Tango kann (noch) mehr ... von Karin (15.04.2010 16:16) 
0 Kommentar(e)
Tanzen macht glücklich, ist gut für die Fitness und macht Spaß. Aber nicht nur das ...


TänzerInnen trainieren wichtige Fähigkeiten und senken so ihr Demenzrisiko. Die Beweise dafür lieferten die Hirnforscher Steven Brown und Michael Martinez, die untersuchten, welche Gehirnregionen beim Tanzen aktiv sind. Dazu legten sie nacheinander fünf weibliche und fünf männliche Amateur-Tangotänzer in den Kernspintomographen und befestigten eine Platte so am Fußende, dass die Füße der TänzerInnen darüber gleiten und einfache Tangoschritte ausführen konnten. Über Kopfhörer wurde Musik eingespielt. Im ersten Durchgang sollten die Probanden zur Musik Tangoschritte auf der Platte machen, im zweiten Durchgang willkürlich ihre Beine bewegen.

Wie die Forscher erwarteten, waren in beiden Durchgängen die motorischen Gehirnregionen der Probanden aktiv. Doch beim Tango feuerten die Neuronen auch noch an einer anderen Stelle stark: im Precuneus, wichtig für Orientierung und Raumsinn. Sensoren in Muskeln und Gelenken übermitteln Informationen dorthin. Deshalb sprechen die Wissenschaftler auch vom Bewegungssinn. Mit seiner Hilfe nimmt der Mensch Bewegungen und Gelenkpositionen wahr. " Der Precuneus ist eine Art kinästhetische (= den Bewegungssinn betreffende) Landkarte, die es dem Menschen erlaubt, seinen Körper im Raum zu navigieren", erklärt Brown. Beim Tanzen, schließt der Hirnforscher, ist diese Raumwahrnehmung offenbar besonders ausgeprägt.

Wie die Wissenschaftler schon länger wissen, ist das kinästhetische Sinnessystem stark mit anderen Hirnfunktionen wie Gedächtnis, Sprache, Lernen und Emotionen verknüpft. "Bewegung beschleunigt das Gehirn zu maximaler Leistung", deutet der Psychologe und Experte für Gehirnjogging Siegfried Lehrl, die neuen Befunde. Die Tangotänzer-Studie deckte auch auf, warum rhythmische Musik viele Menschen dazu bringt, z.B. mitzuklatschen oder mit dem Fuß zu wippen. Voraussetzung dafür ist, dass das Gehirn Rhythmen erkennt, vergleicht und in Beziehung zu gespeichertem Wissen setzt. Das heißt, je bekannter ein Rhythmus ist, desto stärker wird die Bewegung provoziert.

Steven Brown stellte fest, dass beim Tanzen mit Musik der sogenannte Kleinhirnwurm aktiver ist, als wenn die musikalische Untermalung fehlt.
"Diese Hirnregion fungiert als eine Art neuronaler Taktgeber und ist mit den auditorischen, visuellen und somatosensorischen Systemen im Gehirn verbunden", erklärt Brown. Auch das vestibuläre System in Innenohr und Kleinhirn, das den Gleichgewichtssinn steuert, ist notwendig für die Verbindung von Bewegung und Rhythmus. Das unterstützt die gängige These, dass Tanzen und Musizieren in der Menschheitsgeschichte zur gleichen Zeit entstanden sind. Zum Tanzen braucht der Mensch ähnlich komplexe sensomotorische Fähigkeiten wie zum Erlernen eines Musikinstruments.

Doch das Tanzen hat für die Entwicklung des Menschen noch eine weit größere Bedeutung als das Musizieren: Es trainiert die Fähigkeit zum Nachahmen. Die Forscher fanden heraus: Wenn man sich nur vorstellt, Wal zer zu tanzen, arbeitet das Gehirn in den gleichen Regionen, wie wenn man tatsächlich Walzer tanzt. Beim Tanzen nur zuzuschauen genügt schon, um die entsprechenden Hirnregionen zu aktivieren -und zwar umso stärker, je bekannter der Tanz ist.

Zitiert aus:
http://houseofchi.wordpress.com/tag/parkinson/


Eine Psychologin in Frankfurt hat sich gefragt, was eigentlich die Glücksgefühle beim Tanzen auslöst - und warum sie manchmal ausbleiben. Ihre im Herbst 2009 veröffentlichte Studie, die sich mit einem jungen, aber immer wichtigeren Fachgebiet der Psychologie, der Psychoendokrinologie (= Messung von Gefühlen anhand der Hormone, die sie steuern) befasst, belegt, dass sich TangotänzerInnen nicht nur über positive Auswirkungen auf die Gesundheit, sondern auch über ein besseres Liebesleben freuen dürfen.

Wie die kolumbianische Psychologin Cynthia Quiroga Murcia im Rahmen ihrer Doktorarbeit an der Goethe-Universität Frankfurt herausfand, nimmt das mit Stress assoziierte Hormon Cortisol beim Tanzen ab, während der Körper beider Partner - also auch der der Frauen - in erhöhtem Maß das Sexualhormon Testosteron ausschüttet. Was nach Ansicht der Psychologin wohl auch damit zusammenhänge, dass die Partnerinnen bei der Tanzausführung heute durchaus ein Wörtchen mitzureden hätten.

Die Wissenschaftlerin hatte 22 Paaren vor und nach dem Tanzen Speichelproben entnommen, darin die Hormonkonzentration ermittelt und zusätzlich die TänzerInnen um eine Einschätzung ihrer Emotionen gebeten. Um herauszufinden, ob die positiven psychobiologischen Effekte eher auf die Musik, die Bewegung oder die Berührung mit einem/r PartnerIn zurückgehen, untersuchte die Psychologin die Faktoren getrennt und in verschiedenen Kombinationen.

Ergebnis: Die Reduktion des Stresshormons Cortisol ist vor allem der Musik zu verdanken, während die Ausschüttung von Testosteron auf den Kontakt und die Bewegung mit dem Partner zurückgeht.

Quelle:
http://www.dradio.de/dlf/sendungen/forschak/1117758/



Resümee:

Neben allen für uns spürbaren positiven Auswirkungen des Tangotanzens sind auch noch folgende Aspekte interessant:

Der Ansatz von PaartherapeutInnen, den bei ihnen Ratsuchenden Tangotanzen als Möglichkeit zu verordnen, der Beziehung zu frischem Schwung zu verhelfen, ist unter Berücksichtigung der oben angeführten Forschungsergebnisse sehr erfolgversprechend.

In Buenos Aires gibt es ein die medizinische Therapie unterstützendes Programm für Brustkrebspatientinnen, denen das regelmäßige Tangotanzen ermöglicht wird, um ihnen wieder zu mehr Lebensfreude zu verhelfen und sie damit im Kampf gegen die Krankheit zu unterstützen.

