuristInnen angeblich kritisiert wurde, dass nicht ausschließlich im Milonguero-Stil getanzt wurde. 

Im Partnerhotel Marienhof hat uns besonders das reichhaltige und ausgezeichnete Frühstück bis mittags begeistert und auch der Late Check-Out war kein Problem. Sehr gefreut haben wir uns über die vielen Freunde und Bekannten aus nah und fern, die mit uns dieses Fest gefeiert haben! Es war aber auch spannend, neue Tanzbekanntschaften aus den verschiedensten Ländern zu machen. 

Eigentlich wollte ich am samstag Abend etwas Außergewöhnliches anziehen, habe dann aber doch auf ein bewährtes Kleid zurückgegriffen: die Welt war noch nicht reif für diese raffinierte créacion. Aber eine passende Gelegenheit wird kommen, und sei es auf dem nächsten Reichenauer encuentro:-) 
Da capo bitte! 

Dank an Yury Verderevsky für das Foto

Eintrag # 50

0

Autorin:

Karin

Geschrieben am:

21.12.2013 09:57:00

Weihnachten 2013

Leben alleine genügt nicht, sagte der Schmetterling.
Sonnenschein, Freiheit und eine kleine Blume muß man auch haben.


 

Bei diesem Zitat von Hans Christian Andersen muss ich natürlich ans Tanzen denken.
Für 2014 wünschen wir Euch viele dieser Blumen, die so glücklich machen und die man eben auch manchmal auf der Tanzfläche findet.

 

Habt ein gutes Jahr und schöne Weihnachten!

Karin & Gerhard

Eintrag # 49

0

Autorin:

Karin

Geschrieben am:

28.10.2013 22:30:00

Milonga am Staatsfeiertag

Die Gästehaus im Werksgeländer der Vöest-Alpine war nicht leicht zu finden, aber alle, die kommen wollten, haben's auch geschafft - oder irren noch welche herum? 
Die Lokalität ist ja sehr schön und der Holzboden auch okay. 
TJ Giuseppe hat keine Tanda gespielt, zu der ich nicht tanzen wollte und hat außerdem einigen Damen bewiesen, dass er auch ein erstklassiger Tänzer ist. 
Das Personal - 2 Personen, die nur für uns da gewesen sind - haben uns mit Schinken-/Käsestangerl, Gourmetbrötchen und Süssigkeiten verwöhnt. Der Rotwein war auch ein Genuss. 
Mit 46 Besuchern waren wir zwar am unteren Limit, aber offenbar war es ein ungünstiger Termin. 
Wir werden jedenfalls alles daran setzen, eine Wiederholung zu starten, diesmal hoffentlich an einem günstigeren Datum. 
Danke jedenfalls all unsere Tangofreunde und -innen, die solche Events möglich machen - durch Einsatz, Teilnahme und/oder Vereinsmitgliedschaft.

Eintrag # 48

0

Autorin:

Karin

Geschrieben am:

14.09.2013 07:33:00

Tango en punta - Bregenz

Ich weiß nicht, ob wir noch etwas frei haben, sagt mir die freundliche Dame vom Tourismusverband Vorarlberg. Nach einigem Suchen im WWW gibt sie mir dann doch eine Telefonnummer durch, unter der ich es probieren kann. Wir haben Glück und bekommen die allerletzte freie Unterkunft in Bregenz. So spät gebucht haben wir nur deshalb, weil ich letzte Woche ein neues Bad bekommen habe und Freitag noch als Reservetag für die Handwerker gedacht war. 

In 4 h 38 schaffen wir es ohne Boxenstopp via Salzburg. In München springen mir gleich einige bunte Plakate ins Auge. Wahlkampf brutal in Bayern. Ein in der Zwischenzeit verbotenes Plakat einer rechtsextremen Partei zeigt 4 verschiedenfärbige Popos und fragt provokativ: Und welchen A. wählen Sie? Dagegen ist der Wahlkampf in Österreich direkt harmlos - trotz FS und HCS. 

Bei unseren Autofahrten nehmen wir immer 2 Navigationsgeräte mit - TomTom und die Navigatorin, die wir vor einigen Jahren beim Hofer gekauft haben. Gerhard kann sie nicht leiden, weil sie ihn immer hartnäckig und gnadenlos auf Geschwindigkeitsüberschreitungen hinweist, während sich bei TomTom nur das Feld mit der aktuellen Geschwindigkeit kommentarlos rot färbt. Beide Geräte kennen die Bregenzer Adresse nicht, obwohl TomTom frisch abgedatet ist - uns schwant Böses, aber letztendlich finden wir doch noch hin. 

Unser Zimmer im 2. Stock der eigentlich noblen Villa war offensichtlich früher mal ein Dienstbotenquartier und das Bad wurde nachträglich noch hineingequetscht. Gerhard passt kaum in die Dusche, die noch dazu eine ockerfarbene Duschtasse hat - die 70er Jahre lassen grüßen. Ich habe ihn zwar beim Duschen fotografiert, aber er hat mir strengstens untersagt, dieses historische Dokument ins Netz zu stellen. Sorry Mädels, da hilft nur eine Unterschrifteninitiative - vielleicht lässt er sich dann doch noch erweichen. Das schlimmste sind aber die räumlich sehr weit getrennten Betten - das 1. Mal in unserer doch schon langjährigen Beziehung, dass wir nicht nebeneinander schlummern. Dieses Zimmer hat definitiv nicht mal einen halben Stern verdient und wir denken sehnsüchtig an das frisch renovierte Bad zu Hause (als Ersatz gibt es davon ein Foto). 

Unter der Bezeichnung Bodensee fasst man die drei im nördlichen Alpenvorland liegenden Gewässereinheiten Obersee, Untersee und Seerhein zusammen. Es handelt sich also um zwei räumlich nahe liegende Seen, die durch den Seerhein - einen Abschnitt des Rheins - miteinander verbunden sind (sagt zumindest die kluge Wikipedia). Österreich, Deutschland und die Schweiz teilen sich ca. 536 km2 Wasseroberfläche. 

Weil der See so groß ist, gibt es sogar eine eigene Zeppelin-Airline. Übrigens wurde im Zeppelinmuseum im auf der deutschen Seite des Sees gelegenen Friedrichshafen im Juli 2013 der 175. Geburtstag von Graf Zeppelin gefeiert. Heiraten kann man ja in der Zwischenzeit an den spektakulärsten Orten - auf hohen Berggipfeln, unter Wasser oder im Iglu. Aber auch im Zeppelin kann man sich das Ja-Wort geben - buchbar in Vorarlberg für alle, die jetzt auf den Geschmack gekommen sind! 

Bregenz ist eine sehr hübsche und überschaubare Stadt mit sehr verkehrsberuhigtem Zentrum. Jede Menge Fahrräder kreuzen unseren Weg durch die Fußgängerzone. KFZ-Parkplätze sind hier Mangelware und überall muss man Parkgebühren berappen. 

Der Arme - schon dieses Kennzeichen und dann auch noch ein Strafzettel ... 

Vorarlberg ist aber auch für Überraschungen gut: Huch, wer hätte das vom biederen Ländle gedacht. Im Erdgeschoss ist eine Konditorei und im 1. Stock ... 

Wir spazieren zum Festspielhaus, die hübsche Kulisse auf der Seebühne ist das Bühnenbild für Mozarts Zauberflöte. Und: Wie viele Drachen seht Ihr? (Tipp: Es ist eine gerade Zahl  ) 

Hier ist es überall peinlich sauber - nicht mal Hunde... ist zu entdecken. Kein Wunder, wird einem doch Abfallwirtschaft mit solchen Slogans schmackhaft gemacht. 

Das Festival 'Tango en punta' fand letztes Jahr unter dem Motto 'Inklusion' erstmals in Uruquay statt. Menschen mit Down-Syndrom soll im Rahmen dieser Festivalreihe Gelegenheit geboten werden, Tango tanzen zu lernen und es ist schön zu sehen, mit welcher Freude und Ernsthaftigkeit sie sich auch in Bregenz, mit finanzieller Unterstützung zahlreicher Sponsoren wie z.B. Land Vorarlberg und Casinos Austria und mit Support von Lebenshilfe und Caritas, zur Musik bewegen. 

Ein richtiger Don Juan ist auch darunter: Mit jeder Dame 1 einziger Tanz, und kaum ist der letzte Ton verklungen, lässt er sie auf der Tanzfläche stehen und sprintet zur nächsten. Bei den sogenannten IN-Milongas ist der Eintritt frei. 

Das Konzert von Solo Tango, einer 4köpfigen Formation aus Russland zusammen mit dem argentinischen Sänger Ariel Ardit, ist großartig. Von den 4 Lehrerpaaren gibt es am Freitag jeweils eine Einlage zur Live-Musik. Martin & Claudia und Arriadna & Fernando traditionell, die M & Ms (=Martín & Maurizio, danke HaraldJ) und Lucila & Joe contemporáneo und sehr beeindruckend. Auch die Shows am Samstag, vor allem die Milonga von Ariadna & Fernando, bleiben in Erinnerung. 

Unsere anfänglichen Befürchtungen, dass wir niemand kennen, erweisen sich bald als falsch. Wir treffen nicht nur Tangofreunde aus OÖ, sondern auch Bekannte aus Wien und Innsbruck. 

So schön das Festspielhaus auch ist, zum Tanzen ist die location nicht so gut geeignet: Der Boden ist aus Kunststoff, ziemlich schwache Beleuchtung und große Entfernungen zur anderen Seite des Saals machen Aufforderungen schwierig. Aber vielleicht gibt es ja diesbezüglich im nächsten Jahr Verbesserungen - 2014 ist die neuerliche Durchführung schon geplant. 

Am Weg zur Abendmilonga am Samstag treffen wir unsere Hauswirtin, eine sehr feine Dame der Bregenzer Upper Class, die mir sagt, dass ich aussehe wie ein Engel und sicher auch ein Engel bin. Da muss sogar ich widersprechen - der Schein trügt. Kommentar Gerhard: Wie wahr. 

Fazit: Hübsche Stadt, herrliches Wetter, Festival mit interessanten LehrerInnen und toller Live-Musik unter einem wichtigen Motto. Toll, dass so ein hochkarätiges Festival in Österreich stattfindet! 

Eintrag # 47

0

Autorin:

Karin

Geschrieben am:

03.09.2013 16:23:00

Tango für Führungskräfte

17.08.2010, Financial Times Deutschland
Besser führen im Tango-Schritt
von Sabine Meinert

Experten-Coaching, Training mit Pferden, Kreativitätsworkshops - es gibt viele Wege, seine Fähigkeiten als Chef zu verbessern. Tanz gehörte bisher nicht dazu. Dabei bietet der Tango Ansätze, wie man sich und sein Team in den richtigen Takt bringt.

Zwei Fußpaare tasten vorsichtig übers Parkett, ziehen Schleifen, malen Figuren zu melancholischer Musik, spielen miteinander. Darüber in inniger Umarmung ein Paar. - Das ist nicht wirklich das Bild, das Manager vor Augen haben, wenn von gutem Führungsverhalten die Rede ist. Dabei sind die Parallelen unübersehbar, sagt Managementberaterin Irene Wolf aus Hamburg, die zusammen mit Tango-Lehrerin und Diplompädagogin Ute Walter das Seminar "Leadership meets Tango" anbietet.
Neben dem Prinzip des Führens und Folgens findet man im Tango Argentino auch Antworten auf Fragen der Haltung. Das Thema Achtsamkeit spielt eine Rolle. Außerdem ganz wichtig: gute Kommunikation. Wenn der führende Tänzer seinem Partner nicht deutlich kommunizieren kann, welchen Schritt er machen möchte, in welche Richtung, mit welchem Tempo und wann es losgeht, wird kein Tanzen möglich sein. Genauso ist es im Beruf", sind sich die beiden einig.

Tango als Gespräch zwischen Partnern
Irene Wolf, die als Unternehmens- und Organisationsberaterin arbeitet, weiß aus Erfahrung, dass Führungskräfte heutzutage nicht mehr Experten für alles in ihrem Aufgabenbereich sein können. Die Entscheider brauchen vielmehr Spezialisten im Team, denen sie die Umsetzung von Projekten zutrauen, die sie also auch mal allein arbeiten lassen können. Anleitung, Orientierung, Entscheidungen und die Kommunikation darüber müssen aber von den Führungskräften kommen.
"Leadership ist sehr komplex: Da gehören neben Fachwissen, Managementwissen, Respekt, Loyalität, Achtsamkeit und ein gewisses Maß an Selbstreflexion dazu - das alles findet sich im Tango Argentino", so Wolf. Der Tanz, der aus den Hafenvierteln von Buenos Aires kommt, wird oft als Gespräch, als Dialog beschrieben. Da er keine festen Schrittfolgen hat, nur Figuren, die an jeder Stelle unterbrochen und anders zusammengesetzt werden können, erfordert er viel mehr Flexibilität und Aufmerksamkeit als beispielsweise die in Europa populären Standardtänze. Mit dem hierzulande sehr bekannten Tango der lateinamerikanischen Tänze hat Tango Argentino eher wenig zu gemeinsam.

Gefragt: Probierfreudige statt Star-Tänzer
Für ein "Leadership meets Tango"-Seminar muss man aber kein Tänzer sein. "Freude an Bewegung und die Lust, sich Themen anders als üblich zu erschließen, reichen völlig aus", sagen Walter und Wolf. Den Problemen, mit denen Chefs im Job-Alltag kämpfen, rücken sie mit einfachen Übungen und viel Humor zu Leibe. In Konzernen wie in mittelständischen Unternehmen machen Mitarbeiter zum Beispiel nicht immer das, was Vorgesetzte fordern. Ist das ein Zeichen von Führungsschwäche oder von persönlichen Animositäten? Wer darauf keine Antwort hat, spricht wohl zu wenig mit seinen Mitarbeitern, meinen die Trainerinnen und bitten zum Tanz.
Auf dem Parkett bedeutet mangelnder Dialog nämlich: Chef und Mitarbeiter treten sich gegenseitig auf den Füßen rum, stehen sich im wahrsten Sinne des Wortes im Wege - und das spürt man ganz schnell. Der Hintergrund ist im Tango wie im Job der gleiche: Auf eine Aktion folgt keine adäquate Reaktion - und das führt zu Problemen, bringt aus dem Takt.
Um solche Stolperfallen künftig zu umgehen, lenken die Trainerinnen die Aufmerksamkeit tatsächlich auf das Gehen. "Zunächst sollen sich die Teilnehmer im Raum bewegen und sich selbst dabei erspüren. Der nächste Schritt ist, mit einem Partner in Kontakt zu kommen - im Tango geschieht dies ohne Worte. Also muss ich mit einer bestimmten Haltung auf jemanden zugehen oder ein anderes Signal geben", erläutert Ute Walter.

Das Gegenüber als Spiegelbild
Als wichtiges Element nutzt sie eine Spiegel-Übung, bei der sich jeweils zwei Teilnehmer gegenüber stehen. Ein Partner führt Bewegungen aus, mit den Armen oder Beinen, mit dem Kopf oder dem ganzen Körper. Der andere ist aufgerufen, diese Bewegungen seitenverkehrt mitzumachen - quasi als Spiegel. "Dass man erspüren kann, was für eine Geste das Gegenüber in diesem Augenblick machen will, dazu noch welche und wohin sie führt, ist für viele eine wichtige Erfahrung. Und wer die Führung hat, muss lernen zu erkennen: Versteht mein Partner, was ich jetzt tun will? Kann er mir folgen, ist er überhaupt in der Lage dazu? - Das ist genau wie im Job", sagt Ute Walter. "Und keine Seite ist dabei weniger wichtig als die andere."
Im Seminar muss daher jeder sowohl die Rolle des Führenden als auch die des Folgenden übernehmen. Viele Manager merken so ganz körperlich, wie wichtig klare Kommunikation ist. Wenn nicht eindeutig mitgeteilt wird, wohin ein Schritt gehen soll, kann der Folgende nur stehenbleiben oder irgendeinen Wischi-Waschi-Schritt machen. Weitere Schritte werden schwieriger, manchmal unmöglich. "Im Zusammenspiel mit einem Team ist das genauso wie mit einem Partner beim Tango", sagt die Tango-Lehrerin Ute Walter.

Ute Walter lässt oft innehalten während der Übungen, denn viele Elemente des Tango sind ganz deutlich spürbar, man kann sie mit allen Sinnen erfahren. "Es hilft, in sich hineinzuhorchen: Warum gebe ich so unklare Signale? Weiß ich vielleicht selbst nicht, was zu tun ist? Fehlt mir vielleicht die Standfestigkeit, um den nächsten Schritt zu vermitteln? Oder: Warum macht mein Partner nicht mit, warum spüre ich bei diesem Schritt Widerstand? Ist er vielleicht noch nicht so weit? Steht er am falschen Ort, auf dem falschen Fuß? Auf einer anderen Ebene sind das die gleichen Fragen, die sich ein Vorgesetzter im Berufsalltag stellen sollte."
Oft entlädt sich die fehlgeleitete Kommunikation in großem Gelächter. Nicht alles funktioniert von Anfang an. Aber letztlich finden die Partner doch relativ schnell in ein harmonisches Miteinander, mit ganz kleinen Schritten, ohne Worte, im Takt eines Tango Argentino.
Wichtig ist den Trainerinnen, in ihrem Seminar zu vermitteln, dass es nicht darum geht, Führenden zu helfen, sich um jeden Preis und mit aller Macht durchzusetzen. "Gutes Führen beinhaltet ja immer auch die philosophische Frage: Wie fülle ich meine Aufgabe mit Leben? Lasse ich den Chef raushängen und gebe permanent Anweisungen oder arbeite ich respektvoll und partizipativ mit meinen Mitarbeitern zusammen? Dass man ohne Machtworte geschickter, effektiver und vor allem erfolgreicher ist, erkennt man beim Tango sehr schnell - und kann als Führungskraft dann ganz anders agieren", so Wolf. "Es geht darum den idealen Kontakt herzustellen - kein Schieben, kein Drücken, sondern ein offenes Miteinander, bei dem jeder in seiner Achse bleibt - im Tango wie im Job", ergänzt Walter.
Gleichzeitig wird im Seminar auch sichtbar, dass Folgende nicht nur auf das Folgen reduziert werden können. Wenn die Kommunikation stimmt, wenn Respekt, Empathie und Sensibilität die Atmosphäre zwischen Vorgesetztem und Mitarbeiter bestimmen, haben letztere auch die Chance, kreativ zu werden, mitzuwirken, ja ihrer Führungskraft zu zeigen: An dieser Stelle wäre ein Zwischenschritt nicht nur schöner, sondern auch nötig. Und wie Beraterin Wolf weiß: Wenn sich Folgende genauso verantwortlich fühlen wie Führende, wirkt sich das auf jeden Fall positiv für das Unternehmen aus.

Flexibilität mit wechselnden Partnern
Bei den Übungen mit einfachen Tangoschritten lassen Wolf und Walter die Teilnehmer häufig die Partner tauschen. "Die Führungskräfte müssen sich daher immer wieder auf eine neue Person einlassen, die eigenen Einstellungen und Gedanken überprüfen und herausfinden, wie sich Aktionen auswirken", sagt Walter. Dazu gehört nicht nur, ständig ein Feedback einzufordern, sondern auch zu erkennen, was der andere am eigenen Tun abliest. In Zeiten permanenten Wandels sind das unverzichtbare Skills für Vorgesetzte.
Wichtige Frage auch im Job: Wie stehe ich zu meinem Partner?
Wenn Führungskräfte beginnen, sich als Lernende und gleichzeitig als Teil eines Systems von Führenden und Folgenden zu begreifen, ist ein Anfang gemacht. "Es gilt, eine neue Haltung zu erwerben, die es ermöglicht, sich selbst stärker zu reflektieren, sein Umfeld achtsamer zu behandeln, das Potenzial der Mitarbeiter zu erkennen und zu fördern", sagt Irene Wolf. Die fremde, emotionale Musik des Tango helfe dabei, sich auf diesen neuen Weg zu begeben.

Kein Start in eine Tänzerkarriere
Als begnadeter Tänzer wird wohl kein Teilnehmer das Seminar verlassen. Aber einige einfache Schritte und das Prinzip des Tango Argentino nehmen sicher alle mit, sind sich die Trainerinnen sicher. So mancher meldete sich später sogar zum Tango-Kurs an. Viel wichtiger aber war den meisten der Erkenntnisgewinn. "Unsere Teilnehmer berichten im Nachhinein oft, dass sie im Arbeitsalltag nun ganz anders zuhören, dass sie viel mehr auf Reaktionen anderer achten, dass sie versuchen, das Zusammenspiel von Abteilungen oder Teammitgliedern zu optimieren, indem sie klarer kommunizieren. Viele präsentieren sich anders - bis hin zu einer anderen Körperhaltung - und werden dadurch auch anders wahrgenommen."
Tango Argentino ist ein trauriger Gedanke, den man tanzen kann, sagte einst der argentinische Komponist Enrique Santos Discepolo. Irene Wolf und Ute Walter wollen deutlich machen: Tango Argentino ist viel mehr - neben einem faszinierenden Hobby auch ein Kommunikations- und Managementkonzept, das den Führungsalltag deutlich leichter machen kann.

Eintrag # 46

0

Autorin:

Karin

Geschrieben am:

28.03.2013 15:32:00

Buenos Aires 2013 - Finale

Bei unserer Ankunft im Februar war die Linie A der subte vorübergehend wegen Sanierungsarbeiten außer Betrieb. Jetzt kann man sie wieder benutzen und zumindest einige Waggons sind niegelnagelneu und hochmodern und riechen noch streng nach Plastik. Die alten Wagen stammten noch aus der Anfangszeit der Untergrundbahn und waren schon in einem extrem desolaten Zustand, wurde Zeit, dass sie aus Sicherheitsgründen ersetzt wurden. 

Gerhard hat übrigens seinen Fuhrpark erweitert und sich ein weiteres Auto zugelegt - Tango 2. 

Bei Tango 8 kauft Gerhard wieder seine heißgeliebten Trainingsschuhe und wir plaudern dabei mit dem Besitzer. Ich frage ihn, warum es die Filiale beim Canning nicht mehr gibt - am Umsatz kann es nicht gelegen haben, immerhin habe ich dort einige Male ganz kräftig zugeschlagen. Er erzählt, dass die Miete nach Ende der 3jährigen Vertragsperiode so hoch geworden wäre, dass es sich nicht mehr gerechnet hätte, das Geschäft weiter zu betreiben. Am Tag, als die Übersiedlungswagen kamen, um die restlichen Sachen abzuholen, hätte der Vermieter seine Meinung doch noch geändert und die Miete doch nicht erhöht, aber da war es zu spät. Seither steht das Geschäft leer. Auch die Pächter des Canning machen angeblich jede Nacht Verlust, weil die Miete so hoch ist - Vermieter ist derselbe. 

Öha, was macht denn Jonny Depp auf der Defensa??? Schon klar, dass er jetzt ordentlich Alimente an Vanessa Paradis berappen muss, aber dass er dafür als Jack Sparrow gleich arglose TouristInnen bei ihrem sonntäglichen Pilgern zur Plaza Dorego kapert, ist schon arg. 

Kurse, Privatstunden und Practica im DNI: 
Dana Frigoli hat eine eigene Technik aus natürlichen Bewegungen entwickelt, die die LehrerInnen im DNI als MultiplikatorInnen mit Begeisterung weitergeben. Manches kann ich sicher auf den Milongas umsetzen, aber vieles nicht, weil meine Tanzpartner dieses know how nicht haben und z.B. mit ihren Armen/Händen nicht push/pull machen, wenn ich ochos oder tomadas tanzen soll. Auf jede clase privada folgt eine practica, in der es weniger theoretischen Unterricht gibt, dafür aber mit dem/der jeweils gegengeschlechtlichen LehrerIn im Tanzen geübt wird und das macht sogar Gerhard Spaß. 

Die Gruppenklassen sind Großteils sehr überrannt, speziell am Samstag für Niveau 6/7. Zum Aufwärmen gibt es am Samstag immer Yoga-Elemente, bei denen man sich ganz ordentlich verrenken muss (Gerhard musste ich immer mit Versprechungen hinlocken und ich hatte bis zuletzt immer Angst, dass er mir vor der Eingangstür noch ausbüxt). Ergänzung Gerhards: Ihr wisst ja nicht, was sie mir versprochen hat  Komischerweise fanden wir die Sequenzen für Niveau 5/6 die paar Mal, wo wir mitgemacht haben (Protest Gerhards: so gut wie JEDES Mal!) immer anspruchsvoller als im höheren Niveau. 

Die DNI-practica am Samstag ab 16 Uhr findet auch deshalb sehr regen Zuspruch, weil es meist Live-Musik gibt, immer aber eine show. Und diesen Samstag als Abschiedsgeschenk La Juana und El Chicho in Höchstform und mit bester Laune - das Publikum hat getobt und der große Saal im DNI war vorübergehend einsturzgefährdet. Speziell beim ersten Tanz hätte man eine Stecknadel fallen hören können. 

Milongas: 

Cachirulo: Samstags in der Villa Malcolm 
Muss man einmal gesehen haben, aber für Zuagroaste ein sehr hartes Pflaster (nicht nur wegen des Steinbodens). Aufforderungen von den vermeintlichen argentinischen Old- und Youngstars gibt es so gut wie keine, wenn man sie nicht schon von anderen Milongas kennt, und so ein Abend kann lang sein. Auch viele einheimische tangueras sitzen und sitzen und sitzen und das Lächeln fällt immer schwerer. Der Tango kann auch hier grausam sein (danke für diese elementare Lebensweisheit, Don Pedro). Obwohl ich mich vergleichsweise wieder nicht beschweren kann: So viel bin ich heuer noch an keinem Abend gesessen. 
Um ca. 1.30 fast einstündige Tango-Unterbrechung mit Rock, Salsa und sonstigen karibischen Rhythmen, Geburtstagstänzen und Verlosung. Da war die Luft dann endgültig draußen. 

Entgegen meinen Befürchtungen kam ich auch die beiden Male im La Viruta ausreichend zum Tanzen. Das Niveau ist aber sehr durchwachsen und weil es sehr schummrig ist, wird man angesprochen und nicht mit cabezeo aufgefordert. Mit dem Eintrittspreis kann man auch am Unterricht teilnehmen, und der findet regen Zuspruch - es wurlt vor (zum Großteil jungen) AnfängerInnen, die in mehreren Gruppen im Untergeschoß beaufsichtigt werden. Samstag unterrichtet Großmeister Horacio Godoy himself um 23 Uhr Fortgeschrittene in Musikalität.

Mittwoch und Samstag waren für uns die Tage, wo wir mit den Milongas nicht so wirklich zufrieden waren - sind vielleicht die klassischen Kino-Tage in Buenos Aires. 
Auch Fruto dulce (Mittwoch in der Villa Malcolm) riss uns noch nie vom Hocker. 

Am letzten Donnerstag im eher schwach besuchten Nino Bien (= wird von Einheimischen ob der vielen ausländischen TouristInnen Gringo Milonga genannt) treffen wir noch einmal Elisabeth und Peter, die in Buenos Aires fleißig Kurse besuchen. 

AMORES TANGOS live und DNI-Show 
18.55: Im Schweinsgalopp zerrt mich Gerhard zur subte. 
19:05: Als wir die Treppe zu den Gleisen hinunterstürmen, erhebt sich mein geschlitzter Rock in besorgnis- (oder sollte ich sagen schwindel-?)erregende Höhen, aber mein Protest nützt nichts. Um 8 beginnt eine Gratis-Aufführung des DNI mit Live-Musik

und immerhin ist der Veranstaltungsort 4 Stationen und 2 quadras Fußweg entfernt. Über Gerhards überausgeprägten Pünktlichkeitssinn wurde ja bereits an anderer Stelle berichtet und er will die Aufführung keinesfalls verpassen oder keine Tickets mehr bekommen, weil wir zu spät dran sind. 
19.25: Als wir unser Ziel erreichen, bin ich schweißgebadet, aber immerhin sind wir die 9., die sich in der Schlange anstellen dürfen – jetzt heißt es eine gute halbe Stunde auf den Einlass warten. 

Im nächsten Blog: Gerhards Rache für meine Enthüllungen (Achtung: Nur für nervenstarke LeserInnen!) 

PS: War ein super Abend, den wir um 4.30 noch mit köstlichem Malbec und Erdnüssen abgerundet haben. 

Sonntag gab es zur Einstimmung auf die Heimat noch einmal Gerhards worldbest Eiernudeln. Das Rezept hat er bereits an unseren Sohn weitergegeben, damit dieses geheime Wissen noch späteren Generationen zur Verfügung steht. Zubereitung für 2 Portionen: 
2 ½ große Tassen Spiralnudeln in Salzwasser bissfest kochen. In einer Pfanne etwas Butter aufschäumen lassen, abgetropfte und abgeschreckte Nudeln dazugeben, 3 Eier drüber und alles knuspern lassen, bis Nudeln und Eier ganz leicht angebräunt sind. Mit ordentlich Salz und Pfeffer würzen und mit Salat servieren. 

Noch ein paar Sonnenstrahlen im argentinischen Spätsommer tanken und aufpassen, dass es keinen Sonnenbrand gibt 
(immer diese lästigen Paparazzi), 

bevor wir mit dem Kofferpacken anfangen und es zurück in den österreichischen Spätwinter mit haarsträubenden Temperaturen und Schnee geht. Ohje. 

Eintrag # 45

0

Autorin:

Karin

Geschrieben am:

21.03.2013 19:42:00

Buenos Aires 2013 - Kapitel 3

Bioparque Temaikèn 

Endlich haben wir es mal geschafft, aus Buenos Aires rauszukommen. Ein Bus der Linie 165 bringt uns zum Bioparque Temaikèn, der sich erfreulich vom Tierpark im Stadtzentrum unterscheidet - die Tiere fühlen sich hier offensichtlich sehr wohl, sind sehr aktiv und haben große gepflegte Volièren bzw. Anlagen und das Personal ist superfreundlich. Nach Escobar sind wir eine Stunde unterwegs und der Bus hält direkt am Parkplatz des Tiergartenareals. Besonders das Aquarium begeistert uns - die Fische (unter ihnen Haie, Rochen und sonstige ordentliche Pracker) schwimmen in einem großen runden Glastunnel und die BesucherInnen sind dadurch mitten im Geschehen. 2 TaucherInnen sind gerade dabei, das Becken zu reinigen. Sicher schon poröseTauchanzüge erinnern an die Anfänge der Erforschung der Meere - wir können nur den Mut der Menschen bewundern, die sich in diesen Monstern auf solche Abenteuer eingelassen haben. 

Erstmals in einem Tiergarten sehe ich Teile des Skeletts eines Blauwals - diese Dimensionen sind schon sehr beeindruckend. 


Auch in der Anlage mit den Flughunden (die größte Fledermausart der Welt ernährt sich vegetarisch) verbringen wir viel Zeit und sehen gerne zu, wie sie sich nach Ende ihrer Ruhezeit recken und strecken und ihre vampirisch anmutenden Flügel entfalten und herumfliegen. 

Suchbild: Wer sieht es als Erster? 
Hilfestellung: Muss sich alle 20 Minuten was zu essen besorgen, da der Grundumsatz so hoch ist (kommt mir bekannt vor 
Heißt auf Spanisch Picaflor. Hat Gerhard auf den Grünanlagen außerhalb der Volièren entdeckt. 

Schnell das Foto geschi... ähm geschossen, bevor der Kondor noch auf dumme Gedanken kommt! 

Auch die Vogelanlage ist außergewöhnlich: Die Tiere leben - getrennt nach Kontinenten - in riesigen begehbaren Volièren und haben kaum Scheu vor den BesucherInnen. 

In Österreich gibt es - glücklicherweise - nur Freitag, den 13. als Unglückstag - die ArgentinierInnen kommen nicht so glimpflich davon: Auch Dienstag der 13. Ist hochproblematisch. Und schwarze Katzen gelten hier ebenfalls als Unglücksbotinnen - nicht nur, wenn sie von links kommen, sondern jedes Mal, wenn sie einem über den Weg laufen. Gut, dass dieses Exemplar sicher verwahrt ist und so nichts anrichten kann, wenn man nichtsahnend auf dem Weg zur Milonga ist - es wohnt in einem Bettenmoden-Geschäft direkt an der Ecke des El Beso und schläft in der Dekoration der hellerleuchteten Auslage - süß (aber leider wurde das Foto von einer bösen Hexe gelöscht - oder doch nicht? ) 

Besuch bei Adriana und Ricardo 
Perón 1756 - ich bin mir sicher, dass ich die Adresse richtig abgeschrieben habe! Trotzdem erforsche ich panisch mein Gewissen, weil es diese Hausnummer nicht gibt und Gerhard gleich das Schlimmste annimmt. Aber dank meines detektivischen Spürsinns (in Argentinien sind nur die Wohnungsnummern, aber nicht die Namen bei den Eingangstüren der Häuser angeführt) kommen wir doch noch rechtzeitig. Wie sich herausstellt, hat sich Ricardo bei der Hausnummer vertippt und ich bin aus dem Schneider - uff, der Enthauptung bin ich dadurch knapp entronnen. 
Hier ist es unüblich, zur exakt vereinbarten Zeit zu erscheinen - eine Viertelstunde später ist man auf der sicheren Seite. Für Gerhard, der Pünktlichkeit (und das auf die Sekunde genau) schon mit der Muttermilch eingesogen hat, eine Tortur. Gleich zu Beginn gibt es eine Führung durch die Wohnung und die dauert in diesem Fall etwas länger. Ricardo ist leidenschaftlicher Sammler und jedes Fitzerl der Wände ist nach seiner langjährigen emsigen Tätigkeit mit Gruppen unterschiedlichster Gegenstände dekoriert. Bunte Glasobjekte zieren die Regale in der Küche, zahllose hölzerne Nudelwalker die Wände (ob die von Adriana zweckentfremdet werden, wenn Ricardo zu spät von der Milonga heimkommt, blieb offen). Aquarelle europäischer Städte, für mich nur rostige Nägel (für Ricardo Nägel antiker Eisenbahnschwellen und von vor Jahrhunderten versunkener Schiffe) sowie Vogelbilder - die winzigen bunten Körper sind aus echten Vogelfedern modelliert und wirken dreidimensional - sind ebenfalls in großer Zahl zu bewundern. Der Vater Adrianas war der berühmteste argentinische Karikaturist seiner Zeit - die entsprechenden Originale von Oski (Oscar Conti) bilden ebenfalls eine kleine Gruppe an der Wand und zeigen Szenen mit argentinischen UreinwohnerInnen. Ricardo und Adriana haben bereits in unserem ersten Jahr in Buenos Aires ihren Tisch im Nino Bien mit uns geteilt und freuen sich immer doppelt aufs Wiedersehen, weil ihnen die mitgebrachten Mozartkugeln so gut schmecken. Hier wird Halbe-Halbe schon seit Beginn der Partnerschaft gelebt: Adriana kocht mit Ausnahme von Nachspeisen und Kuchen gar nichts, dafür ist ausschließlich Ricardo zuständig. Im Gegenzug hat er noch nie auch nur einen Teller abgewaschen. Das Essen war übrigens sehr gut! 