Tangotanzen wird von HirnforscherInnen als Möglichkeit gesehen, den Verlauf von Demenz und Parkinson zumindest zu verlangsamen. Dazu gibt es in der aktuellen Ausgabe von Tangodanza einen Beitrag, der mir leider nur als Leseprobe zur Verfügung steht.

http://www.tangodanza.de/shop_content.php/coID/200/product/leseprobe.html/active/19/XTCside9a535f2b1d7c764739530e16b6a1e1


Alles in allem also viele Gründe mehr, weiter fleißig das (Tango-)Tanzbein zu schwingen!

 CAFE DE LOS MAESTROS: DVD-Tipp von Karin (08.02.2010 07:22) 
0 Kommentar(e)
Cafe de los maestros - Die großen Meister des Tangos


Eines gleich vorweg: In diesem Film gibt es bis auf einen kurzen Ausschnitt, in dem Chicho und Juana in der Freiluftmilonga "Glorietas" tanzen, keine Tanzszenen. Und auch das Konzert der Meister des Tangos wird nur in kurzen Sequenzen dokumentiert. Bonusmaterial ist leider ebenfalls kaum vorhanden. Und trotzdem kann ich Euch diese DVD aus ganzem Herzen empfehlen:

Für den Film "Cafe de los maestros" von Miguel Kohan hat der zweifache Oscar-Gewinner Gustavo Santaollala als Produzent alle großen Musiklegenden des Tango für einen Auftritt im Teatro Colon in Buenos Aires vereinigt. Die ZuseherInnen bekommen Einblicke in die Vorbereitungen und Proben, lernen die KünstlerInnen näher kennen und auszugsweise werden die Höhepunkte des Konzerts gezeigt. Beeindruckend, wie virtuos die Musiker ihre Instrumente beherrschen und im Stil des goldenen Zeitalters bekannte und weniger bekannte Stücke in riesiger Besetzung darbieten.

Sehr berührend ist ein von Juan Carlos Godoy gesungener Tango und auch Virginia Luque reißt mit ihrem Auftritt das Publikum im Saal und vor dem Fernsehrschirm mit und bezaubert mit ihrem Charisma.

Auf einem Plakat in einem Cafe, in dem ebenfalls gedreht wurde, steht zu lesen: "Viele werden älter, manche reifen an Jugend." Wenn man die Begeisterung und den Elan der alten Herren sieht, weiß man, wie sehr dieser Spruch auf sie zutrifft.

3 der Mitwirkenden, unter ihnen der großartige José Libertella, Ensemblemitglied des Sexteto Mayor, sind kurz nach den Dreharbeiten verstorben. Ein kleiner Trost, dass sie an diesem Film noch mitarbeiten konnten.


Eingeleitet wird das Konzert mit den Worten: "Das einzige, das wir mit Europa nicht diskutieren werden, ist der Tango." Wenn man diesen Film gesehen hat, weiß man, dass dieser kulturelle Anspruch zu recht besteht, weil man den Tango mit all seinen Facetten nur in Buenos Aires auch leben kann.


Aber Hauptsache, auch Tänzer (und vor allem TänzerInnen) aus Europa können mit dem Tango weiter in den siebten Himmel tanzen.


Erhältlich z.B. bei amazon.

http://www.amazon.de/s/ref=nb_sb_ss_c_1_12?__mk_de_DE=%C5M%C5Z%D5%D1&url=search-alias%3Ddvd&field-keywords=cafe+de+los+maestros&sprefix=cafe+de+los

 Tango als soziale Utopie? von Karin (10.12.2009 09:05) 
1 Kommentar(e)
In letzter Zeit haben wir uns manchmal mehr Rücksichtnahme auf den Milongas gewünscht. Vor allem, wenn die Tanzfläche sehr voll ist, ist noch größere Achtsamkeit als sonst erforderlich, sowohl der/dem TanzpartnerIn als auch allen anderen Tanzenden gegenüber. Auf Figuren, die viel Platz brauchen, muss dann verzichtet werden und auch die Bewegungen und Schritte müssen kleiner ausfallen als sonst. Dies gilt für fortgeschrittene Tänzerinnen und Tänzer umso mehr - Neueinsteiger haben genug damit zu tun, sich gemeinsam mit der Partnerin in der Musik und im Tanzfluss zu bewegen.

Auch Fabiana ist im Kurs für die weit Fortgeschrittenen genau auf dieses Thema eingegangen - Tango auf einer Milonga ist nicht nur ein Paartanz, sondern auch ein Gesellschaftstanz und somit übernimmt auch jede/r für jede/n Verantwortung.



Dazu passt der folgenden Teil eines Kapitels aus dem Buch "Tango – Die einende Kraft des tanzenden Eros" von
Ralf Sartori und Petra Steidl:

Das Ideal des Salons – Tango als soziale Utopie?
Das Tangopaar taucht zwar in sein ganz eigenes metaphysisches Universum ein, teilt diese Erfahrung aber mit all den anderen Tänzern, mit denen es gemeinsam den Salon bildet. Menschen aller sozialen Schichten, verschiedenster Berufe, Interessen und Altersgruppen treffen sich beim Tango. Und doch verbindet sie eines: Die magische Anziehung, die der Tango auf sie ausübt. Er veranlasst sie, die Nächte zusammen zu verbringen, einander kennenzulernen, indem sie beobachten, miteinander tanzen, ihre Partner tauschen, miteinander reden oder einfach nur zusehen.

Der Tango lehrt uns, aufeinander einzugehen. Er funktioniert nicht mit Ellbogenmentalität, sondern verlangt uns Achtsamkeit und einen sensiblen Umgang ab. Jedes Tangoparkett ist ein Paradies für einen Chaosforscher. Jeder Führende muss in seinem Tanz pausenlos die Bewegung aller miteinbeziehen. Man kann nicht einfach etwas durchziehen, das man sich vorgenommen hat. Man lernt vielmehr, spontan alle Möglichkeiten zu nutzen, die sich gerade bieten, ohne sich ein Mehr auf Kosten der Bewegungsfreiheit anderer Paare zu erzwingen. Doch leider sieht die Wirklichkeit auf den europäischen Tanzflächen oft anders aus. Sie ist den Werten des Tangos meist exakt entgegengerichtet und führt ihn nicht selten dadurch ad absurdum. Man versucht dort, auf Kosten anderer zu glänzen und den Salon als Bühne zu erobern. Man glaubt an die Macht komplizierter Figuren und gibt ihnen gegenüber der Verdichtung, der Formvollendung und Musikalität des eigenen Tanzes den Vorrang. Zum Teil liegt es sicherlich an den Tanzlehrern, doch nicht zuletzt werden dem Tango seine Figuren wohl deshalb zum eigenen Grab, da ihm die Luft, die ihn vom Zeitgeist her anweht, und der allgemeine Umgang miteinander nicht allzu gut bekommt. Der Tango stammt aus einer Kultur und Zeit, in der die Menschen noch sehr viel darauf gaben, Klasse zu haben. Man leistete sich gern den Luxus, eine Haltung zu besitzen und diese auch zu leben. Individuelle Formvollendung galt durchaus als Ideal, natürlich mit all den narzistischen Spielarten. Doch man hielt sich damals zumindest zugute, dass man seine Bewegungen in einer Form zu meistern verstand, die all den anderen Tanzpaaren ebenfalls maximale Bewegungsfreiheit zugestand. Da in den guten Salons darüber Konsens herrschte, drückte sich auf den entsprechenden Tanzflächen tatsächlich eine gesellschaftliche Utopie im Kleinen aus, nämlich das sich selbst, aus Eigenverantwortung und Achtsamkeit heraus regulierende harmonische Ganze.

Gerne veröffentlichen wir, sofern Ihr nicht ohnehin member sein, Eure Meinung auf unserer page. Email genügt.

 Das Bandoneón von Karin (25.10.2009 19:31) 
0 Kommentar(e)
Entstehungsgeschichte

Es wurde von dem deutschen Musiker und Techniker Carl Friedrich Uhlig in Chemnitz um 1835 erfunden und durch den Kaufmann Heinrich Band, nachdem es benannt ist, in Krefeld im Erzgebirge für religiöse Umzugsprozessionen als Bandonion "rheinischer Tonlage" produziert, nachdem er einige technische Adaptierungen vorgenommen hatte.

Später stellte auch der deutsche Hersteller Alfred Arnold Instrumente der angesehenen Marke AA (dobleA) her. Professionelle MusikerInnen besitzen eines oder mehrere Modelle dieser berühmten Manufaktur.

Erst 56, dann 100 und später 142 Töne in fast willkürlicher Anordnung machen ein Zurechtfinden extrem schwierig. Mit nahezu fünf Oktaven erreicht der kleine Kasten fast den Tonumfang eines herkömmlichen Klaviers.



Trotzdem wurde das Bandonion schnell zum Klavier der kleinen Leute und von sächsischen Bergleuten in ganz Deutschland verbreitet. 1927 waren im deutschen Konzertina- und Bandonionbund über 1.000 Vereine mit 14.000 Mitgliedern organisiert.

Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten fand der Boom jedoch ein jähes Ende, da die Nazis den Klang des Instrumentes für volksmusikalisch ungeeignet erklärten und 1935 der Konzertina- und Bandonionbund offiziell verboten wurde.

Die Fabrikation und der Export von bis zu 600 Instrumenten pro Monat gingen jedoch sogar während des Zweiten Weltkriegs weiter.

Das für den Tango so typische Instrument gelangte erst ein halbes Jahrhundert nach seiner Erfindung nach Buenos Aires. Man weiß nicht genau, wann und wie, doch es kursieren auch hier liebevolle Geschichten um das Mysterium seiner Erscheinung. So wird erzählt, dass 1908 ein Matrose in Buenos Aires an Land geht und sein ganzes Geld verspielt. Es bleibt ihm keine andere Wahl, als seinen lieb gewonnenen Begleiter, das Bandoneón, zu verkaufen, um seine Spielschulden zu begleichen. Manches spricht aber auch dafür, dass das Instrument bereits gute 10 Jahre früher das Land erreicht hat.

So funktioniert es

Das Bandoneón wird mit beiden Händen gleichzeitig gespielt, wobei jede Hand unabhängig von der anderen Töne und Akkorde spielt. Die Knopftastatur befindet sich auf der Außenseite der beiden Holzkästen, die in der Mitte mit einem Blasebalg verbunden sind. Insgesamt hat das Instrument 71 runde Tasten, die botones genannt werden. 33 diese Knöpfe befinden sich auf der linken Hand, 38 auf der rechten. Das Instrument wird durch ein Auseinanderziehen und Zusammenschieben der Holzkästen gespielt, wobei es wie eine Ziehharmonika Luft einzieht oder ausströmen lässt.

Das Bandoneón ist viertönig. Dies bedeutet, dass es praktisch aus 4 unterschiedlichen Instrumenten besteht, die gleichzeitig gespielt werden müssen. Diese Tatsache sichert allen Bandoneónspielern hohen Respekt, manchmal aber auch die Nachrede, ein wenig verrückt sein zu müssen, um überhaupt ein solches Instrument spielen zu können.

Bei gleicher Tastatur produziert das Instrument beim Auseinanderziehen andere Töne als beim Zusammenschieben. Während die rechte Hand helle Töne spielt, die wir voces (Stimmen) nennen und die an Klarinette und Geige erinnern, spielt die linke die bachos (Tiefen), deren Klangfarbe dem des Cellos ähnelt. Hinzu kommt, dass das Anschlagen links und rechts keine gleichen Noten produziert, sondern höchst unterschiedliche. Zusammengenommen, also in allen Kombinationen von links, rechts, zusammenschieben und auseinander ziehen, entstehen hier für jede Note 142 unterschiedliche Töne.

Der innere Bau

Das Herz des Bandoneón besteht aus dem peine, einem Kamm aus Metall. Der Kamm ist mit insgesamt 14 Zinken bestückt, wobei sich 8 auf der rechten Seite und 6 auf der linken befinden. Die Legierung dieses Metallkammes ist das große Geheimnis des Instruments. Heute scheint niemand mehr in der Lage, diese Legierung herzustellen und den typischen Klang des Bandoneóns zu erzeugen. Deshalb spielen alle großen Musiker auf Instrumenten, die Jahrzehnte alt sind. Das Ein- und Austreten der Luft wird durch ein Ventil geregelt, dessen Hebel mit dem Daumen der rechten Hand betätigt wird.



Das Bandoneón im Tango

Das Bandoneón wurde zum Hauptinstrument des Tango und in vielen Tangotexten auch zur Hauptperson: Die Textdichter vermenschlichten den kleinen Blasebalg; nie wird er einfach nur gespielt, sondern er jammert, brummt, klagt und weint. Viele Tangopoeten haben dem Bandoneón ganze Texte gewidmet (z.B. Alma de Bandoneón, Bandoneón Arraballero).

Prominente Bandoneónisten sind der unvergessene Aníbal Troilo und Astor Piazzolla.

Der Klang eines Bandoneón ist Tangogefühl pur. Ein faszinierendes Instrument mit tausend Stimmen … Eine Musik, die einen unbarmherzig voller Liebe durch die Täler und über die Berge trägt.



Auch hier habe ich auf Informationen aus den Büchern "Tango" von Arne Birkenstock und Helena Rüegg und "TangoDimensionen" von Nicole Nau-Klapwijk zurückgegriffen.