Milongas 
Pflicht - Sonntag - El Beso!!!! 
Montag/Dienstag Canning meist wegen der zusätzlichen Darbietungen (am Dienstag sang Ariel Ardit - vom Feinsten!!) 
Mittwoch vorige Woche Noche de Luna im El Beso - war ein Flop 
Donnerstags Besuch von Tanghetto live im la Viruta - planmäßig ein Muss, Darbietung aber eher enttäuschend. Allerdings die allerletzte neue CD erstanden. Tanzmäßig naja.... 
Freitag Canning spät und mit vollem Bauch vom Besuch bei Ignacio und Zully 
Samstag Pedro Moran
Bei dieser Milonga fühlt man sich in sehr frühe Tangozeiten zurückversetzt und wird an das Sunderland erinnert, da sie auch in einer Sporthalle abgehalten wird. Die Temperaturen im argentinischen Winter will ich mir lieber nicht vorstellen, es ist auch so kalt genug und das Kleid war keine gute Wahl. Aber Alberto Podestá will ich hören, sooft ich dazu Gelegenheit habe. 88 Jahre Tangogeschichte auf 1,50 cm komprimiert - ich bin jedes Mal wieder begeistert und zu Tränen gerührt. Er wird, obwohl er nur 2 Tangos zum Besten gibt, enthusiastisch gefeiert. 

Auch ein seltenes Exemplar des Homo Austriacus tanguensis wartet hier auf seinen Einsatz. 

Sonntag-Montag-Dienstag wie in der Vorwoche 
Mittwoch Fruto Dulce in der Villa Malcolm - eine ganz nette Show mit Claudia Lombardi (hatte mit Gerhard im Vorjahr im Nino Bien mal das Vergnügen) 

Dieses Mal habe ich Tänzer aus einigen Ländern, die ich meiner Sammlung neu hinzufügen kann: Alaska zum Beispiel - da kommen mir die Tanzmöglichkeiten in Linz und Umgebung plötzlich gigantisch vor, der arme Alaskaner ist schon froh, wenn er einmal im Monat zum Tanzen kommt und dafür muss er mit einer Handvoll Gleichgesinnter eine stundenlange Anfahrt auf sich nehmen. Erstmals mache ich auch Bekanntschaft mit einem iranischen und einem georgischen Tanguero - und der Veranstalter von Tango Bali passt mir von der Größe her auch perfekt. Grade habe ich überlegt, ob ich mir eine Weltkarte zulegen soll, auf der ich Fähnchen in alle Länder pinne, aus denen ich schon mal Tanzpartner hatte - ein Bekannter von mir macht das mit österreichischen Feinschmeckerrestaurants. Und dann könnte man noch Sterne oder bis zu 5 Tanzschuhe vergeben - je nachdem 

AusländerInnen können sich in Argentinien bis zu 5 Jahre aufhalten, erklärt mir Ifti, der als Diplomat für Pakistan in Buenos Aires lebt. Seine Zeit ist fast abgelaufen und die einzige Möglichkeit zur Verlängerung besteht darin, eine argentinische Staatsbürgerin zu ehelichen. Da er dies jedoch kategorisch ablehnt, wird er im Juli das Land verlassen und nach Europa entsendet. Vielleicht gibt es ja sogar ein Wiedersehen in Wien! Ifti erzählt, dass alle Diplomaten, die aus ihrer Tätigkeit in Buenos Aires in den Ruhestand gehen, auch nachher noch hier bleiben, solange es geht - no na 

Ohne regelmäßige Zufuhr von Magnesium in Form von Brausetabletten und Bananen geht gar nichts mehr, das lange Tanzen kostet schon ordentlich Kraft. Schön langsam werden wir ein bisschen tangomüde - vielleicht wäre ein Ruheabend mit einer Flasche Malbec gar keine so schlechte Idee. Außerdem wird mir bewusst, dass wir hier sehr spartanisch leben. Mit Jacques und Cedric aus Frankreich hat eine ordentliche Portion savoir vivre und laissez-faire Einzug in die Cucha Tanguera gehalten und Platten, Teller und Kühlschrank biegen sich unter Medialunas, Facturas, Obst, verschiedenen Käsesorten und sonstigen Köstlichkeiten. Auch der asado wurde schon in angeworfen. Jacques produziert übrigens selbst Wein (Cotes du Rhone) und die beiden reisen am Freitag zu Feldstudien (und natürlich Weinverkostungen) nach Mendoza weiter. 

Morgen haben wir unsere letzte Privatstunde im DNI, gut, dass ich die Klassen schon einen Monat im Voraus gebucht habe, jetzt hätten wir keine Chance mehr, weil nichts mehr frei ist. Auch ein amerikanisches Paar ist wieder im DNI, das mir schon im Vorjahr so unangenehm aufgefallen ist. Ihn würde ich nur mit Gummihandschuhen anfassen, weil er wirklich widerlich ausschaut. Diesmal dürfte er zusätzlich arge gesundheitliche Probleme haben, weil er sogar ständig ein Sauerstoffgerät am Rücken mit sich trägt, das ihn über Schläuche in die Nase versorgt. Die armen Lehrerinnen ...

Eintrag # 44

0

Autorin:

Karin

Geschrieben am:

11.03.2013 17:49:00

Buenos Aires 2013 - Kapitel 2

Sonntag: El Beso
Montag: Canning
Dienstag: Canning

An unseren schulfreien Tagen erkunden wir die Stadt: 


Little China Town in Buenos Aires, das nach dem Bahnübergang gleich nach der "Glorietta" beginnt, entzückt uns mit Garküchen, jeder Menge Winke-Winke-Katzen und anderen Glücksbringern. Wir sind auch auf volles Risiko gegangen und haben uns einen frittierten Meeresfrüchte(?)-Spieß gekauft, der - mit einer pikanten Soße glasiert - sehr gut geschmeckt hat. 

Auch in diesem Restaurant dürften 'alle zufrieden sein' 

Der Dienstag - Gerhards Geburtstag - ist überhaupt ein Tag kulinarischer Höchstgenüsse: Nicht nur, dass wir uns Erdbeeren, die um diese Jahreszeit schon sehr rar und entsprechend teuer sind, gönnen. Nein, auch ein anderes Paradies macht in Zukunft dem 'Comme il faut'-Shop ernsthafte Konkurrenz: "Hausbrot" ist der Name einer Bäckereikette, die von einem Deutschen gegründet wurde, dem - so wie mir - das Weißbrot schon bei den Ohren herausgekommen ist. 


Dort gibt es neben verschiedensten Körndlbroten auch Müsli, Süßigkeiten und sogar Stollen - alles aus Vollkorn  Dass es vergleichsweise teuer ist, versteht sich von selbst - 26 Pesos sind für die meisten ArgentinierInnen ganz sicher ein Luxus. Überhaupt ist gesunde Ernährung hier sehr teuer - ein zumindest halbwegs naturbelassenes Müsli der Kaufhauskette Coto kostet 25 Pesos (Euro 3,50) - und die Packung ist nicht sehr groß. Noch dazu, wenn man sie mit jemandem teilen muss, der sich selbst Zuckerabstinenz verordnet hat und dann zu Kompensationszwecken - erstmals in seinem Leben - Müsli probiert und es nicht mal so schlecht findet. 

Mittwoch: La piccola milonga 


Der Herr im Hintergrund posaunt es bis nach Österreich: Die gehören jetzt alle mir  Ich hoffe nur, ich passe überhaupt noch rein, wenn ich zurück bin - meine Füße haben vom vielen Tanzen schon die Breite eines Boulevards angenommen. 

Donnerstag: Nino Bien 
23:25: Die Österreicherin Karin M. macht einen Abstecher aufs stille Örtchen, und verpasst dadurch den Start der Milonga-Session. Als sie ihren verhängnisvollen Fehler erkennt, eilt sie zurück in den Tanzsaal, wo sie von ihrem Tanzpartner, dem ebenfalls aus Österreich stammenden G. (gesprochen G-Punkt) bereits sehnsüchtig erwartet wird. Flugs rauf auf die Tanzfläche, die noch erfreulich leer ist, und die restlichen Milongas der Tanda werden mit ordentlich Hüfteinsatz und tänzerischen Finessen dem Publikum der vorderen Ränge (u.a. El Flaco Dani) zur Schau gestellt. Zu spät bemerkt sie, dass ihr Zipfelrock sich hinten etwas komisch anfühlt, als er ihr bei den Drehungen um ihre Beine schwingt. Beim Rückweg zum zugewiesenen Tisch stellt sich heraus, dass nur einer der beiden Rockzipfel an seinem ihm angestammten Platz ist, der zweite hat sich in ihrer Unterwäsche verfangen. Und jetzt zum Wetter in Buenos Aires: 

Jimmy, einen Briten, der schon seit 30 Jahren in Buenos Aires lebt, habe ich zuletzt vor 3 Jahren getroffen. Er erzählt mir, dass wir einen gemeinsamen Bekannten aus Israel haben, den ich auf der CITA - dem internationalen Tangokongress - kennengelernt habe. Meine Erinnerung an ihn ist mehr als blässlich, aber Jimmy verrät mir, dass Ariel - Zitat: sich so in mich verschaut hat, dass er mit Gerhard am liebsten den Boden des Nino Bien aufgewischt hätte - Zitat Ende. Ich renne anscheinend mit Scheuklappen durchs Leben. Nicht, dass es was geändert hätte, aber es ist das 2. Mal innerhalb sehr kurzer Zeit, dass ich erfahre, dass jemand sehr für mich geschwärmt hat. 

Freitag: Canning 
Samstag: 
Gruppenklasse und anschließend Practica im DNI: Während die Temperatur im Unterricht noch halbwegs erträglich ist, obwohl das abendliche Gewitter schon absehbar ist, wird es bei der Practica fast unerträglich. Wir strecken die Fahnen und warten nicht einmal den Auftritt von Pablo Inza und Mariana Dragone ab. 
Abends in der Milonga 10: 
Erst gegen Mitternacht füllt sich der Tanzsaal, die Show beginnt wie gewohnt sehr spät, aber das Warten lohnt sich. Auch Gerhard hat in der Zwischenzeit einige Fan-innen, die ihm von Milonga zu Milonga folgen. 
Sonntag: El Beso 

Taxigeschichten 
Ein Mitbewohner der Cucha Tanguera erzählt uns, dass er bei der Ankunft am Flughafen ein - günstigeres -Taxi genommen hat, das weit abseits geparkt war. Bei der Ankunft wollte er mit einem der beiden 100-Pesos-Scheine zahlen, die er noch vom letzten Aufenthalt hatte, aber der Fahrer tauschte diesen in einem unbeobachteten Moment gegen einen 10-Pesos-Schein aus. Nachdem seine Beschwerde nichts brachte, nahm er den zweiten Schein heraus, der ihm auch abgenommen wurde, und letztendlich wurde ihm sogar ein Gummiknüppel unter die Nase gehalten. Daher: Entweder vom Flughafen abholen lassen oder ein "Radiotaxi" nehmen. 
Unsere bisherigen Erfahrungen mit den Taxis - 40.000 von ihnen kreisen in Buenos Aires wie die Bienen um einen Bienenstock - waren bisher eigentlich sehr gut, aber auch uns wollte ein Taxler übers Ohr hauen, indem er am nächtlichen Rückweg vom Canning sinnlose Schleifen - und das noch völlig ungeschickt - zog. Ich stellte ihn zur Rede, worauf er den Taxameter abstellte und wir nur die 30 Pesos, die der für diese Strecke übliche Tarif sind, bezahlen mussten. 

Der Beruf des Taxifahrers ist fast ausschließlich männlich besetzt. Aber letzte Woche brachte uns eine Taxifahrerin, die aber erst auf den 2. Blick als Frau erkennbar war, ins Canning. Vielleicht ist es auch Absicht, dass sie einen maskulinen Eindruck vermittelt, da - wie wir vom Vorjahr wissen - Frauen als Straßenverkehrsteilnehmerinnen keinen guten Ruf haben. Ganz anders als bei uns 
Vom Fahrstil her ein Unterschied wie Tag und Nacht: Taxifahrer sind meist sehr rasant unterwegs, beschleunigen und bremsen unentwegt und kennen jeden Zentimeter ihres Autos. Dadurch können sie sich auch durch enge Lücken schlängeln, wo ich immer schon meine Popobacken zusammenzwicke, weil ich jeden Moment erwarte, dass es kracht. Als ich mich bei der Ankunft für die sehr angenehme Fahrt bedanke, freut sie sich sichtlich. 

In allen Taxen ist hinter dem Fahrersitz ein Zettel angebracht, auf dem der Name des Taxifahrers samt Foto aufscheint - Foto und Fahrer sind aber eher selten ident. Beim Taxifahrer gestern war es aber so und ich habe ihm gesagt, dass er einen schönen Familiennamen - Luna - hat. Er hat mich gefragt, ob es diesen Namen, zumindest als Vornamen, bei uns nicht gibt. Ich habe ihm die deutsche Übersetzung gesagt und dass der Vorname auf Deutsch unattraktiv ist und welche Assoziationen er hervorruft. Zur Veranschaulichung gab’s dann von mir die Demonstration eines "Mondgesichts" im Rückspiegel. Auf das "Mondkalb" habe ich angesichts seines bereits reichlich deftigen Lachens aber dann doch verzichtet. 

Hier ist es so wie immer: Schmutzig, laut, man stößt auf überraschende Fundstücke, 

und auf den Straßen ist bei einem Stau, der nicht gerade selten vorkommt, ein Hupkonzert zu hören, das den Blechbläsern einer Big Band zur Ehre gereichen würde. 
Apropos: Die Bartholomé Mitre wird gerade auf unserer Höhe aufgegraben - dem Geruch nach zu urteilen Kanalarbeiten 

Eintrag # 43

0

Autorin:

Karin

Geschrieben am:

03.03.2013 20:57:00

Buenos Aires 2013 - Kapitel 1

Und wie verbringen wir unseren ersten Sonntag in Buenos Aires? Wir erholen uns von den Strapazen der vergangenen Nacht (  ) und schreiben das erste Kapitel unseres Blogs. Immerhin sind wir schon fast eine ganze Woche hier und Gerhard hat die zweite Stange Salami in Bearbeitung. Dabei ist ihm ziemlich egal, was drin ist: Esel, Pferd, Hauptsache, sie schmeckt. Am Ende unseres Urlaubs wird sicher der Export von Pferdefleisch nach Europa gedrosselt, um die heimische Nachfrage befriedigen zu können. 


Die Cucha Tanguera hat sich seit unserem letzten Aufenthalt zu einem Schmuckstück gemausert - viele Tangobilder, ein ca. 8 m hohes Hinterglasbild, 
tolle Wandmalereien und die neue Küche ist so groß, dass auch Platz für eine kleine Privatmilonga oder zum Üben ist. Auf dem ersten Foto sieht man "unsere Terrasse", die über die Wendeltreppe erreichbar ist. 

Es gibt keine Zufälle - im Hofer-Prospekt 4 Tage vor unserer Abreise wird eine Reise nach Argentinien und Chile beworben. Und hätte ich nicht das Kleingedruckte gelesen, hätte Gerhard, dessen Pass im Mai abläuft, möglicherweise große Schwierigkeiten bei der Ein- bzw. Ausreise gehabt und ich hätte den Urlaub vielleicht sogar allein antreten müssen. Aber alles der Reihe nach: 
Wichtig für alle Argentinien-Reisenden: Der Pass muss bei der Einreise noch mindestens 6 Monate gültig sein (lt. Hofer-Prospekt und Seite des Innenministeriums) - also unbedingt vorher verlängern lassen! Die 2 Pässe, die Gerhard immer wieder vorweisen muss, lösen auf den Flughäfen so manches Stirnrunzeln aus, aber so einen Notpass sieht man anscheinend auch nicht alle Tage. In Frankfurt meint eine Flughafenangestellte, der (Not-)Pass sähe etwas komisch aus, woraufhin Gerhard ihr den Pass mit dem alten Foto aus der untersten Schublade der Verbrecherkartei mit strammem Schnauzer und extra kurzen Haaren zeigt. Mit dem Brustton der Überzeugung stelle ich nach einem Blick auf das alte Foto fest: "Ich kenne diesen Mann nicht.", was sehr zu ihrer Erheiterung beiträgt. 

Unsere abendlichen Milongabesuche

Montag Canning
Was zu viel ist, ist zu viel: Mit Milongabeginn um 23 Uhr wird eine mehr als halbstündige Dokumentation über Tango gezeigt. Später gibt es noch 4 Unterbrechungen: 2 Tanzvorführungen - davon eine zu Canyenge - und 2 x untanzbare Livemusik: Aber hallo, ich hab gedacht, ins Canning geht man zum Tanzen??? 

Dienstag El Beso
Der Organisator Hugo weist mir einen Platz an der Sonne zu und ich werde nicht in den Pulk aus Damen gesetzt, die in mehrere Reihen links von der Bar gepfropft werden. Irgendwie erinnert mich diese 2-Klassen-Gesellschaft an eine Modenschau: Wer in der Front Row des "El Beso" sitzt, hat es geschafft. Die vergleichsweise wenigen anwesenden Männer tanzen sehr gut und können aus dem Vollen schöpfen. 

Mittwoch "La piccola Milonga": 
Gibt es seit einem Jahr und wir gehen auf Empfehlung hin - sehr nett eingerichtet, vergleichsweise gepflegt und fast gleiches Publikum wie am Vortag. 

Die Tanzfläche ist wirklich klein, aber gerade dieser intime Charakter gefällt. Auch ein Gay-Paar dreht seine Runden und ein Mann mit starker Sehbehinderung bewegt sich mit Führungshilfe seiner Begleiterin vorsichtig auf der Tanzfläche. Alles in allem eine sehr sympathische Milonga. 

Donnerstag Nino bien: 
Der Afroamerikaner Leroy aus Chicago ist so begeistert wie ich, dass wir uns wiedersehen. Innerhalb kurzer Zeit tanzen wir 3 Tandas. Bereits nach dem 1. Tanz ist er schweißgebadet - nein, das ist die Untertreibung des Jahrhunderts, es fühlt sich an, als ob er gerade vom Schwimmen kommen würde. So richtig schlimm wird's nach der Milonga-Session - und das trotz Stirnband und Abschrubben mit einem Badetuch nach jedem Tanz. 


Aber Mc'Donalds und Softdrinks haben das ihre dazu beigetragen, dass sein Körper dem eines schwarzen Wals gleicht, der mit kessem Hüftschwung durch die Milongafluten pflügt. Er sieht Buenos Aires nach eigenen Angaben als Diätprogramm, bei dem er keine Tanda auslässt und so viele Damen glücklich - und nass - macht. 

Wie üblich essen wir dort zu Abend - leider gibt es sehr zu Gerhards Leidwesen an diesem jueves keinen Postre Nino Bien - und wechseln um halb 2 ins La Viruta mit der Hoffnung, dort noch was vom Otros-Aires-Konzert mitzubekommen. Wegen einer Demo sind aber einige Straßen abgesperrt und die Taxifahrt dauert daher um einiges länger als angenommen. Das Konzert war aber ohnehin schon lange vorbei. Nach 4 fallen wir müde ins Bett - immerhin haben wir auch unsere 1. Privatstunde in den Beinen. 

Freitag Canning: 
Tolle Show von Carolina Del Rivero und Donato Juarez - alles in allem ein sehr gelungener Abend, bei dem ich auch meinen Lieblingsrussen Sergei wieder treffe und mit Begeisterung seine neuen Milonga-Extravaganzen mittanze. 

Samstag Milonga 10: 
Andere Gäste aus Deutschland erzählen uns, dass einem Gast aus Australien nach dem Besuch dieser Milonga 2 Straßen weiter mit vorgehaltener Pistole seine Wertsachen abgenommen wurden. Wir gehen daher mit Vorbehalten aber mangels Alternativen hin, sind aber sehr positiv überrascht: Der Eintritt ist mit 50 Pesos pro Person vergleichsweise hoch, aber es lohnt sich: Auftritt von Noelia Hurtado, die in Europa derzeit auf vielen Festivals präsent ist, und ab ca. 3 Uhr früh (ja, Ihr habt richtig gelesen) Live-Musik vom Feinsten vom Orquesta típica rascacielos (= Wolkenkratzer). 8 Musiker und eine -in haben sich die Augenlider komplett schwarz geschminkt und legen los, dass der Boden wackelt. Das im Schnitt sehr junge Publikum lässt es ordentlich krachen und hier macht auch das Zuschauen großen Spaß. Auch Damián Rosenthal und Carolina & Donato lassen sich das Konzert nicht entgehen. 
Beginn ist ca. 22.45 (in den einschlägigen Publikationen ist 22 Uhr angeführt). Veranstalter Hugo, ein Rastaman mit Haaren bis zur Taille, die er sich seit 5 Jahren wachsen lässt, fordert mich gleich zu Beginn auf, aber der Steinboden ist anfangs megarutschig und der Genuss daher wegen der vielen Nuevo-Elemente nicht ganz uneingeschränkt. Riesenspaß macht es aber trotzdem. Später bändigt er seine Haarfülle zu einem Knoten, der ihm das Aussehen einer (sanften) Medusa verleiht. 
Wir beschließen unseren Samstagabend mit einer tollen Session zur Livemusik, bei der Gerhard gleich einige Sachen, die er sich von Einheimischen abgeschaut hat, ausprobiert und die Musik traumhaft interpretiert. Kuss. 


Redaktionelle Mitarbeit: Gerhard M. 

Eintrag # 42

0

Autorin:

Karin

Geschrieben am:

10.12.2012 18:11:00

Vorweihnachtsstress?

Wenn 24 Stunden an einem Tag nicht mehr reichen, dann erinnere Dich an die Geschichte von dem Marmeladenglas und den zwei Bier: 

Ein Philosophie-Professor stand vor seinem Kurs und hatte ein kleines Experiment vor sich aufgebaut: Ein sehr großes Marmeladenglas und drei geschlossene Kisten. Als der Unterricht begann, öffnete er die erste Kiste und holte daraus Golfbälle hervor, die er in das Marmeladenglas füllte. Er fragte die Studenten, ob das Glas voll sei. Sie bejahten es. 

Als nächstes öffnete der Professor die zweite Kiste. Sie enthielt M&Ms. Diese schüttete er zu den Golfbällen in den Topf. Er bewegte den Topf sachte und die M&Ms rollten in die Leerräume zwischen den Golfbällen. Dann fragte er die Studenten wiederum, ob der Topf nun voll sei. Sie stimmten zu. 

Daraufhin öffnete der Professor die dritte Kiste. Sie enthielt Sand. Diesen schüttete er ebenfalls in den Topf zu dem Golfball-M&M-Gemisch. Logischerweise füllte der Sand die verbliebenen Zwischenräume aus. Er fragte nun ein drittes Mal, ob der Topf nun voll sei. Die Studenten antworteten einstimmig "ja". 

Der Professor holte zwei Dosen Bier unter dem Tisch hervor, öffnete diese und schüttete den ganzen Inhalt in den Topf und füllte somit den letzten Raum zwischen den Sandkörnern aus. Die Studenten lachten. "Nun", sagte der Professor, als das Lachen nachließ, "ich möchte, dass Sie dieses Marmeladenglas als Ihr Leben ansehen. Die Golfbälle sind die wichtigen Dinge in Ihrem Leben: Ihre Familie, Ihre Kinder, Ihre Gesundheit, Ihre Freunde, die bevorzugten, ja leidenschaftlichen Aspekte Ihres Lebens, welche, falls in Ihrem Leben alles verloren ginge und nur noch diese verbleiben würden, Ihr Leben trotzdem noch erfüllen würden."Er fuhr fort: "Die M&Ms symbolisieren die anderen Dinge im Leben wie Ihre Arbeit, ihr Haus, Ihr Auto. Der Sand ist alles Andere, die Kleinigkeiten." 

"Falls Sie den Sand zuerst in das Glas geben", schloss der Professor, "hat es weder Platz für die M&Ms noch für die Golfbälle. Dasselbe gilt für Ihr Leben. Wenn Sie all Ihre Zeit und Energie in Kleinigkeiten investieren, werden Sie nie Platz haben für die wichtigen Dinge. Achten Sie zuerst auf die Golfbälle, die Dinge, die wirklich wichtig sind. Setzen Sie Ihre Prioritäten. Der Rest ist nur Sand." 

Einer der Studenten erhob die Hand und wollte wissen, was denn das Bier repräsentieren soll. Der Professor schmunzelte: "Ich bin froh, dass Sie das fragen. Das zeigt Ihnen, egal wie schwierig Ihr Leben auch sein mag, es ist immer noch Platz für ein oder zwei Bier."

Eintrag # 41

0

Autorin:

Karin

Geschrieben am:

11.04.2012 18:34:00

Artikel aus Psychologie heute/2002

Artikel über Tango in der Zeitschrift "Psychologie heute" aus dem Jahr 2002, Autor leider unbekannt. Alt, aber immer noch interessant und einige Bekannte werden zitiert. Aus Kapazitätsgründen in 2 Teilen.

TANGOTANZEN - ein Hochgefühl wie bei Verliebten

Tangotanzen ist "in". Was fasziniert Paare - meist mittleren Alters und gehobener Bildung - plötzlich an den komplizierten Tanzschritten? Handelt es sich um einen Rückfall in alte Zeiten, als Männer noch "harte" Männer und Frauen noch "folgsame" Frauen waren?

Ich bin ein schlechter Tänzer. Ich ahnte es längst, und in der ersten Kursstunde kommt es raus. Ich bin lang und schlaksig, meine Bewegungen sind unbestimmt, jeder Schritt gerät mir etwas anders als der vorige. Ein schwieriger Fall.

Erst mal lernen wir gehen. Ich gehe vorwärts und führe Vera, die dabei rückwärts gehen muss. So ist das beim Tango. Vera ist eine füllige, in sich ruhende Hebamme, Ende 40. "Sie geht sehr schön", sagt der Tanzlehrer zu mir, "aber du ..."

Die Tanzschule nennt sich "Studio für Menschen in Bewegung". Der Leiter, Michael Domke, ist Showtänzer und einer der führenden Tangolehrer in Deutschland. Er ist nicht groß von Statur, untersetzt, schon Mitte 40, aber er hat die Behändigkeit eines jungen Bären. Domke weiß: Tangoanfänger, die ihr Gegenüber fühlen, bekommen manchmal Angst. ,;Wenn sie sich näher kommen, werden die Schritte unsicher. Das kann Abwehr sein oder ein viel zu großer Wunsch."“ Auch in der nächsten Kursstunde lernen wir nichts als gehen. Mein Tanzlehrer sieht mir zu. "Richte dich ganz auf“, sagt er geduldig. "Geh ruhig und entschlossen auf deine Tänzerin zu!"

Ruhig bin ich nicht, und die Entschlossenheit liegt ganz bei Vera, der Hebamme. Sie setzt genau im Takt der Musik ihre Schritte rückwärts, ich stolpere steif hinterher.
"Bei Tieren nennen es die Verhaltensforscher freeze, Erstarren", sagt Max Peschek. Der studierte Informatikingenieur arbeitet heute als Körpertherapeut. Nebenbei gibt er Tangostunden. "Tiere erstarren, wenn sie weder fliehen noch kämpfen können. Tangotänzer erstarren, wenn sie sich in die Arme eines Partners begeben, zu dem sie noch kein Vertrauen haben. Dann kommt manchmal die Angst des kleinen Kindes vor übermächtigen Erwachsenen zurück." Auch in der folgenden Kursstunde geht es nur um die einfachsten Dinge. Mein Tanzlehrer verlangt eine Haltung von mir, die mich an Preußens Glanz und Gloria erinnert: Rücken gerade, Brust raus. Ich finde das unbequem, und kaum dass der Lehrer sich umdreht, falle ich in die lässige, coole Haltung zurück, mit der ich bisher mein Leben gemeistert habe. Aber er erwischt mich immer wieder. "In dieser Haltung kannst du die Frau nicht führen", sagt er und schüttelt den Kopf.

"Führen im Tango, das war für mich eine Lebensschule", erinnert sich Michael Domke. "Ich überlege nicht mehr: Wie hätte sie es denn gerne? Sondern ich entscheide Schritt für Schritt, ich gehe, ich führe." Allerdings nicht mit Gewalt, sondern respektvoll und einfühlsam. Das habe ihm
gegenüber Frauen ein neues Selbstbewusstsein gegeben, sagt der Tangolehrer.

In seine Kurse kommen viele Männer, denen das Führen sehr schwer fällt. Die Frauen sind oft beruflich erfolgreich, sehr selbständig, und es widerstrebt ihnen, die eigenen Schritte vom Mann lenken zu lassen. Domke seufzt: "Da ist der Unterricht nicht leicht." Standardtänze haben festgelegte Schrittfolgen" der Tango nur kleine Elemente, die der Mann frei kombinieren muss. "Tango entsteht bei jedem Schritt neu, aber nur, wenn der Mann führt und die Frau aufmerksam mitgeht"", sagt Domke, "und letzten Endes sind Kerle, die sich klar bewegen, den Frauen am liebsten."

So einer will ich auch sein. Aber es ist so schwer! "Ruder nicht mit den Schultern, du bringst die Frau durcheinander", ruft mir der Tanzlehrer in der nächsten Kursstunde hinterher" als ich Vera an ihm vorbei geschoben habe, "schreite ruhig und präsent!"

Ich arbeite dran. Der klare Mann und die aufmerksame, ja hingegebene Frau: aus der Spannung zwischen beiden soll das Tangogefühl erwachsen: "Ein Hochgefühl wie bei Verliebten, eine Art Symbiose"" schwärmt die Hamburger Tangolehrerin und Therapeutin Marie-Paule Renaud. Die zierliche Französin mit dem dunklen Pagenkopf gehört zu denen, die den argentinischen Tango in den 80er Jahren in Deutschland bekannt machten. "Bei einem Tanz von drei Minuten kann man sich fühlen, als ob man zu zweit eins wäre. Man rutscht in Sphären des Leibes, die nicht mehr kontrollierbar sind."

Unkontrollierbar sind bei mir allein die Bewegungen meines schlaksigen Körpers. Dennoch wage ich mich abends in den Salon der Tanzschule: ein weiter Raum mit drei Säulen, einer geschwungenen Bar und roten Plüschsofas. Große Spiegel an zwei Wänden. Die meisten Tänzer sind nicht mehr jung, haben sich aber fein gemacht: Frau -en tragen kurze oder hoch geschlitzte Kleider, lassen Colliers und Ohrgehänge blitzen. Männer geben in schwarzen Hosen und einfarbigen Hemden den eleganten Hintergrund. Die Stimmung ist ernst."

Oft sind es die ersten Narben, die jemanden mit dem Tango beginnen lasse", sagt Michael Domke. Viele kämen nach Ehescheidungen oder Identitätskrisen. "Sie verstehen den Tango eher als junge Leute."" Domke begann selbst nach einer tiefen seelischen Krise zu tanzen. Tangomusik ist für ihn sentimental und sehnsüchtig, aber er hört auch ein kraftvolles "Trotz alledem" heraus. "Selbst ein Trauertanz ist ein Stück Leben."

Tangotänzer nehmen einen Faden wieder auf, der ihnen vor Jahren abgerissen ist, meint Edde Heeren, Tanzlehrerin in Hannover. Sie ist Anfang 30, eine attraktive Frau mit weichen Gesichtszügen. Ihr Psychologiestudium hat sie mit einer Diplomarbeit über die "Ausdrucksgestalt des Tangotanzes" abgeschlossen.

Menschen zwischen 30 und 50 fangen zu tanzen an, wenn sie ihre beruflichen Ziele erreicht haben oder wenn die Kinder aus dem Gröbsten raus sind, hat Heeren herausgefunden. Dann suchen sie etwas Emotionales" das weder mit Job noch Familie zu tun hat. Die meisten gehören zur gut situierten Mittelschicht, Arbeiter und Hausfrauen sind selten. Einige kommen paarweise, die meisten allein. Ich stehe an der Bar, bestelle das zweite Glas argentinischen Rotwein und plaudere mit Heike, der Rechtsanwältin. Vor zehn Jahren fing sie mit dem Tango an, damals war sie gerade 30. Wollte sie beim Tango Männer kennen lernen?

Heike schaut mich mitleidig an: "Das ist ein Klischee, dass beim Tango zwischen Männern und Frauen die Post abgeht." Was sie trieb, war die "Sehnsucht nach mir selbst als einer anderen Frau". Die Männer brauchte sie zum Tanzen" aber geguckt habe sie nach den Frauen. Halb neidisch, halb bewundernd. Ob der Tango wohl auch Männer männlicher macht? "Klar", sagt Olaf, ein Lehrer von Anfang 40, "seit ich Tango tanze, geht was in mir vor." Beim Tanzen könne er seine "männliche Selbstfindung forcieren". Im täglichen Leben gehe das nicht. "Ich will mich ja nicht als Macho gebärden." Also der Tanz als Ventil für nicht gelebte Männlichkeit? Der sanftmütige Olaf wiegt den Kopf. Jedenfalls dürfe er beim Führen "subtil und nonverbal Mann sein", und das habe ihn verändert: Seine körperliche Haltung sei aufrechter, seine seelische auch: Er gehe selbstbewusster durch die Welt, lasse sich nicht mehr "so schnell runterziehen".

Beim Tango dürfe der Mann genießen, sagt Michael Domke. Er meint das ""Strömen erotischer Energie"", besonders im engen Tanzstil. "Ich spüre ihre Brüste an meiner Brust" ihre Beine an meinen bei jeder Bewegung" habe ihr leises Seufzen im Ohr." Die Frauen wollen diese Nähe, Angst vor dem engen Stil haben eher die Männer. Ganz ohne Grund, findet Domke: "Wenn die Musik aufhört, kann ich die erotische Bindung wieder lösen. Ich komme mit heiler Haut wieder raus. Wo gibt es das sonst?"

Tango, ein Tanz für Bindungsschwache? Nicht nur. Denn feste Paare frönen auch der Tanzlust - gemeinsam. Wenn sie allerdings nicht den Himmel auf ihrer Seite haben, rutschen sie auf dem Tangoparkett leicht aus. ",Sie bringen ihren häuslichen Streit mit in den Tanz", sagt Eddie Heeren, "manche zanken sich bei jedem Schritt." Aber sie können sich auch neu füreinander öffnen: "Ach, so kannst du auch sein!" Bei vielen bekommt das Sexualleben neue Impulse - und die Eifersucht neue Nahrung. Denn das gerade neu Entdeckte steht beim Tango ja auch anderen Männern und Frauen offen.

Wenn nur einer der beiden Partner Tango tanzt, wird es für die Ehe besonders eng. "Mein Mann konnte mich nie richtig umarmen" aber manche Tänzer können das", erzählt Heidrun,Projektleiterin bei einer Umweltfirma. ",Sie nehmen mich an ihre Brust an ihr Herz und wiegen mich wie ein kleines Kind. Sie gehen ein paar Schritte mit mir zu dieser wehmütigen Musik, als wollten sie sagen: Ist das nicht schön? Und ich denke: So könnte sich mein Glück anfühlen."

Als Heidrun ihre ersten Nächte vertanzte, ging ihr Mann mit einer jüngeren Kollegin ins Bett. Jetzt lebt Heidrun allein. Ihr Glück dauert immer nur wenige Minuten: ,;Wenn die Musik zu Ende ist stehe ich verlegen da mit dem Typen. Keiner weiß was zu sagen." Manchmal kommt sie sich vor wie ein Dieb. ,"Ich habe Nähe gewollt und bekommen, jetzt mache ich mich mit der Beute davon.“

Frauen führen Frauen. Das ist in Argentinien verpönt aber in Europa üblich. Viel seltener sehe ich Männer, die mit Männern tanzen. "Ich mag das sehr", sagt Marie-Paule Renaud. "Diese leicht aggressive Spannung zwischen den beiden - wunderbar!" Renaud erwartet von ihren Schülern,
dass sie beides lernen: Frauen das Führen und Männer das Folgen. Sie ist überzeugt: "Wir alle haben das Potenzial für beide Rollen." Erst wenn die Tänzer das entwickeln, werde der Tango - noch immer als Machotanz verschrien - ein emanzipatorisches Vergnügen.