Für alle, die (noch) mehr dazu erfahren wollen:
http://www.chemnitz-concertina.de/de/start.htm?menu=x01

 Tango = Weltkulturerbe von tangomax (02.10.2009 17:11) 
0 Kommentar(e)
Die UNESCO hat den Tango am Mittwoch als Weltkulturerbe anerkannt.
Artikel in der Presse mit Picture-Show von der Tango-WM.

http://diepresse.com/home/panorama/welt/511977/index.do?_vl_backlink=/home/panorama/welt/index.do

 El mudo von tangomax (30.09.2009 19:38) 
0 Kommentar(e)
Der Spitzname von Carlos Gardel (1890 - 1935) ist ein Spiel der Ironie: Seine stimmliche Genialität war so groß, dass das Volk ihn den Stummen, el mudo, taufte.

Er war von Geburt Franzose und hieß eigentlich Gardes, kam aber schon in jungen Jahren nach Argentinien. Nach seinen Anfängen in einem Kinderchor trat er bereits 1908 in Vororten von Buenos Aires auf den Straßen und Plätzen sowie in Kneipen (Boliches) als Volkssänger mit einem zunächst noch rein folkloristischen Repertoire auf.

Eine Anekdote erzählt, dass er bei seinem ersten Engagement, als er erfuhr, dass sich die angebotene Gage von 70 Pesos pro Abend und nicht pro Monat verstand, ausrief: "Dafür spülen wir sogar die Teller."

Später spezialisierte er sich immer mehr auf den Tango, den er meist zur Begleitung eines Gitarristen vortrug und entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Sänger Lateinamerikas und größten Stars der spanischsprachigen Welt, dessen Schallplatten höchste Verkaufsziffern ereichten.

Seine Stimme und sein Charme begeisterten Menschen auf der ganzen Welt, umso mehr, als er in mehreren berühmten argentinischen Filmen, die damals mit der Produktion aus Hollywood konkurrierten, die Hauptrolle spielte, z.B. Tango Bar, Volver (Zurückkommen) und El día que me quieras (Der Tag an dem du mich lieben wirst), der zugleich einer seiner schönsten Tangos ist.

1934 lernte er Astor Piazzolla kennen. Als der gefeierte Star hörte, dass der 13jährige nicht nur Bandoneon spielte, sondern auch fließend englisch sprach, engagierte er ihn als Dolmetscher. Astor erhielt sogar eine kleine Rolle im Film "El día que me quieras", den Gardel gerade drehte.

Dass der Vater Piazzollas das Angebot des berühmten Sängers ablehnte, ihn zu begleiten, rettete Astor das Leben, denn Carlos Gardel starb 1935 während seiner letzten Tournee bei einem Flugzeugzusammenstoß. Seine Beliebtheit in Argentinien erhielt durch seinen tragischen Tod weitere Impulse und noch heute wird sein Grab in Buenos Aires am Friedhof Chacarita täglich mit frischen Blumen geschmückt und in der rechten Hand seines Denkmals steckt meist eine frisch angezündete Zigarette. Angeblich bringt es Glück, den Fuß an seinem Denkmal zu berühren und es heißt auch so viele Jahre nach seinem Tod noch: "Cada día canta mejor". (Jeden Tag singt er besser.)


Das schönste Kompliment, das man in Argentinien bekommen kann, ist "Sos Gardel" ("Du bist Gardel"), das bedeutet "Du bist der Größte, Du bist unschlagbar, Du hast es geschafft".

Free Image Hosting at <a href=www.ImageShack.us" />
Zum Vergrößern des Bildes einfach draufklicken !!!

Auch wir haben ihn schon an seiner letzten Ruhestätte besucht. Aus einem Autoradio klangen seine Lieder, während er eine neue Zigarette bekam - sehr ergreifend ...

 Gotan = Tango von Karin (15.09.2009 10:53) 
0 Kommentar(e)
Gotan ist ein Ausdruck aus dem Lunfardo (von Lunfar = Spitzbube), der bereits im 19.Jhdt in den Vorstädten und Armenviertel der Städte Buenos Aires und Montevideo entstand und als Mischsprache bzw. Dialekt unter den ärmeren Bevölkerungsschichten, die aus verschiedenen Nationen stammten und am Rio de La Plata gestrandet waren, Verbreitung fand.

Der Lunfardo-Forscher Jorge A. Bossio hat im Verlauf seiner Nachforschungen über die Herkunft des Vokabelschatzes des Lunfardo folgende Komponenten ermittelt, aus denen sich dieser Dialekt aufbaut: 78,5% spanisches Wortgut, 12,6% italienisches, 0,65 englisches, 0,8% indianische, 2,3% zigeunerische, 1% portugiesische, 0,6% gaunersprachliche, 3,1% galizische und 0,1% afrikanische Wörter.

Ab etwa 1920 ließen namhafte Textdichter in die von ihnen verfassten Tangotexte verstärkt Lunfardo-Worte oder auch ganze Satzkonstruktionen einfließen, die dann z.B. von Carlos Gardel gekonnt interpretiert wurden.

Der Lunfardo ist frech, direkt und für Außenseiter vollkommen unverständlich. Besonders charakteristisch ist das typische hablar al verre (von hablar al reves = das Rückwärtssprechen der Wortsilben).

Aus vino wird novi, aus muchachos chochamus und aus tango gotan. Auch bacan (= Zuhälter) ist ein Lunfardo-Ausdruck, der sich häufig in Tango-Texten findet.

Verschiedene diccionario de lunfardo sind auf dem Markt erhältlich - die academia de lunfardo beschäftigt sich ausschließlich mit ihm und Texten aus der Tangowelt.

Fest steht jedenfalls, dass er untrennbar mit dem Tango verbunden ist. In fast allen Tangotexten taucht er auf, manche Texte (viel gesungen von Edmundo Rivero) sind regelrechte Meisterwerke dieses Dialekts.

Und es gibt noch eine weitere Gemeinsamkeit - der Lunfardo ist, genau wie der Tangotanz, eine mögliche Form, sich von der feinen Gesellschaft abzugrenzen und dagegen aufzulehnen.


Die Infos dazu habe ich aus mehreren Büchern zusammengefasst, aber großteils dem „Tangolexikon“ von Egon Ludwig entnommen.

 Jeder kennt ihn ... von tangomax (05.09.2009 11:17) 
0 Kommentar(e)
Zu "La Cumparsita" hat jeder schon oft getanzt, aber nicht jeder weiß, worum es in diesem Tango von Pascual Cantursi/Enrico Pedro Maroni (Text) und Gerardo Hernán Matos Rodriguez (Musik) aus dem Jahr 1924 wirklich geht.

Er ist sicher der erfolgreichste Tango, der jemals geschrieben wurde, als Instrumentalstück wurde er bis heute weltweit tausendfach eingespielt, überwiegend im Stile des euopäischen Tanzschultango. Deshalb wird häufig vergessen, dass dieses Stück zum Standardrepertoire des Tango Argentino gehört. Auf vielen Milongas wird er am Anfang und/oder als letztes Stück gespielt.

Durch ein anderes Lied, "Mi noche triste", erfolgreich, wurde der Herzschmerz des gehörnten Machos zum Lieblingsthema des Textdichters Contursi. In "La cumparsita" greift er die Klage des verlassenen Mannes mit fast identischen Worten wieder auf:

Su supieras, que aún dentro de mi alma,
conservo aquel carino que tuve para ti ...

Wenn Du wüsstest, dass tief in meiner Seele noch
jene Liebe schlummert, die ich für Dich empfand ...

Quíen sabe si supieras que nunca te he olvidado,
volviendo a tu pasado te acordarás de mí ...

Wer weiß, wenn Du wüsstest, dass ich Dich nie vergessen habe,
und wenn Du dann zurückschaust, ob Du Dich dann nicht auch an mich erinnern würdest.

Los amigos ya no vienen ni siquiera a visitarme,
nadie quiere consotarme en mi aflicción ...
Desde el día que tu fuiste siento angustias en mi pecho.
Decó, percanta, qué has hecho de mi pobre corazón?

Unsere Freunde besuchen mich schon längst nicht mehr,
keiner will mich trösten in meinem Leid ...
Seit dem Tag, an dem Du fortgingst, hab ich Schmerzen in meiner Brust,
sag, Flittchen, was hast Du nur aus meinem armen Herzen gemacht.

Sin embargo, yo siempre te recuerdo con el carino santo que tuve para tí.
Y estás en todas partes, pedazo de mi vida,
y aquellos ojos que fueron mi alegria los busco por todas partes y no los puedo hallar.

Trotzdem werde ich immer an Dich denken mit der heiligen Zuneigung, die ich für Dich hatte.
Denn Du bist überall, Teil meines Lebens,
und jene Augen war'n mein Glück, überall suche ich danach, aber kann sie nirgends finden.

Al cotorro abandonado ya ni el sol de la manana asoma por la ventana como cuando estabas vos,
y aquel perrito companero que por tu ausencia no comía
al verme solo el otro día también me dejó.

Nicht einmal mehr die Morgensonne scheint durchs Fenster in meine verlassene Bude.
Und unser Freund, der kleine Hund, der nicht mehr fraß, seitdem Du weg warst,
als er mich neulich so verlassen sah, verließ auch er mich.


Klingt heutzutage eher schmalzig ... oder?


(Text und Übersetzung aus dem Buch TANGO von Arne Birkenstock und Helena Rüegg)

 Tangogebote von Karin (06.08.2009 18:51) 
0 Kommentar(e)
Die 10 Tango-Gebote vom Osterfestival in Basel 2009 - von uns kommentiert


1. The man shall address the woman from a middle distance with a cabeceo
Auffordern mit Blickkontakt bzw. Zunicken aus einer mittleren Distanz (für die Kurzsichtigen unter uns) ist die richtige Methode, um sowohl Frauen als auch Männern zu verstehen zu geben, dass man gerne mit ihnen tanzen möchte. Reagiert der gewünschte Tanzpartner nicht darauf, ist es in Buenos Aires absolut unüblich, ihn verbal zum Tanz zu bitten, kommt aber in Europa (leider) immer öfter vor. Kommt auch nicht gut: von hinten antippen und so überrumpeln ...

2. You shall dance in circles
Es gibt einen äußeren und einen oder auch mehrere innere Kreise auf der Tanzfläche, innerhalb derer man sich immer nur in eine Richtung bewegen soll. Wer in Buenos Aires gegen die Tanzrichtung unterwegs ist oder rücksichtslos tanzt, erntet böse Blicke und wird oft sogar so "eingesperrt", dass er aus seiner Ecke nicht mehr wegkommt.

3. The circles shall be in a continuous flow
und dort soll man sich auch bewegen und die anderen Paare nicht über Gebühr aufhalten - dann muss man auch nicht überholen und es kommt zu keinen Staus. Am schönsten ist es, wenn der Tanz fließt und alle immer in Bewegung sind, vor allem beim vals.

4. While dancing men and women shall be awake
Zumindest der Herr muss während des Tanzens die Augen offen halten, auch wenn es manchmal schwerfällt :-))) Die Damen verlassen sich darauf, dass sie nirgends anstoßen und haben ja hinten keine Augen (abgesehen davon, dass sie ohnehin meist geschlossen sind). Boleos, ganchos und sacadas nur dann führen, wenn kein anderes Paar (oder Tische/Sessel etc.) in Gefahr ist, etwas abzubekommen. Auch weit ausholende Verzierungen der Damen sind nur dann angebracht, wenn vom Platz her die Möglichkeit dazu besteht.

5. The couple's embrace shall be light and tender
Klammergriffe sind out - zu enge Umarmungen sind nicht nur unangenehm, sie schränken die Damen auch in ihrer Bewegungsfreiheit ein und machen das Tanzen noch schweißtreibender, als es ohnehin schon ist. Die Damen sollten ebenfalls in ihrer eigenen Achse stehen und sich nicht am Tanzpartner festkrallen.

6. You shall dance to the music
Tanze zur Musik - aber mach' kein Wettrennen mit ihr. Auch wenn das Figurenrepertoire eines Tänzers/einer Tänzerin nicht übermäßig groß ist, kann es ein sehr schönes Tanzerlebnis sein, wenn er/sie in der Musik tanzt.

7. Men and women shall have good breath and charming perfume
Ein angenehmer Duft erfreut sowohl die Damen- als auch die Männernasen. Zum Glück gibt es im 21.Jhdt. jede Menge Parfums, Deos, Kaugummis und den Atem erfrischende Zuckerl.

8. During a tanda you shall not change partners
In Buenos Aires umfasst eine tanda 3 - 5 Tänze, bei der cortina (= Zwischenmusik) trennen sich die Tanzpartner wieder. Das vorzeitige Beenden einer tanda oder gar eines Tanzes drückt Missfallen aus. Werden in Europa cortinas gespielt, umfasst eine tanda in der Regel 4 Tänze: Einen zum Begrüßen, einen zum Kennenlernen, einen zum Genießen und einen zum Verabschieden. PuristInnen beschränken sich auch ohne cortina auf 4 Tänze.

9. You shall keep your tango alive
Auch für den Tango gilt - regelmäßiges Lernen und sich Weiterentwickeln sind wichtig, um ihn in uns am Leben zu erhalten.

10. You shall respect and cherish your god
... es heißt, nicht WIR suchen uns den TANGO aus, sondern ER UNS. großes Grinsen

 Figurensucht von tangomax (19.07.2009 14:57) 
0 Kommentar(e)
Oft verflacht der Tango gerade im Ausland zu einer choreographischen Hülle, einem Figurenpanzer. Auf Grund des fehlenden Stimulus des Umfeldes, vielleicht auch, weil man glaubt, durch eigenes Interpretieren die Authentizität zu gefährden.