Marie- Paule Renaud ist Tanzlehrerin und zugleich Gestalttherapeutin. in ihrem Studio setzt sie den Tango bei Gruppentherapien ein. Der Tanz führe die Schüler schnell zu ihrem Lebensthema. Er reiße die Tänzer unwiderstehlich in die Regression: ,"Unsere Babyzeit kommt hoch" weil wir den Tanzpartner so nahe wie früher die Mutter haben. Wir spüren seine Vibrationen, seine Muskelspannung. Dazu kommt die Musik, sie ist viel emotionaler als Standardtanzmusik."

Deshalb sei der Tanz auch geeignet den Seelenzustand der Klienten sichtbar zu machen: ob sie Raum greifen bei ihren Schritten oder nur trippeln. Ob sie sich trauen, ihr ganzes Gewicht auf ein Bein zu legen" oder lieber den zweiten Fuß am Boden lassen. "Das ist nicht zufällig, da drückt sich ihr Leben aus."
Renaud glaubt mit ihrer Tangotherapie frühkindliche Beziehungsmuster aufdecken zu können. "Wenn ein Mann sich nicht traut beim Tanzen die Brust vorzuwölben, um seine Partnerin zu spüren, steckt dahinter vielleicht ein alter Konflikt mit seiner gestressten Mutter." Andere Tanzlehrer rühren nicht ans Seelenleben. Sie sind überzeugt dass der Tango seine Tänzer auch ohne Therapie selbstbewusster macht und ihnen neue Dimensionen des Fühlens eröffnet. Aber ernsthafte psychische Hemmnisse kann wohl niemand wegtanzen.

Edde Heeren berichtet von Schülern, die emsig von Workshop zu Workshop reisen. Sie lassen sogar Videoaufnahmen machen, damit sie zu Hause die Tanzfiguren akribisch nacharbeiten können. Dennoch kommen sie über ein bestimmtes Niveau nicht hinaus. "Sie sind an eine innere
Grenze gestoßen" mit der sie sich nicht konfrontieren wollen, etwa in einer Therapie", vermutet die Psychologin. Andererseits: Menschen" die eine Therapie erfolgreich zu Ende bringen" tanzen nachher besser als vorher, weiß Max Peschek. "Eine Identität als Mann oder Frau, die man vorzeigen kann, hilft den Menschen, beim Tanzen präsent zu sein“
.
Auf die Couch muss ich nicht, denke ich unbekümmert, ich muss nur üben. Immer öfter gehe ich abends in den Salon. Man kennt mich schon, man grüßt mich. Gelegentlich finde ich eine Anfängerin, die mit meinem tänzerischen Können zufrieden ist. Aber meistens stehe ich, ein Weinglas in der Hand, an der Bar und lasse sie vor meinen Augen vorüberschweben: die stolzen Mädchen und schüchternen Jungs, die sich zu dieser wehmütigen Musik ins Babyalter zurück schleichen. Die Bindungsschwachen, die Nähe für kurze Zeit suchen oder erotische Trance. Noch bin ich ein schlechter Tänzer. Aber ich lasse nicht locker.

Eintrag # 40

0

Autorin:

Karin

Geschrieben am:

25.03.2012 20:58:00

Es herbstelt - Bs.As. Teil 5

....und zwar gewaltig. Seit dem Gewitter in der Vorwoche mit zum Teil tischtennisballgroßen Hagelgeschoßen (leider vor Schreck aufs Fotografieren vergessen) ist es sogar kühler als derzeit in Österreich. In der Nacht (unsere Tuchent ist bei der Wäsche) rittern wir um die gemeinsame Decke im Bett und rupfen sie uns gegenseitig im Schlaf weg - vielleicht sind wir auch deshalb beide seit ein paar Tagen verschnupft. Die modebewusste Argentinierin trägt jedenfalls schon Stiefel und Lederjacke.

Ich bin jetzt fast 7 Wochen hier und schön langsam bekomme ich Heimweh. Auch das Schwarzbrot (vor allem das Sonnenblumenbrot vom Merkur) fehlt mir schon sehr. Ich denke auch schon sehnsüchtig an den Komfort von zu Hause (wir haben zu zweit 2 Bäder...). Überhaupt ist mir die Dusche hier suspekt: Die Duschkabine besteht aus 2 fix montierten schmalen Glasteilen und zwei übereinander liegenden Duschvorhängen, wobei der innere sehr aufdringlich ist und sich immer wieder an meinen Körper klebt - Gerhard hat dieses Problem nicht, was mir völlig unverständlich ist. Aus Rache brause ich den Duschvorhang anschließend immer kalt ab, aber es nützt nichts, nächstes Mal macht er es wieder...

Schon zum 2. Mal seit Anfang Februar wird der Betrieb der subte für einen ganzen Tag eingestellt, an einem der gefährlichsten Arbeitsorte der Welt wird gestreikt. Die U-Bahn in Buenos Aires gibt es seit 1913 (Linea A zur Plaza de Mayo) und sie ist, trotz der Verdoppelung des Fahrpreises im Vergleich zum Vorjahr, ein günstiges Massenbeförderungsmittel, das für viele Menschen und auch Kinder zusätzlich der Arbeitsplatz ist: Von Heiligenbildchen angefangen über Subtepläne, Kugelschreiber, Socken, Hüllen für Kreditkarten etc. wird alles mögliche während der Fahrt angepriesen und verkauft und auch Sänger, Clowns und Bettler fahren den ganzen Tag auf den verschiedenen Linien hin und her und wandern von Waggon zu Waggon. Auch eine Mutter mit ihrem gerade erst geborenen Baby ist darunter und eine durch Brandwunden am Kopf entstellte junge Frau - sie bekommt von fast jedem etwas, so schockierend ist ihr Anblick.

Die Polizei ist sowohl in der subte als auch auf den Straßen sehr präsent - hier ein Foto von einem Polizeieinsatz auf einem 4rädrigen "Motorrad".



Der Tangauta, die für uns informativste Zeitschrift über das Geschehen in der Tangoszene, feierte sein 16jähriges Bestehen und lud zu einem zweitägigen Fest.

Wir waren am Freitag dort und es war beeindruckend, was an KünstlerInnen aufgeboten wurde. Auch das Rahmenprogramm konnte sich sehen lassen: Auf den Fotos wird gerade Alejandra Mantinan öffentlich von einem Körperfileteador verschönert, sofern das überhaupt noch möglich ist. Auch wenn diese Prozedur ca. 5 Stunden dauert, genießt sie es ganz offensichtlich, so im Rampenlicht zu sehen und auch ihr späterer Auftritt zeigt viel von der Malerei des Künstlers.

Auch Guillermina Quiroga tanzt spektakulär - sie denkt sicher noch immer voll Sehnsucht an Don Pedro

Ariel Ardit gibt mit seinem Orchesta tipica einige Stücke zum Besten, die einen zum Schmelzen bringen, so eine streichelweiche Stimme hat er, er ist in Argentinien ein Publikumsliebling. Hört Euch mal auf Youtube "Esta noche de luna" an - schmacht.



Bis 3 Uhr nachts (und 3 Stück Kuchen später) müssen wir ausharren, um dann auch Tanghetto zu hören - ein sonderbares Gefühl für mich, nach so langer Zeit wiedermal Tango Nuevo zu tanzen.

Zwischendurch werden immer die Fotos aller bisherigen Tangauta-Titelseiten auf eine Wand projiziert - die ersten waren noch gezeichnet! Einziger Nachteil des Tangauta ist, dass er immer erst so um den 20. des jeweiligen Monats erscheint und dann viele Veranstaltungen, die eigentlich beworben werden sollen, schon Geschichte sind.

Für den Mittwoch haben wir eine neue Milonga in der Villa Malcolm entdeckt - Fruto Dulce. Das Publikum ist deutlich jünger als bei den anderen Milongas und wir treffen viele Bekannte, die Musik ist aber wie überall traditionell. Die Show von den Totis (Christian Márquez und Virginia Gómez) kennen wir teilweise schon von der Cita-Theatershow, hier aber können wir sie zu unserer großen Freude filmen. Die Milonga ist so gut besucht, dass man, wenn man ohne Reservierung hinkommt, auf einen Mitteltisch gequetscht wird und so nur unter Überwindung einiger Sessel und deren BesetzerInnen auf die Tanzfläche gelangen kann.

In einem CITA-Kurs lernen wir, dass es beim Tangotanzen 3 Gesichter gibt: Das ernste Tangogesicht, das fröhliche Milongagesicht und das verklärte Vals-Gesicht (seeliges Lächeln und eventuell auch leichtes Schielen). Auf dem Foto tanze ich gerade Milonga mit Marco von der Villa Giacomelli - wir müssen beide noch etwas an unserem Gesichtsausdruck arbeiten, aber Spaß gemacht hat es uns ganz sicher und wir freuen uns auf ein Wiedersehen im Juni!


 

Am 29. Tag eines jeden Monats zieht es die portenos in eines der vielen italienischen Restaurants, wo sie zu Ehren ihrer Vorväter noquis, eine typisches Arme-Leute-Gericht, essen. Der Legende zufolge hat San Pantaleón, der im Norden Italiens Wunder vollbrachte, einem armen Bauern prophezeit, dass er ein sehr gutes Jahr haben werde. Seine Vorhersage, die er am 29. machte, traf ein und der Bauer wurde mit einer reichen Ernte beschenkt. Seit dieser Zeit feiern die Menschen diesen Tag, indem sie ñoquis, essen. Der Tradition zufolgte legt man eine Münze oder eine Banknote unter seinen Teller, das soll zu Wohlstand verhelfen. Nach dem Essen werden die Münzen eingesammelt und der Person am Tisch gegeben, die sie am meisten braucht. Meine repräsentative Umfrage im Nino Bien ergab, dass sich alle meine Tanzpartner an diesen Brauch halten. Gerhard und ich mögen noquis nicht besonders - wir fliegen daher am 29. März heim.

Hoffentlich geht es sich diesmal mit dem Gewicht beim Gepäck aus, ich habe Gerhard vorsichtshalber schon mal überredet, einige seiner alten T-Shirts zu entsorgen, um Platz und Gewicht zu sparen. Ich habe doch letztendlich einiges eingekauft, auch wenn ich lange und oft suchen musste und es zum Teil einiger mails bedurfte, um die richtige Adresse herauszubekommen: Hier ein Foto aus einer Wohnung im 19. Stock in der Corrientes, in der Kleidung verkauft wird, man hat einen tollen Rundblick über einen Teil der Stadt.

Auch auf der Plaza Dorrego haben wir zugeschlagen und einige Mitbringsel erworben. Dass es hier alles gibt, habe ich ja schon mal behauptet, hier drei weitere Beweise: Schneeschuhe von einer Expedition zum Nordpol - pardon Südpol - aus dem Jahre Schnee,

ein menschlicher Vogel Strauß

und ein nicht gerade ultramodernes, aber noch funktionstüchtiges Kommunikationsmittel.




Besitos & hasta pronto Carina & Gerardo

Eintrag # 39

0

Autorin:

Karin

Geschrieben am:

20.03.2012 23:12:00

?10 viajes oder 10 viejas?

Alejandra Mantinan und Anoniken Quiroga locken uns wieder ins La Baldosa. Mit Müh und Not bekommen wir nur deshalb einen Platz, weil wir bald dran sind, und werden wie letztes Jahr in den Paaresektor verbannt (Reservierungen per eMail sind sowohl hier als auch im El Beso sinnlos, sie werden nicht gelesen). Auf externe Aufforderungen wartet man im La Baldosa leider vergeblich und unser Eindruck ist, dass die Leute lieber unter sich bleiben wollen und gar nicht so erfreut sind, wenn sich AusländerInnen herverirren. Umso ärgerlicher ist, dass die show dann zu sehr später Stunde abgesagt wird.  Ein Lettisches Paar, das in Riga eine eigene Milonga betreibt, hat dieselbe Idee wie wir und wir teilen uns dann zu viert ein Taxi ins Canning, wo es als Ersatz noch sehr nett ist. Aber eine Sehenswürdigkeit hatte das La Baldosa doch zu bieten.
 

Diabolischer Grinser Gerhards angesichts der in seinem Hinter(n)grund lauernden Verlockungen 

Eine weitere neue Milonga haben wir an einem Mittwoch ausprobiert, die von unserem Quartier aus gut zu Fuß erreichbar ist: Ins La Pipetuá verirrt sich außer uns nur noch ein 2. ausländisches Pärchen. Zu späterer Stunde gibt es ein Folklore-Konzert und eine Chacarera-Vorführung, der Eintritt beträgt 20 Pesos pro Person (zum Vergleich: im Canning zahlt man üblicherweise 30 Pesos, an Dienstagen mit Livemusik 40). 

Letzte Woche auf dem Weg zu den CITA-Kursen, die für uns zum Teil schon um 12.45 begannen (winsel), waren wir wieder eher spät dran. Umso ärgerlicher, dass das metallene Drehkreuz bei der subte Gerhard zwar noch passieren ließ, unser 10er-Subte-Block dann aber immer wieder ausgespuckt wurde, obwohl noch mehrere Fahren offen waren. Gerhard war also schon drin und ich noch draußen und was macht man da, wenn die U-Bahn schon daherbraust? Man nimmt sich ein Herz und die Beine in die Hand und springt beherzt über die Absperrung. Der Bock war in der Schule nicht mein Favorit, aber das damalige Üben hat sich anscheinend gelohnt. Noch nie ist eine österreichische portenita graziöser über die Schranke geschwebt, das könnt Ihr mir glauben! 

Auf dem Rückweg war also der Kauf eines neuen 10er-Blocks angesagt und zu Übungszwecken hat das Gerhard übernommen: Gut, dass die Frau an der Kartenkasse entweder taub oder nach einem 10-Stunden-Arbeitstag schon so abgestumpft war, er hat nämlich statt 10 viajes (= 10 Fahrten) 10 viejas (10 alte Frauen) verlangt. Sie hat ihm jedenfalls ohne mit der Wimper zu zucken das gewünschte (?) ausgehändigt. Ich musste mich wegdrehen und mein Wiehern zurückhalten 

Im Vergleich zu den Vorjahren wurde die CITA ordentlich abgespeckt - keine Seminare mehr, sondern nur mehr packages zu 15-Kursen oder Einzelkurse, nur mehr 1 Theatershow statt 2 und keine Aussteller mehr am Veranstaltungsort - das schmerzt mich am meisten. Hier gab es früher Schuhe vieler verschiedener Firmen, jede Menge Tangokleidung, CDs und Schnickschnack zu kaufen, was die Pausen zwischen den Kursen sehr versüßt hat (mir zumindest, Gerhard müsst Ihr selber fragen). 20 Paare in den Kursen sind auf der Tagesordnung und das Niveau ist deutlich gesunken - sowohl hinsichtlich der Anforderungen (außer bei Chicho), als auch der KursteilnehmerInnen. Chicho hält im 2. Kurs, den wir bei ihm machen, wieder eine seiner berühmt-berüchtigten Standpauken (in einem Kurs für Fortgeschrittene ist es nicht möglich, Ochos oder die Boleo-Technik zu unterrichten, das ist Voraussetzung) und zieht sein Programm durch. Beim 3. Kurs ist ein Fernsehteam dabei und als ich Chicho einmal bitte, Gerhard und mir zuzuschauen, nimmt er sich sicher 5 Minuten Zeit und probiert mit mir. Er trägt in diesem Kurs übrigens eine Jeans von Desigual, Modell Gancho-Proteción: Der Schritt geht ihm bis zu den Knien. 

Eine der drei Abendmilongas ist als Maskenball angelegt

und so tummelt sich neben Julius Cäsar, Kleopatra, John Lennon in seinem blau-weißen Sgt.Pepper-Anzug, einigen Mafiosi inkl. Dienstpistole, einem Piraten - originalgetreu aus dem Film Fluch der Karibik -, diversen männlichen Damen und Clowns auch Madame Butterfly auf der Tanzfläche.

Den 1. Preis hat er/sie sich wirklich verdient. Richard aus den States verrät mir unter dem Siegel der Verschwiegenheit, dass er sich nächstes Jahr als black swan verkleiden wird - auch damit ist er sicher unschlagbar. 

Dieses Jahr hat es in Buenos Aires öfter geregnet, als wir es von den Vorjahren kennen, und den Schirm mitzunehmen hat sich wirklich gelohnt. Wenn es flesselt, dann ordentlich und in den Rinnsteinen schießen richtige Sturzbäche Richtung ... ja was? Kanalisation ist mir hier eigentlich nicht aufgefallen. Die portenos lieben Hunde jeder Größe und Rasse, die Entsorgung der mehr oder weniger enormen Hinterlassenschaften ist aber nicht ihre Lieblingsaufgabe und so ist das Gehen auf den Gehsteigen, abgesehen vom zumeist desolaten Zustand, ein richtiger Spießrutenlauf. Entsorgt werden die Trümmer(l) erst dann wieder, wenn es regnet. Die Straßenbeleuchtung ist auch eher schwach und auf dem abendlichen Rückweg vom Essen kommt es wie es kommen muss: Ich platsche mit meinen Dianetten (für alle Herren unter den Blog-Lesern: flache Sandalen, die ganz offen sind und nur zwischen großer Zehe und Zeigezehe einen Steg haben) in eine tiefe Pfütze. Das Wasser (und sonstiges) umspült meinen ganzen Fuß und ich muss mich beherrschen, dass sich mir nicht augenblicklich die Zehennägel aufrollen. Warum nur habe ich meine mobile Fußwaschanlage ausgerechnet heute nicht mit??? Zu Hause schrubbe ich meine Füße und meine Schuhe 5 Minuten lang. 

Aber nicht nur Hunde findet man auf der Straße - eine Siamkatze macht mit ihrem Frauerl einen kleinen Ausflug am Rollstuhl. Angst vor Hunden hat sie lt. ihrer Besitzerin nicht, eher umgekehrt.

 

Eintrag # 38

0

Autorin:

Karin

Geschrieben am:

11.03.2012 00:57:00

Ignacio und das Rättchen - Bs.As. Teil 4

In den argentinischen Lebensmittelgeschäften ist eine oberösterreichische Firma mit zahlreichen Produkten vertreten: Alle möglichen KNORR-Produkte, vom Suppenwürfel angefangen über (Halb)Fertiggerichte, haben den heimischen Markt fest im Griff und versprechen auch der argentinischen Köchin weniger Zeitaufwand und besseren Geschmack.

Fundstück von der Plaza Dorrego - Fertiggerichte gab's damals noch nicht

Bei der Glorieta werde ich von einem meiner Tanzpartner sofort gefragt, woher ich komme. Nachdem Schwindeln nix hilft (manchmal behaupte ich anfangs frech: !De acá!) frage ich zurück, woher er weiß, dass ich keine Argentinierin bin. Die Antwort ist einleuchtend: Du bist hier die einzige Frau mit Schminke.

In Argentinien entwickeln meine Haare noch mehr Eigenleben als zu Hause. Ich will dem Einhalt gebieten und kaufe, um meinen Tanzpartnern zu einem besseren Ausblick zu verhelfen, ein Mittel, das "kontrollierte Locken und reduziertes Volumen" verspricht. Ich kann nur sagen: Die Werbung hier ist genauso verlogen wie in Österreich. Die extreme Luftfeuchtigkeit und die beiderseitige Anstrengung beim Tanzen tragen alles dazu bei, dass sich das Mittel im Schweiß neutralisiert und meine Haare nach kurzer Zeit wieder aufmüpfig sind und tun und lassen, was sie wollen. Außerdem macht die Hitze Würstelfinger und Würstelzehen

In meiner ersten Argentinienwoche habe ich einen Falco-Fan als Taxifahrer. Er ist ganz begeistert, dass ich aus Österreich komme, erzählt mir, dass gerade Falcos 15. Todestag war, singt den Kommissar und gibt den Inhalt von Jeanny auf Spanisch zum Besten. Einige Tage später beim Essen ist sogar ein Falco-Video im Fernsehen zu sehen - er ist hier wirklich populär.

Ein anderes Mal ist im Taxi eine Ansprache von Präsidentin Cristina Kirchner zu hören. Der Taxifahrer jammert, dass die schon 3 Stunden dauert. Und das auf allen Radiokanälen. Das Leben ist hier wirklich hart und wir freuen uns beide, als er an einer Ampel eine Folklore-CD einlegt.

Dienstag waren wir mit argentinischen Freunden in einem der besten Steakhäuser der Stadt. Das La Brigada liegt in der Nähe der Plaza Dorrego und Ignacio und Zully holen uns mit dem Auto ab. Ohne Reservierung hätten wir keine Chance gehabt, das Lokal ist bis auf den letzten Platz besetzt. Die Einrichtung ist eine Mischung aus Tango- und Fussballdevotionalien und allem, was mit Rindviechern zu tun hat.

Die Hüllen der Speisekarten sind aus Fell und die Serviettenringe erinnern mich an Nasenringe und Gerhard an Brandzeichen (auch er hat seine Fantasien dazu, den Ring in den Ofen zu stecken und mir eines zu verpassen). Vorsichtshalber haben wir einen mitgenommen, man weiß ja wirklich nie, wofür er einmal zum Einsatz kommen kann.
Das Fleisch ist sogar für mich sensationell und das Preis-Leistungsverhältnis passt. Für 4 x Bife de lomo (Foto für Don Pedro in Kingsize),



Choripan als Vorspeise, eine Flasche guten Wein, Wasser, Salat, Pommes und 2 x flambierte Nachspeise (karamellisierter Apfelkuchen mit Eis - ich esse meine halbe Portion auf, Gerhard muss kapitulieren) zahle ich knapp 700 Pesos.

Wir rollen überfressen aus dem Lokal und werden im Canning abgesetzt, wo Juan Carlos Godoy ein Konzert mit für sein Alter erstaunlich viel Stimmvolumen, Kraft und Energie gibt.

Mit seinen (offensichtlich sehr lustigen) Zwischendurch-Kommentaren hat er das Publikum fest im Griff und wieder ist es für mich wunderbar zu sehen, welche Emotionen Tangokünstler der alten Garde bei den ArgentinierInnen auslösen.

Tja, ein heikles Thema: Parfum bei Herren. Wie sagt man seinem Tanzpartner, dass sein Parfum grauenhaft stinkt und den ganzen Abend noch deutlich zu riechen ist, wenn man den Kopf bewegt, weil einen der Herr "markiert" hat? Gar nicht, noch dazu nicht auf Spanisch. Man tanzt halt dann nicht mehr mit ihm und vergräbt den Kopf in der Handtasche und vermeidet tunlichst, in seine Richtung zu schauen, wenn er es wieder und wieder probiert. Schade, wenn es sonst eigentlich gepasst hat. Da wäre gar kein oder zumindest kein so markantes Parfum besser. Schließlich will frau ja nach ihrem eigenen Parfum duften.

Bilderrätsel: Was ist das?


A: Abrissbirne
B: eleganter Schädelspalter - da kommt die Polizei nie drauf! Einfach beim Tanzen den Kopf schütteln, und schon ist es passiert!
C: Ohrring
(Auflösung folgt ;-)

Unseren argentinischen Freunden Ignacio und Zully erzähle ich, welche Kosenamen in Österreich verwendet werden und dass vielfach Tiernamen dafür herhalten müssen: Mausi, Bärli und Hasi lösen bei ihnen einen ziemlichen Heiterkeitsanfall aus. Stimmt ja auch, wenn man sich einen 2 Meter-Prügel mit 100 kg Lebendgewicht vorstellt, der Mausi genannt wird. Aber die argentinischen Kosenamen sind auch nicht ohne: Cielito (Himmelchen), estrella (Stern), mamita (süße Frau), papito (Väterchen) und amor de mis entranas (Liebe meiner Eingeweide) sind ja auch nicht zu verachten. Nur bei tesoro (Schatz) gibt es eine Übereinstimmung.
Das nächste mail unterschreibt Ignacio jedenfalls mit: Ignacio y la ratita (das Rättchen)


P.S. Wir würden uns über Post aus der Heimat freuen!

Eintrag # 37

0

Autorin:

Karin

Geschrieben am:

04.03.2012 15:54:00

Ich habe mit Mr. Spock getanzt... zumindest fast

Schwarzer, futuristisch anmutender Raumanzug mit weiß abgesetzten Lüftungsschlitzen an den Achseln, Mimik kaum wahrnehmbar, asiatische Gesichtszüge: Dada aus Nordkorea erinnert mich auch ohne spitze Ohren fatal an Mr. Spock. Mit ihm zu tanzen ist ebenfalls vulkanisch - Tango Nuevo auf kleinstem Raum im Canning. Einige Tage später treffe ich ihn im Kurs im DNI wieder, diesmal trägt er eine weite Hose mit silbrig-barockem Muster. Ein richtiger Paradiesvogel. 

Autsch, das hat richtig, richtig wehgetan. Schon über eine Woche ist es her, dass mir eine Tänzerin ihren Absatz in den rechten Fuß gerammt und damit eine blutige Schneise gezogen hat.  So schnell, wie der dazugehörige Herr tanzend das Weite gesucht hat, hat er sicher bemerkt, dass da was ganz und gar nicht in Ordnung war. Ich besorge mir bei der Klofrau im Nino Bien ein Pflaster und "desinfiziere" die Wunde vorher notdürftig mit etwas Spucke. Am nächsten Tag bitte ich die beiden Weltenbummler aus der Schweiz, die ebenfalls in der Cucha Tanguera wohnen, um ein Wundmittel. Chantal und Christian sind für ein halbes Jahr ausgestiegen, haben ihre Wohnung in der Schweiz aufgegeben und waren jetzt mehrere Monate mit dem Fahrrad in Argentinien unterwegs. Buenos Aires ist die letzte Etappe ihrer Reise, bevor es wieder zurück nach Europa geht. Die beiden haben sicher einen gestählten Po, bei den vielen Kilometern, die sie abgestrampelt haben. So wie ich, wenn ich wieder nach Hause fahre 

Bis zum Vorjahr gab es zumindest am Damen-WC fast jeder Milonga jemanden, der die WCs (in mehr oder weniger großem Ausmaß) betreute und angefangen von gebrauchter Kleidung über Haarspray, Lippenstift, Erfrischungsbonbons, Kaugummis, Taschentücher etc. eben auch Pflaster im Angebot hatte. Im Canning waren Klofrau Rosa bei den Damen und El Pipo bei den Herren zuständig, die jetzt aber beide nicht mehr dort anzutreffen sind. Während die Männer mit dem Service bei El Pipo (der laut Gerhard durch 3 dringend notwendige Klomuscheln ersetzt wurde) immer sehr zufrieden waren, bekamen wir Frauen bei Rosa ohne den entsprechenden Obulus nur mit sehr widerwilligem Gesichtsausdruck und sichtlicher Überwindung im Anschluss an unser Geschäft Papier zum Abtrocknen der Hände. Das Papier für vorher lag (bis aufs Blatt genau abgezählt und zu einem sehr dünnen Päckchen gefaltet) als unmissverständliche Aufforderung neben dem Teller mit dem Trinkgeld, wobei Münzen von ihr immer sofort entfernt wurden und (wahrscheinlich als Orientierungshilfe) nur ein Schein liegen blieb. 

In unserem 7. Buenes-Aires-Jahr haben wir es auch zur LA GLORIETA, einer Freiluftmilonga, geschafft. 



Die Anreise ist aber von Almagro aus eine kleine Weltreise und wir sind mit der subte eine Stunde unterwegs. Der Pavillon ist sehr hübsch und, obwohl wir am Samstag dort sind, gar nicht so voll wie befürchtet. Schon nach der ersten fremden Aufforderung habe ich den dringenden Wunsch, mir die Hände zu waschen, Sanitäreinrichtungen gibt es dort aber nicht. Der Steinboden gibt meinen Trainings-Tanzschuhen den Rest und so abgewetzt will ich sie nicht einmal mehr zu den Kursen anziehen. Die Milonga dauert bis 22.30 und um diese Zeit fährt die subte nicht mehr. Das Taxi heim kostet dann satte 52 pesos (nicht ganz Euro 10). Noch ein Grund mehr, es bei einem einmaligen Ausflug zu belassen. 

In Buenos Aires gibt es neben uralten Autos, bei denen man jeden Moment erwartet, dass sie auseinanderfallen und wo zum Teil sogar Klebeband zum Einsatz kommt, nur ganz wenige moderne und gut erhaltene Fahrzeuge. Umso überraschter waren wir, als uns dieses Schmuckstück über den Weg fuhr - sabber: 



Von den Fluglotsenstreiks in Frankfurt war Gerhard, der seit Mittwoch früh hier ist, nicht betroffen. Auch bei der Iberia brodelt es und ein Wiener Bekannter erzählt mir, dass er in Madrid beim Rückflug 14 Stunden Aufenthalt hat - dort streiken die Piloten. Mal sehen, welche Überraschungen uns bei unserer Heimreise Ende März erwarten, aber bis dahin ist es ja noch lang. Gerhard hat zwar seine Spanischkenntnisse zumindest nicht verbessert, aber das Wichtigste kann er sagen: "La cuenta por favor" (die Rechnung bitte) und einige Zahlen, mit denen er dann im Taxi (und bei Comme Il Faut  ) doch brillieren kann. Was will eine Frau mehr ... 

Mit Ruben, einem Tanguero der alten Garde, tanze ich regelmäßig, wenn ich ihn auf einer Milonga treffe. Er ist zwar nicht mehr ganz so beweglich wie früher, aber seine Interpretation und Musikalität sprechen mich sehr an. Er hat ein kleines Bäuchlein und nachdem da bei mir fast nichts ist, ist es für mich sehr angenehm, mich dagegen zu lehnen. Ich will ihm also ein kleines Kompliment machen und sage daher: !Me gusta tu panza! (ich mag Deinen Bauch), was bei ihm und einem daneben stehenden Tanguero schallendes Gelächter auslöst. Auch wenn ich es liebevoll gemeint habe: Panza heißt eigentlich Speckbauch, wie mir dann erklärt wird. Und michelines (denkt an die kleinen Reifenmännchen) sind Speckröllchen. 

Überhaupt sorge ich mit meinen freien Übersetzungen manchmal für Heiterkeit und habe meine liebe Not, sie nachher ausführlich zu erläutern: 
Pollo loco (verrücktes Huhn) und pantalones muertos (tote Hose - ähm: da ist natürlich gemeint, wenn auf der Milonga nicht viel los ist) sind hier anscheinend nicht wirklich gebräuchlich. Das kommt den Argentiniern nicht grundlos Spanisch vor ... 

Eintrag # 36

0

Autorin:

Karin

Geschrieben am:

18.02.2012 22:31:00

ZOTTO ist besser als BLANCO: Bs. As. 2012 - Teil 2

Mario und Joachim erzählen mir, dass sie immer die besten Plätze bei den Milongas bekommen, wenn sie reservieren. Als Pseudonym benutzen sie den Namen "ZOTTO". Na, jetzt wundert mich nichts mehr. Ich habe mir der Einfachheit halber den Namen "BLANCO" zugelegt, der aber auch hier für "pleite sein, kein Geld haben" steht. Ich glaube, da muss ich was ganz grundlegend umstellen. 

Der Gruppenunterricht im DNI gefällt mir gut, die LehrerInnen sind engagiert und nehmen sich Zeit, wenn man sie um Hilfe bittet. Das Niveau bei diesen Kursen ist nicht sehr hoch, vielleicht probiere ich doch nächsten Samstag den Kurs mit Dana und Adrián (Niveau 6/7). Der Unterricht steht jede Woche unter einem anderen Motto, diesmal sind giros das Hauptthema. Ich habe bisher an 2 Kursen (Niveau 5/6) teilgenommen und ab morgen Privatstunden gebucht. 

Die Practica am Samstag (16 - 19 Uhr) ist zu gut besucht, es gibt - Überraschung - einen deutlichen Frauenüberhang und die Klimaanlage wird mit diesem Ansturm ganz und gar nicht fertig. Ich habe zwar einige Aufforderungen, bin aber nicht wirklich zufrieden. Vielleicht wird's besser, wenn ich mehr Leute kenne. Das Preis-Leistungsverhältnis (10 Pesos) passt aber auf jeden Fall (nicht mal 2 Euro), noch dazu, weil es gegen 18 Uhr bisher jedes Mal eine tolle Show gab, einmal sogar mit Eugenia Parilla. 

Der Peso steht dzt. mit einem Kurs von ca. 5,6 zum Euro, es ist aber auch alles viel teurer geworden. 
So kostet heuer ein Paar Schuhe mehr als 600 Pesos, bei Comme Il Faut sogar über 700. Nach meinem Kaufrausch letzte Woche (3 Paar) musste ich meine Beute mit der Subte in Sicherheit bringen, weil ich nicht mehr genug Geld für das Taxi mithatte. 

Meine bisherigen Tanzabende (ein Mal hatte ich kein warmes Wasser und ohne Duschen/Haarewaschen war es für mich unmöglich, auszugehen) habe ich in folgenden Milongas verbracht: 
El Beso: viele Aufforderungen, Niveau sehr gut, ich war dienstags dort 
Canning: am ersten Abend gibt es 5 spektakuläre shows (unter anderem Adriana Naveira - ein Traum) und die BesucherInnen stehen in Zweierreihen am Gang rund um die Tanzfläche, Auffordern und auch Tanzen sind so gut wie unmöglich. Beim 2. Mal eher schwach besucht, daran kann auch das Konzert von El Chino Laborde nichts ändern, Niveau nicht sehr hoch, aber zum Schluss gibt es doch noch ein "Bonbon" aus dunkler argentinischer Schokolade für mich 
Bendita Milonga:in der Nähe der Plaza Dorrego, Location sehr schön mit großer Tanzfläche und Bühne, aber keine Klimaanlage, Livemusik von El Afronte sehr schwer tanzbar und eher stressig, viele TouristInnen, Niveau unterdurchschnittlich, kein Cabezeo, sondern fallweise sehr aufdringliche mündliche Aufforderungen und Anstarren/Fixieren. Ich bin froh, dass ich mich in die sichere Umarmung eines in einen Anzug gepferchter junger Taxitänzers flüchten kann, der seine "Auszeiten" nutzt und mich sogar 2 x auffordert 
Noche de las Morochas: Von dieser Milonga war ich im Vorjahr sehr begeistert, weil ich schöne Tanzerlebnisse hatte, aber ich kenne eigentlich kaum jemanden aus den vergangenen Jahren und muss mir meinen "Kundenstamm" erst wieder erobern. 
Nino Bien: mein bisher schönster Abend hier - nur zu Ihrer Information, Don Pedro, ich habe das Schweindi schon ein bisschen herausgelassen und freue mich schon auf das nächste Mal 
De la Misteriosa: Tolles Preis-Leistungsverhältnis: 2 Konzerte und eine Show. Spektakuläres Ambiente, das auch Christian als Galeristen fasziniert. Sehr junges Publikum. Tanzfläche nicht mal so übel, obwohl sie wie eine dünne Pressspanplatte aussieht. Leider nicht klimatisiert, die Luft steht und der Schweiß rinnt auch, ohne dass man sich bewegt. 

Die Diebstähle dürften in letzter Zeit ziemlich zugenommen haben, mehrfach werde ich in Geschäften gewarnt und auch einige Taxifahrer verriegeln vor Fahrtbeginn meine Tür. Bekannte aus Innsbruck erzählen mir, dass alle Reißverschlüsse ihres Rucksacks nach einer Subtefahrt geöffnet waren. 