Tatsache ist, dass die intensive Lebendigkeit des Tanzes ohne ein unmittelbares Vorbild oder den Rahmen des natürlichen Umfeldes verblasst. Viele Tänzer versuchen dieses fehlende Gefühl zu ersetzen und das "Gefühlsloch" zu füllen. Meist geschieht dies jedoch nicht durch das Suchen stimulierender Inhalte, sondern durch die Vergrößerung des Repertoirs und höhere Schwierigkeitsgrade.

Dieser Prozess bietet dem Tänzer zwar den Rausch der Aufregung, treibt ihn aber in seiner verzweifelten Suche nach Inhalt paradoxerweise zu choreographischer Arbeit. Ein Rausch, der auf der "Leistungsidee" basiert: Der natürliche Kreislauf des Tango kippt um, ihm fehlt der Zugang zum Fluss der Lebendigkeit. Der Tanz alleine kann sich nicht ernähren, aus der Bewegung allein kann die tanguidad nicht entstehen. Der Tänzer setzt aus dem Defizit an Emotionalität heraus die Bewegungsimpulse immer höher. Er tanzt schwierige Figuren und hat im ersten Moment damit Erfolg. Der Adrenalinspiegel steigt im Moment der Anspannung und Herausforderung. Das ersehnte Kribbeln stellt sich ein, doch schnell ist dieser Effekt abgenutzt. Und so schraubt sich die Spirale höher und höher. Das Dilemma einer sich endlos windenden Leistungsschraube. Immer mehr und immer stärker müssen die Bewegungen werden, damit überhaupt eine Stimulation stattfindet. Ein quälendes Gefühl der Leere macht sich breit, das in eine Art Figurensucht mündet.

Es ist wichtig, diesen Kreislauf zu durchbrechen (oder ihn erst gar nicht entstehen zu lassen). Niemals darf das Design, die Form an sich, im Vordergrund stehen. Niemals darf eine Schrittfolge wichtiger sein als das "Warum". Gloria Dinzel sagt, stellvertretend für viele Argentinier: "Se baila con el corazón". ("Man tanzt mit dem Herzen".)

Zitiert aus: "Tangodimensionen" von Nicole Nau-Klapwijk

 Veranstaltungshinweis von tangomax (06.07.2009 18:36) 
0 Kommentar(e)
http://www.tango-in-progress-vienna.at

Regelmäßige Workshops von Renata organisiert mit argentinischen LehrerInnen in Wien....

 Tangocamp Düsseldorf - Drumherum & Shows von tangomax (30.06.2009 19:49) 
0 Kommentar(e)
Zimmer im "Holiday Inn" wurden vom Veranstalter für uns gebucht. Optimale Lage, ca. 300 Meter vom Bahnhof und keine 10 Gehminuten vom Tanzhaus entfernt, in dem das gesamte Festival stattfand.
Schöne Zimmer mit perfekter Schallisolierung und unaufgefordertem Weckruf rechtzeitig zum reichhaltigen Frühstück.

Etwas enttäuschend war die Größe unserer Trainingsgruppe. Wir sind von max.15 Paaren lt. Programm ausgegangen, es waren aber mehr als 20 Paare.

Die Trainings- und Milongasäle im Tanzhaus waren leider nicht klimatisiert und die sommerlichen Temperaturen brachten uns ganz schön zum Schwitzen - besonders im großen Saal, wo am Freitag auch das Sextetto Milonguero live spielte. Aus diesem Grund haben wir auch nicht sehr viel von ihnen mitbekommen.
Im etwas kühleren Foyer wurde parallel Tango Nuevo gespielt, was wir voll ausgenutzt haben.

Bei den Shows fanden wir besonders bemerkenswert die Darbietungen von Alejandra & Adrian sowie von Nancy & Damian. Das Programm beider Paare war ausgesprochen schwierig - Alejandras Stil: sehr elegant und präzise.
Nancy schafft es mit dem Publikum zu kokettieren und gleichzeitig eine Einheit mit Damian zu sein.
Die Musik interpretiert perfekt die Schritte dieses Paares :-)))

Summasummarum: wenig Schlaf und sehr viele schöne Tänze machen uns für die Zukunft Lust, eventuell wieder mal (vielleicht auch an einem anderen Ort) ein Tangocamp zu besuchen.

 Tangocamp Düsseldorf 26.6. - 28.6.09 Die Lehrer von tangomax (30.06.2009 19:25) 
0 Kommentar(e)
Aufgrund unserer Selbsteinstufung waren wir in der Gruppe der weit Fortgeschrittenen. Kursinhalte und LehrerInnen wurden vom Veranstalter festgelegt.

Javier & Stella:
Top-Tänzer, persönliche Betreuung aber so gut wie nicht vorhanden. Javier gestaltet den Unterricht zwar ganz witzig, aber eher auf Kosten der TeilnehmerInnen. Die Kombination war auch eher dürftig. Aufgrund dieser Erfahrungen werden wir in zukunft keine Kurse bei ihnen belegen.

Ozhan & Serkan:
Die beiden Lehrer, die immer wieder die Rollen tauschen, verzetteln sich 5 Viertelstunden mit Giros. Da verspäteter Beginn und auch noch eine Pause, war die Nettounterrichtszeit eher kurz. Auch der Inhalt hat uns nicht begeistert. Für uns auch keine Favoriten.

Nancy & Damian:
Gewohnt gute Qualität - anspruchsvolle und schöne Kombination - aufmerksame Betreuung. Besser geht´s nicht.

Pablo & Dana:
Die unterrichteten Elemente haben uns sehr gut gefallen - schöne Verzierungen, flying steps - was will man/frau mehr. Herzliche und motivierende Betreuung.

Adrian & Alejandra:
Abschlußkurs mit sehr schwierigen Inhalten, die uns nach 3 durchtanzten Nächten ziemlich fordern. Sympathisches und engagiertes Lehrerpaar, dem wir eine große Zukunft vorhersagen.

 Salzburger Tangoball - wie fordere ich auf? von tangomax (04.05.2009 18:51) 
1 Kommentar(e)
Passt zu Enricos Gästebucheintrag vom 2.5.:

Auch wir waren am Wochenende in Salzburg, und zwar am Samstag beim Tangoball im Marmorsaal. Es war eine sehr gelungene Veranstaltung, das Trio Susanna Pocz in Höchstform und auch die Musik aus der Konserve von Francine sehr schön ausgewählt. Die Anzahl an möglichen TanzpartnerInnen war auch zufriedenstellend, aber... und jetzt komme ich auf die "nicht so gastfreundlichen" Männer zu sprechen:

Man sollte es vielleicht als Ehre empfinden, aber mir persönlich bereitet es eher Stress: Von 6 verschiedenen Damen wurde ich insgesamt 7x gefragt, ob ich mit ihnen tanzen möchte, würde, wie auch immer. Ich gehe mal davon aus, dass die Salzburger Herren auch diesbezüglich ziemlich eingeteilt werden und daher kaum Freiräume haben, um Tangueras von auswärts aufzufordern.
Mal nachrechnen: Mit der eigenen Partnerin möchte man (ich jedenfalls) ein paar Tandas tanzen, dann noch 6x (zumindest) 4 Tänze = 24x 3-4 Minuten = ca. 1,5 Stunden ohne Pause, also viel Zeit zum Auswählen bleibt den Herren nicht, die aus Höflichkeit jeder Aufforderung nachkommen.
Das haben wir noch an keinem Ort so extrem erlebt, wie in Salzburg und es tut mir leid, wenn ich mit meinen "Körben" einige Tänzerinnen gekränkt habe, mit denen ich zwar prinzipiell gerne getanzt hätte, die aber auf meine Initiative nicht warten wollten.
Da für die Damen von auswärts damit sehr lange Tanzpausen vorprogrammiert sind, hält sich die Lust, nach Salzburg zum Tanzen zu fahren, für das nächste Mal daher eher in Grenzen.