Das erinnert mich an das Erlebnis eines Arbeitskollegen in Rom: Er ist mit seinem kleinen Sohn in der U-Bahn unterwegs, als er bemerkt, dass ihm kurz vor der nächsten Haltestelle die Geldbörse aus der Hose gestohlen wird. Der Dieb läuft auf den Bahnsteig und mein Arbeitskollege voller Wut und Empörung hinterher, ohne zu bedenken, dass ja sein Sohn noch in der U-Bahn ist, die jeden Moment weiterfahren wird. Die anderen Fahrgäste beobachten aber den Vorfall und ziehen die Notbremse. Mein Arbeitskollege stellt den Dieb, der zuerst tut, als wüsste er von nichts, und brüllt ihn auf österreichisch nieder. Mit seiner vor Zorn sicher knallroten Birne und seinem weißen Haarschopf weckt er Assoziationen an einen Weißrückengorilla, was den Dieb offensichtlich so beeindruckt, dass er seine Beute fallen lässt und flüchtet. Als O. wieder in die U-Bahn einsteigt, wird er dort mit Applaus empfangen. Für seinen Sohn wird er immer ein Held sein! (Für mich übrigens auch.) 

Weniger heldenhaft war, dass ich diese Woche mal nach dem Einkaufen das Geld nicht zurück in meine Tasche gegeben habe. Im Taxi wollte ich mir gleich Kleingeld richten und hab es wenigstens schnell bemerkt. Auf meine wortreiche Entschuldigung hat der Fahrer kein Wort gesagt, sondern einfach nach ca. 2 Quadras wieder angehalten. Das hat mehr geschmerzt als eine Schimpftirade. Und das Zurücklaufen zum Haus bei Bruthitze um nicht zu spät zu kommen war auch nicht gerade das, was man sich unter einem gelungenen Auftakt fürs Nachmittagsprogramm vorstellt. 

Gestern im Restaurant Tomato, in das wir vor dem Besuch im Canning ganz gern essen gehen (als Tagesgericht gab es so ein riesiges Trumm gebratenen Lachs mit einem Berg Gemüse, dass ich ihn nicht habe bändigen können, und das ist kein Fischerlatein ), hat uns der nette Kellner, den wir schon seit einigen Jahren kennen und mit besito begrüßen, zu sich nach Hause eingeladen. Ins Gespräch gekommen sind wir zum ersten Mal, weil er gesehen hat, dass Gerhard und ich ein Rätsel aus dem Standard lösen, während wir aufs Essen warten. Da raucht manchmal der Kopf schon ganz ordentlich, so um die Ecke muss man bei diesen verzwickten Fragestellungen denken, aber mit vereinten Kräften schaffen wir diese in jeder Hinsicht anspruchsvollen Rätsel sehr oft ganz und es vergeht die Zeit schneller, bis das Essen auf demTisch steht. Wenn ich aber vor Hunger schon Blutleere im Hirn habe, geht bei mir gar nichts mehr. 
So wie jetzt ... 

Eintrag # 35

0

Autorin:

Karin

Geschrieben am:

13.02.2012 16:36:00

Wenn eine eine Reise tut... Bs. As. 2012 - Teil 1

NEIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIN!!!  Da hab ich mich extra so schön aufgebrezelt und dann das! Der Taxifahrer hat mich 2 quadras vor dem El Beso abgesetzt, weil die Straße abgesperrt ist und ich gehe zu Fuß weiter. Ein ohrenbetäubender Krach von Trommeln und Pauken begleitet mich und ich glaube zuerst, dass eine Demonstration stattfindet, aber es ist ein Desfilé del Carnaval. Und in Argentinien unter den Jugendlichen anscheinend Brauch, sich gegenseitig mit einem weißen Schaum aus Dosen zu besprühen, der ordentlich weit fliegt und bevorzugt auf den Haaren und im Gesicht platziert wird. Meine schöne Frisur erinnert partienweise an eine weiße Rokokoperücke, schluchz. Aber der Schaum lässt sich einarbeiten, ich rieche an meinen Händen und zumindest stinkt er nicht. Ob das Schlagobers ist? Ich frage im El Beso Ricardo, der mir sagt, dass dieser Schaum üblicherweise für künstliche Befruchtungen eingesetzt wird. Na dann bin ich ja beruhigt  Ich kenne Ricardo schon sieben Jahre und weiß, dass er immer für einen Scherz gut ist. 

Bis gestern habe ich geglaubt, dass mein Körper schon eine 5. Jahreszeit einprogrammiert hat und mir der Temperaturunterschied zwischen Europäischem Winter und Argentinischem Sommer nichts mehr ausmacht, aber die Klimaanlage im El Beso hat mich eines Besseren belehrt: Ich muss wieder den chinesischen Tee trinken, den mir Mutti mitgegeben hat und der eine Spontanheilung von allem bewirkt, weil ich ihn in jeder Hinsicht eklig finde. Aber Hauptsache er hilft. 

Ja, es ist schon ordentlich heiß hier - 50 ° Temperaturunterschied sind nicht nix. Aber am Flughafen in Hörsching habe ich beim Warten auf den Flug nach Frankfurt am letzten Montag einen Mann gesehen, der den Weg vom Flugzeug zum Flughafengebäude mit einem kurzärmligen T-Shirt zurückgelegt hat. Es gibt schon Verrückte! 

Ob das Absicht ist? In der Subte ist es noch heißer als oberirdisch und auf den Monitoren wird immer wieder ein Film mit einer Schneelandschaft und einer Seilbahn gezeigt und man kann Schlittenhunde beobachten, die durch einen weißen Winter jagen. Kann ja sein, dass die Betriebstemperatur der ArgentinierInnen bei diesem Anblick um satte 1 ° sinkt, aber bei mir tut sich leider nichts. 

Hier ist eine ordentliche österreichische Delegation aus allen Landesteilen: Innsbrucker Bekannte, Leute aus der Wiener Szene, eine Klagenfurterin. Bei Tango 8 fällt eine mir unbekannte Gruppe von offensichtlichen WienerInnen ein, die sich kein Blatt vor den Mund nehmen, weil sie ja ohnehin niemand versteht. Zuerst will ich mich nicht zu erkennen geben, weil ich mich für meine Landsleute geniere, aber dann helfe ich ihnen doch beim Übersetzen. Bin jedenfalls froh, dass die nette Verkäuferin nicht versteht, was sie so alles von sich geben. 

Die Plaza Dorrego am Sonntag ist wie immer Treffpunkt aller Nationalitäten: Eine Kakophonie von Sprachen! Ich treffe Mario und Joachim aus Innsbruck in einer Seitenstraße, wo El Afronte aufspielen und wir setzen uns in ein Straßencafé und hören lange zu und quatschen dabei. Die zugehörigen Fotos gibt es erst, wenn mein des Image-Shack mächtiger Liebling kommt. Skype sei Dank können wir, wenn es nicht irgendwelche Internet-Probleme gibt, jeden Tag videotelefonieren. Da zahlt es sich schon aus, den Laptop mitzuschleppen. 

Apropos: Diesmal war ich für mein Gepäck ja alleine zuständig, gut, dass ich so einen tüchtigen Masseur habe. 22,2 kg + Handgepäck inkl. Laptop sind schon eine Herausforderung für 46 kg. Jetzt weiß ich ansatzweise, wie sich Ameisen fühlen müssen. Jedenfalls sind derzeit bei der Lufthansa 23 kg erlaubt, lt. Internet inkl. Handgepäck, das aber Gott sei Dank nicht gewogen wird. Glück gehabt. 

Im Haus von Daniel und Lorena ist eine ziemliche Baustelle. Nachdem die Decke nach Wassereintritten stark beschädigt war und teilweise heruntergekommen ist, haben sie aus der Not eine Tugend gemacht und stocken jetzt auf. Was soll ich sagen: Die Bauarbeiter fangen nicht erst mittags zu arbeiten an. 
Alle paar Tage gibt es auf der Rohbau-Terrasse genau mir gegenüber einen Asado, der köstlichst duftet. Angeblich sind das die besten Grillereien, die es gibt, dem Geruch nach zu urteilen, glaube ich das sogar. Im Kühlschrank wartet jedenfalls auch noch eine Art Blutwurst gigantischen Ausmaßes auf ihre höhere Bestimmung. 

Soweit mein erster Lagebericht. Und: Ja Mutti, ich habe den Alarmanhänger immer dabei, wenn ich abends weggehe 

Eintrag # 34

0

Autorin:

Karin

Geschrieben am:

02.01.2012 19:07:00

NEUJAHRSWUNSCH

Lieber Vater im Himmel!
Mein Wunsch für das Jahr 2012 ist:
Gib mir ein fettes Bankkonto und lass mich schlanker werden!



Aber bitte vertausch nicht wieder die zwei Dinge miteinander wie letztes Jahr!!!!!

AMEN

Eintrag # 33

0

Autorin:

Karin

Geschrieben am:

08.10.2011 10:48:00

Nürnberg

Nürnberg: Workshopwochenende mit Alejandra Mantiñan y Aoniken Quiroga

5 Autominuten vor der Planankunft erwischt es uns nach dreistündiger Fahrt doch noch - der Stau auf der Frankenschnellstraße kostet uns eine gute halbe Stunde zusätzlich. Dafür liegt das Astoria sehr zentral und ein schwarzes Mädchen am Empfang begrüßt uns mit süßem bayrischem Dialekt, was bei diesem Anblick doch ein bisschen überrascht. Euro 50 pro Nacht inkl. Frühstück (Sonderspezialpreis für TänzerInnen) sind wirklich ein Geschenk und entgegen ersten Befürchtungen erweist sich das Zimmer ganz und gar nicht als Besenkammer. Es ist zwar alles etwas älter (ein Lift aus dem Jahr 1957 mit rotem Teppichboden an den Wänden befördert uns und unser Gepäck gemächlich in den 2. Stock), aber sauber und gepflegt. Die Chefin hat sich einen Traum erfüllt und im Untergeschoß einen sehr schönen Tanzsaal bauen lassen, der auch für andere Tanzveranstaltungen zu mieten ist.

Mit der "Órbita" - der unsichtbaren Führung - befasst sich unser erster Workshop und wir erfahren von Alejandra Mantinan einiges für uns Neues. Durch ihre Ausbildung als Ärztin ist sie mit den Wechselwirkungen im Körper bestens vertraut und kann alles sehr gut veranschaulichen. Sie ist streng, unerbittlich und manchmal auch etwas barsch, aber sehr engagiert und wenn man etwas richtig umsetzt, freut sie sich sichtlich.

Bei Aoniken Quiroga haben wir zum ersten Mal Unterricht. Bei den shows ist er ein tänzerisch perfekter Clown, der manchmal ein bisschen lächerlich wirkt in seinem zu engen Anzug, aber im Kurs erweist er sich nicht nur als exzellenter Lehrer, sondern auch als wirklich liebenswerter, geduldiger und sanfter Mensch, der von selbst kommt, um mit mir zu probieren und nicht sagt "relax!", sondern "don't be afraid". Hilfe, ich bin verliebt!!!!!!!!!!!!




Ihre abendliche show ist wie immer toll und rasant und auch der Rock and Roll ist ein Augenschmaus. Mein erster (Exil-)Syrer entschädigt mich bei der Milonga für einige versessene tandas.

Aus Nürnberg stammen bekannte Persönlichkeiten wie Albrecht Dürer (Maler), Martin Behaim (Erfinder des ersten Globus), Hans Sachs (Dichter), Peter Henlein (Erfinder der Taschenuhr) und Stefan Krinner (Tangotänzer).

Am Samstag ist Wochenmarkt und am Weg in die Innenstadt erfreuen zahlreiche Obst- und Blumenstände Auge und Gaumen.

Die Lorenzkirche beeindruckt uns mit ihrer gotischen Schönheit und ein Foto im Kircheninneren erinnert an die Zerstörungen des zweiten Weltkriegs und die Bombardierung Nürnbergs.
 
Es geschehen doch noch Wunder auf Erden: Vor der Kirche schwebt ein Bettelmönch einen Meter über dem Boden und hält sich nur an seinem flechtenbehangenen Stock fest, fast unglaublich.


Unser Weg führt uns vorbei an der Bar Celona zu Ständen mit Nürnberger Lebkuchen, Nürnberger Rostbratwürsten usw. Ja, die Franken verstehen zu leben!

Am Hauptmarkt begeistert uns "Der schöne Brunnen", der zwischen 1389 und 1396 geschaffen wurde und mit 40 Personenskulpturen die Institutionen der damaligen Zeit zeigt.

 

Die Frauentechnik mit Alejandra war der für mich bisher wichtigste Kurs mit viel Wissenswertem - ich werde bei der nächsten Milonga gleich probieren, einiges davon umzusetzen! Ein Lob von ihr zählt für mich jedenfalls wirklich was.

Die "Enrosques für Sie und Ihn" sind sehr gut besucht, aber nicht nur von Paaren, für die das Niveau passt und die "Enrosques für Sie" bleiben daher leider auf der Strecke.
Der Unterricht ist jedenfalls auch lustig - als ein Herr nach sehr langer Zeit mit Einzelbetreuung doch noch zu begreifen beginnt, wie's funktioniert, wirft sich Aoniken aus Dankbarkeit zum Gebet auf die Knie. Und Alejandra nennt ihn liebevoll ihren Kung Fu Panda.

Die Samstags-Milonga findet in Erlangen statt und wir kommen beide ordentlich zum Tanzen. Leider ist der Boden spiegelglatt, was auch Aoniken zum Verhängnis wird. Aber die Showtänze sind wie immer ein Feuerwerk mit vielen Höhepunkten.

L-TANGO 1 erregt jedenfalls viel Aufmerksamkeit und sorgt für Gesprächsstoff. In Deutschland muss ein Wunschkennzeichen aus einer Kombination aus 2 Buchstaben und Ziffern bestehen. Man kann sich aber auch ersatzbefriedigen: Ein Auto mit dem Kennzeichen "…WM1974" braust an uns vorbei - auch nicht schlecht, wenn man Deutscher Fußballfan ist.

Alles in allem ein schönes Tangowochenende mit Sommertemperaturen im Oktober, das von Maggie und Wolfgang, der auch als TJ im Einsatz war, perfekt organisiert wurde. Nürnberg zur Weihnachtszeit ist sicher auch eine Reise wert - vielleicht lässt es sich ja wieder einmal mit einem Workshop kombinieren!

 

Eintrag # 32

0

Autorin:

Karin

Geschrieben am:

09.09.2011 10:07:00

Argentinien = Tangonien

ARGENTINA 
?Sabe por qué Argentina se llama así? Cuando el explorador Sebastián Gaboto pasaba con su expedición por el río Paraná-Guazú (o "río grande como un mar", llamado así por los indígenas), vio a unos indígenas que tenían en sus manos plata. El explorador creyó entonces que en el río había mucha plata. A ese río le puso el nombre con el que se lo conoce actualmente: Río de la Plata. 

En latín "plata" se dice "argentum". En espanol se conserva todavía la palabra "argentino" como sinónimo de "plata" y el adjetivo "argentino/a" para decir que algo es del color de la plata. 

El nombre oficial del país es "República de Argentina". También se puede decir "la Argentina". 


Wissen Sie, warum Argentinien so heißt? Als der Entdecker Sebastián Gaboto mit seiner Expedition den Fluss Paraná-Guazú (von den Eingeborenen "Fluss so groß wie ein Meer" genannt) passierte, sah er einige Eingeborene, die Silber in ihren Händen hielten. Der Entdecker glaubte also, dass es jede Menge Silber im Fluss gebe. Er gab diesem Fluss den Namen, unter dem er heutzutage bekannt ist: Río de la Plata (Silberfluss). 

Auf Latein heißt "plata" (Silber) "argentum". Im Spanischen gibt es immer noch das Wort "argento" als Synonym für "plata" und das Adjektiv "argentino/a", um zu beschreiben, dass etwas eine silberne Farbe hat. 

Der offizielle Name des Landes ist "República de Argentina". Man kann aber auch "la Argentina" sagen. 

Zitiert aus: Harenbeg Sprachkalender Spanisch 2011 

Ganz egal, wie der offizielle Name lautet: Für TangotänzerInnen ist und bleibt es TANGONIEN 

Eintrag # 31

0

Autorin:

Karin

Geschrieben am:

07.06.2011 17:27:00

WIENEO-Festival und Villa Giacomelli

WIENEO-Festival:

Hier werden fast ausschließlich Neo- und Non-Tangos gespielt und Gerhard tanzt aus Begeisterung in der ersten Nacht bis ½ 4 fast durch. Das muss er dann gleich ordentlich büßen - Mist, wenn man das Magnesium vergessen hat.
Für mich die übliche Situation: Aufforderungen fast ausschließlich von Bekannten, Wien ist und bleibt ein Inzuchtverein.

Das Konzert von OTROS AIRES gefällt uns sehr gut, die Burschen geben ordentlich Gas und spielen lange durch, aber dann müssen sie ins Bett, weil's in der Früh gleich zurück nach BAyres geht. Auch der "Fozhobler" (=Mundharmonikaspieler) kommt gut und die Veranstaltung ist ausgezeichnet besucht. Die Show ist eher Freedance und gar nicht nach meinem Geschmack.
Wie gefährlich es auf der pista sein kann, zeigt sich kurz nach der Live-Musik: Ein Paar tanzt so unkontrolliert, dass eine andere Tänzerin durch einen Stöckel so schwer verletzt wird, dass sie sogar von der Rettung ins Spital gebracht werden muss, weil die Blutung nicht gestoppt werden kann. Mit einem dicken Verband treffen wir sie dann aber auch in der Villa Giacomelli - wie immer auf Tänzerjagd.
 



Uploaded with ImageShack.us

TANGUETTO locken deutlich weniger Tangobegeisterte ins Veranstaltungszentrum Simmering, sie waren aber auch schon öfter in Wien zu Gast. Die für den Abend angekündigte Show entfällt verletzungsbedingt leider ersatzlos. In Wien gibt es viele gute Tänzerinnen, aber das Niveau bei den Herren ist nicht so hoch. Viele von ihnen haben auch kein großes Vertrauen in den cabezeo oder kennen ihn nicht. Es dürfte in Wien üblich sein, den gewünschten Tanzpartner anzusprechen - wird auch von einigen Damen so praktiziert. Schade.


 



Uploaded with ImageShack.us

Am Freitag nehmen wir noch an einem workshop teil, die location ist aber selbst für Wiener sehr schwer zu finden. Wir kommen erst nach einigen Irrläufen und durch die Nachmittagssonne gut durchgebraten zum Pier 9 Nähe Friedensbrücke. Max und Sonja unterrichten piernazos, Betreuung ok, gut umsetzbare Elemente, werden wir in unser Repertoire aufnehmen.

Nach einem Besuch bei unserem Sohn und seinen beiden Siam-Thai-Katern (auf dem Foto Beatlepups Schielemann) geht es weiter Richtung Italien.
 



Uploaded with ImageShack.us



VILLA GIACOMELLI - LA EXPERIENCIA MILONGUERA:

Die im venezianischen Stil errichtete Villa ist umwerfend - sowohl von den Dimensionen her, als auch von der Gastfreundschaft, der Verpflegung, den sympathischen Bekannschaften, den vielen positiven Rückmeldungen ... Hierher verschlägt es regelmäßig viele aus der Linzer Tangoszene - jetzt wissen wir, warum.
 



Uploaded with ImageShack.us

Einziger Kritikpunkt: Der Tanzsaal ist für das schwüle Wetter nicht ausreichend klimatisiert und die Dachfenster lassen sich nicht öffnen, weil es öfters regnet. So ist man beim Tanzen gleichzeitig im Himmel und in der schweißtreibenden Hölle. Das Niveau ist zum Großteil sehr hoch, es wird ausschließlich im Milonguero-Stil getanzt und "hohe Beine" werden gar nicht gerne gesehen. Gerhard und ich haben sehr viele sehr schöne Tanzerlebnisse, es wird laufend gewechselt und ich könnte sogar noch öfter tanzen, vergönne mir aber zwischendurch immer wieder mal eine kleine Pause, so wie der gefährliche Wachhund der Villa. Hoffentlich lässt er uns bei unserem nächsten Besuch wieder hinein - aber ich glaube, wir haben eine kleine Chance :-)))
 


 



Uploaded with ImageShack.us


Ich weiß schon nach kurzer Zeit nicht mehr, wie ich mir meine Haare aus dem Gesicht zwirbeln soll, speziell bei den Nachmittagsmilongas fließt der beiderseitige Schweiß in Strömen - hier wäre selbst 3-Wetter-Taft machtlos und jede noch so schöne Frisur ist innerhalb kürzester Zeit Vergangenheit. Daher unbedingt Haarspangen und sonstige Gerätschaften mitnehmen, wenn man längere Haare hat. Einen meiner Tanzpartner bringe ich zum Lachen, indem ich ihn frage, ob er eine Schere dabei hat, weil ich mir augenblicklich und sofort die Haare auf Streichholzlänge abschneiden will.

Wir nächtigen in der Casa Renata, nur 5 Autominuten von der Villa entfernt. Renata ist Gastgeberin mit Leib und Seele und spricht auch gut deutsch. Hier ist alles blitzblank und perfekt - sogar der kleine Pool wird ständig von einem Unterwasserstaubsauger geschrubbt. Ab dem späten Nachmittag duftet die Jasminhecke betörend und anregend ...

Am letzten Tag vergönne ich mir nach 4 anstrengenden Nächten eine Massage, eine Mischung aus Thai, Shiatsu und sonstigen mir unbekannten Techniken. Die Behandlung findet in einem riesigen Saal statt, der auch als Matratzenlager dient, und an der Decke über mir ist ein gigantisches Gemälde über die ganze Fläche. Obwohl mir einige fast nackte Männer zusehen, kann ich mich gleich gut entspannen, wahrscheinlich deshalb, weil sie aus Marmor sind. Der Masseur gerät fast ein bisschen in Trance und brabbelt zwischendurch unverständlich vor sich hin, mir kommt fast vor, dass das Beschwörungsformeln sind. Nachher - pay as you wish - sagt er mir, dass ich viel positive Energie habe und good vibrations - kein Wunder nach diesem verlängerten Tanzwochenende. Auf der Tanzfläche probiert er dann jedenfalls gleich aus, ob er es mir gut gemacht hat :-)))

Mein kulinarischer Höhepunkt ist das Beerentiramisu, das zwar ohne Teller und Besteck kaum zu bändigen ist, aber bei diesen Genüssen vergisst jeder seine guten Manieren und nimmt auch die Finger zu Hilfe, um sich schnell ein zweites Stück zu angeln. Kaum wird eine Platte voll gebracht, ist sie auch schon ratzfatz leer.
Die super Verpflegung ist im Preis inbegriffen, ständig werden Getränke und kleine süße und pikante Snacks nachgeliefert. Ebenfalls sehr erfrischend: Mit Zitronensaft marinierte Apfelspalten.

Bei der letzten Nachmittagsmilonga ist es mit der Hitze besonders schlimm und schon nach kurzer Zeit bin nicht nur ich schweißgebadet. Ich wundere mich zwar, dass mein Wahnsinnstanzpartner beim Plaudern zwischen den Tänzen so komisch schaut, mein kleiner Taschenspiegel sagt es mir nach der tanda aber sofort und befiehlt mir, dringend ins Bad zur Schadensbegrenzung zu flüchten - oder fällt das bereits unter Restaurierung? Ich habe jede Menge Wimperntusche auf der Nase, aber das war es wert.

Ich bin nach diesem verlängerten Wochenende um einen Fächer ärmer, 2 Blasen an den Füßen und viele außergewöhnliche Tanzerlebnisse reicher. Ich finde: Eine super Bilanz!
Daran kann auch der Reifenplatzer auf der Autobahn nichts ändern - der gelbe Engel wird seinem Namen gerecht und montiert das Reserverad fast so schnell wie bei einem Boxenstoppp in der Formel Eins. Mit der Maximalgeschwindigkeit von 80 kmh treten wir ab Golling die letzte Etappe unserer Heimreise an.

Eintrag # 30

0

Autorin:

Karin

Geschrieben am:

06.04.2011 17:39:00

Buenos Aires 2011 - Teil 1 - 6

Sonntag 6. Maerz 2011:
Schon am Frankfurter Flughafen bekommen wir jede Menge neuer Eindruecke: Auch der Abflug einer Gruppe orthodoxer Juden mit Baikeles und Hutschachteln erfolgt vom Terminal B. Die Stewardessen der Singapur-Airlines tragen lange bedruckte Wickelroecke, flache Sandalen, sind allesamt zierlich und klein und ziehen im Kollektiv alle Blicke auf sich.

Wir fliegen der Sonne entgegen

Mit uns im Flugzeug reist auch ein Blinder mit seinem Blindenhund. Das arme Tier liegt eingequetscht neben seinem Herrchen am Boden und muckst waehrend des ganzen Fluges kein einziges Mal. Ich frage mich, ob er hier einen Baum oder eine Laterne findet, will den Gedanken aber nicht weiter vertiefen, weil mich das alles irgendwie an die WC-Situation im Buero erinnert – 20 Frauen teilen sich ein Oertchen – wenn man da muss, kann es dauern.; gluecklicherweise aber nicht 13 Stunden.

An unserem ersten Abend gehen wir ins Canning. Im Gegensatz zum Vorjahr ist die Milonga von Menschenmassen bevoelkert und das Tanzen wird - auch transpiratorisch - zur Herausforderung. Montag, Dienstag und Freitag gibt es im Canning/Parakultural jeden Abend Show und/oder Livemusik. Am 22. Maerz freuen wir uns jetzt schon auf Tanghetto.

Beim Heimkommen begruesst uns ein kleiner Gecko im Stiegenhaus - er rangiert auf der Sympathieskala weit vor Gelsen und Kakerlaken, trotzdem ist mir lieber, dass er nicht in unserem Zimmer ist.

Der Peso hat gegenueber dem Euro wieder ordentlich an Wert verloren. Der aktuelle Wechselkurs:
1 Euro (EUR) = 5.63273 Argentinischer Peso (ARS). Die Peso-Preise liegen aber auch deutlich ueber denen des Vorjahrs.

Dienstag Practica X:
Unterricht von Chicho & Juana und Celine & Damian :-))) - Thema Volcadas. Der Unterricht war interessant gestaltet, da die beiden Paare abwechselnd “gegeneinander” angetreten sind und die Technik erklaert haben. Bis Ende Maerz gibt es jeden Dienstag interessante “Paarungen”. Zum Tanzen mit anderen sind wir dort aber nicht gekommen. Entschaedigung dafuer war die tolle Show der beiden Spitzenpaare.

Mittwoch La Garufa:

Bestens bekannt aus dem Vorjahr, fuer 25 Pesos bekommt man hier wirklich was geboten: 20 - 22 Uhr Unterricht, 22 - 23 Uhr Konzert (Saengerin, die uns mit ihrer Stimme und ihrer Art zu singen an Lhasa de Selo erinnert und von 3 Gitarristen begleitet wird), ab 23 Uhr Milonga mit einem Auftritt der “Los Reyes del Tango”. Wir treffen Rosalie, die wieder fuer mehrere Monate in Buenos Aires lebt. Von ihren Fuehrunsqualitaeten kann ich mich persoenlich ueberzeugen - super!

Donnerstag, Niño Bien:

Nicht mal so viele Leute, wie befuerchtet - aber nach dem verlaengerten Karneval-Wochenende (viele hatten bis einschliesslich Dienstag frei - die Leute kommen angeblich ohnehin nicht zur Arbeit und das ist die logische Konsequenz) muessen sogar auch die ArgentinierInnen mal schlafen.

W. aus Deutschland kenne ich schon vom Vorjahr. Er arbeitet als Ueberpruefer in Kernkraftwerken und bekommt dafuer so gut bezahlt, dass er nur 3 Monate vom Jahr arbeiten muss. Den Rest verbringt er zum Grossteil in Buenos Aires. Trotzdem beneide ich ihn nicht wirklich … Ich stelle mir vor, wie er in seinem Schutzanzug einsam auch in den letzten Winkeln der AKWs herumstochert und sich nach der Luft in Buenos Aires sehnt. Er ist sicher nicht viel aelter als 50, hat aber das Gesicht eines alten Mannes.


Der Postre Niño Bien (eine Art Schokoladencreme mit heller und dunkler Creme auf in Alkohol getraenktem Teig) schmeckt immer wieder gut (lt. Gerhard: Hervorragend). Naechstes Mal probiere ich die neue Kreation: Postre Comme Il Faut mit Eis und Merengue. Uebrigens: Bei Comme Il Faut kann man auch Schuhe kaufen (zumindest einige Paare hab ich uebrig gelassen …)



Freitag, La Baldosa:
Vorstadtmilonga, gut klimatisiert, leider Steinboden, viele aeltere Leute, wir werden in den Paaresektor verbannt, was unsere Chancen auf Aufforderungen bei dieser traditionellen Milonga eher minimiert. Aber wir lernen dazu: Naechstes Mal: separado

Auch hier beginnt so wie fast ueberall alles um einiges spaeter (Kurs, Milonga, Show).
Apropos: 2 Shows verkuerzen den um 23.30 beginnenden Tanzabend, die 2. von Alejandra Mantinian und Aoniken Quiroga - zur Live-Musik vom Sextetto Milonguero. WOW!!! Wenn das Video gut geworden ist, stellen wir es auf die page!

Momentan regnet es sehr stark, auch gedonnert hat es mehrfach; unser geplanter Ausflug zum Markt bei Recoleta faellt fuer heute also buchstaeblich ins Wasser.

Unsere Informationen beziehen wir Grossteils aus dem “El Tangauta”, einer Gratiszeitschrift, die bei den Milongas und einschlaegigen Schuh- und Bekleidungsgeschaeften aufliegt. Leider ist die Maerz-Ausgabe noch immer nicht im Umlauf. Hier sind - nach Tagen geordnet - Klassen, Practicas, Milongas, Veranstaltungen mit Adressen und Telefonnummern aufgelistet. Das ganze wird durch Beitraege (spanisch mit englischer Uebersetzung) und viel interessante Werbung aufgelockert. “La Milonga”, ebenfalls eine Gratiszeitschrift, ist aehnlich aufgebaut, hat mehr Beitraege, auch Plattenrezensionen, und ist zur Gaenze in Farbe. Wir bevorzugen trotzdem den Tangauta.

Samstag, La Noche de las Morochas, Riobamba 415:
Wie im Vorjahr habe ich die Qual der Wahl und komme zu sehr vielen Engagements, so geht es aber nicht allen Damen. Drei meiner Tanzpartner moechten sich unbedingt mit mir verabreden und machen mir sehr einschlaegige Angebote - ich sage, dass ich verheiratet und katholisch bin (zumindest zweiteres eine glatte Luege). Meinen Moechtegern-latin lovers ist das aber voellig egal und sie braten weiter, was das Zeug haelt. Wer damit nicht umgehen kann, sollte diese Milonga eher meiden.

Einen juengeren Taxifahrer bitte ich, mir die richtige Aussprache der Subte-Station Pueyrredon (mit acento auf dem O, kann ich aber nicht bei dieser desolaten Tastatur) beizubringen. Ueber meine Versuche bricht er in schallendes Gelaechter aus. Als Revanche gebe ich ihm MAYRHOFER zum Nachsprechen, was er im 5. Versuch sogar ganz gut schafft. Ich sage ihm dann noch Gerhards zweiten Vornamen (nach seiner Taufpatin - mehr wird hier aber nicht verraten :-) und er wirft sich vor Lachen fast aus dem Taxi. Zum Schluss muss ich ihm noch “Ich liebe Dich” aufschreiben - er fragt alle seine auslaendischen Fahrgaeste danach, wie es in ihrer Muttersprache heisst und ueberrascht am Abend dann seine Frau damit.
Was der wohl angestellt hat???

 

Sonntag, 1. CITA-Milonga
Besteht grossteils aus der Vorstellrunde der LehrerInnen, von denen auch 6 Paare vortanzen. Live-Musik wie bereits am Freitag vom Sextetto Milonguero.
Seit dem Gewitter am Samstag hat es deutlich abgekuehlt, die Sonne scheint zwar, aber die Naechte sind empfindlich kuehler als vorher (tropische Temperaturen - auch nicht optimal). Wer nicht um spaetestens 23.30 dort ist, bekommt nur mehr einen Stehplatz. Zum Tanzen im Vergleich zu den normalen Niño-Bien-Milongas viel Platz.

Montag:
1.Trainingseinheit bei Fabian Salas und Lola - vom Niveau her nicht sehr anspruchsvoll, aber gute Tipps fuer Basistechnik.
2.Carolina del Rivero und Donato Juarez: Colgada/Volcada-Seminar mit Grundlagen fuer die richtige Technik - wertvolle Inputs.


3.Abends erste Theatershow im Teatro Astral/Avenida Corrientes: Wie bereits im Vorjahr sind wir von der Show von Fabian und seiner Tanzpartnerin Lola schwer enttaeuscht - eine Aneinanderreihung von Elementen, ohne dass ein Funke ueberspringt. Lola hat zwar eine tolle Figur, bewegt sich aber eher hoelzern und schafft es zumindest jetzt noch nicht, zu begeistern. Hin- und hergerissen waren wir von 2 Musikern - Klavier und Mundharmonika - denen zu Recht ein Platz bei dieser Veranstaltung eingeraeumt wurde. Standing ovations fuer die Darbietung von Balada para un loco

und Harmonica y Tango (z.T. Gaensehaut-Musik fuer Gerhard). Irre, welche Toene man einer Harmonika entlocken kann - mit Fingern, Fingernaegeln und Mund. Bitte Zivals - hab eine CD von den beiden!!!

 

Moerder, Diebe, Schurken! Meine Bankomat-Karte, die mir bisher immer so treue Dienste geleistet hat, verweigert mir das Bargeld. Ich stelle mir lieber nicht vor, wie es waere, allein hier zu sein - so heben wir das Geld eben mit Gerhards Karte ab, die klaglos akzeptiert wird. Meine kann von den legasthenischen Banelco-Kartenautomaten nicht gelesen werden. Wir versuchen es dann bei einer anderen Bankomatengesellschaft namens LINK, dort hat es zumindest einmal funktioniert. Ich hoffe, das bleibt so, will mir nicht alle Schuhe, Kleider, Roecke, T-Shirts, Hosen etc. von Gerhard subventionieren lassen.

Resuemee der beiden Seminare von Montag bis Mittwoch:
Fabian und Lola: Enrosques fuer ihn/Verzierung der Dame und am 3. Tag abschliessend die Nadel fuer beide - wollte ich immer schon lernen. Mit der Betreuung waren wir sehr zufrieden - beide nehmen sich Zeit und legen auch selbst Hand an. Der Unterricht ist sehr entspannt und lustig.
Carolina und Donato: sehr schoene Volcada-Colgada-Kombination, bei der beide Elemente immer wieder in verschiedenen Varianten aneinandergereiht werden. Endlich habe ich auch dabei durch die Flieh- und Zentrifugalkraft nicht mehr 100 kg :-) Bei den beiden durften wir am Ende eine ausfuehrliche Zusammenfassung filmen - ist bei der CITA keine Selbstverstaendlichkeit. Entzueckende Lehrer, die wir sehr moegen und die im Unterricht ebenfalls sehr engagiert sind.

Wir trafen auch sehr gute Bekannte am Donnerstag mi Niño Bien - am Foto leicht zu erkennen....

 

....und am Freitag mi La Baldosa noch Isabel aus Salzburg.

Dann sind uns noch ein para para (sollte paarPaar heissen, aber die EDV versteht nur spanisch und bessert immer von alleine aus) damenlose Schuhe ueber den Weg gelaufen, die nun eine neue Herrin haben.

 

 

So, die Seminarios sind vorbei - Karina “schluchz” - Gerardo “gracias al dio”. Der letzte Tag war Wahnsinn, was die Menge an Moeglichkeiten fuer Kombinationen betrifft. Vor allem Fabian und Lola haben ein Feuerwerk an Figuren abgeschossen - war auch sehr gut als Abschluss, da der Rest der Woche grossteils die Technik betraf.
So, jetzt noch ein wenig rasten, und dann ab zur naechsten Milonga :-))

 

Samstag, 19.3.
Milonga 10
Wie der Name schon sagt, sind hier nur 10 Pesos Eintritt zu berappen. Der eher kleine Raum ist stark klimatisiert und hat Steinboden, das Publikum ist verhaeltnismaessig jung, nur einige aeltere Tangueros haben sich hierherverirrt und warten auf Opfer. Wir haben uns mit unseren tuerkisch/amerikanischen Bekannten von der CITA getroffen, die morgen schon wieder heimfliegen. Amerikaner bekommen normalerweise nicht so lange Urlaub, nur 2 Wochen am Stueck sind der Schnitt, laengere Urlaube werden als geringes Interesse am Job gewertet.

Sonntag, 20.3.
Plaza Dorego:
Wie noch jedes Jahr ein netter Ausflug fuer einen Schoenwetter-Sonntag. Der “ Flohmarkt” dauert bis zum spaeten Nachmittag. El Indio haben wir natuerlich auch einen Besuch abgestattet. Seine Tanzpartnerin macht vor der Show einige Dehnungsuebungen, bevor sie ihm seinen Zopf flicht und dann geht die Milonga ab!

 


Ein Gaucho in traditionellem outfit verkauft die fuer seine Arbeit erforderlichen Werkzeuge. Immer wieder werden wir mit kreativen Ideen ueberrascht - z.B. Kasperlfiguren aus bemaltem Schaumstoff. Bevor wir uns auf den Heimweg machen, schuettelt Gerhard noch einem kopflosen Pantomimen die Hand. Sachen gibts!

 

 

Abschlussveranstaltung bei der CITA mit Auftritten von Chicho/Juana und Sebastian/Mariana und Live-Musik. Um 3 Uhr gibt es auch noch eine Einlage von einem brasilianischen Taenzer, der an Michael Jackson zu seiner besten Zeit erinnert hat und den Moonwalk super drauf hat.


Montag, 21.3.
Canning: Viele schoene Taenze fuer uns beide, wir bleiben bis 4 und geniessen es, am naechsten Morgen nicht zu einer bestimmten Zeit den Wecker stellen zu muessen.
Bei Zivals sind wir auch fuendig geworden. Hoffentlich geht sich das mit den 25 kg pro Koffer noch aus. Ich plaediere dafuer, einen neuen Richtwert einzufuehren, der sich aus Koerpergewicht und Koffergewicht zusammensetzt (zuerst addieren und dann durch 2 zu dividieren). Was ich da alles einkaufen koennte … Noch immer ist in Bs.As. LIQUIDACION BRUTAL (= Ausverkauf) angesagt!


Dienstag, 22.3.
Eine kleine Frau stapft entschlossenen Schrittes ueber die breiteste Strasse der Welt. Die Temperaturanzeige auf einem der umliegenden Daecher zeigt um 18.15 noch 29 Grad. Aber das haelt sie nicht von ihrer Mission ab: Bei NeoTango war nichts zu finden, daher muss auch noch die Strecke bis zu Darcos auf der Sarmiento abgeklappert werden. Der grosse Mann in ihrem Schlepptau trabt widerspruchslos hinterher. Ihm steht der Schweiss auf der Stirn, aber er murrt nicht und fuegt sich in sein trauriges Schicksal. Fuer seine Engelsgeduld hat ihn die kleine Frau noch mehr lieb.

 

Abends wird er dafuer imCanning mit TANGHETTO belohnt. Bevor der Auftritt beginnt, verlassen einige Traditionalisten demonstrativ den Saal. Uns gefaellt es natuerlich, auch wenn wir nicht die ganze Zeit tanzen koennen, weil die Corporacion Tango dazu was einstudiert hat.

 

 

Mittwoch, 23.3.
Das La Garufa ist sehr gut besucht, das Konzert (u.a. El Chino Laborde) dauert allerdings bis Mitternacht, was die Tanzlaune eher truebt.

Weil es ziemlich frisch ist, wird die Veranstaltung in den Innenbereich verlegt. Anschliessend wie gewohnt Milonga und nochmals Live-Musik, das Orchester spielt aber lt. unserer Kulturreferentin Rosalie ziemlich “lahmarschig”.

Donnerstag 24.3.
Wir wollen Buenos Aires nicht verlassen, ohne zumindest eine Nachmittagsmilonga besucht zu haben und entscheiden uns fuers Nuevo Chique.
 



Ziemlich voll mit hohem Altersdurchschnitt, wir waren ganz sicher die Juengsten, da haben auch die offensichtlichen Schoenheits-OPs nichts geholfen. Schlimm, was man da auf den diversen Milongas zu Gesicht bekommt – tote, ausdruckslose Fratzen. Gerhard weiss jetzt auch, warum sich so viele die Lippen aufspritzen lassen: Damit das Gebiss nicht so leicht herausfaellt …
Anfangs habe ich keine Aufforderungen, aber nach ca. 1 ½ Stunden umkreisen die Geier unseren Tisch und es geht dahin. Tanzniveau: unterdurchschnittlich

Danach gehts direkt zum Niño Bien und seinem guten Postre: Da ich die Kalorien dringend brauche, lasse ich von meinem auch nichts uebrig – Gerhard ueberlegt ernsthaft, sich einen zweiten zu genehmigen, bleibt aber standhaft. Auch das Essen der kleinen aber feinen Karte hat uns dort noch nie enttaeuscht.

Freitag 25.3.
Empfehlenswerte ca. 4-stuendige Stadtrundfahrt mit Laura und einem weiteren Gast unserer Unterkunft, der Cucha tanguera.
Sie faehrt mit uns auf Plaetze, die wir zum Teil zwar schon kennen, aber ihre Informationen sind sehr interessant fuer uns. Vielleicht haben die Argentinier deshalb Probleme und ziemlichen Therapiebedarf, weil sie zwar den breitesten Fluss, die laengste und die breiteste Strasse der Welt haben, aber von sich selbst nicht immer in Superlativen sprechen koennen.
Der Rio de la plata ist braun, was aber nicht nur auf Schmutz, sondern auch auf fruchtbare Schwebstoffe imWasser zurueckzufuehren ist. Trotzdem gibt es Badeverbot und wir fragen uns, was die vielen Fischer mit ihrer Beute machen. Hoffentlich landen die Fische nicht am Abend auf unserem Teller ...


In La Boca treffen wir Diego Maradona in seinem blau-weissen Trikot. Fuer 20 Pesos laesst er sich fotografieren und spaetestens jetzt wisst ihr, dass es sich nur um sein Double handelt. Beim Strassenmarkt in La Boca gibt es wirklich viele schoene Dinge (Silberschmuck, Taschen, Bilder aller moeglichen und unmoeglichen Stilrichtungen etc.).

Den Friedhof Recoleta haben wir zwar schon im Vorjahr besucht, aber Laura fuehrt uns an versteckte Plaetze und natuerlich auch zum Grab von Evita.


Die Grabstaette gleich daneben steht uebrigens zum Verkauf. Die monatlichen Kosten und Steuern darauf sind lt. Laura gigantisch.

In der angrenzenden Kirche haben alle Heiligen und auch Jesus einen dunklen Teint und auch Silberverzierungen schmuecken den prachtvollen Bau.


Abends imCanning …

Samstag 26.3.
Den urspruenglich geplanten Estanzia-Besuch sagen wir ab, wir koennen uns nicht aufraffen, den Wecker schon wieder auf 9 zu stellen. Die Klasse bei Nancy und Damian in der Villa Malcolm beginnt um 18 Uhr und ist super, der Preis fuer Bs.As. mit 35 Pesos pro Person ziemlich hoch. Die Betreuung und die unterrichtete Sequenz rechtfertigen das aber auch und filmen darf man obendrein, sogar zwischendurch mit den erklaerenden Kommentaren.
Abends essen wir an der Corrientes im Palacio de las papas fritas (angeblich die besten von Bs.As.) – Gerhard schwarze Lachsravioli und ich Forelle mit Mandeln und Weissweinsauce – yummie! Draufgabe ist ein Blick ueber einen der Veranstaltungsorte der Noche en Vela

Zahlreiche Tangoevents mit Gratiseintritt die ganze Nacht ueber. Es wird auf der Strasse Tango getanzt, unterrichtet, musiziert, es werden Tango-Videos gezeigt etc. Zeitgleich findet aehnliches auch in St. Petersburg, Berlin und anderen europ. Staedten statt.

Nur 2 Strassen weiter und wir sind schon in der Noche de las morochas/El Beso. Ein perfekter Abend.

Sonntag, 27.3.
Von der Plaza Dorego koennen wir gar nicht genug bekommen, es gibt einfach so viel zu sehen. Vom gewaltigsten Handyhalter der Welt angefangen (wer dazu Details wissen will, soll Gerhard nach der Rueckkehr befragen – ich will darueber nicht reden) bis zu Tuerkisohrringen, die aber leider noch immer dort haengen und nicht in meinen Ohrwascheln.
Hier ein Foto dazu, was in Argentinien alles in den Muell kommt …

In der Casa rosada, dem Regierungssitz, gibt es an Sonn- und Feiertagen Gratiseintritt und wir wollen so wie Evita damals huldvoll vom Balkon winken, aber vor dem 1. Stock muss man sich nochmals anstellen und dazu sagen unsere leidgeprueften Fuesse “no”. Hier 2 Aufsichtsorgane in den traditionellen Uniformen :-=)


Abends kommen wir ohne Reservierung um ca. 22.30 ins El Beso, was aber nicht empfehlenswert ist. Gerhard bekommt erst gegen Mitternacht einen Sitzplatz. Hohes Tanzniveau, wir reservieren gleich fuer Mittwoch.

Montag, 28.3.
Abends sind wir bei argentinischen Freunden eingeladen und koennen uns nachher kaum noch bewegen. Aber das viele Essen muss abgetanzt werden und dafuer ist uns das Canning gerade recht. Die Live-Musik ist aber unter jeder Kritik und wird auch eher kurz gehalten (auch was den Applaus betrifft).

Dienstag, 29.3.
Practica X mit 2 prominenten Lehrerpaaren zum Thema Boleos (Carolina & Donato und Milena Plebs mit Partner). Sehr interessante Kombination aus mehreren verschiedenen Boleos (auch fuer den Herrn ist einer dabei). Hier kostet der Eintritt sogar 40 Pesos pro Person, aber in diesem Preis ist die anschliessende Milonga inbegriffen.
Da aber Color Tango imCanning auftreten, wechseln wir gegen Mitternacht das Lokal. Bei dieser Formation hoert sich die Live-Musik an wie Musik von der CD – toll!

 

Mittwoch, 30.3.

Ein nochmaliger Comme Il Faut-Besuch verläuft leider (für mich) ergebnislos, zu unserer Überraschung ist aber die Verkaufsfläche auf einmal doppelt so groß und anfangs glaube ich an eine optische Täuschung mittels raffiniert eingesetzter Spiegel. Eine der Verkäuferinnen erzählt, dass im Vorjahr eine Amerikanerin bei einem einzigen Einkauf 42 Paar Schuhe erworben hat. Wahrscheinlich hat sie alle Modelle in ihrer Größe aufgekauft. Das nennt man shoe-maniac.

Bei der Milonga im La Bruja hängen, wie schon der Name sagt, viele kleine Hexen bei den Lampen an der Bar. Auch Osvaldo und Coca geben uns die Ehre. Ein schwarzer New Yorker Tanzgott entführt mich in den Tangohimmel :-))) Mir wäre es auch egal, wenn es die Hölle wäre …

Donnerstag, 31.3.

Ein Besuch im Tiergarten, der auch ungewöhnliche Tiere beheimatet (z.B. Bison und Kondor), steht für uns in fast jedem Jahr auf dem Programm.

 

Den Eisbären bedauern wir heftig, der arme Kerl hat nur ein blau lackiertes Planschbecken und fast keinen Schatten in seinem Gehege. Der Vogel Strauß heißt hier ave struz und Nutrias laufen frei herum und lassen sich mit der Hand füttern. Die Dutzenden frechen Riesenenten schnappen vielen Tieren das eigentlich für sie bestimmte Futter vor der Nase weg (und lassen es dann in anderer Form auf den Wegen zurück).
Dieses Prachtexemplar - der Alptraum jeder Arachnophobikerin - ist Gott sei Dank in seinem Schaukasten gefangen.



Bei den Affen gibt es immer was zu sehen - ja, auch das.

 

Vergleichsweise monströs sind dagegen die rosaroten Popöchen der Affendamen.

Alerta roja im Nino bien - der Boden ist ruiniert und man kann fast nicht pivotieren. Dafür darf ich mit meinem Tanzpartner von gestern Milonga tanzen. Gerhard hat leider nur ein Foto erwischt, wo er gerade eine andere Dame beglückt.


Freitag, 1.4.

Von Ignacio lassen wir uns zu einem Besuch im La Nacional überreden. Nach der herzlichen Begrüßung durch den Veranstalter (besito für uns beide) ist die Stimmung aber eher frostig, und das nicht nur wegen der eisigen Temperatur). Gegen 1/2 2 wird wegen eines Gedenktages (Krieg gegen England) die arg. Nationalhymne gespielt und ausnahmslos alle erheben sich von ihren Plätzen, viele singen mit und dann wird applaudiert. Ich habe meine Sachen schon enttäuscht zusammengepackt und will ins Canning wechseln, aber da fängt es plötzlich zu laufen an, als mich Ignacio und Gerhard allein am Tisch sitzen lassen und ich bin letztendlich doch zufrieden.
2 ziemlich schwache Paare tanzen zwischendurch vor.


Samstag, 2.4.

Nach einem Besuch des Straßenmarktes in Recoleta

 


fangen wir schon mal zu packen an und gehen um 18 Uhr noch mal in die Villa Malcolm zu Nancy und Damian. In die 2 Unterrichtsstunden wird so viel Material gepackt, dass man damit mehrere Kurse füllen könnte. Meine schon ziemlich heruntergekommenen Schuhe will ich diskret am WC zurücklassen, vielleicht hat ja eine einheimische Tänzerin noch Freude damit. Wenig später bringt eine Kursteilnehmerin das Sackerl jedoch zu Nancy, weil sie glaubt, dass es jemand vergessen hat. Mich rührt, dass sie trotz ihrer sicher nicht rosigen finanziellen Situation (und ebenfalls Schuhgröße 36) so ehrlich ist und umso lieber überlasse ich ihr die Schuhe dann "offiziell".

In der Riobamba bei den Morochas lasse ich mich dann noch ein letztes Mal so richtig betanzen.


Sonntag fahren wir bei stark bedecktem Himmel noch mal zur plaza dorego – die Ohrringe sind mir nicht aus dem Kopf gegangen. Ich will sie um 200 pesos (statt 235), aber der Verkäufer will nicht nachgeben. Ein anderer Mann spricht dann ein Machtwort und sagt, dass der Regen die Preise senkt. Der Verkäufer zuckt mit den Achseln und sagt: "Das ist mein Chef." Gerhard zeigt auf mich und sagt: "Das ist MEIN Chef." Und nach einer kurzen Pause: "Aber Dir geht es besser." So ein Frechdachs.


Um 16.40 hebt der Flieger Richtung Heimat ab. In Frankfurt jammert Gerhard die ganze Zeit, dass das Handgepäck so schwer ist (es enthält meine schuhischen Neuerwerbungen). Beim Auspacken zu Hause weiß ich warum: In der Reisetasche sind auch 2 blinde Passagiere in Schuhgröße 41, die einer von uns offensichtlich versehentlich mitgenommen hat (ich bin aber eigentlich auf die bunten Comme-Il-Faut-Sackerl konditioniert …).


Die Wartezeit in Frankfurt verbringen wir kurzweilig mit Michi, die im selben Flieger wie wir heimkommt und mit der wir Erfahrungen und Eindrücke austauschen. Und auch Ismael und Maria, das argentinische Lehrerpaar vom nächsten Steirer-Wochenende, reisen bis Frankfurt mit uns.

Die Tangowelt ist so klein!



ENDE

Eintrag # 29

0

Autorin:

Karin

Geschrieben am:

23.01.2011 10:07:00

Las Sombras: CD Tango Café

Las sombras: Tango Café

Gesamtdauer: 70 Minuten

Diese CD enthält neben 14 Tangos abschließend auch 4 mit Musik untermalte kurze Tangogeschichten und weiß wirklich zu entzücken. Das cover sieht wie ein alter Luftpost-Brief aus und die CD selbst erinnert an eine Single-Schallplatte. Das umfangreiche booklet ist liebevoll gestaltet und enthält auszugsweise Übersetzungen der Stücke oder deren Beschreibung durch die MusikerInnen.

Gelungen ist dieses kleine Wunderwerk einer deutschen Formation mit Namen "Las sombras" (Schatten), die aus 6 MusikerInnen besteht. Die Stücke sind mit Flöte, Vibrandoneon, Saxofon, Gitarre, Mandoline, Klavier, Akkordeon, Bass, Vibraphone und Percussion instrumentiert. Für die Milonga zum Tanzen sind die Arrangements zu fein und leise, aber zum Hören und Genießen zu Hause etwas Besonderes. Simone Graf schmeichelt sich mit ihrer Flöte in die Ohren und macht glücklich.

Neben Klassikern wie "Milonga del Angel", "Danzarin", dem Walzer "Francia" und "Milonga de mis amores" wird man mit "It had Better Be Tonight" (aus dem Film "Der rosarote Panther") von Henry Mancini und einer originellen Neuinterpretation von "Alice" (Tango Büro) von Eduardo Arolas überrascht.

Diese CD, eine Mischung aus Tango, Jazz, klassischer Musik und Weltmusik, kann ich mir gar nicht oft genug anhören - ein Mitbringsel, das viel Freude macht.
Also kauft sie am Besten gleich 2 x ...


Aus dem booklet:
Wir spielen Tango. Wir lauschen seinen Geschichten und erzählen sie neu. Wir lieben seine Hingabe, seine Sanftheit und Wut und die Freiheit, die in ihm wohnt. In unserer Musik treffen alte Melodien auf neue Ideen und längst Vergessenes erwacht in ihnen wieder. Wenn wir spielen, dann reden, lachen, streiten und versöhnen sich unsere Instrumente manchmal wie an einem Kaffeehaustisch.
Die elegante Flöte flirtet mit dem rauen Charmeur, dem Saxophon. Eine sehnsuchtsvolle Gitarre mischt sich ein, sucht das Gespräch mit dem Piano, und der Kontrabass beharrt stets auf dem letzten Wort.
Unsere Musik erzählt, was wir erfahren haben. Schreibmaschine, Kastagnetten, Cajon geben den Puls, Kalimba, Mandoline und Zimbel entführen die Ohren in ferne Länder. Wir sind mit dem Tango auf eine Reise gegangen und noch lange nicht zurückgekehrt.

Erhältlich z.B. bei amazon.

Eintrag # 28

0

Autorin:

Karin

Geschrieben am:

18.12.2010 13:30:00

Tango mit Ines - Buchempfehlung

Bettina Isabel Rocha: Tango mit Inés

Verlag Krug & Schadenberg, erhältlich bei amazon

Tangolehrerin Elena begibt sich auf Spurensuche: Bilder ihrer Tante Marí, die sich vor Jahren das Leben genommen hat, gibt es, obwohl sie eine leidenschaftliche Malerin war, so gut wie keine. Elena hat nur einen Skizzenblock und 4 Gemälde aus dem Nachlass gerettet. Nachdem sie in Buenos Aires keine Hinweise zum Leben ihrer Tante oder weitere Bilder findet, begibt sie sich nach Gran Canaria. Marí hat eine Reise dorthin unternommen, und die Skizzen, die sie danach angefertigt hat, zeugen von einem einschneidenden und traurigen Lebensabschnitt. Auf ihrer Suche auf den Kanaren lernt Elena, deren Geliebte in Buenos Aires auf ihre Rückkehr wartet, beim Tanzen Inés kennen, die sich in sie verliebt.

Das Buch ist auf zwei Zeitebenen angesiedelt und hat die Identitätssuche dreier Frauen zum Thema: Einerseits wird das unorthodoxe und für die damalige Zeit skandalöse Leben Marís in Argentinien ab 1936 beschrieben. Andererseits löst in der Jetztzeit Elena, die ebenfalls Frauen liebt, mit Hilfe von Inés, die sich eine Auszeit genommen hat, das Rätsel um die Bilder und das Leben ihrer Tante in Form eines Krimis im Kunstmilieu.

Der Schreibstil ist sehr flüssig und elegant, die Tanzszenen sind erotisch und die Liebesszenen beflügeln die Fantasie.
270 Seiten Lesevergnügen, verpackt in einen spannenden und fesselnden Roman.


Leseprobe:
Elena setzte behutsam ihren linken Fuß vor, womit sie Inés einen Rückwärtsimpuls gab. In langen, weichen Schritten, mal in geöffneter, mal in geschlossener Tanzhaltung durchschritten sie zum langsamen Tempo von Los Pajaros Perdidos den Raum. Ihre Oberkörper verloren nie den Kontakt und Elena verzichtete bis auf ein paar einfache Drehungen auf komplizierte Techniken. Die elegante Linie, die Elena vorgab, beruhigte Inés. In vollendeter Übereinstimmung glitten sie über das Parkett. Elena durchteilte mühelos das Meer der anderen Tanzenden für Inés und bot ihr den Platz für lang gezogene giros. Als das Stück endete, war Inés völlig gelöst. Ungezwungen blieb sie an Elena gelehnt stehen und wartete auf die ersten Takte des folgenden Tangos. Mit akzentuierten festen Schritten rückwärts, bei denen sie Inés beinahe ungeduldig mit sich zog, interpretierte Elena die ersten Takte von Amando a Buenos Aires. Sie tanzten ein rastloses, fast aggressives Stakkato, mit kurzen schnellen voleos, wobei die Beine präzise wie Floretts die Luft durchschnitten. Elena führte Inés in eine endlos scheinende Folge von molinetas, während sie parallel zu ihr in knappen Chassé-Schritten lief und sie zu immer schnelleren Drehungen antrieb. Inés schwindelte, und Elena hielt sie für einige Momente, die Oberkörper aneinandergelehnt, fest. Sie verharrten und spürten den schnellen Atem der jeweils anderen. Inés’ Hand lag in Elenas Nacken, ihre Köpfe berührten sich. Es fehlte nicht viel und Inés hätte mit der Zunge den salzigen Geschmack von Elenas Wange gekostet.

Eintrag # 27

0

Autorin:

Karin

Geschrieben am:

14.12.2010 18:25:00

Mantua im Dezember

Tangofestival Mantua 9. bis 12. Dezember 2010

Mantua ist die Hauptstadt der Lombardei und Geburtsort Vergils, einem der bedeutendsten römischen Dichter. Kein modernes Gebäude verunstaltet die wunderschöne Bausubstanz der nicht ganz 6 Autostunden von Linz entfernten alten Stadt, die sich an einen See schmiegt und einen atemberaubenden Anblick bietet, wenn man sich ihr über die Brücke nähert. Die Tiroler Landeshymne "Zu Mantua in Banden" besingt die von Napoleon Bonaparte angeordnete Hinrichtung Andreas Hofers, ein ihm gewidmetes Denkmal befindet sich etwas außerhalb der Stadt.

4 Tage mit blitzblauem Himmel und deutlich milderen Temperaturen als bei uns tragen das ihre dazu bei, dass wir uns sehr wohl fühlen - lediglich die Klimaanlage im Hotel ist auf Hochsommertemperaturen programmiert und lässt sich nicht abschalten bzw. wärmer einstellen. Wir haben uns im Hotel La Favorita einquartiert, das außerhalb der Stadt in einem riesigen Gebäudekomplex mit Büros, Banken und Geschäften angesiedelt ist und den Vorteil hat, dass die von Freitag bis Sonntag stattfindenden Milongas bequem zu Fuß erreichbar sind (ca. 300 m entfernt).

Beim Frühstück ist das Buffet mit den Süßigkeiten beeindruckend (Panna Cotta schon am Morgen  - yessss!!!), sonst aber nicht berauschend und das Personal ist mit dem Heuschreckenschwarm von Tangotouristen deutlich überfordert, der am Freitag einfällt. Das 1. Abendessen im Hotel hat uns auch nicht gerade begeistert - teuer, wenig und gar nicht nach unserem Geschmack. Wir suchen daher nach Alternativen und haben sie auch gefunden :-) Immerhin ist Mantua der Hauptumschlagplatz der Agrarprodukte der Poebene. Aber zumindest die Zimmer sind sehr ruhig und wir werden am Morgen nicht von anderen Gästen geweckt und auch unser traditionelles Nachmittagsschläfchen verläuft ungestört. Nur einmal glaubt ein dienstbeflissenes Zimmermädchen, dass das Zimmer schon frei ist und verschafft sich ungebetenen Zutritt.

Viele Geschäfte laden zum Shopping ein, nur die Parkplätze in der Innenstadt sind dünn gesät. Eine Taxifahrt vom Hotel zur Milonga Urbana, wo die Nachmittagsmilongas und die After-Hour-Milongas stattfinden, kostet Euro 15.

Es ist das erste Festival, bei dem wir keine Kurse gebucht haben und uns nur ins Tanzvergnügen stürzen wollen. Wir lassen uns auch durch die reduzierten Kurskosten nicht zu einer Spontanbuchung überreden, weil wir uns Zeit für die Besichtigung der Stadt nehmen wollen.

Festivalimpressionen: Von Freitag bis Sonntag Abend gibt es Tangokleidung für sie und ihn und Schuhe (Le scarpe de Anita – auch Comme Il Fauts sind im "Angebot", d.h. Euro 139).

Schlecht organisiert sind die Abendmilongas im Palabam - lange Wartezeiten sind vorprogrammiert, weil sich jeder als Mitglied registrieren lassen muss, bevor er seine Eintrittskarte bekommt. Ob das anders ist, wenn man die Milongas zum Kurspaket dazubucht, kann ich nicht sagen, aber Trauben von BesucherInnen sorgen für ziemlich chaotische Zustände.

Die italienischen Männer haben meine "Kragen"weite und manche tangueros überrage ich Dank Comme il Faut sogar ein bisschen. Das Niveau bei diesem wirklich internationalen Festival ist sehr hoch. Abends sehr voll und daher mit dem Auffordern (bzw. aufgefordert werden) nicht so leicht, aber vor allem die Nachmittagsmilongas sind sehr empfehlenswert und ich bin sehr zufrieden mit meinen "Buchungen". Die Getränke am Donnerstag Abend und an den Nachmittagen sind übrigens gratis so wie der Shuttlebus von der Abendmilonga zur After-Hour-Milonga in der Stadt, die wir aber nie besucht haben.

Musik: traditionell, aber gut aufgelegt. Vor allem Felix Picherna bleibt wegen seiner ständigen Kommentare, Zwischenrufe und der Ankündigung der cortinas in Erinnerung - in Italien ist er anscheinend eine Legende.

Die Shows waren wie erwartet: Sebastian & Mariana technisch brillant und mit überraschenden Interpretationen.
Die Paare vom Donnerstag (Dana Frigoli mit neuem Partner Adrian Ferrara und Julio & Corinna) könnten nicht unterschiedlicher sein – Tradition trifft Modern Dance (schön, aber sehr einstudiert und man hat das Gefühl, dass Dana zumindest zeitweise die Führung übernimmt). Julio & Corinna werden trotz oder gerade wegen ihres Stils sehr gewürdigt.

Chicho & Juana: Er der Rocker, der mit Sonnenbrille und Baggy Pants tanzt, sie die graziöse und elegante Elfe im Spitzenkleid - für mich ein perfektes Paar, harmonisch, mit gegenseitiger Wertschätzung, die Frau als ebenbürtige Partnerin, zwei Gegensätze, die sich anziehen und bis ins Kleinste ergänzen. Chicho in Topform und vor allem beim letzten Stück - getanzte bzw. nicht getanzte Pausen - genial.

Fazit: Nächstes Jahr zum 10-Jahres-Jubiläum will ich unbedingt wieder hin
 

Eintrag # 26

0

Autorin:

Karin

Geschrieben am:

16.11.2010 16:23:00

Vielleicht 2012 ...

NEWS online vom 10.11.2010


Argentiniens "Wolkenzug" auf 4.200 Metern Höhe:
Sauerstoff-Flaschen sind mit an Bord
"Tren a las nubes" ist einzigartig in seiner Art
Coca-Blätter helfen gegen Höhenkrankheit und Kälte


Das "Land der Gauchos" hat mehr als Pampa und Patagonien zu bieten. Mit Durchschnittstempo 35 klettert einer der ungewöhnlichsten Züge der Welt auf eine Höhe von fast 4200 Metern. Keine Sorge: Sauerstoff-Flaschen sind an Bord.

Romina Jorge hat für jeden Passagier ein Lächeln übrig. Selbst am frühen Morgen kurz nach 6:30 Uhr. "Zeit, an Bord zu gehen", strahlt sie. Kein Schiff, kein Flugzeug, es ist der "Tren a las nubes"; der legendäre Zug in
die Wolken im Nordwesten Argentiniens.

Hunderte Touristen haben sich angesichts der Kühle des Morgens gut eingemummt. Die erfahrenen mit Thermoskannen, Wasserflaschen und
Proviantschachteln im Handgepäck; auch die fliegenden Händler vor dem Bahnhof General Belgrano in Salta sind bereits auf den Beinen. Ein Schluck heißen Tees oder Kaffees, Plastiktütchen mit Coca-Blättern, das feilgeboten wird, nehmen die Touristen gern. Es wird später gebraucht. Schließlich geht es von 1.187 Meter auf eine Höhe von knapp 4.200 Meter und da sollte man gegen die Höhenkrankheit und Kälte gewappnet sein – Coca-Blatt oder Aspirin, man muss fest daran glauben, dann hilft es. Der Pullover aus Alpaka-Wolle ist dafür immer zuverlässig.

Rund 50 Menschen pro Waggon füllen den Zug, insgesamt fasst der Tren mehr als 600 Passagiere. Dann kommt sogar eine zweite Lok zum Einsatz. Dieses Mal reicht die eine. Ein kurzer Blick in die Krankenstation im Sanitätswaggon – Sauerstoffflaschen, Atemmasken, Liegen zum Ausruhen und der beruhigende Anblick eines Doktors lassen die Reisenden durchatmen.

Punkt 7:05 Uhr. Ein durchdringender Pfiff, dann setzt sich die Diesellok ruckelnd in Bewegung. Zunächst werden aber die Hartplastikjalousien vor den
Fenstern heruntergezogen. "Bitte lassen Sie sie die nächsten 30 Minuten geschlossen", sagt Romina, "aus Sicherheitsgründen". Offensichtlich mögen nicht alle Anwohner den Touristenzug, egal, draußen ist es eh noch dunkel, man verpasst nichts.

Apropos Sicherheit. Die wird ganz groß geschrieben, seit vor ein paar Jahren einmal ein Zug in den Anden mit einer Panne strandete und die Passagiere stundenlang in eiskalter Höhe ohne Verpflegung und genügend Decken ausharren mussten. Die Zugbetreiber verloren danach die Lizenz, und jetzt leiten drei Familien das Unternehmen. Nach einer mehrjährigen Pause fährt der Touristenzug seit Anfang August 2008 wieder, und die Panne soll sich nicht wiederholen. Mindestens zwei Jeeps fahren parallel zum Zug, sichern die unbeschrankten Bahnübergänge, indem sie sich mit blinkendem Gelblicht quer stellen, und hupen herumziehendes Vieh von den Schienen.

Kein leichtes Bauunternehmen
"Der Traum, die Zentralkordillere zwischen Argentinien und Chile auf dem Schienenweg zu überwinden, um den Pazifik zu erreichen, ist 100 Jahre alt", berichtet der Argentinien-Experte Rolf Seeler. Nachdem die Machbarkeit des Projekts mit Hilfe dreier Ford Tin Lizzies erwiesen war, gab der Staatspräsident Hipólito Yrigoyen im Februar 1921 das Startsignal zum Bau des "Transandino del Norte". Kein einfaches Unterfangen für den US-amerikanischen Bauleiter Richard Fontaine Maury – es sollte noch 27 Jahre dauern, bis die Ingenieure mit Hilfe eines 1300 Mann starken Bautrupps aus aller Herren Länder das Meisterwerk vollendet hatten.

Endpunkt La Polvorilla wird japsend erreicht
Darunter ein Kroate namens Josip Broz, der spätere Marschall Tito. Und Heinrich Fedor Walter aus Dortmund, der mit seiner Frau Bertha um 1890 ausgewandert war, und für den Bau des immensen Schienenbaus seine Erfahrung als Konstrukteur einbrachte. Sein Ururenkel Federico San Juan Walter arbeitet heute für das Tourismusamt in Salta und begleitet deutsche Gäste in Ballack-Trikot und mit Rammstein-Dröhnung im Ohr hinauf zum 63 Meter hohen und 224 Meter langen Viadukt La Polvorilla, dem Endpunkt des Touristenzuges.


Davor muss die Lok über mehrere Zickzack-Wege und zwei spiralförmige Windungen unzählige Steigungen, Tunnels, Kurven und Brücken überwinden, bis sie dann ihre Passagiere in die Mitte des Viadukts bringt. Schwindelfreie genießen dann die Aussicht auf die Steinwüste des Hochlands (Puna), weniger robuste versuchen, mit Sauerstoff pur die stärker werdenden Kopfschmerzen zu lindern. Nach einer Distanz von 220 Kilometern stoppt der Tren für eine halbe Stunde und bringt fotografierende und nach Luft japsende Besucher mit einheimischen Indigenas zusammen, die ihre kunsthandwerklichen Produkte zum Kauf anbieten.

140 Euro für einmalige Erlebnisreise
Doch das Interesse gilt dem "Wolken-Zug". Dessen Name stammt übrigens nicht von den gelegentlichen Cumulus-Gebilden, sondern ist die Erfindung des Journalisten Emilio Petcoff, den Anfang der 60er Jahre der Dampfausstoß der damaligen Lok an Wolken erinnerte. Am 16. Juli 1972 fand die Jungfernfahrt des "Tren a las nubes" mit einer Handvoll Touristen statt. 38 Jahre später fährt er dreimal die Woche von Salta und zurück mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 35 Stundenkilometer.

Insgesamt dauert der Trip einen ganzen Tag, erst gegen Mitternacht erreichen die erschöpften, aber erfüllten Passagiere die Ausgangsstation. 140 US-Dollar kostet diese einmalige Ausfahrt für ausländische Touristen, 100 für argentinische und 60 für Einheimische. Frühstück und übersichtliches Mittagessen inklusive.

Danach geht es zum Bio-Viagra-Kaufen
Nach dem Viadukt stoppt der Zug auf der Rückfahrt ein zweites Mal in San Antonio des los Cobres. Knapp 5000 Einwohner hat das 3774 Meter hoch gelegene Bergarbeiterstädtchen, die sich bei Ankunft des Touristenzugs alle vor dem Bahnhof zu versammeln scheinen. Neben den Ponchos aus Lamawolle und anderem handwerklichen Sortiment gibt es Tortillas aus der Gusspfanne, die sofort reißenden Absatz finden. Ausschließlich auf dem Markt ist für ein paar Pesos "natürliches Viagra" zu haben, erzählt Zugbegleiter Sebastian Constanzo schmunzelnd. Die Munja-Munja-Pflanze ist dem Mann vorbehalten und stärkt nebenbei generell das Immunsystem, während für die Senoras "Baila buena" empfohlen wird.