Wir möchten daher sowohl die DAMEN als auch die HERREN auf das erste der zehn "Gebote" aufmerksam machen, die am Festival in Basel sehr amüsant präsentiert wurden:

Schön zum Auffordern ist der Cabeceo (Nicken) - oder das Auffordern per Augenkontakt. Ursprünglich stammt dieser Brauch aus jener Zeit, in der die jungen Töchter "aus gutem Hause" von den Müttern begleitet und abgeschirmt zur Milonga kamen und sich so nicht mit fremden Männern zu einem Tanz verabreden konnten. Heimlichkeit war also angesagt - und ist es noch heute: Von weitem lässt man seinen Blick über die potentiellen TanzpartnerInnen schweifen und nickt dem/der "Auserwählten" kurz zu, hebt die Augenbrauen, blinzelt oder macht sich anderweitig bemerkbar. Reagiert der/die Angesprochene, so trifft man sich an der Tanzfläche: Sie wählt den direkten und kürzesten Weg dorthin, der Mann holt sie ab.

Heute ist dieser Brauch eigentlich überflüssig - sind die Frauen doch emanzipiert und können durchaus mit einem fremden Mann zur Milonga gehen. Dennoch wird dieser Brauch gerne und ausgiebig praktiziert. Sein Vorteil und sein Reiz liegen nicht im Annehmen, sondern im Ablehnen: Will man nicht mit diesem Partner tanzen, so genügt ein einfaches Wegsehen - und keiner der beiden hat sein Gesicht verloren, weil er gefragt und einen Korb bekommen oder sich mit einer Notlüge entzogen hat.

Was meint Ihr dazu?

 Ostertango Basel - Resümee von tangomax (19.04.2009 17:09) 
0 Kommentar(e)
Sehr teures Festival, aber für uns das bisher schönste und jeden Franken wert.
Wir wohnten im Hotel BASILISK (sehr zentral, relativ günstig, gutes Frühstücksbuffet) von dem aus alle Kursorte bequem zu Fuß erreichbar waren.

http://www.altbasel.ch/fragen/basilisk.html
Danke Renato!!


Super: Gratiskarte für die öffentlichen Verkehrsmittel für die Dauer des Aufenthalts.
Im Festivalhaus sehr große CD- und Schuhauswahl (auch Comme il faut und Neo Tango), aber alles andere als billig.

 Ostertango Basel - Colores de Tango von tangomax (19.04.2009 17:03) 
0 Kommentar(e)
Tangoshow am Theater Basel:
2 Tanzpaare mit zeitgenössischem Tanz, der unseren Geschmack nicht getroffen hat. Zwar interessant und sicher auch sehr schwierig, hat für uns mit Tango aber wenig zu tun.
Gustavo & Giselle hingegen zeigten eine meisterhafte OBLIVION-Interpretation und ihr erstes Stück tanzten sie zusammen, ohne sich zu berühren, und das auf höchstem Niveau - wahnsinnig schwer, vor allem für die Dame - alleine deshalb schon sehenswert.
Ruben & Sabrina: ebenfalls sehr beeindruckender Bühnentango

 Ostertango Basel - Milongas + Rahmenprogramm von tangomax (16.04.2009 21:07) 
0 Kommentar(e)
Jeden Abend sehr gut besucht, man sollte sich daher gut auf engem Raum bewegen können. Für uns beide viele schöne Tanzerlebnisse, die auch sehr viel zum positiven Gesamteindruck beitragen.

Gelungene Eröffnungsshow mit den "10 Tangogeboten!", die für jede/jeden ernsthafte/n TangotänzerIn eine Selbstverständlichkeit sein sollten.
Wir werden sie in nächster Zeit in einem eigenen Beitrag festhalten.

Am Sonntag mit "Orquestra Tipica Silencio" in Großformation: DAS Tanzorchester schlechthin


Freitag: "Tango for 3": ein musikalisches Erlebnis mit humoristischen Einlagen. Traditionelle Tangos in neuer Interpretation, Eigenkompositionen und im zweiten Teil einige auf Tango umkomponierte bekannte Melodien (z.B: Abba - Money, money; Brahms; Grieg), sowie einige Stücke von Astor Piazolla. Ausserdem eine Hommage an den Erfinder des Bandoneons Heinrich Band und dessen britischen Nachkommen James Bond :-)))
Wenn sich die Gelegenheit bietet => unbedingt anschauen - SENSATIONELL!!!


Ausser bei der Abschlussmilonga gab es jeden Abend auch von einigen Lehrerpaaren Vorführungen.

 Ostertango Basel 2009 - Die Lehrer von tangomax (15.04.2009 12:21) 
0 Kommentar(e)

Joachim Dietiker & Michelle Marsidi: Volcadas mas elementos
Unterricht in Deutsch und Englisch; arbeiten fix in Basel; unterstützen den Unterricht mit Visualisierungen; kommen von selbst zu jedem Paar und geben Tipps; bessere Paare, die das normale Programm schon beherrschen, erhalten zusätzliche individuelle Inputs.



Ezequiel Farfaro & Claudia Jacobsen: Piernazos con Ganchos
Unterricht anfangs unstrukturiert - im Verlauf der Klasse jedoch noch sehr ansprechende Gancho-Kombination; leider sind wir zum eigentlichen Thema (Pienazos) trotz 10-minütigen Überziehens nicht mehr gekommen. Mitgrund wie so oft => manche Paare haben sich zu hoch eingestuft!!



Gustavo Naveira & Giselle Anne: Vals-Rhythmus-Variationen und Colgadas
Sehr anspruchsvoller Unterricht, methodisch-didaktisch sehr gut, ziehen das Programm durch und orientieren sich dabei an den Besseren; leider darf nicht gefilmt werden. Toller Unterricht, aber unbedingt Niveau beachten, sonst bringt es nichts.



Pablo Villarraza & Dana Frigoli: Combinaciones para la pista
Versprochen - Gehalten; sehr schöne tanzbare Kombination und individuelle Betreuung; sehr sympathisches Paar, das den Unterricht immer mit ca. 10 Minuten Dehnungsübungen beginnt.