Von San Antonio aus kann man eine Ausfahrt zu den großen Salinen machen, die Gold- und Silberminen Concordia besichtigen oder das La Polvorilla Viadukt einmal von unten bestaunen. Übernachtet wird dann in der gepflegten Hosteria des las Nubes oder etwas einfacher mit Familienanschluss in La Posta de los Andes.

Salta idealer Ausgangspunkt für touristische Expeditionen
Zurück nach Salta nimmt am besten einen geländegängigen Kleintransporter, der einen über die Nationalstraße 51 in die Provinzhauptstadt bringt. Dank
der guten Flugverbindungen, zum Beispiel mit der drei Jahre jungen Airline Andes Lineas Aéreas, nach Buenos Aires und seiner zentralen Lage zwischen
den Provinzen Tucumán im Süden und Jujuy im Norden eignet sich Salta als idealer Ausgangspunkt für touristische Expeditionen. Etwa in die Quebrada de Humahuaca. Diese 70 Kilometer lange Schlucht in der Provinz Jujuy wurde 2003 von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt.

"Für Ausflüge in die Quebrada ist das Städtchen Purmamarca zu empfehlen", sagt Dr. Jorge Noceti, der Tourismusdirektor der Provinz Jujuy. In seinem
Zentrum befindet sich die Santa-Rosa-Kapelle aus dem 17. Jahrhundert, aber weitaus beeindruckender ist die Kulisse der steinigen Umgebung. Beim richtigen Lichteinfall wird einem sofort klar, warum der Berg "Cerro de los siete colores" seinen Namen bekommen hat. In mehr als sieben Rottönen schimmert und leuchtet das Massiv und zieht den Betrachter in einen surrealen Bann. So ähnlich muss es auf dem Mars aussehen, fällt einem unwillkürlich ein, wenn man auf dem 30-minütigen Rundweg eine von Wind und Regen ausgewaschene Landschaft bestaunt, die bizarre Wegweiser ins Nirgendwo hervorgebracht hat.

Nirgendwo stimmt nicht ganz, denn eine rotbraune Naturskulptur zeigt bestimmt in Richtung Tilcara, das nicht nur durch seine rekonstruierte Indianerfestung Pucará überzeugt. Vom höchsten Punkt der strategisch angelegten Siedlung hat man einen Panoramablick über die ganze Quebrada. Feindliche Stämme hatten keine Chance, sich unbemerkt der Pucara zu nähern.
In Tilcara bieten örtliche Veranstalter Trekking-Touren zu Fuß, mit Mulis oder Lamas an. Kurz nachdem man den Wendekreis des Steinbocks passiert hat, gelangt man in die 8000 Einwohner zählende "Hauptstadt der Quebrada", Humahuaca. In dem Bergarbeiterort ballen sich Einheimische und Touristen jeden Tag um 12 Uhr Mittag vor dem früheren kolonialzeitlichen Rathaus zusammen. Mit Spannung wird eine Figur des Heiligen Franziskus erwartet, der sich durch die Fassadentür schiebt; angetrieben von einem Mechanismus aus Oberammergau.

Informationen zum "Wolken-Zug" gibt es im Internet unter

https://www.trenalasnubes.com.ar/turismo_salta/es_tren_a_las_nubes_reserva_online_pasajes.aspx.

(Axel Recht|sterz-media|red)

Eintrag # 25

0

Autorin:

Karin

Geschrieben am:

07.11.2010 15:45:00

Das können wir gar nicht oft genug hören...

Rhythmische Arznei: Tanzen für Figur und Herz

Artikel vom 04.10.2010 in "Die Presse"

Taktvolle Medizin: Walzer statt Fitnessstudio, Tango gegen Stress, Cha-Cha-Cha und Co. als Krankheitsprävention.

Man könnte von rhythmischer Medizin sprechen: Tanzen killt Kalorien, ist also für die Linie gesund - bei einer Stunde Walzer verliert man etwa 360 Kalorien, 60 Minuten Rock 'n' Roll machen um mehr als 500 Kalorien schlanker. Zudem fördern Cha-Cha-Cha und Jive Anmut und Ausdauer, Gleichgewicht und Fitness, trainieren Muskeln und beide Gehirnhälften sowie die Improvisationsfähigkeit, steigern das positive Lebensgefühl, beugen Wirbelsäulen- und Rückenproblemen vor und haben auch überaus gesunde Effekte auf das Herz-Kreislauf-System.


Muskel- und Gehirntraining

'Die intensiven Bewegungen sowohl bei klassischen Tänzen als auch bei Latino-Varianten machen sogar den Besuch im Fitnesscenter überflüssig. Die Bauch-, Rücken- und Beinmuskeln werden trainiert, die Hals- und Nackenmuskulatur wird entspannt', so Prof. Dr. Hans Holdhaus, Direktor des Instituts für medizinische und sportwissenschaftliche Beratung in Maria Enzersdorf. Tanz ist aber 'vor allem für ältere Menschen relevant' - quasi auch Sturzprävention, denn er verbessert Stand- und Gangsicherheit. Faktum ist: 70-jährige Frauen und Männer, die regelmäßig tanzen, sind geschickter, besitzen mehr Lebensfreude, leiden seltener an Durchblutungsstörungen und Hüftkrankheiten.

Deutschen Studien zufolge verbessern Boogie und Co. auch die Reaktionszeit und steigern Merkfähigkeit und Gedächtnisleistung. Holländische Wissenschaftler belegen: Tanz ist eine der wirksamsten Vorsorgemöglichkeiten gegen Demenz. Walzer lässt aber auch die Herzen gesünder schlagen. Die Italiener liefern dazu eine bahnbrechende Studie: 110 Patienten mit Herzinsuffizienz wurden in drei Gruppen geteilt: die eine absolvierte acht Wochen lang ein traditionelles Aufbauprogramm auf Laufband und Fahrrad, die andere tanzte dreimal wöchentlich 21 Minuten lang schnelle und langsame Walzer, die dritte tat gar nichts.

Für Schlaf, Stimmung & Sexualität


Bei den Bewegungslosen tat sich logischerweise auch gesundheitlich gar nichts, während bei den Aktiven die Herz-Lungen-Frequenz in gleichem Umfang zunahm. Was aber Sauerstoffaufnahme und Konditionssteigerung betraf, hatten die Tänzer gegenüber den Radlern die Nase vorn. Zudem verbesserten sich bei den tanzenden Patienten zusätzlich Schlaf, Stimmung und Sexualität, auch eine größere Dehnbarkeit der Arterien wurde festgestellt. Bewegung am Parkett ist also wahrlich wertvolle Medizin.

Nicht zu vergessen die positiven Seiten für die Seele: Tanz ist Kommunikation, kann die Paarbeziehung fördern. Der feurige Tango Argentino etwa hat wissenschaftlich nachweislich Einfluss auf die Menge der Stress- und Sexualhormone: während der Cortisolspiegel beim Tanzen abnimmt, schüttet der Körper beider Partner in erhöhtem Maße das Sexualhormon Testosteron aus. Die Reduktion des Stresshormons ist vor allem der Musik zu verdanken, der Testosteronschub geht auf Kontakt und Bewegung mit dem Partner zurück. Drehen im Takt ist eine ideale Möglichkeit, vom Alltag loszulassen, den Sorgen zu entschweben. Nach Ansicht der traditionell chinesischen Medizin hilft Tanz auch gegen Depressionen. Und freilich werden - wie bei anderen Sportarten auch - Glückshormone freigesetzt. 'Sie helfen beim Stressabbau und bei der Bewältigung des Berufsalltags', erwähnt Hans Rieser, Besitzer des '1. Tanzhotels in den Alpen' in Reith im Alpbachtal.

'Tanzen ist Bewegung für den ganzen Körper, aber auch für die Seele', sekundiert Dr. Dieter Volc, Vorstand der neurologischen Abteilung und des Parkinson-Zentrums an der Wiener Confraternität Privatklinik Josefstadt. Der anerkannte Parkinson-Spezialist organisiert in Wien Tanzkurse für Parkinson-Patienten. Der erste Kurs ist bereits beendet, der nächste startet am 11.Oktober. 'Tanz hat für Parkinson-Kranke etliche gesundheitliche Vorteile.' Von der Lockerung der Beugemuskeln, die bei Parkinson-Patienten meist krankhaft fixiert sind über die Förderung von Bewegung und Motorik bis zur Verbesserung des Gleichgewichtssinns.


Tanzparkett statt Physiotherapie

Auch als Physiotherapie kann so ein Tanzkurs für die Patienten gesehen werden. 'Ich bringe kaum einen Patienten dazu, eineinhalb Stunden Physiotherapie zu machen, aber eineinhalb Stunden Tanz geht locker.' Lockerer nimmt es inzwischen auch das Tanzlehrer-Ehepaar Elisabeth und Roman Svabek. 'Am Anfang hatten wir schon Lampenfieber. Aber mit Dr. Volc, der übrigens bei nahezu jeder Tanzstunde dabei ist, sei das Ganze kein Problem. Im Gegenteil, es sei direkt Vergnügen, schon fordernd, aber „diese Tanzpaare freuen sich über ihre Erfolge so sichtbar, so herzlich, dass diese Freude auf uns überspringt.'

Und die Patienten? 'Sind hell begeistert', wissen Arzt und Tanzlehrer. Der Tanzkurs fördere auch die Paarbeziehung und das Selbstbewusstsein. 'Weil dieser Kurs eine Möglichkeit ist, hinauszugehen, sich nicht mehr zu verkriechen, sich zu getrauen. Und dann merken die Teilnehmer, dass sie tanzen können, dass es funktioniert. Und es funktioniert fantastisch.'

Eintrag # 24

0

Autorin:

Karin

Geschrieben am:

04.10.2010 17:35:00

Der große Milongaführer - Buchbesprechung

Der große Milonga-Führer oder
Was Sie schon immer über Tango wissen wollten, aber nicht zu fragen wagten


Autor: Gerhard Riedl
Meine Bewertung: 
Manche Passagen dieses Buches haben mir gut gefallen, andere (z.B. die Katalogisierung der verschiedenen Milonga-BesucherInnen) haben mich genervt. Gleiches gilt für die unzähligen und im Detail beschriebenen negativen Erlebnisse auf diversen Milongas, die der vom Standard- und Lateintanz kommende Verfasser mit seiner Frau Karin schon besucht hat.

Er versteigt sich so weit in jedes Detail rund um den Tango, dass er sich sogar mit (passender und nicht passender) Bekleidung der Tänzerinnen befasst und Tipps für Frisuren gibt (nur zur Information: entweder kurz oder zusammengebunden und nicht gefärbt).

Gerhard Riedl hat das meiste beim Tango durch Zuschauen gelernt, schon seit Jahren keine Kurse besucht, lehnt cabezeo (Aufforderung mittels Augenkontakt) ab und wird lt. eigenen Aussagen nie nach Buenos Aires fahren oder selber unterrichten. Er ist ein Gegner von cortinas und argentinischen Milonga-Regeln, die nach Europa übertragen werden - München ist eben nicht Buenos Aires. Er tanzt sehr gerne zu Piazzolla.

Gefallen haben mir in dem Buch, das mir mit 370 Seiten um einiges zu lang war, seine Ansichten was das "Führen" betrifft (es sollte ein Dialog sein, kein Diktat des Mannes), Plattenempfehlungen, Infos zu Orchestern und den verschiedenen Stilen und das Kapitel "Musikalisches Tanzen", dem breiter Raum gewidmet ist.

Ich habe während des Lesens manchmal wegen des süffisanten Schreibstils und des Inhalts ordentlich die Augen verdreht, wollte das Buch aber trotzdem auslesen. Für mich ist es ca. ab Seite 150 interessant geworden, die Ergüsse davor sind dafür großteils entbehrlich.

Fazit: Würde ich mir nicht mehr kaufen und kann ich auch nicht wirklich empfehlen Interessant wäre für mich, mit Gerhard Riedl zu tanzen und zu sehen, ob das alles nur heiße Luft ist. Aber macht Euch ruhig selbst ein Bild, das eine oder andere kann sich jeder herausholen. Zum Beispiel:

Wie begeht ein Argentinier Selbstmord? Er steigt auf sein Ego und springt.

Eintrag # 23

0

Autorin:

Karin

Geschrieben am:

24.08.2010 15:43:00

Tango - Wehmut, die man tanzen kann

BUCHEMPFEHLUNG

Tango
Wehmut, die man tanzen kann 


Salas & Lato

Die Geschichte und Entwicklung des Tangos als Comic - spannend und amüsant aufbereitet, informativ und interessant. Alle Tangogrößen werden kurz vorgestellt.

Mit zahlreichen Tango-Textausschnitten (leider nur auf deutsch) versehen und zum Schluss noch Cruzado, Salida, Ocho und Retroceso nach dem System von Juan Carlos Copes fotografisch dargestellt. Der Autor Horacio Salas, Gründungsmitglied der Academia Nacional de Tango, gilt als größter Tangospezialist der Welt und hat die wichtigsten Fakten zusammengetragen, die ansprechenden und lebendigen Illustrationen stammen aus der Feder von Lato, der mit seinen Comic-Zeichnungen und Illustrationen weit über Argentinien hinaus bekannt ist.

Nebenbei erfährt man auch noch einiges über berühmte Persönlichkeiten, die als Namensgeber von Tangos, Straßen, Plätzen oder U-Bahn-Stationen in Buenos Aires fungieren (Evaristo Carriego z.B. war ein Dichter, der arme Menschen und Außenseiter, also die underdogs Argentiniens, zum Mittelpunkt seiner Romane gemacht und sich sozialkritisch mit ihrem Leben auseinandergesetzt hat und der auch für Jorge Luis Borges Quelle der Inspiration war).


Auch das ambivalente Verhältnis der Argentinier zu Astor Piazzolla wird nach Lektüre dieses Buches verständlicher. Und dass sie die letzten Überlebenden des goldenen Zeitalters so ehren und schätzen.

Man darf sich von diesem ca. 180 Seiten umfassenden Buch keine langen Abhandlungen erwarten - die Inhalte sind kurz und knapp, aber auf den Punkt gebracht. Natürlich wird auch die (sich im Lauf der Jahre verändernde) Rolle der Frauen im Tango als (Tanz)Partnerin, Sängerin oder Musikerin in mehreren Kapiteln beleuchtet. Ihr könnt Euch im folgenden Auszug davon selbst ein Bild machen ... (wenn ich es EDV-technisch hinkriege ...)

 

 



Originelles Buch, das in der Edition E. Heidenreich bei C. Bertelsmann herausgebracht wurde und das von mir mit 2,5 von 3 Sternen bewertet wird. Durch den Comic-Ansatz auch für Lesemuffel empfehlenswert, denen die Tangogeschichte sonst zu trocken ist. Und alle anderen werden es sowieso verschlingen.
 

Eintrag # 22

0

Autorin:

Karin

Geschrieben am:

14.07.2010 15:22:00

Elektro, Neo oder Nuevo?

Neo-Tango-Freunde kommen mit den CD-Erscheinungen der letzten Wochen voll auf ihre Kosten: Es gibt neue Silberlinge von Otros Aires, Tanghetto und Gotan Project.

Otros Aires bleiben mit ihrer CD "Tricota" ihrem bewährten Stil treu und schließen nahtlos an die letzten beiden Veröffentlichungen an. Die meisten Stücke sind Eigenkompositionen, die in der für sie charakteristischen Art instrumentiert und elektronisch aufgepeppt sind. Die CD ist sehr tanzbar, es finden sich Tangos, Milongas und ein Vals auf dem leider nur 10 Titel umfassenden Werk. Schnelles wechselt mit Langsamem, Nachdenkliches mit Lustigem und sorgt für einen variantenreichen Mix. Die Stimme von Miguel di Genova ist sexy wie eh und je. Am besten gefallen mir "Mariposíta" und "Tristeza de Arrabal". Für mich der eindeutige Favorit in diesem Dreiergespann und wirklich empfehlenswert. Einziges Minus: Dauert mit nicht einmal 35 Minuten viel zu kurz.

Auch Tanghetto mit "mas alla del sur" sind schon beim ersten Takt eindeutig erkennbar - wo Tanghetto draufsteht ist auch Tanghetto drin. Die 12 Titel mit einer Gesamtspielzeit von ca. 48 Minuten eignen sich gut zum Tanzen, aber durchaus auch als Lounge-Musik. Alle Stücke sind wie gewohnt instrumental. Die Musiker haben Anleihen bei Astor Piazolla genommen und seine "Suite Troileada" (komponiert anlässlich des Todes von Anibal Troilo) findet sich in Form von "Zita" auf dieser CD ebenso wie "Bahia Blanca" von DiSarli und "Fake Plastic Trees" von Radiohead. Zu jedem der Musikstücke gibt es einen (spanischen) Kommentar der Musiker auf dem cover. Sehr schön: "La Zamba" im 6/8 Takt - eine Ballade zum Tanzen und Träumen.
Meine Nummer 2 im ranking.

Enttäuscht hat mich "Tango 3.0" von Gotan Project. Das Cover mit dem booklet ist zwar originell und gut gelungen , aber hier finde ich nur wenige Titel, die für mich "Tango" sind. Die meisten Stücke sind auch nicht für die Milonga geeignet - zum Tanzen zu langsam und in doppeltem Tempo zu schnell. Und beim Zuhören kommt keine richtige Stimmung auf. Daniel Melingo hat in "Tu misterio" einen Gastauftritt als Sänger und Klarinettist.
Am ehesten kann ich mich noch mit "Érase una vez" anfreunden, aber es gibt keinen einzigen track der insgesamt 11, der mich wirklich vom Hocker reißt. Also: Meiner Meinung nach verpasst man wenig, wenn man diese CD nicht sein Eigen nennt und die erste CD von Gotan ist und bleibt die beste. Fazit: Am ehesten für Sammler, die alles haben wollen - passt am besten ab 3 Uhr früh auf eine Cross-Over-Milonga.


Alle CDs (z.T. mit Hörproben) gibt es bei amazon.

Ich warte auch schon sehnsüchtig auf Neues von BajoFondo - aber "Mar Dulce" wird schwer zu toppen sein.

Eintrag # 21

0

Autorin:

Karin

Geschrieben am:

22.06.2010 05:09:00

Tangogeschichten - Buchempfehlung

Tangogeschichten von Katrin Dorn,
erschienen bei dtv, erhältlich bei amazon


Geschichten, die vom Tango handeln - die eine mehr, die andere weniger. Die deutsche Schiftstellerin Katrin Dorn schreibt in den 13 abwechslungsreichen Erzählungen, die in diesem Band enthalten sind, von der Nähe, die zwei Menschen trennt und trifft mit vielem mitten ins Herz.
Die Schauplätze liegen einerseits in Buenos Aires, wo sie sich z.B. mit der Zeit der Militärdiktatur und den tausenden verschwundenen Menschen auseinandersetzt, aber auch den Nationalsozialismus und die Nazis, die sich einer Verurteilung durch Flucht entzogen haben, zum Thema nimmt. Auch der Tango in Deutschland wird von ihr in fesselnde Erzählungen verpackt, in denen man sich (oder andere) leicht wiederfinden kann.

Das Buch ist ein originelles Mitbringsel für TangotänzerInnen, aber auch ein nettes Geschenk an einen selbst. Katrin Dorn schreibt sehr poetisch und in einer schönen Bildersprache und hat gut recherchiert. Bis auf ein paar kleine Unschärfen (z.B. Boleo: ein Schritt, den die Frau ohne Führung selbst tanzt; Begrüßung in Buenos Aires mit zwei (statt einem) Küsschen) haben mir die meisten Geschichten sehr gut gefallen. Leider nur 175 Seiten, die man viel zu schnell ausgelesen hat.

Hier noch zwei kurze Leseproben:

Aus: Maries Messer
Nicht die Leidenschaft selbst, sondern die Zügelung der Leidenschaft ist Tango. Und für die, die nicht einmal jemanden haben, in den sie verliebt sind, ist Tango die Sehnsucht nach der Leidenschaft, nach dem Begehren, ohne das es keine Erfüllung gibt. Bei Piazzolla ist das nicht so. Der macht aus der Leidenschaft selbst Musik. Danach tanzen zu wollen, das ist, als würde man versuchen, im Anzug mit einer Frau zu schlafen. Aber Tango tanzt ein Mann mit einer Frau, damit sie ihm erlaubt, irgendwann den Anzug auszuziehen.

Aus: Balance
Wir gingen zum Tanzunterricht und die Blicke der anderen machten uns zu einem Paar. Der Lehrer zeigte uns einen schwierigen Schritt. Ich sah dich an und erst jetzt merkte ich, dass ich dich gar nicht kannte. Ich hielt mich an deinen Armen fest. Du versuchtest, die Länge deiner Schrtte auf ein gleiches Maß zu bringen. Es gab nichts mehr, was gut war. Nur noch den Wunsch, es könne noch einmal so einfach werden, wie es begonnen hatte. Deine Wechsel zwischen komplizierten Schritten und rasanten Drehungen stimmten mich traurig. Meine Melancholie machte dich rasend. Wütend versuchten wir, uns über den Verlust des Glücks hinwegzutanzen, und es war uns egal, dass wir uns dabei auf die Füße traten.

Eintrag # 20

0

Autorin:

Karin

Geschrieben am:

20.05.2010 08:38:00

Das war Tango Amadeus 2010

Ein event, dessen Wiederholung im nächsten Jahr wegen des großen Erfolges schon feststeht. Super Organisation, schöne locations, tolle Lehrer.

Aber: Der Parkplatzgott ist launisch (oder ist es eine Göttin?): Freitag fanden wir direkt vor dem Palais Palffy und abends unmittelbar vor dem Milonga-Lokal einen Parkplatz. Dadurch ermutigt, wagten wir uns auch am Samstag wieder mit dem Auto in die Innenstadt und fuhren gut 30 Minuten vor Kursbeginn zum 5 Autominuten entfernten Palais Palffy, kamen aber trotzdem 30 Minuten zu spät zum Kurs. Da hat das ganze Visualisieren nichts mehr genützt ...

Wir nahmen am Freitag und Samstag an jeweils 2 workshops bei Chicho & Juana und Sebastian & Mariana teil. Die zur Verfügung stehenden Kursräume waren für die (über)große Anzahl der TeilnehmerInnen aber zum Teil zu klein bzw. die LehrerInnen in der Betreuung sehr gefordert. Beim Boleo-Kurs von Chicho hat es dann auch ordentlich geknallt - ein Foto meines blauen Flecks haben wir ja schon in der Galerie verewigt.

Wenn man die Shows von Eduardo Cappussi und Mariana Flores noch nicht kennt, ist man von ihrem komödiantischen Talent und ihren technischen Fähigkeiten begeistert und freut sich über eine neue Ausdrucksform im Tango.

Jeweils 5 Showtänze gab es am Samstag von den beiden anderen Lehrerpaaren, die sich offensichtlich in Wien sehr wohl gefühlt haben - der Termin für das nächste Festival in Wien wurde bereits fixiert.

Das Orchesta típica de Budapest spielte gut tanzbare und sehr ansprechende Tangos. Immer wieder nett, wenn man Leute trifft, mit denen man irgendwo auf der Welt schon das Tanzbein geschwungen hat - so wie mit Sandor aus Budapest, mit dem ich mich schon im Nino Bien in Buenos Aires vergnügt habe.

Was macht es da schon, dass sich andere aus unserer Wasserflasche bedienen oder beim Aufstehen ihr unter dem Sessel deponiertes Glas ausleeren. Nur blöd, wenn man es nicht bemerkt, durch die Latsche geht und dann beim Drehen nicht vom Fleck kommt, weil der Boden auf einmal so pickig ist.

Wir freuen uns jedenfalls schon aufs nächste Jahr und werden uns den Termin für das Festival fix reservieren, würden uns aber eine etwas differenziertere Kursauswahl wünschen. Zu viele Angebote waren auf (vermeintlich) fortgeschrittene TänzerInnen oder sogar Masterclass ausgerichtet und wie üblich haben sich viele zu hoch eingeschätzt. Und gegen ein paar moderne Tangos auf den Milongas wäre aus unserer Sicht auch nichts einzuwenden.

Eintrag # 19

0

Autorin:

Karin

Geschrieben am:

15.04.2010 15:16:00

Tango kann (noch) mehr

Tanzen macht glücklich, ist gut für die Fitness und macht Spaß. Aber nicht nur das ...


TänzerInnen trainieren wichtige Fähigkeiten und senken so ihr Demenzrisiko. Die Beweise dafür lieferten die Hirnforscher Steven Brown und Michael Martinez, die untersuchten, welche Gehirnregionen beim Tanzen aktiv sind. Dazu legten sie nacheinander fünf weibliche und fünf männliche Amateur-Tangotänzer in den Kernspintomographen und befestigten eine Platte so am Fußende, dass die Füße der TänzerInnen darüber gleiten und einfache Tangoschritte ausführen konnten. Über Kopfhörer wurde Musik eingespielt. Im ersten Durchgang sollten die Probanden zur Musik Tangoschritte auf der Platte machen, im zweiten Durchgang willkürlich ihre Beine bewegen.

Wie die Forscher erwarteten, waren in beiden Durchgängen die motorischen Gehirnregionen der Probanden aktiv. Doch beim Tango feuerten die Neuronen auch noch an einer anderen Stelle stark: im Precuneus, wichtig für Orientierung und Raumsinn. Sensoren in Muskeln und Gelenken übermitteln Informationen dorthin. Deshalb sprechen die Wissenschaftler auch vom Bewegungssinn. Mit seiner Hilfe nimmt der Mensch Bewegungen und Gelenkpositionen wahr. " Der Precuneus ist eine Art kinästhetische (= den Bewegungssinn betreffende) Landkarte, die es dem Menschen erlaubt, seinen Körper im Raum zu navigieren", erklärt Brown. Beim Tanzen, schließt der Hirnforscher, ist diese Raumwahrnehmung offenbar besonders ausgeprägt.

Wie die Wissenschaftler schon länger wissen, ist das kinästhetische Sinnessystem stark mit anderen Hirnfunktionen wie Gedächtnis, Sprache, Lernen und Emotionen verknüpft. "Bewegung beschleunigt das Gehirn zu maximaler Leistung", deutet der Psychologe und Experte für Gehirnjogging Siegfried Lehrl, die neuen Befunde. Die Tangotänzer-Studie deckte auch auf, warum rhythmische Musik viele Menschen dazu bringt, z.B. mitzuklatschen oder mit dem Fuß zu wippen. Voraussetzung dafür ist, dass das Gehirn Rhythmen erkennt, vergleicht und in Beziehung zu gespeichertem Wissen setzt. Das heißt, je bekannter ein Rhythmus ist, desto stärker wird die Bewegung provoziert.

Steven Brown stellte fest, dass beim Tanzen mit Musik der sogenannte Kleinhirnwurm aktiver ist, als wenn die musikalische Untermalung fehlt.
"Diese Hirnregion fungiert als eine Art neuronaler Taktgeber und ist mit den auditorischen, visuellen und somatosensorischen Systemen im Gehirn verbunden", erklärt Brown. Auch das vestibuläre System in Innenohr und Kleinhirn, das den Gleichgewichtssinn steuert, ist notwendig für die Verbindung von Bewegung und Rhythmus. Das unterstützt die gängige These, dass Tanzen und Musizieren in der Menschheitsgeschichte zur gleichen Zeit entstanden sind. Zum Tanzen braucht der Mensch ähnlich komplexe sensomotorische Fähigkeiten wie zum Erlernen eines Musikinstruments.

Doch das Tanzen hat für die Entwicklung des Menschen noch eine weit größere Bedeutung als das Musizieren: Es trainiert die Fähigkeit zum Nachahmen. Die Forscher fanden heraus: Wenn man sich nur vorstellt, Wal zer zu tanzen, arbeitet das Gehirn in den gleichen Regionen, wie wenn man tatsächlich Walzer tanzt. Beim Tanzen nur zuzuschauen genügt schon, um die entsprechenden Hirnregionen zu aktivieren -und zwar umso stärker, je bekannter der Tanz ist.

Zitiert aus:
https://houseofchi.wordpress.com/tag/parkinson/


Eine Psychologin in Frankfurt hat sich gefragt, was eigentlich die Glücksgefühle beim Tanzen auslöst - und warum sie manchmal ausbleiben. Ihre im Herbst 2009 veröffentlichte Studie, die sich mit einem jungen, aber immer wichtigeren Fachgebiet der Psychologie, der Psychoendokrinologie (= Messung von Gefühlen anhand der Hormone, die sie steuern) befasst, belegt, dass sich TangotänzerInnen nicht nur über positive Auswirkungen auf die Gesundheit, sondern auch über ein besseres Liebesleben freuen dürfen.

Wie die kolumbianische Psychologin Cynthia Quiroga Murcia im Rahmen ihrer Doktorarbeit an der Goethe-Universität Frankfurt herausfand, nimmt das  mit Stress assoziierte Hormon Cortisol beim Tanzen ab, während  der Körper beider Partner - also auch der der Frauen - in erhöhtem Maß das Sexualhormon Testosteron ausschüttet. Was nach Ansicht der Psychologin wohl auch damit zusammenhänge, dass die Partnerinnen bei der Tanzausführung heute durchaus ein Wörtchen mitzureden hätten.

Die Wissenschaftlerin hatte 22 Paaren vor und nach dem Tanzen Speichelproben entnommen, darin die Hormonkonzentration ermittelt und zusätzlich die TänzerInnen um eine Einschätzung ihrer Emotionen gebeten. Um herauszufinden, ob die positiven psychobiologischen Effekte eher auf die Musik, die Bewegung oder die Berührung mit einem/r PartnerIn zurückgehen, untersuchte die Psychologin die Faktoren getrennt und in verschiedenen Kombinationen.

Ergebnis: Die Reduktion des Stresshormons Cortisol ist vor allem der Musik zu verdanken, während die Ausschüttung von Testosteron auf den Kontakt und die Bewegung mit dem Partner zurückgeht.

Quelle: https://www.dradio.de/dlf/sendungen/forschak/1117758

 

Resümee:

Neben allen für uns spürbaren positiven Auswirkungen des Tangotanzens sind auch noch folgende Aspekte interessant:

Der Ansatz von PaartherapeutInnen, den bei ihnen Ratsuchenden Tangotanzen als Möglichkeit zu verordnen, der Beziehung zu frischem Schwung zu verhelfen, ist unter Berücksichtigung der oben angeführten Forschungsergebnisse sehr erfolgversprechend.

In Buenos Aires gibt es ein die medizinische Therapie unterstützendes Programm für Brustkrebspatientinnen, denen das regelmäßige Tangotanzen ermöglicht wird, um ihnen wieder zu mehr Lebensfreude zu verhelfen und sie damit im Kampf gegen die Krankheit zu unterstützen.

Tangotanzen wird von HirnforscherInnen als Möglichkeit gesehen, den Verlauf von Demenz und Parkinson zumindest zu verlangsamen. Dazu gibt es in der aktuellen Ausgabe von Tangodanza einen Beitrag, der mir leider nur als Leseprobe zur Verfügung steht.

https://www.tangodanza.de/shop_content.php/coID/200/product/leseprobe.html/active/19/XTCside9a535f2b1d7c764739530e16b6a1e1


Alles in allem also viele Gründe mehr, weiter fleißig das (Tango-)Tanzbein zu schwingen!

Eintrag # 18

0

Autorin:

Karin

Geschrieben am:

21.03.2010 17:40:00

Buenos Aires 2010

Buenos Aires ist jedes Mal wieder ueberwältigend. 16 Millionen EinwohnerInnen, extremer Verkehr, im Gegensatz zum Namen dieser Stadt Gestank und schlechte Luft, und ein Großteil der restaurantes läßt VegetarierInnen wie mich eher verzweifeln:
Aber nur hier gibt es genau das, was mich unwiderstehlich anzieht, mich den langen Flug und die Strapazen klaglos überstehen läßt und glücklich macht.


Wir halten hier jedenfalls die Fahnen hoch und haben uns bereits eine Stunde nach der Ankunft ins Nachtleben gestürzt:
Das Nino Bien habe ich seit unserem ersten Aufenthalt hier in bester Erinnerung und um uns zeitmaessig entsprechend zu akklimatisieren bleiben wir gleich bis ½ 4 Uhr morgens. Viele Bekannte der vergangenen Jahr leben entweder nicht mehr oder sind zumindest nicht mehr in der entsprechenden körperlichen Verfassung, um Milongas besuchen zu koennen. In einigen Jahren wird es keine alten tangueros mehr geben und das macht mich, abgesehen von persönlichen Freundschaften, sehr traurig. Der Generationenwechsel wird auch enorme Auswirkungen auf den Tourismus haben, da die segunda generation, wie die jungen tangueros genannt warden, sich beim Tanzen überwiegend auf Bekannte und Frauen aus Buenos Aires konzentrieren.

Dem hippodromo de Buenos Aires haben wir ebenfalls einen Besuch abgestattet

und dabei (fast) das große Geld gemacht: Der Tipp von 5 Pesos auf ein Pferd, das nicht zu den Top-Favoriten zählte, hat uns den Wahnsinnsgewinn von 25 Pesos eingebracht (also 5 Euros). Oberirdisch galoppieren die Pferde

und gibt es die grossen Emotionen der Gewinner und der Verlierer, unterirdisch kann man ebenfalls sein Glueck versuchen: Auf einer Fläche von 4 quadras (4Häuserblocks) gibt es eine Spielhölle, die in dieser Größenordnung selbst Gerhard überrascht und seine Augen zum Leuchten gebracht hat. Besonders unwiderstehlich finden die portenos die Automaten der Marke Stinkin Rich (Markenzeichen: ein Stinktier). …

Abgesehen vom Nino Bien haben wir auch schon im Salon Canning, dem El Beso, dem Cachirulo, der Practica X und dem La Garufa getanzt - also wie zu erwarten jeden Abend. Die Milongas sind weniger frequentiert als in den vergangenen Jahren. Nach Gerhards Ansicht ist der Anteil der argentinischen Taenzerinnen auch wesentlich höher als früher. Das hängt vielleicht doch auch ein wenig mit der Wirtschaftskrise zusammen, die einen Urlaub in Argentinien auch für EuropäerInnen teurer oder unmoeglich macht.

Alles in allem schwitzen wir ordentlich (es ist sehr schwül, sowohl beim Tanzen als auch beim Probieren von Kleidern und Schuhen: Ich weiß, Euer Mitgefühl haelt sich in Grenzen.

Ediths Vernissage fand am Freitag, Gerhards Geburtstag, in einer Galerie in Palermo Hollywood unter Anwesenheit einer Vertreterin der österreichischen Botschaft statt.

Zu bewundern waren auch Installationen eines ebenfalls aus Österreich stammenden Künstlers, was uns sehr stolz gemacht hat.

Danach gingen wir in den Club Gricel.

Der Altersschnitt lag bei 65+. Unser erster Eindruck war auch deshalb eher schlecht, weil der Holzboden ein bißchen holprig ist. Beim Tanzen stört es dann aber weniger als befürchtet und ich bin zwischen 23 und 4 Uhr keine einzige tanda gesessen und hatte einige sehr schöne Tanzerlebnisse. Auch die Show von Alper und Selen hat uns ausgesprochen gut gefallen.