Pablo Pugliese & Noel Strazza: Milonga; Barridas con Colgadas; Dearrastres con Volcadas
Auch hier waren wir mit dem Unterricht sehr zufrieden. Zum Schärfen der Aufmerksamkeit gibt es ganz zum Schluss immer einen kurzen Partnerwechsel. Sehr tanzbare Schrittfolgen mit wertvollen Technik-Inputs.

 Malena von tangomax (09.03.2009 20:23) 
0 Kommentar(e)
Malena canta el tango como ninguna
y en cada verso pone su corazon.
A yuyo del suburbio su voz perfuma,
Malena tiene pena de bandoneon.

Malena singt den Tango wie keine andere
und legt ihr Herz in jeden Vers hinein.
Den Duft von Vorstadtunkraut gibt sie ihrer Stimme,
und es ist der Kummer des Bandoneon den sie hat.

Tal vez, alla en la infancia, su voz de alondra
tomo ese tono oscuro del callejon,
o acaso aquel romance que solo nombra
cuando se pone triste con el alcohol.

Vielleicht erhielt ihre Lerchenstimme dort in der Kindheit
diese dunkle Färbung einer engen Gasse,
oder es war jene Romanze, von der sie nur spricht,
wenn der Alkohol sie traurig macht.

Malena canta el tango con voz de sombra;
Malena tiene pena de bandoneón.

Malena singt den Tango mit Schattenstimme;
Malena hat den Kummer des Bandoneon.

Tu cancion
tiene el frio del ultimo encuentro,
tu cancion
se hace amarga en la sal del recuerdo.
Yo no se
si tu voz es la flor de una pena,
solo se que al rumor de tus tangos, Malena,
te siento mas buena,
mas buena que yo.

Dein Lied
hat die Kälte der letzten Begegnung,
Dein Lied wird bitter im Salz des Abschieds.
Ich weiß nicht
ob Deine Stimme die Blume eines Kummers ist,
ich weiß nur, dass beim Rauschen Deiner Tangos, Malena,
ich Dich für besser halte,
für besser als mich.

Tus ojos son oscuros como el olvido,
tus labios, apretados como el rencor,
tus manos, dos palomas que sienten frio,
tus venas tienen sangre de bandoneon.

Deine Augen sind dunkel wie das Vergessen,
Deine Lippen zusammengepresst wie der Groll,
Deine Hände, zwei Tauben, die frieren,
Deine Adern haben das Blut des Bandoneon.

Tus tangos son criaturas abandonadas
que cruzan sobre el barro del callejon,
cuando todas las puertas estan cerradas
y ladran los fantasmas de la cancion.
Malena canta el tango con voz quebrada;
Malena tiene pena de bandoneon.

Deine Tangos sind verlassene Geschöpfe,
die den Schlamm der Gasse überqueren,
wenn alle Türen geschlossen bleiben
und die Liedgespenster bellen.
Malena singt den Tango mit matter Stimme;
Malena hat den Kummer des Bandoneon.

deutsche Übersetzung: Dieter Reichardt


 Pausen tanzen von tangomax (09.03.2009 20:22) 
0 Kommentar(e)
Der Tango ist wohl der einzige Tanz, in dem die Nichtbewegung Teil des Tanzes ist. Der Moment, an dem das Paar scheinbar stillsteht. In den Worten des milonguero Gerardo Portalea: "Hay que bailar los silencios. Hay que bailar los violines. Aunque no existan." (Man muss die Stille tanzen. Und die Violinen. Auch wenn es sie nicht gibt.) Die Entdeckung der Pause ist ein wichtiger Aspekt der Dynamik. Bis ich die Pause im Tango entdeckte, war Tanz für mich immer Bewegung. Ich bewegte mch rhythmisch, schwungvoll zum Takt, schnell oder langsam. Doch immer war ich in Bewegung. Jeden Stopp im Tango empfand ich anfangs als ein Nicht-Tanzen. Jede Figur erriet ich mit Leichtigkeit und war schon weg, bevor mein Partner mich durch seine Führung ausdrücklich darum bitten konnte. Ich war leichtfüßig und geschmeidig, anmutig und kreativ, wenn es darum ging, Bewegung zu entdecken.

Dann, eines Tages, stand das Paar plötzlich still. Ricardo und ich, mitten in einer Bewegung. Es war eine andere Stille als bisher. Kein Stoppen, sondern ein in sich schwingendes inneres Bewegen. Ein Verhalten in Erwartung.

Ist ein Paar in Bewegung, so liegt die hauptsächliche Aufmerksamkeit im Beinbereich. Dies wird besonders auffällig bei hohem Tempo der Bewegungsabläufe. In der Stille jedoch sind die Beine plötzlich stumm. Dies hat zur Folge, dass alle Aufmerksamkeit in die Oberkörper wandert und damit die Bedeutung der engen Umarmung wächst. Dies ist der Moment höchster Spannung, auch weil jetzt nichts mehr ablenken kann von dem, was wirklich ist. Die Pause ist "die Sekunde der Wahrheit". Während man in der Bewegung so alles mögliche "weghampeln" kann, muss man beim Tanzen der Pausen wirklich alles mögliche "aushalten" können.

Nicht jeder Tangotänzer tanzt die Pause. Pausen zu tanzen ist nicht nur eine Frage des Könnens, sondern auch eine Frage des Stils und sicherlich auch eine Temperamentsache. Pausen tanzen ist ein Hochtreiben der Spannung. Ein Deckel, der verhindert, dass der Dampf dem kochenden Topf entweichen kann. Ein Zurückhalten und Verweigern der Entladung.

Die Könner und Genießer wissen, dass sie im Tango möglichst wenig Spannung entladen dürfen, um in den höchsten Genuss zu kommen. Ein guter und erfahrener Tangotänzer tanzt maximal die Hälfte dessen, was ihn bewegt. Niemals alles. Diese Zurückhaltung bewirkt, dass der Tänzer die eigene Spannung nicht verliert, sondern sie potenziert. Es ist ein ständiges Gegenhalten und Innehalten, ein "noch nicht" oder "nicht jetzt". Ein Verhalten, das den Tango nährt.

Man kann sich Pausen nehmen voneinander und füreinander. Sie entstehen wie der Wunsch für ein wenig mehr Zeit. Zeitlos und genussvoll. Der Tanz verzögert sich, langsam oder abrupt, bis er zum Stillstand kommt. Die Pause verbindet das Paar. Bereitet es vor. Ein Körper mit 4 Beinen, der wie aus einer Seele tanzen wird. Während der Pause fließt die Musik weiter. Der Rhythmus zieht vorbei und pulsiert dennoch. Man muss ihn ziehen lassen können - bis der Moment gekommen ist für den gemeinsamen Schritt.

Zitiert aus: TANGO Dimensionen von Nicole Nau-Klapwijk (Verlang Kastell), erhältlich bei amazon.