Ein Tipp fuer alle tangueras, die diese Milonga ausprobieren wollen: Keine Kleider oder Röcke, die weit schwingen oder aus leichtem Stoff sind, anziehen: Die Ventilatoren erzeugen in der Mitte der Tanzfläche eine besonders heftige Thermik. Den Film mit Marilyn Monroe kennt Ihr sicher, Ihr habt nur leider keine Hand frei, um den Rock beim Tanzen zu bändigen. Ich spreche aus leidvoller Erfahrung, aber den Herren hat es gefallen ... (Kommentar Tangomax: leider kein Foto vorhanden)

Das Damen-WC ist für eine Milonga in Buenos Aires sensationell gepflegt: Man kann die Türen versperren, es gibt Papier und es wird tatsächlich geputzt. Das Papier wird übrigens nach Gebrauch immer in einem Kübel deponiert, um keine Verstopfung des Abflusses zu verursachen und die Klofrauen schimpfen auf die Touristinnen, die das entweder nicht wissen oder ignorieren. Ich gewöhne mich im Lauf der Zeit so daran, dass ich mich zu Hause wieder umstellen muss. Vor dem Herren-WC steht ein ca. 2m-Schrank von einem Mann, der zum Händeabtrocknen Papier zur Verfügung stellt und bei dem man sicher nicht darauf vergisst, ein wenig Kleingeld auf den dafür vorgesehenen Teller zu legen.

Apropos Muelltrennung: im europäischen Sinn gibt es die hier nicht und es fällt anfangs schwer, all das ganz einfach in einem Müllsack zu versenken, was in Österreich sorgfältig abgewaschen wird, bevor es einem Sammelsystem zugeführt wird. Nur die Plastikflaschen werden hier wiederverwertet. Die Mistsäcke soll man nicht vor 20 Uhr vor dem Haus deponieren. Vor den meisten Häusern gibt es dafür einen Metallkorb auf einer Stange, wahrscheinlich um den Ratten und Kakerlaken (cucarachas) die Arbeit zu erschweren.

Eine traurige Form der Selektion gibt es doch: Die Ärmsten der Armen durchwühlen die Säcke, bevor sie von der Müllabfuhr abgeholt werden, nach Brauchbarem. Sie gehen dabei diskret vor und hinterlassen möglichst wenig Spuren, so hindert man sie nicht an ihrem nächtlichen Treiben. Und cartoneros sammeln in der Nacht Karton und Papierabfälle, die sie auf Transportkarren stapeln und zu den Sammelstellen ziehen.



Ohropax haben hier zwei hervorragende Eigenschaften: Zum einen Dämpfen sie den Straßenlärm, andererseits ist man zumindest nächtens akustisch nicht irritiert, was den Landeanflug der Moskitos betrifft. Man wundert sich nur am naechsten Morgen über die neuen Dübel. Konsequenterweise haben auch die Moskitos südländisches Temperament und sind nicht so leicht zu fassen, aber im Team (ich als Späherin und Gerhard als Vollstrecker: Tatwaffe Besucherpantoffel) sind wir unschlagbar.

Die Katze unserer Hausherrin bekommt ausschließich 2 Sorten Trockenfutter. Unsere Frühstücksgewohnheiten goutiert sie daher mit Begeisterung, nachdem sie immer meinen Yoghurt-Becher (natural) ausschlecken darf. Morgen kaufen wir mal Schinken, dann ist sie mir vollends hörig.

Auch wenn Gringotan noch nicht so oft in Buenos Aires war, hat er doch offensichtlich bleibenden Eindruck hinterlassen: Sogar ein Nachtisch (postre) ist nach ihm benannt worden

- natürlich mit was Geistreichem drin.

Die Plaza Dorego als Flohmarkt zu bezeichnen ist eine echte Beleidigung, denn hier gibt es noch richtige Antiquitäten en masse zu entdecken. Der Straßenmarkt erstreckt sich über mehrere quadras und findet immer am Sonntag statt, aber das ist eine andere Geschichte....

Der Straßenmarkt beginnt bereits an der Plaza de Mayo und hier findet man jede Menge Souvenirs, Tango-Devotionalien, T-Shirts, Schmuck, CDs und auch Filete-Schilder. Wir bringen eines mit der Aufschrift "Tango Neo Pasión" für den Verein mit. Die Fileteadores bemalen Holzschilder mit kunstvollen Mustern.

Früher wurden damit Autos und Autobusse verziert, in den letzten Jahrzehnten haben die KünstlerInnen aber umgesattelt und diese Marktnische für sich entdeckt. Sehr beliebt ist das Schild mit dem "Pipi Room".
Im Zentrum der Plaza Dorego gibt es die richtigen Antiquitaeten und Kuriositäten.

Besonders augenfaellig sind die alten farbigen Siphonflaschen, Stände mit Schmuck (die schönsten Ohrgehaenge sind jetzt aber schon weg :-)), Glaswaren, Skulpturen und Kunstgegenstaenden.

Auch Liebhaber von Miniatursoldaten etc. kommen voll auf ihre Kosten – hier sind ganze Schlachten nachgestellt.

StraßenkünstlerInnen, TangotänzerInnen sowie MusikerInnen runden das Angebot ab und machen den Ausflug zu einem sehr schönen Erlebnis, der bei keinem Urlaub hier fehlen sollte.

Zwei Kakerlaken haben uns in unserem Zimmer auch schon die Ehre ihrer Anwesenheit gegeben. Ich reagiere immer allergisch, wenn sich etwas schnell bewegt, wenn wir in der Nacht heimkommen und das Licht aufdrehen. Die Biester werden dann gejagt und erlegt. Gerhards Schnabelschuhe eignen sich bestens für einen Überraschungsangriff. !Hasta la victoria -– siempre!

Das monatliche Durchschnittseinkommen hier liegt bei ca. 1.800 Pesos (Euro 350) und dafür müssen die Menschen lang arbeiten. Bei unserer gestrigen Fahrt zum Salon Canning sind wir kurz vor 22 Uhr bei einem Friseur vorbeigefahren, wo einer Kundin gerade die Haare gefärbt wurden und eine andere noch gewartet hat. Bei der Lebensmittelkette Coto (vergleichbar mit Merkur oder Spar) ist jeden Tag (auch Sonntag) bis 22 Uhr geoeffnet. Auch die kleinen (Handwerks)Betriebe und Geschäfte (Schuster, Wäscherei, Schmuck, Schuhe etc.) haben Öffnungszeiten, für die bei uns die Gewerkschaft auf die Barrikaden gehen wuerde.
Schuhreparaturen werden in Österreich kaum mehr durchgeführt, weil die Arbeitszeit zu teuer waere, hier stürzt sich der Schuster mit Begeisterung auf einen meiner Schuhe, bei dem sich ein Riemchen gelöst hat. Auch Näharbeiten kann er auf einer uralten Singer-Schuhnähmaschine durchführen.

Viele Strecken legen wir mit der subte (U-Bahn) linea A zurück, die für uns günstig liegt und ein schnelles und vor allem auch sehr billiges Verkehrsmittel ist (eine Strecke mit Umsteigemoeglichkeit 1,1 Pesos). Hier ein paar Impressionen aus den U-Bahn-Stationen:

Ab ca. 22 Uhr sind wir jedoch auf die Taxis angewiesen, die ständig auf der Jagd nach Fahrgästen durch die Straßen streifen. Oft ergeben sich nette Gespräche und die Fahrer freuen sich ueber ein bisschen Konversation. Auch wenn wir uns manchmal wie bei der Formel 1 fühlen und (nicht angeschnallt) auf der Rückbank hin- und herschwanken, gibt es eigentlich kaum gefährliche Situationen, auch wenn es vielspurig dahingeht. Es gibt aber auch schwarze Schafe. Letzte Woche haben wir eine echte Wildsau erwischt, die nicht nur wie gesengt gefahren ist, sondern auch noch gehupt, geschnitten und geschimpft hat, und letztendlich auch noch anderen Taxifahrern den Stinkefinger gezeigt hat. Da haben wir nur gebetet, dass wir bald und vor allem gesund an unserem Ziel ankommen.

Buenos Aires weint. Ich auch. Morgen geht es nach gut 3 Wochen wieder heimwärts.
So viele schöne Tanzerlebnisse liegen hinter uns, wir haben neue Freundschaften geschlossen und viel bei der CITA gelernt. Meine Ringe und meine Uhr signalisieren mir aber auch, dass es Zeit wird, von diesem Lotterleben wieder auf Normalbetrieb umzustellen und mich ein wenig aufzupäppeln – sie sitzen so wie die Jeans ordentlich locker.

Linda. Hermosa. Divina. Bonbon. Piropos werden die kleinen Schmeicheleien genannt, mit denen meine Tanzpartner sehr großzügig um sich werfen. Auch jeder einzelne Tanz einer tanda wird gelobt. Los angeles bailan -– die Engel tanzen: Ein alter Tanguero schluchzt mir beim Tanzen ins Ohr, streichelt meine Haare und küsst mir Hände und Gesicht. Seine Begeisterung ist so groß, dass ich ihn gewähren lasse, weil ich gerührt bin. Trotzdem nicht unbedingt zur Nachahmung empfohlen.

Ein zweitägiger Tango Salon- und Milonga-Kurs mit Javier Rodriguez und Andrea Missé im Salon Canning hat uns deutlich besser als ihr Kurs beim Tangocamp in Düsseldorf gefallen. Ein sehr techniklastiger Unterricht mit 50 Tanzpaaren, die sich ohne Klimaanlage auf engstem Raum im Milonga-Traspie-Rhythmus bewegen und verzweifelt versuchen, Verzierungen an den richtigen Stellen einzubauen.– Javier hat es gleich bei der Begrüßung vorweggenommen: Willkommen in der Klasse der Transpiration. Der Schweiss rinnt in Strömen und wir bringen das Parkett zum Schwanken.

Hier einige Milonga-Empfehlungen:
La Garufa/Konex, Sarmiento 3131, Mittwoch ab 23 Uhr: Die Milonga findet in einem alten, nicht klimatisierten Fabriksgebäude mit Steinboden statt. An heissen Tagen also unbedingt Kleidung aus Naturfasern anziehen, sonst verglüht man, vor allem, wenn man vorher auch am Unterricht von Natalia und Gabriel (Spezialitaet: Milonga) teilnimmt. Die beiden unterrichten am Montag im Canning. Im La Garufa ist die Betreuung durch die geringere TeilnehmerInnen-Anzahl aber wesentlich individueller und und in einem Kurs für zumindest mittlerem Niveau findet sich immer eine anspruchsvolle Kombination.
Es ist nicht ueberlaufen, wir sind dort sehr viel zum Tanzen gekommen und durch den reichlich vorhandenen Platz ist es auch kein Tabu, zwischendurch Tango-Nuevo-Elemente einzuflechten.
Bei unserem ersten Besuch gab es Live-Musik mit den Los Reyes del Tango und eine Show mit Geraldine Rojas und Ezekiel Paludi, beim zweiten Mal das Orchester Sans Souci und eine Vorfuehrung von Mariangeles Camaano und Bruno Tombari.

Cachirulo, Maipu 444, Samstag ab 19 Uhr:
Hier wird besonders auf die Einhaltung der argentinischen Milonga-Regeln Wert gelegt, die beim Eingang in mehreren Sprachen aufgehaengt sind.

Wer sich nicht daran hält, wird vom Organisator angesprochen. Der Raum ist langgezogen, links und rechts sitzen sich die einheimischen Tänzer und Tänzerinnen in kurzem Abstand gegenüber, an den Längsseiten werden die TouristInnen und die Paare platziert. Bei 2 von 3 Besuchen ist heuer leider die Klimaanlage zum Teil ausgefallen.
Tanzerlebnisse Karin: Konkurrenz sehr gross, trotzdem viel getanzt, Niveau sehr unterschiedlich. El Gitano mit ungarischen Wurzeln: schmatz
Gerhard: mich zieht nichts mehr hin.

La Noche de las Morochas: Riobamba 416, Samstag ab 23 Uhr:
Hierher haben wir uns nach der Hitze im Cachirulo geflüchtet, anfangs tote Hose und daher super Sitzplatze auch ohne Reservierung. Separado -– also voneinander getrennt. Nach Mitternacht sehr voll geworden.
Karin: kaum eine tanda gesessen, einige ausgezeichnete argentinische Tänzer, erstaunlich, was auf kleinstem Raum alles möglich ist. Dieser positive Eindruck hat sich eine Woche später bestätigt – ich kann mich vor Einladungen kaum retten.
Gerhard: hab nicht viel getanzt, war jedoch mit meiner Auswahl sehr zufrieden.

Nino Bien, Huberto Primo 1462, Donnerstag ab 22.30:
Für uns zwar Pflichtprogramm, aber eher aus historischen Gründen. Keine vorher angekündigten Shows (manchmal aber Ueberraschungsgäste wie letzten Donnerstag eine brasilianische Samba-Einlage). Der Saal ist riesig und das Auffordern von einem zum anderen Ende daher unmöglich. Immer bis zum letzten Platz gefüllt, daher entweder früh kommen oder reservieren. Mit den Eintrittsbons bekommt man ein Begrüßungsgetränk, was zumindest die TouristInnen aber meistens nicht wissen. Wie auch im Canning die meiste Zeit eine sehr volle Tanzfläche und daher nur sehr traditionelles Tanzen möglich, trotzdem durchaus empfehlenswert.
Gerhard: sehr große Auswahl sowohl an Argentinierinnen als auch an Touristinnen.
Karin: so wie überall auch hier ein deutliches Überangebot an Frauen, meine Sohlen glühen trotzdem.

Auf unserem üblichen Weg zum CITA-Seminar war gestern der Weg mit einem Plastikband abgesperrt. Unsere ursprüngliche Annahme, dass der desolate Gehsteig repariert wird, wurde durch einen Blick nach oben und weiße Schaumpatzen korrigiert, die weit über die Absperrung hinaus durch die Luft geflogen sind

Dass die Öffnungs- und Arbeitszeiten in Buenos Aires anders als bei uns sind, haben wir ja gewusst, aber soooooooooooooooo lange …

Hier ein Schuhputzer an seinem Arbeitsplatz Ecke Corrientes/Callao beim Jausnen:

Eindruecke CITA: perfekte Organisation, herzliche Betreuung, Umbuchung von Kursen, wenn es vom Niveau her nicht passt, kein Problem, tolle Shows und organisierte Milongas mit Einlagen und Live-Musik.

Paareseminar bei Julio und Corina fuer Fortgeschrittene, 6 x 1,5 Stunden:
Sie konzentrieren sich bei der Betreuung auf Paare, die sie besser kennen und besonders Julio vermittelt uns den Eindruck, dass er sich für unsere Fragen nicht wirklich interessiert und Zeit nimmt. Corina hat uns am letzten Tag allerdings schon noch an einem Tiefpunkt wertvolle Anregungen gegeben und motiviert. Die unterrichteten Elemente (giros und colgadas) waren sehr anspruchsvoll, da die beiden die dafür erforderlich Spiralbewegungen in Perfektion beherrschen.
Paareseminar bei Chicho und Juana fuer Fortgeschrittene, 6 x 1,5 Stunden:


Toller Unterricht, Betreuung auch bei fast 25 Paaren sehr zufriedenstellend. Chicho hat sich in den letzten Jahren sehr positiv verändert. Eine seiner wichtigsten Aussagen über sich selbst gab Gerhard Anlass zum Nachdenken. Chicho meinte, dass er noch vor ca. 8 Jahren den Tango so getanzt hat, dass der Mann jeden Schritt geführt hat und die Frau dieser Führung folgte. Die jetzige Generation arbeitet aber daran, dass jeder Schritt des Herren ein Schritt FÜR die Dame sein und ihre Bewegungen antizipieren soll. Er fügte noch hinzu, dass er mit dem Tango aufhören werde, wenn er sich nicht mehr weiterentwickeln würde.

Ein Detail am Rande: In Buenos Aires ist es üblich, die Sitzplatznummerierungen im Theater folgermaßen vorzunehmen:
Von links nach rechts z.B. Platz 11, 9, 7, 5, 3, 1, 2, 4, 6, 8, 10,.. Das hat natürlich einiges zur Verwirrung beigetragen, noch dazu sind die Reihennummern schwer lesbar oder nicht mehr vorhanden. Die Shows haben durch die langwierige Suche nach dem richtigen Sitzplatz mit noch größerer Verspätung begonnen, als üblich.
Die Darbietungen haben uns an beiden Tagen begeistert und auch einige nicht so bekannte Paare haben durch originelle Choreographien geglänzt. Höhepunkte waren aber auf jeden Fall Chicho und Juana sowie Sebastian Arce und Mariana Montes, die tanguera mit Sprüngen und atemberaubenden Schritten dargeboten haben.

Eintrag # 17

0

Autorin:

Karin

Geschrieben am:

20.02.2010 09:30:00

Workshop-Impressionen x 2

Der Verein Tango Neo Pasión hatte am letzten Jänner-Wochenende eine Musik-Choriphäe in Linz zu Gast.
Joaquín Amenábar versteht es, seine SchülerInnen durch audio-visuelle Hilfsmittel und zahlreiche Hörbeispiele auch oft gespielte Tangos mit "anderen" Ohren hören zu lassen.

Inhaltlich steht die Musik und nicht das Tanzen im Vordergrund, und sowohl die Männer als auch die Frauen dürfen das Erlernte bei einfachen Führungsübungen umsetzen.

Die Zerlegung von Rhythmus und Melodie ist nicht nur für Anfänger, sondern für alle eine Bereicherung, die sich bei der tänzerischen Interpretation weiterentwickeln wollen.
Im letzten Kurs am Sonntag haben wir uns für das Thema "Form und Struktur des Tango" entschieden, und das war kurz gesprochen genial, aber als 3.Kurs an diesem Tag schon sehr anstrengend..

Joaquin besucht seit einigen Jahren im Winter Europa und manche fortgeschrittenen Tangueros besuchen seine Kurse jedes Mal wieder, weil man immer wieder was Neues hört und das bereits gelernte vertiefen kann.

Sehr empfehlenswert ist auch das von ihm verfasste und mit zahlreichen Illustrationen versehene Buch, dem eine DVD beigefügt ist und das sich hervorragend zum Wiederholen und Üben eignet.

Joaquín Amenábar kommt voraussichtlich das nächste Mal im Jänner 2011 zu uns nach Linz. Ich kann - vor allem den Männern - nur empfehlen, die Chance, von diesem einmaligen Musikpädagogen zu lernen, zu nützen - die Damen werden es ihnen danken!
- Gerhard -



Workshop mit Ismael Ludman & Maria Mondino vergangenes Wochenende in Steyr:

Ein sehr sympathisches Paar, von dem wir uns sehr gut betreut gefühlt haben.
Die beiden haben keine Berührungsängste, kommen von allein und geben Tipps bzw. helfen weiter. Stellen sich auch zum Probieren zur Verfügung.
Unterrichtssprache ist englisch, das sie sehr gut und verständlich beherrschen.

Die sehr ansprechende Schrittfolge (eine Kombination aus planeos und einem boleo) in der special class bestand aus 3 Elementen, die zuletzt verbunden wurden. Der Unterricht war systematisch aufgebaut, es bestand ausreichend Zeit zum Üben und einmal gab es auch einen Partnerwechsel.

Die unterrichtete Sequenz durfte zum Abschluss des Kurses gefilmt werden.

Die 3 bei der Show gezeigten Tänze haben uns ebenfalls sehr gut gefallen.(sind übrigens schon auf Youtube zu finden)

Ismael & Maria kommen voraussichtlich im Herbst wieder nach Steyr - wir freuen uns schon darauf!
- Karin -

Eintrag # 16

0

Autorin:

Karin

Geschrieben am:

08.02.2010 07:22:00

Café de los maestros - DVD-Tipp

Cafe de los maestros  - Die großen Meister des Tangos

 
Eines gleich vorweg: In diesem Film gibt es bis auf einen kurzen  Ausschnitt, in dem Chicho und Juana in der Freiluftmilonga "Glorietas" tanzen, keine Tanzszenen. Und auch das Konzert der Meister des Tangos wird nur in kurzen Sequenzen dokumentiert. Bonusmaterial ist leider ebenfalls kaum vorhanden. Und trotzdem kann ich Euch diese DVD aus ganzem Herzen empfehlen:

 Für den Film "Cafe de los maestros" von Miguel Kohan hat der zweifache Oscar-Gewinner Gustavo Santaollala als Produzent alle großen Musiklegenden des Tango für einen Auftritt im Teatro Colon in Buenos Aires vereinigt. Die ZuseherInnen bekommen Einblicke in die Vorbereitungen und Proben, lernen die KünstlerInnen näher kennen und auszugsweise werden die Höhepunkte des Konzerts gezeigt. Beeindruckend, wie virtuos die Musiker ihre Instrumente beherrschen und im Stil des goldenen Zeitalters bekannte und weniger bekannte Stücke in riesiger Besetzung darbieten.
 
Sehr berührend ist ein von Juan Carlos Godoy gesungener Tango und  auch Virginia Luque reißt mit ihrem Auftritt das Publikum im Saal und vor dem Fernsehrschirm mit und bezaubert mit ihrem Charisma.
 
Auf einem Plakat in einem Cafe, in dem ebenfalls gedreht wurde, steht zu lesen: "Viele werden älter, manche reifen an Jugend." Wenn man die Begeisterung und den Elan der alten Herren sieht, weiß man, wie sehr dieser Spruch auf sie zutrifft.

3 der Mitwirkenden, unter ihnen der großartige José Libertella, Ensemblemitglied des Sexteto Mayor, sind kurz nach den Dreharbeiten verstorben. Ein kleiner Trost, dass sie an diesem Film noch mitarbeiten konnten.

 
Eingeleitet wird das Konzert mit den Worten: "Das einzige, das wir mit Europa nicht diskutieren werden, ist der Tango." Wenn man diesen Film gesehen hat, weiß man, dass dieser kulturelle Anspruch zu recht besteht, weil man den Tango mit all seinen Facetten nur in Buenos Aires auch leben kann.

 
Aber Hauptsache, auch Tänzer (und vor allem TänzerInnen) aus Europa können mit dem Tango weiter in den siebten Himmel tanzen.


Erhältlich z.B. bei amazon.

Eintrag # 15

0

Autorin:

Karin

Geschrieben am:

04.02.2010 17:53:00

Mate - danke Wikipedia :-)

Der Mate-Strauch ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Stechpalmen. Die Heimat der Pflanze liegt in Südamerika, wo sie wild als Unterholz wächst. In Argentinien trinken etwa 80 % der Bevölkerung mindestens einmal pro Woche Mate, der Jahreskonsum beträgt 6,4 kg pro Kopf. Mate wurde schon vor der Kolonialisierung von den Ureinwohnern Südamerikas getrunken. Als die Jesuiten das heutige Paraguay besiedelten, begannen sie mit dem systematischen Anbau der Mate-Pflanze und hatten bis zu ihrer Vertreibung im 18. Jahrhundert eine Art Handelsmonopol in ganz Lateinamerika.
Mate bezeichnet ursprünglich das Trinkgefäß (aus dem Quechua mati für Trinkgefäß), heutzutage auch das Getränk, das von den Guaraní caiguá genannt wurde. Die Blätter hingegen werden als yerba bezeichnet.

 

Therapeutische Eigenschaften
anregend für Nerven, Muskeln und Stoffwechsel, harntreibend, die Speichel- und Magensaftbildung fördernd und damit hilfreich bei der Verdauung, schweißtreibend, aufgrund des Koffeingehaltes aktivierend und kreislaufstärkend. Außerdem weist Mate vor allem in Form von Tereré eine leicht abführende Wirkung auf.
Traditionell wird er als leistungssteigernd und hungerstillend eingeschätzt; auch als "Schlankmacher" (1 Stunde vor den Mahlzeiten).

Zubereitung

 


Kalebasse: ein ausgehöhlter Kürbis


Bombilla: Metalltrinkrohr mit Sieb

Das Getränk wird traditionell aus dem Endteil (Stielende) eines ausgehöhlten Flaschenkürbis (spanisch: "mate"; deutsch: Kalebasse) getrunken. Dazu wird der Flaschenkürbis quer zu seiner Achse so geteilt, dass ein bechergrosses Stück abfällt. Dieses wird ausgehöhlt und getrocknet.
Zum Trinken benutzt man in der Regel eine Bombilla, einen Trinkhalm aus Metall, der am unteren Ende ein Sieb hat. Das Trinkgefäß wird etwa zur Hälfte mit yerba gefüllt. Aufgegossen wird nun mit 70 bis 95 °C heißem Wasser, wobei wichtig ist, dass das Wasser bei der Vorbereitung nicht gekocht hat, da sonst nur wenige und bittere Aufgüsse möglich sind.

Getrunken wird der Mate vor allem im Kreis von Freunden, Verwandten und Arbeitskollegen; einem Gast einen mate anzubieten, ist ein Zeichen der Höflichkeit und Gastfreundschaft. Sowohl die Zubereitung als auch die "richtige" Art des Trinkens werden als Kunst zelebriert und mehr oder weniger streng von zahlreichen Regeln (meist in Form von mündlich überlieferten Reimen und Redewendungen) vorgeschrieben. So gilt es als unhöflich, wenn die bombilla beim Überreichen nicht auf den Empfänger zeigt, oder der Trinker die Runde über Gebühr aufhält. Der Gastgeber trinkt für gewöhnlich den ersten Aufguss, denn dieser ist der bitterste (und den Gästen nicht zumutbar).
Der Person, die den Mate zubereitet obliegt es den Mate stets neu aufzugießen, der dann reihum gereicht wird, den aber jeder Trinker für sich leert und dann zurückreicht. Die Kunst liegt darin, gleichmäßig starken Mate zuzubereiten. Weder darf der Mate nach wenigen Aufgüssen ausgewaschen und schal schmecken, noch das Wasser zu kalt sein oder die Bombilla verstopfen.

Wirtschaftliche Bedeutung
Für die Herstellung von Maté wurden neue Städte mit Röstereien und Veredelungsmühlen gegründet. Das Transportwesen entwickelte sich und begleitende Industriezweige wie die Fassherstellung entstanden. Dieser Mate-Boom hielt bis etwa zum Zweiten Weltkrieg an.
In den letzten beiden Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts wurden viele Hektar Land sowie wenig oder nicht genutzte Mate-Betriebe in Brasilien von landlosen Landarbeitern besetzt. Bis heute gibt es über 50 Kooperativen, die mittlerweile offiziell anerkannt und von der Regierung mit Krediten und Infrastruktur unterstützt werden.

Eintrag # 14

0

Autorin:

Karin

Geschrieben am:

10.12.2009 09:05:00

Tango als soziale Utopie?

In letzter Zeit haben wir uns manchmal mehr Rücksichtnahme auf den Milongas gewünscht. Vor allem, wenn die Tanzfläche sehr voll ist, ist noch größere Achtsamkeit als sonst erforderlich, sowohl der/dem TanzpartnerIn als auch allen anderen Tanzenden gegenüber. Auf Figuren, die viel Platz brauchen, muss dann verzichtet werden und auch die Bewegungen und Schritte müssen kleiner ausfallen als sonst. Dies gilt für fortgeschrittene Tänzerinnen und Tänzer umso mehr - Neueinsteiger haben genug damit zu tun, sich gemeinsam mit der Partnerin in der Musik und im Tanzfluss zu bewegen.

Auch Fabiana ist im Kurs für die weit Fortgeschrittenen  genau auf dieses Thema eingegangen - Tango auf einer Milonga ist nicht nur ein Paartanz, sondern auch ein Gesellschaftstanz und somit übernimmt auch jede/r für jede/n Verantwortung.

 

Dazu passt der folgenden Teil eines Kapitels aus dem Buch

"Tango - Die einende Kraft des tanzenden Eros"

von Ralf Sartori und Petra Steidl:

Das Ideal des Salons - Tango als soziale Utopie?
Das Tangopaar taucht zwar in sein ganz eigenes metaphysisches Universum ein, teilt diese Erfahrung aber mit all den anderen Tänzern, mit denen es gemeinsam den Salon bildet. Menschen aller sozialen Schichten, verschiedenster Berufe, Interessen und Altersgruppen treffen sich beim Tango. Und doch verbindet sie eines: Die magische Anziehung, die der Tango auf sie ausübt. Er veranlasst sie, die Nächte zusammen zu verbringen, einander kennenzulernen, indem sie beobachten, miteinander tanzen, ihre Partner tauschen, miteinander reden oder einfach nur zusehen.

Der Tango lehrt uns, aufeinander einzugehen. Er funktioniert nicht mit Ellbogenmentalität, sondern verlangt uns Achtsamkeit und einen sensiblen Umgang ab. Jedes Tangoparkett ist ein Paradies für einen Chaosforscher. Jeder Führende muss in seinem Tanz pausenlos die Bewegung aller miteinbeziehen. Man kann nicht einfach etwas durchziehen, das man sich vorgenommen hat. Man lernt vielmehr, spontan alle Möglichkeiten zu nutzen, die sich gerade bieten, ohne sich ein Mehr auf Kosten der Bewegungsfreiheit anderer Paare zu erzwingen. Doch leider sieht die Wirklichkeit auf den europäischen Tanzflächen oft anders aus. Sie ist den Werten des Tangos meist exakt entgegengerichtet und führt ihn nicht selten dadurch ad absurdum. Man versucht dort, auf Kosten anderer zu glänzen und den Salon als Bühne zu erobern. Man glaubt an die Macht komplizierter Figuren und gibt ihnen gegenüber der Verdichtung, der Formvollendung und Musikalität des eigenen Tanzes den Vorrang. Zum Teil liegt es sicherlich an den Tanzlehrern, doch nicht zuletzt werden dem Tango seine Figuren wohl deshalb zum eigenen Grab, da ihm die Luft, die ihn vom Zeitgeist her anweht, und der allgemeine Umgang miteinander nicht allzu gut bekommt. Der Tango stammt aus einer Kultur und Zeit, in der die Menschen noch sehr viel darauf gaben, Klasse zu haben. Man leistete sich gern den Luxus, eine Haltung zu besitzen und diese auch zu leben. Individuelle Formvollendung galt durchaus als Ideal, natürlich mit all den narzistischen Spielarten. Doch man hielt sich damals zumindest zugute, dass man seine Bewegungen in einer Form zu meistern verstand, die all den anderen Tanzpaaren ebenfalls maximale Bewegungsfreiheit zugestand. Da in den guten Salons darüber Konsens herrschte, drückte sich auf den entsprechenden Tanzflächen tatsächlich eine gesellschaftliche Utopie im Kleinen aus, nämlich das sich selbst, aus Eigenverantwortung und Achtsamkeit heraus regulierende harmonische Ganze.

Gerne veröffentlichen wir, sofern Ihr nicht ohnehin member sein, Eure Meinung auf unserer page. Email genügt.

Dazu ein Kommentar von Don Pedro:

Vielen Dank fuer diesen Beitrag. Jeder sollte ihn lesen. Je früher im Tango-Leben umso besser. Milonga-Veranstalter scheuen sich leider davor, ihrem Klientel gut etablierte und vor allem super-funktionierende Pista-Verhaltensregeln beizubringen - und lassen auf ihrer Milonga diese rücksichtslosen Freiheiten zu.
Ich stehe interessierten Tangueros/as für eine offene Diskussion jederzeit waehrend der Milonga "La Pista" im U-Hof zur Verfuegung.
Saludos
Don Pedro alias Gringotan

Eintrag # 13

0

Autorin:

Karin

Geschrieben am:

25.10.2009 18:31:00

Das Bandoneón

Entstehungsgeschichte

Es wurde von dem deutschen Musiker und Techniker Carl Friedrich Uhlig in Chemnitz um 1835 erfunden und durch den Kaufmann Heinrich Band, nachdem es benannt ist, in Krefeld  im Erzgebirge für religiöse Umzugsprozessionen als  Bandonion "rheinischer Tonlage" produziert, nachdem er einige technische Adaptierungen vorgenommen hatte.

Später stellte auch der deutsche Hersteller Alfred Arnold Instrumente der angesehenen Marke AA (dobleA) her. Professionelle MusikerInnen besitzen eines oder mehrere Modelle dieser berühmten Manufaktur.

Erst 56, dann 100 und später 142 Töne in fast willkürlicher Anordnung machen ein Zurechtfinden extrem schwierig. Mit nahezu fünf Oktaven erreicht der kleine Kasten fast den Tonumfang eines herkömmlichen Klaviers.

Trotzdem wurde das Bandonion schnell zum Klavier der kleinen Leute und von sächsischen Bergleuten in ganz Deutschland verbreitet. 1927 waren im deutschen Konzertina- und Bandonionbund über 1.000 Vereine mit 14.000 Mitgliedern organisiert.

Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten fand der Boom jedoch ein jähes Ende, da die Nazis den Klang des Instrumentes für volksmusikalisch ungeeignet erklärten und 1935 der Konzertina- und Bandonionbund offiziell verboten wurde.

Die Fabrikation und der Export von bis zu 600 Instrumenten pro Monat gingen jedoch sogar während des Zweiten Weltkriegs weiter.

Das für den Tango so typische Instrument gelangte erst ein halbes Jahrhundert nach seiner Erfindung nach Buenos Aires. Man weiß nicht genau, wann und wie, doch es kursieren auch hier liebevolle Geschichten um das Mysterium seiner Erscheinung. So wird erzählt, dass 1908 ein Matrose in Buenos Aires an Land geht und sein ganzes Geld verspielt. Es bleibt ihm keine andere Wahl, als seinen lieb gewonnenen Begleiter, das Bandoneón, zu verkaufen, um seine Spielschulden zu begleichen. Manches spricht aber auch dafür, dass das Instrument bereits gute 10 Jahre früher das Land erreicht hat.

So funktioniert es

Das Bandoneón wird mit beiden Händen gleichzeitig gespielt, wobei jede Hand unabhängig von der anderen Töne und Akkorde spielt. Die Knopftastatur befindet sich auf der Außenseite der beiden Holzkästen, die in der Mitte mit einem Blasebalg verbunden sind. Insgesamt hat das Instrument 71 runde Tasten, die botones genannt werden. 33 diese Knöpfe befinden sich auf der linken Hand, 38 auf der rechten. Das Instrument wird durch ein Auseinanderziehen und Zusammenschieben der Holzkästen gespielt, wobei es wie eine Ziehharmonika Luft einzieht oder ausströmen lässt.

Das Bandoneón ist viertönig. Dies bedeutet, dass es praktisch aus 4 unterschiedlichen Instrumenten besteht, die gleichzeitig gespielt werden müssen. Diese Tatsache sichert allen Bandoneónspielern hohen Respekt, manchmal aber auch die Nachrede, ein wenig verrückt sein zu müssen, um überhaupt ein solches Instrument spielen zu können.

Bei gleicher Tastatur produziert das Instrument beim Auseinanderziehen andere Töne als beim Zusammenschieben. Während die rechte Hand helle Töne spielt, die wir voces (Stimmen) nennen und die an Klarinette und Geige erinnern, spielt die linke die bachos (Tiefen), deren Klangfarbe dem des Cellos ähnelt. Hinzu kommt, dass das Anschlagen links und rechts keine gleichen Noten produziert, sondern höchst unterschiedliche. Zusammengenommen, also in allen Kombinationen von links, rechts, zusammenschieben und auseinander ziehen, entstehen hier für jede Note 142 unterschiedliche Töne.

Der innere Bau

Das Herz des Bandoneón besteht aus dem peine, einem Kamm aus Metall. Der Kamm ist mit insgesamt 14 Zinken bestückt, wobei sich 8 auf der rechten Seite und 6 auf der linken befinden. Die Legierung dieses Metallkammes ist das große Geheimnis des Instruments. Heute scheint niemand mehr in der Lage, diese Legierung herzustellen und den typischen Klang des Bandoneóns zu erzeugen. Deshalb spielen alle großen Musiker auf Instrumenten, die Jahrzehnte alt sind. Das Ein- und Austreten der Luft wird durch ein Ventil geregelt, dessen Hebel mit dem Daumen der rechten Hand betätigt wird.

Das Bandoneón im Tango

Das Bandoneón wurde zum Hauptinstrument des Tango und in vielen Tangotexten auch zur Hauptperson: Die Textdichter vermenschlichten den kleinen Blasebalg: Nie wird er einfach nur gespielt, sondern er jammert, brummt, klagt und weint. Viele Tangopoeten haben dem Bandoneón ganze Texte gewidmet (z.B. Alma de Bandoneón, Bandoneón arraballero).

Prominente Bandoneónisten sind der unvergessene Aníbal Troilo und Astor Piazzolla.

Der Klang eines Bandoneón ist Tangogefühl pur. Ein faszinierendes Instrument mit tausend Stimmen. Eine Musik, die einen unbarmherzig voller Liebe durch die Täler und über die Berge trägt.

 

Auch hier habe ich auf Informationen aus den Büchern "Tango" von Arne Birkenstock und Helena Rüegg und "TangoDimensionen" von Nicole Nau-Klapwijk zurückgegriffen.

 

Eintrag # 12

0

Autorin:

Karin

Geschrieben am:

30.09.2009 18:38:00

El mudo - Carlos Gardel

Der Spitzname von Carlos Gardel (1890 - 1935) ist ein Spiel der Ironie: Seine stimmliche Genialität war so groß, dass das Volk ihn den Stummen, el mudo, taufte.

Er war von Geburt Franzose und hieß eigentlich Gardes, kam aber schon in jungen Jahren nach Argentinien. Nach seinen Anfängen in einem Kinderchor trat er bereits 1908 in Vororten von Buenos Aires auf den Straßen und Plätzen sowie in Kneipen (boliches) als Volkssänger mit einem zunächst noch rein folkloristischen Repertoire auf.

Eine Anekdote erzählt, dass er bei seinem ersten Engagement, als er erfuhr, dass sich die angebotene Gage von 70 Pesos pro Abend und nicht pro Monat verstand, ausrief: "Dafür spülen wir sogar die Teller."

Später spezialisierte er sich immer mehr auf den Tango, den er meist zur Begleitung eines Gitarristen vortrug und entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Sänger Lateinamerikas und größten Stars der spanischsprachigen Welt, dessen Schallplatten höchste Verkaufsziffern ereichten.

Seine Stimme und sein Charme begeisterten Menschen auf der ganzen Welt, umso mehr, als er in mehreren berühmten argentinischen Filmen, die damals mit der Produktion aus Hollywood konkurrierten, die Hauptrolle spielte, z.B. Tango Bar, Volver (Zurückkommen) und El día que me quieras (Der Tag an dem du mich lieben wirst), der zugleich einer seiner schönsten Tangos ist.

1934 lernte er Astor Piazzolla kennen. Als der gefeierte Star hörte, dass der 13jährige nicht nur Bandoneon spielte, sondern auch fließend englisch sprach, engagierte er ihn als Dolmetscher. Astor erhielt sogar eine kleine Rolle im Film "El día que me quieras", den Gardel gerade drehte.

Dass der Vater Piazzollas das Angebot des berühmten Sängers ablehnte, ihn zu begleiten, rettete Astor das Leben, denn Carlos Gardel starb 1935 während seiner letzten Tournee bei einem Flugzeugzusammenstoß auf einem Flughafen in Kolumbien. Seine Beliebtheit in Argentinien erhielt durch seinen tragischen Tod weitere Impulse und noch heute wird sein Grab in Buenos Aires am Friedhof Chacarita täglich mit frischen Blumen geschmückt und in der rechten Hand seines Denkmals steckt meist eine frisch angezündete Zigarette. Angeblich bringt es Glück, den Fuß an seinem Denkmal zu berühren und es heißt auch so viele Jahre nach seinem Tod noch: "Cada día canta mejor". (Jeden Tag singt er besser.)


Das schönste Kompliment, das man in Argentinien bekommen kann, ist "Sos Gardel" ("Du bist Gardel"), das bedeutet "Du bist der Größte, Du bist unschlagbar, Du hast es geschafft".
 
Auch wir haben ihn schon an seiner letzten Ruhestätte besucht. Aus einem Autoradio  klangen seine Lieder, während er eine neue Zigarette bekam - sehr ergreifend ...

Eintrag # 11

0

Autorin:

Karin

Geschrieben am:

15.09.2009 09:53:00

Lunfardo: Gotan = Tango

Gotan ist ein Ausdruck aus dem Lunfardo (von lunfar = Spitzbube), der bereits im 19.Jhdt in den Vorstädten und Armenviertel der Städte Buenos Aires und Montevideo entstand und als Mischsprache bzw. Dialekt unter den ärmeren Bevölkerungsschichten, die aus verschiedenen Nationen stammten und am Rio de La Plata gestrandet waren, Verbreitung fand.

Der Lunfardo-Forscher Jorge A. Bossio hat im Verlauf seiner Nachforschungen über die Herkunft des Vokabelschatzes des Lunfardo folgende Komponenten ermittelt, aus denen sich dieser Dialekt aufbaut: 78,5% spanisches Wortgut, 12,6% italienisches, 0,65 englisches, 0,8% indianische, 2,3% zigeunerische, 1% portugiesische, 0,6% gaunersprachliche, 3,1% galizische und 0,1% afrikanische Wörter.

Ab etwa 1920 ließen namhafte Textdichter in die von ihnen verfassten Tangotexte verstärkt Lunfardo-Worte oder auch ganze Satzkonstruktionen einfließen, die dann z.B. von Carlos Gardel gekonnt interpretiert wurden.

Der Lunfardo ist frech, direkt und für Außenseiter vollkommen unverständlich. Besonders charakteristisch ist das typische hablar al verre (von hablar al reves = das Rückwärtssprechen der Wortsilben).

Aus vino wird novi, aus muchachos chochamus und aus tango gotan . Auch bacan (= Zuhälter) ist ein Lunfardo-Ausdruck, der sich häufig in Tango-Texten findet.

Verschiedene diccionario de lunfardo sind auf dem Markt erhältlich - die academia de lunfardo beschäftigt sich ausschließlich mit ihm und Texten aus der Tangowelt.

Fest steht jedenfalls, dass er untrennbar mit dem Tango verbunden ist. In fast allen Tangotexten taucht er auf, manche Texte (viel gesungen von Edmundo Rivero) sind regelrechte Meisterwerke dieses Dialekts.

Und es gibt noch eine weitere Gemeinsamkeit - der Lunfardo ist, genau wie der Tangotanz, eine mögliche Form, sich von der feinen Gesellschaft abzugrenzen und dagegen aufzulehnen.

Die Infos dazu habe ich aus mehreren Büchern zusammengefasst, aber großteils dem "Tangolexikon" von Egon Ludwig entnommen.

Eintrag # 10

0

Autorin:

Karin

Geschrieben am:

05.09.2009 10:17:00

Jeder kennt ihn...

Zu "La Cumparsita" hat jeder schon oft getanzt, aber nicht jeder weiß, worum es in diesem Tango von  Pascual Cantursi/Enrico Pedro Maroni (Text) und Gerardo Hernán Matos Rodriguez (Musik) aus dem Jahr 1924 wirklich geht.

Er ist sicher der erfolgreichste Tango, der jemals geschrieben wurde, als Instrumentalstück wurde er bis heute weltweit tausendfach eingespielt, überwiegend im Stile des euopäischen Tanzschultango. Deshalb wird häufig vergessen, dass dieses Stück zum Standardrepertoire des Tango Argentino gehört. Auf vielen Milongas wird er am Anfang und/oder als letztes Stück gespielt.

Durch ein anderes Lied, "Mi noche triste", erfolgreich, wurde der Herzschmerz des gehörnten Machos zum Lieblingsthema des Textdichters Contursi. In "La cumparsita" greift er die Klage des verlassenen Mannes mit fast identischen Worten wieder auf:

Su supieras, que aún dentro de mi alma,
conservo aquel carino que tuve para ti ...

Wenn Du wüsstest, dass tief in meiner Seele noch
jene Liebe schlummert, die ich für Dich empfand ...

Quién sabe si supieras que nunca te he olvidado,
volviendo a tu pasado te acordarás de mí ...

Wer weiß, wenn Du wüsstest, dass ich Dich nie vergessen habe,
und wenn Du dann zurückschaust, ob Du Dich dann nicht auch an mich erinnern würdest.

Los amigos ya no vienen ni siquiera a visitarme,
nadie quiere consolarme en mi aflicción ...
Desde el día que tu fuiste siento angustias en mi pecho.
Decí, percanta, ?qué has hecho de mi pobre corazón?

Unsere Freunde besuchen mich schon längst nicht mehr,
keiner will mich trösten in meinem Leid ...
Seit dem Tag, an dem Du fortgingst, hab ich Schmerzen in meiner Brust,
sag, Flittchen, was hast Du nur aus meinem armen Herzen gemacht.


Sin embargo, yo siempre te recuerdo con el carino santo que tuve para tí.
 Y estás en todas partes, pedazo de mi vida,
y aquellos ojos que fueron mi alegria los busco por todas partes y no los puedo hallar.

Trotzdem werde ich immer an Dich denken mit der heiligen Zuneigung, die ich für Dich hatte.
Denn Du bist überall, Teil meines Lebens,
und jene Augen war'n mein Glück, überall suche ich danach, aber kann sie nirgends finden.

Al cotorro abandonado ya ni el sol de la manana asoma por la ventana como cuando estabas vos,
y aquel perrito companero que por tu ausencia no comía
al verme solo el otro día también me dejó.

Nicht einmal mehr die Morgensonne scheint durchs Fenster in meine verlassene Bude.
 Und unser Freund, der kleine Hund, der nicht mehr fraß, seitdem Du weg warst,
als er mich neulich so verlassen sah, verließ auch er mich.

Klingt heutzutage eher schmalzig ... oder?

(Text und Übersetzung aus dem Buch TANGO von Arne Birkenstock und Helena Rüegg)

Eintrag # 9

0

Autorin:

Karin

Geschrieben am:

17.08.2009 18:28:00

Geschichten aus Tangonien

Der Tango wurde vom Vatikan als "sündiger" Tanz gesehen, bis der Tänzer Vasquito Ain nach Rom reiste und Papst Pius XI einen Tango zu "Ave Maria" vortanzte.

Anfang des 20. Jahrhunderts konnten sich die Besitzer der Freudenhäuser in Buenos Aires wegen der Frauenknappheit oft über lange Warteschlangen vor ihren Etablissements freuen. Manchen Kunden wurde die Wartezeit nach ihrer harten Arbeit in den Docks aber zu lang und sie gingen daher wieder. So wurden, um sie bei Laune zu halten, kleine Orchester engagiert, die angeblich den Tango orillero kreierten. Sein Name entstand, weil er an den Ufern (orillos) des Río de la Plata gespielt wurde.

In den 60er-Jahren war der Rock and Roll in Argentinien so populär, dass der damalige Präsident ein Dekret unterzeichnete, das die Radiostationen zwang, jede Stunde einen Tango zu spielen.

Eintrag # 8

0

Autorin:

Karin

Geschrieben am:

06.08.2009 17:51:00

Tangogebote

Die 10 Tango-Gebote vom Osterfestival in Basel 2009 - von uns kommentiert
 

1. The man shall address the woman from a middle distance with a cabezeo
Auffordern mit Blickkontakt bzw. Zunicken aus einer mittleren Distanz (für die Kurzsichtigen unter uns) ist die richtige Methode, um sowohl Frauen als auch Männern zu verstehen zu geben, dass man gerne mit ihnen tanzen möchte. Reagiert der gewünschte Tanzpartner nicht darauf, ist es in Buenos Aires absolut unüblich, ihn verbal zum Tanz zu bitten, kommt aber in Europa (leider) immer öfter vor. Kommt auch nicht gut: von hinten antippen und so überrumpeln ...

2. You shall dance in circles
Es gibt einen äußeren und einen oder auch mehrere innere Kreise auf der Tanzfläche, innerhalb derer man sich immer nur in eine Richtung bewegen soll. Wer in Buenos Aires gegen die Tanzrichtung unterwegs ist oder rücksichtslos tanzt, erntet böse Blicke und wird oft sogar so "eingesperrt", dass er aus seiner Ecke nicht mehr wegkommt.

3. The circles shall be in a continuous flow
und dort soll man sich auch bewegen und die anderen Paare nicht über Gebühr aufhalten - dann muss man auch nicht überholen und es kommt zu keinen Staus. Am schösten ist es, wenn der Tanz fließt und alle immer in Bewegung sind, vor allem beim vals.

4. While dancing men and women shall be awake
Zumindest der Herr muss während des Tanzens die Augen offen halten, auch wenn es manchmal schwerfällt :-)))  Die Damen verlassen sich darauf, dass sie nirgends anstoßen und haben ja hinten keine Augen (abgesehen davon, dass sie ohnehin meist geschlossen sind). Boleos, ganchos und sacadas nur dann führen, wenn kein anderes Paar (oder Tische/Sessel etc.) in Gefahr ist, etwas abzubekommen. Auch weit ausholende Verzierungen der Damen sind nur dann angebracht, wenn vom Platz her die Möglichkeit dazu besteht.

5. The couple's embrace shall be light and tender
Klammergriffe sind out - zu enge Umarmungen sind nicht nur unangenehm, sie schränken die Damen auch in ihrer Bewegungsfreiheit ein und machen das Tanzen noch schweißtreibender, als es ohnehin schon ist. Die Damen sollten ebenfalls in ihrer eigenen Achse stehen und sich nicht am Tanzpartner festkrallen.

6. You shall dance to the music
Tanze zur Musik  - aber mach' kein Wettrennen mit ihr. Auch wenn das Figurenrepertoire eines Tänzers/einer Tänzerin nicht übermäßig groß ist, kann es ein sehr schönes Tanzerlebnis sein, wenn er/sie in der Musik tanzt.

7. Men and women shall have good breath and charming perfume
Ein angenehmer Duft erfreut sowohl die Damen- als auch die Männernasen. Zum Glück gibt es im 21.Jhdt. jede Menge Parfums, Deos, Kaugummis und den Atem erfrischende Zuckerl.

8. During a tanda you shall not change partners
In Benos Aires umfasst eine tanda 3 - 5 Tänze, bei der cortina (= Zwischenmusik) trennen sich die Tanzpartner wieder. Das vorzeitige Beenden einer tanda oder gar eines Tanzes drückt Missfallen aus. Werden in Europa cortinas gespielt, umfasst eine tanda in der Regel 4 Tänze: Einen zum Begrüßen, einen zum Kennenlernen, einen zum Genießen und einen zum Verabschieden. PuristInnen beschränken sich auch ohne cortina auf 4 Tänze.
 
9. You shall keep your tango alive
Auch für den Tango gilt - regelmäßiges Lernen und sich Weiterentwickeln sind wichtig, um ihn in uns am Leben zu erhalten.

10. You shall respect and cherish your god
... es heißt, nicht WIR suchen uns den TANGO aus, sondern ER UNS.

Eintrag # 7

0

Autorin:

Karin

Geschrieben am:

09.07.2009 17:50:00

Hier geht's um Verzierungen

... als Freiräume und Spielräume, die von einem der Tanzenden im Paar dem anderen Part eingeräumt und die als Geschenk vom anderen Part wahrgenommen und selbstständig genutzt werden.

 

https://home.foni.net/~tangotanz/extras03.htm

Eintrag # 6

0

Autorin:

Karin

Geschrieben am:

04.05.2009 17:51:00

Salzburger Tangoball - Wie fordere ich auf?

Passt zu Enricos Gästebucheintrag vom 2.5.:

Auch wir waren am Wochenende in Salzburg, und zwar am Samstag beim Tangoball im Marmorsaal. Es war eine sehr gelungene Veranstaltung, das Trio Susanna Pocz in Höchstform und auch die Musik aus der Konserve von Francine sehr schön ausgewählt. Die Anzahl an möglichen TanzpartnerInnen war auch zufriedenstellend, aber... und jetzt komme ich auf  die "nicht so gastfreundlichen" Männer zu sprechen:

Man sollte es vielleicht als Ehre empfinden, aber mir persönlich bereitet es eher Stress: Von 6 verschiedenen Damen wurde ich insgesamt 7x gefragt, ob ich mit ihnen tanzen möchte, würde, wie auch immer. Ich gehe mal davon aus, dass die Salzburger Herren auch diesbezüglich ziemlich eingeteilt werden und daher kaum Freiräume haben, um Tangueras von auswärts aufzufordern.
Mal nachrechnen: Mit der eigenen Partnerin möchte man (ich jedenfalls) ein paar Tandas tanzen, dann noch 6x (zumindest) 4 Tänze = 24x 3-4 Minuten = ca. 1,5 Stunden ohne Pause, also viel Zeit zum Auswählen bleibt den Herren nicht, die aus Höflichkeit jeder Aufforderung nachkommen.
Das haben wir noch an keinem Ort so extrem erlebt, wie in Salzburg und es tut mir leid, wenn ich mit meinen "Körben" einige Tänzerinnen gekränkt habe, mit denen ich zwar prinzipiell gerne getanzt hätte, die aber auf meine Initiative nicht warten wollten.
Da für die Damen von auswärts damit sehr lange Tanzpausen vorprogrammiert sind, hält sich die Lust, nach Salzburg zum Tanzen zu fahren, für das nächste Mal daher eher in Grenzen.
 
Wir möchten daher sowohl die DAMEN als auch die HERREN auf das erste der zehn "Gebote" aufmerksam machen, die am Festival in Basel sehr amüsant präsentiert wurden:

Schön zum Auffordern ist der Cabeceo (Nicken) - oder das Auffordern per Augenkontakt. Ursprünglich stammt dieser Brauch aus jener Zeit, in der die jungen Töchter "aus gutem Hause" von den Müttern begleitet und abgeschirmt zur Milonga kamen und sich so nicht mit fremden Männern zu einem Tanz verabreden konnten. Heimlichkeit war also angesagt - und ist es noch heute: Von weitem lässt man seinen Blick über die potentiellen TanzpartnerInnen schweifen und nickt dem/der "Auserwählten" kurz zu, hebt die Augenbrauen, blinzelt oder macht sich anderweitig bemerkbar. Reagiert der/die Angesprochene, so trifft man sich an der Tanzfläche: Sie wählt den direkten und kürzesten Weg dorthin, der Mann holt sie ab.

Heute ist dieser Brauch eigentlich überflüssig - sind die Frauen doch emanzipiert und können durchaus mit einem fremden Mann zur Milonga gehen. Dennoch wird dieser Brauch gerne und ausgiebig praktiziert. Sein Vorteil und sein Reiz liegen nicht im Annehmen, sondern im Ablehnen: Will man nicht mit diesem Partner tanzen, so genügt ein einfaches Wegsehen - und keiner der beiden hat sein Gesicht verloren, weil er gefragt und einen Korb bekommen oder sich mit einer Notlüge entzogen hat.

Was meint Ihr dazu?

 

Kommentar von Magdalena, Salzburg:

Lieber Gerhard!

Danke für Deinen Hinweis zu diesem Artikel!

Ich bin auch der Meinung, dass nonverbale Blicke-Auffordern seinen Reiz hat und empfinde es auch als entgegenkommend, dass man noch "nein" sagen kann. Ich würde sogar noch weiter gehen und auf 2 Blicke bestehen. Der erste dient zum Signalisieren, dass man mit dem anderen tanzen möchte. Dann gibt man ihm die Chance zu überlegen und beim zweiten Blick erst entscheidet sich, ob das was wird oder nicht. Wenn das Objekt der Tanzbegierde dann wegschaut, weiß man, woran man ist, ohne sich vor den Leuten zu blamieren.
Ich glaube auch, dass man sich selber dadurch unter Umständen unangenehme Tänze erspart. Wenn der aufgeforderte nicht soooo freiwillig mit einem tanzt, spür ich das schließich.

Mir geht es ähnlich, wenn auch die Sachlage ein bisschen anders ist: In manchen (kleinen) Szenen ist es üblich, mit möglichst allen Frauen zu tanzen, damit diese nicht zu lang sitzen. Da wird man als Frau auch direkt aufgefordert und es wird erwartet, dass man sich freut - das ist bei mir nicht immer der Fall!

Zu Deinem Salzburg-Erlebnis hab ich zwei Gedanken:
Einerseits ist die Szene so klein, dass sich normalerweise ohnehin niemand blamiert, jeder weiß, wer mit wem gerne tanzt und deshalb sagt auch selten wer nein.
Andererseits haben wir hier in Salzburg leider nur ganz wenige angenehme Tänzer. Deshalb werde sehr gute Tänzer, wie Du zweifelsohne einer bist, Gerhard, möglichst schnell gekrallt - ohne Rücksicht auf Verluste.

Soweit meine Gedanken zu dem Thema! Ich hoffe, ich bin nicht zu weit abgeschwiffen...

Liebe Grüße, Magdalena.

Eintrag # 5

0

Autorin:

Karin

Geschrieben am:

01.04.2009 22:00:00

Figurensucht

Oft verflacht der Tango gerade im Ausland zu einer choreographischen Hülle, einem Figurenpanzer. Auf Grund des fehlenden Stimulus des Umfeldes, vielleicht auch, weil man glaubt, durch eigenes Interpretieren die Authentizität zu gefährden.

Tatsache ist, dass die intensive Lebendigkeit des Tanzes ohne ein unmittelbares Vorbild oder den Rahmen des natürlichen Umfeldes verblasst. Viele Tänzer versuchen dieses fehlende Gefühl zu ersetzen und das "Gefühlsloch" zu füllen. Meist geschieht dies jedoch nicht durch das Suchen stimulierender Inhalte, sondern durch die Vergrößerung des Repertoirs und höhere Schwierigkeitsgrade.

Dieser Prozess bietet dem Tänzer zwar den Rausch der Aufregung, treibt ihn aber in seiner verzweifelten Suche nach Inhalt paradoxerweise zu choreographischer Arbeit. Ein Rausch, der auf der "Leistungsidee" basiert: Der natürliche Kreislauf des Tango kippt um, ihm fehlt der Zugang zum Fluss der Lebendigkeit. Der Tanz alleine kann sich nicht ernähren, aus der Bewegung allein kann die tanguidad nicht entstehen. Der Tänzer setzt aus dem Defizit an Emotionalität heraus die Bewegungsimpulse immer höher. Er tanzt schwierige Figuren und hat im ersten Moment damit Erfolg. Der Adrenalinspiegel steigt im Moment der Anspannung und Herausforderung. Das ersehnte Kribbeln stellt sich ein, doch schnell ist dieser Effekt abgenutzt. Und so schraubt sich die Spirale höher und höher. Das Dilemma einer sich endlos windenden Leistungsschraube. Immer mehr und immer stärker müssen die Bewegungen werden, damit überhaupt eine Stimulation stattfindet. Ein quälendes Gefühl der Leere macht sich breit, das in eine Art Figurensucht mündet.

Es ist wichtig, diesen Kreislauf zu durchbrechen (oder ihn erst gar nicht entstehen zu lassen). Niemals darf das Design, die Form an sich, im Vordergrund stehen. Niemals darf eine Schrittfolge wichtiger sein als das "Warum". Gloria Dinzel sagt, stellvertretend für viele Argentinier: "Se baila con el corazón". ("Man tanzt mit dem Herzen".)

Zitiert aus: "Tangodimensionen" von Nicole Nau-Klapwijk

Eintrag # 4

0

Autorin:

Karin

Geschrieben am:

27.02.2009 21:54:00

Malena

Malena canta el tango como ninguna
y en cada verso pone su corazon.
A yuyo del suburbio su voz perfuma,
Malena tiene pena de bandoneon.

Malena singt den Tango wie keine andere
und legt ihr Herz in jeden Vers hinein.
Den Duft von Vorstadtunkraut gibt sie ihrer Stimme,
und es ist der Kummer des Bandoneon den sie hat.

Tal vez, alla en la infancia, su voz de alondra
tomo ese tono oscuro del callejon,
o acaso aquel romance que solo nombra
cuando se pone triste con el alcohol.

Vielleicht erhielt ihre Lerchenstimme dort in der Kindheit
diese dunkle Färbung einer engen Gasse,
oder es war jene Romanze, von der sie nur spricht,
wenn der Alkohol sie traurig macht.

Malena canta el tango con voz de sombra;
Malena tiene pena de bandoneòn.

Malena singt den Tango mit Schattenstimme;
Malena hat den Kummer des Bandoneon.

Tu cancion
tiene el frio del ultimo encuentro,
tu cancion
se hace amarga en la sal del recuerdo.
Yo no se
si tu voz es la flor de una pena,
solo se que al rumor de tus tangos, Malena,
te siento mas buena,
mas buena que yo.

Dein Lied
hat die Kälte der letzten Begegnung,
Dein Lied wird bitter im Salz des Abschieds.
Ich weiß nicht
ob Deine Stimme die Blume eines Kummers ist,
ich weiß nur, dass beim Rauschen Deiner Tangos, Malena,
ich Dich für besser halte,
für besser als mich.

Tus ojos son oscuros como el olvido,
tus labios, apretados como el rencor,
tus manos, dos palomas que sienten frio,
tus venas tienen sangre de bandoneon.

Deine Augen sind dunkel wie das Vergessen,
Deine Lippen zusammengepresst wie der Groll,
Deine Hände, zwei Tauben, die frieren,
Deine Adern haben das Blut des Bandoneon.

Tus tangos son criaturas abandonadas
que cruzan sobre el barro del callejon,
cuando todas las puertas estan cerradas
y ladran los fantasmas de la cancion.
Malena canta el tango con voz quebrada;
Malena tiene pena de bandoneon.

Deine Tangos sind verlassene Geschöpfe,
die den Schlamm der Gasse überqueren,
wenn alle Türen geschlossen bleiben
und die Liedgespenster bellen.
Malena singt den Tango mit matter Stimme;
Malena hat den Kummer des Bandoneon.

Text: Homero Manzi, Musik: Lucio Demare

deutsche Übersetzung: Dieter Reichardt

Eintrag # 3

0

Autorin:

Karin

Geschrieben am:

16.02.2009 21:48:00

Pausen tanzen

Der Tango ist wohl der einzige Tanz, in dem die Nichtbewegung Teil des Tanzes ist. Der Moment, an dem das Paar scheinbar stillsteht. In den Worten des milonguero Gerardo Portalea: "Hay que bailar los silencios. Hay que bailar los violines. Aunque no existan." (Man muss die Stille tanzen. Und die Violinen. Auch wenn es sie nicht gibt.) Die Entdeckung der Pause ist ein wichtiger Aspekt der Dynamik. Bis ich die Pause im Tango entdeckte, war Tanz für mich immer Bewegung. Ich bewegte mch rhythmisch, schwungvoll zum Takt, schnell oder langsam. Doch immer war ich in Bewegung. Jeden Stopp im Tango empfand ich anfangs als ein Nicht-Tanzen. Jede Figur erriet ich mit Leichtigkeit und war schon weg, bevor mein Partner mich durch seine Führung ausdrücklich darum bitten konnte. Ich war leichtfüßig und geschmeidig, anmutig und kreativ, wenn es darum ging, Bewegung zu entdecken.

Dann, eines Tages, stand das Paar plötzlich still. Ricardo und ich, mitten in einer Bewegung. Es war eine andere Stille als bisher. Kein Stoppen, sondern ein in sich schwingendes inneres Bewegen. Ein Verhalten in Erwartung.

Ist ein Paar in Bewegung, so liegt die hauptsächliche Aufmerksamkeit im Beinbereich. Dies wird besonders auffällig bei hohem Tempo der Bewegungsabläufe. In der Stille jedoch sind die Beine plötzlich stumm. Dies hat zur Folge, dass alle Aufmerksamkeit in die Oberkörper wandert und damit die Bedeutung der engen Umarmung wächst. Dies ist der Moment höchster Spannung, auch weil jetzt nichts mehr ablenken kann von dem, was wirklich ist. Die Pause ist "die Sekunde der Wahrheit". Während man in der Bewegung so alles mögliche "weghampeln" kann, muss man beim Tanzen der Pausen wirklich alles mögliche "aushalten" können.

Nicht jeder Tangotänzer tanzt die Pause. Pausen zu tanzen ist nicht nur eine Frage des Könnens, sondern auch eine Frage des Stils und sicherlich auch eine Temperamentsache. Pausen tanzen ist ein Hochtreiben der Spannung. Ein Deckel, der verhindert, dass der Dampf dem kochenden Topf entweichen kann. Ein Zurückhalten und Verweigern der Entladung.

Die Könner und Genießer wissen, dass sie im Tango möglichst wenig Spannung entladen dürfen, um in den höchsten Genuss zu kommen. Ein guter und erfahrener Tangotänzer tanzt maximal die Hälfte dessen, was ihn bewegt. Niemals alles. Diese Zurückhaltung bewirkt, dass der Tänzer die eigene Spannung nicht verliert, sondern sie potenziert. Es ist ein ständiges Gegenhalten und Innehalten, ein "noch nicht" oder "nicht jetzt". Ein Verhalten, das den Tango nährt.

Man kann sich Pausen nehmen voneinander und füreinander. Sie entstehen wie der Wunsch für ein wenig mehr Zeit. Zeitlos und genussvoll. Der Tanz verzögert sich, langsam oder abrupt, bis er zum Stillstand kommt. Die Pause verbindet das Paar. Bereitet es vor. Ein Körper mit 4 Beinen, der wie aus einer Seele tanzen wird. Während der Pause fließt die Musik weiter. Der Rhythmus zieht vorbei und pulsiert dennoch. Man muss ihn ziehen lassen können - bis der Moment gekommen ist für den gemeinsamen Schritt.

Zitiert aus: TANGO Dimensionen von Nicole Nau-Klapwijk (Verlang Kastell), erhältlich bei amazon.

Eintrag # 2

0

Autorin:

Karin

Geschrieben am:

18.01.2009 21:36:00

Schon gewusst?

1)    agua natural y sin gas = ungekühltes Mineralwasser ohne Kohlensäure. Für uns die wichtigsten Worte im täglichen Überlebenskampf in Buenos Aires. Die Argentinier servieren üblicherweise die Getränke ansonsten sehr kalt und mit Eiswürfeln. Zusammen mit der aire acondicionado, die meist auf Stufe mörderisch steht, für EuropäerInnen der sicherste Weg, rasch die Stimme zu verlieren.

2)    Klammergriff: wurde in den Anfängen des Tangos dafür eingesetzt, dem Kopf der Tanzpartnerin möglichst wenig Bewegungsfreiheit zu geben und es ihr dadurch unmöglich zu machen, anderen Tangueros während des Tanzens schöne Augen zu machen - gut, dass es uns heute in dieser Hinsicht besser geht

3)    Teatro Colon: ist eine kleine Stadt in sich und beschäftigt ca. 1500 Personen. Im Mai 2008 feierte es seinen 100. Geburtstag. Für viele gilt es als das schönste Opernhaus der Welt mit einer herausragenden Akustik. In seinen unterirdischen Archiven lagern mehr als 36.000 Perücken und 30.000 Hüte. Weiters stehen 80.000 Kostüme und 45.000 Paar Schuhe für die diversen Aufführungen zur Verfügung - aber laut Gerhard ist das gar nichts gegen den Fundus in meinem Schrankraum

4)    CITA: bedeutet auf Spanisch Verabredung und ist gleichzeitig der Name eines großen Tangofestivals, das jährlich im März in Buenos Aires stattfindet. Die besten und interessantesten argentinischen LehrerInnen halten sich dann in der Stadt auf und unterrichten Lernwillige aus der ganzen Welt. Die Showtäze sind auf DVDs erhältlich, aber leider incl. Versand und Zoll sehr teuer.

Eintrag # 1

0

Autorin:

Karin

Geschrieben am:

05.01.2009 21:30:00

Buchrezensionen

Buchrezensionen von Karin


Drei Minuten mit der Wirklichkeit
von Wolfram Fleischhauer

Ein Buch, das jede/n begeistert, der selber Tango tanzt, und auch diejenigen fesselt, die etwas über Argentinien und seine jüngere politische Vergangenheit erfahren wollen. Eine Liebesgeschichte, die zum Politthriller wird. Man merkt an der intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema, dass Wolfram Fleischhauer selber tanzt. Nicht von ungefähr hat er als Buchtitel den Namen eines Stückes von Astor Piazolla gewählt.

Empfehlen kann ich von diesem Autor auch "Die Schule der Lügen", "Die Purpurlinie" und "Die Frau mit den Regenhänden". An "Das Buch, in dem die Welt verschwand" bin ich nach 300 Seiten gescheitert.
Wolfram Fleischhauer ist ein spannender Erzähler, der alle seine Bücher präzise recherchiert und Unterhaltung auf hohem literarischem Niveau bietet.

Alle Bücher sind bei amazon im paperback erhältlich.


Tango Tanzen in Buenos Aires
von Maike Christen

Hier finden die Glücklichen, die eine Reise nach Buenos Aires planen, interessante Informationen für einen gelungenen Aufenthalt. Die einzelnen Kapitel befassen sich sowohl mit den Reisevorbereitungen (Unterkunft finden, Geld wechseln, die beste Reisezeit usw.), als auch mit den ersten Schritten in Buenos Aires (z.B. Verkehrsmittel,  Verhaltenstipps bei Tag und Nacht).
Hinweise auf Tango-Musik, Tango-Mode und vor allem die Schuhgeschäfte dürfen in einem solchen Buch natürlich auch nicht fehlen.  
Weiters werden die 20 aus Sicht der Autorin besten Milongas besprochen und einige Tango-Lehrer werden im Porträt vorgestellt.
Abgerundet wird der übersichtliche Band, der in keinem Handgepäck fehlen sollte, mit Empfehlungen für Tango-Orte und andere sehenswerte Plätze.

Auch dieses broschierte Buch kann man bei amazon bestellen.


Der Buenos Aires: Reiseführer
von Peter Glaus

ist dagegen sehr enttäuschend. Fehlerhaft von den Inhalten her, stilistisch schlecht und orthografisch unter jeder Kritik. Die Kosten für dieses Buch sollte man sich sparen.

 

Buenos Aires Intensiv
von Heinz Peter Schwerfel

Vor allem für diejenigen interessant, die bereits in Buenos Aires waren und ihre Eindrücke mit denen des Autors vergleichen wollen, der mit einer Argeninierin verheiratet ist und schon viele Jahre in der Metropole am Rio de la Plata lebt und daher eine sehr genaue Sicht auf die Portenos und ihre Stadt hat.

Liebevoll aber auch kritisch, mit Humor und feiner Beobachtungsgabe beschreibt er Ausschnitte aus dem Leben von Architekten, Psychotherapeuten und Busfahrern, setzt sich mit Literatur, Geschichte und Politik auseinander, berichtet vom Alltag und vom Nachtleben in der argentinischen Hauptstadt, von Vergangenheit und Zukunft, und zieht einen mit diesen Geschichten in seinen Bann.
Kurios: Die Schönheitschirurgie boomt (auch bei Präsidentin Christina Fernandez de Kirchner) und Buenos Aires hat eine höhere Dichte an PsychoanalytikerInnen als New York.

Fazit: ein sehr informatives, lebendig geschriebenes Sachbuch, das ich immer wieder gerne zwischendurch hervorgeholt habe, um einzelne Kapitel zu lesen und das mit den Worten "Suerte Buenos Aires" endet.

 

Fortsetzung folgt ...

Seite: 17

Gehe zu Seite: